hirnschwund.net

hirnschwund.net-Forum

Ein unfertiges Gesamtkunstwerk.

Niemand im VoiceChat.

Du bist nicht angemeldet.

#1 02.01.2017 22:24:28

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
Ort: Rostock
Registriert: 20.06.2016
Beiträge: 2.426
Webseite

Facebook Instagram Twitter GitHub YouTube Deviantart

Löten auf Lehramt

Ich bastle ständig an elektronischen Geräten herum und habe auch weiterhin vor, einige meiner Projekte für hirnschwundTV zu verbraten. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, also hier ein paar progress reports.
---
Ich habe vor einigen Monaten ein altes Notebook geschenkt bekommen: ein IBM Thinkpad A20p:
mini_IMG_20170102_154828.jpg

Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen - drin steckt ein Pentium III 700Mhz (habe aber noch einen 1GHz rumliegen), 512MB RAM und ein Display mit 1400x1050-Pixeln. Dazu eine ATI Rage mit 16MB Videospeicher und alles von Windows 95 unterstützt. Fett. Das perfekte Gerät, um all die alten Spiele aus meiner Kindheit ruckelfrei abfahren zu können.

Warum ich das Ding monatelang nicht angefasst habe? Es ist ein nerviges Supervisor-Passwort gesetzt und ich kann es nicht starten:
mini_IMG_20170102_155435.jpg

Dieses Passwort lässt sich nicht auf normalem Wege entfernen, da es auf einem Chip auf der Hauptplatine des Gerätes gespeichert wird. Laut diesem Artikel reicht es einfach aus, auf diesem Chip die Data- und Clock-Rails kurzzuschließen, damit von dem Chip keine Daten mehr gelesen werden können und die Passwort-Abfrage nicht mehr erscheint. Ich löte also zwei Kabel an den Chip:

mini_IMG_20170102_171650.jpg
mini_IMG_20170102_171702.jpg

Meine Lötarbeit ist super, allerdings lässt sich das Gerät damit nicht überreden, das verdammte Passwort zu überspringen. Egal zu welchem Zeitpunkt ich die Kabel miteinander verbinde, dies stoppt sofort den Bootvorgang und das Gerät lässt sich nur noch ausschalten. Die IBM-Entwickler wussten genau was sie taten.
Ich vermute, dass die Absicherung auf den "kleineren" Modellen nicht so rigoros durchgesetzt wurde und es daher dort funktioniert. Allerdings war das A20p damals eins der teuersten Business-Notebooks und somit unter Umständen nicht so leicht auszutricksen.

Ein anderer Blogartikel sprach davon, dass lediglich die Datenleitung gegen Masse gehalten werden muss, damit sich das Gerät überreden lässt, also unternehme ich noch einen verzweifelten Versuch und führe dies durch:
mini_IMG_20170102_192514.jpg

Das Ergebnis ist ernüchternd und ich komme weiterhin nicht an der Passwortabfrage vorbei. Nun bleibt mir nur noch eine Möglichkeit: Ich muss mir ein Lesegerät bauen, um damit das Passwort auslesen zu können oder eins kaufen. Oder einen Service beauftragen, der das für mich macht. Da mich die letzteren zwei Optionen ab 30 Euro aufwärts kosten würden und das Gerät vielleicht mit viel Glück noch gerade so viel wert ist, sehe ich davon ab.

Ich entscheide mich dazu, ein Adapterkabel für einen seriellen Anschluss zu bauen. Dazu benötige ich lediglich einen Stecker, zwei Widerstände und zwei Dioden. Auf diese Teile werde ich nun warten.

In der Zwischenzeit muss ich mir überlegen, wie ich das Gehäuse des Gerätes aufarbeite. Die Scharniere sind inzwischen so verharzt und schwergängig, dass sich beim Öffnen des Displaydeckels einige Schrauben aus dem Geräuse gerissen haben. Außerdem ist eine Gehäuseecke kurz davor, abzubrechen. Ich denke, dort werde ich in den nächsten Wochen mit Blech und Zweikomponentenkleber nacharbeiten müssen.

To be continued...

Offline

#2 07.01.2017 18:34:48

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
Ort: Rostock
Registriert: 20.06.2016
Beiträge: 2.426
Webseite

Facebook Instagram Twitter GitHub YouTube Deviantart

Re: Löten auf Lehramt

Es ist Wochenende! Zeit, mal wieder den Kolben mit seinem dicken Schaft auszupacken und Zinn zu verflüssigen.

Ich beginne meine Arbeit heute damit, den EEPROM-Reader fertigzustellen, um damit das Passwort auszulesen. Durch die geringe Anzahl der Bauteile passt dieser in das Ende eines seriellen Steckers hinein und sieht nach getaner Arbeit so aus:

mini_IMG_20170107_163620.jpgmini_IMG_20170107_163635.jpg

Damit ich später beim Anschließen der drei Leitungen (Masse, Clock und Data) nicht durcheinanderkomme, verwende ich ein altes Lautsprecherkabel sowohl auf der Readerseite als auch auf dem Mainboard des Notebooks:
mini_IMG_20170107_164628.jpgmini_IMG_20170107_173759.jpg

Dann fahre ich den gesperrten Rechner hoch und warte, bis die Passwortabfrage erscheint. Ich verbinde die Kabel in folgender Reihenfolge mit dem Reader: Ground (keine Abschirmung), Clock (weiß) und Data (rot).

Auf einem zweiten Computer benötige ich nun die zwei Programme 24rf08.exe und IBMPass 2.1. Ich habe mir zuvor einen verdammten Wolf gesucht, diese zwei Dateien zu finden und viel zu lange dafür gebraucht, deshalb lade ich sie einfach mal hier rein und hoffe, dass das in Zukunft vielleicht mal jemandem hilft:
24RF08.rar
setup_ibmpass21.zip

Mit 24rf08.exe ziehe ich die Daten aus dem Chip raus, mit IBMPass 2.1 wandle ich sie in ein lesbares Format um:
mini_eeprom.pngmini_eeprom2.png

Das Passwort lautet somit

UT1MAC0

Da wäre ich nie im Leben drauf gekommen.

Die Kiste startet nun wieder und kann von mir genutzt werden.
mini_IMG_20170107_180216.jpg

Mein nächstes Ziel ist die Reparatur der Displayscharniere. Diese sind so verharzt, dass sie sich mit bloßen Händen nicht mehr bewegen lassen. Nur wenn mir dies gelingt, macht eine Gehäusereparatur Sinn.

Sie sehen auf den ersten Blick aus, als könnte man sie nicht auseinanderbauen, doch dazu später mehr...
mini_IMG_20170105_165459.jpg

Offline

#3 07.01.2017 21:03:22

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
Ort: Rostock
Registriert: 20.06.2016
Beiträge: 2.426
Webseite

Facebook Instagram Twitter GitHub YouTube Deviantart

Re: Löten auf Lehramt

Unter relativ großem Kraftaufwand ist es tatsächlich möglich, die Scharniere auseinanderzuziehen. Ich reinige diese von altem, eingetrockneten Schmierfett, haue 1-2 Tropfen Feinmechaniköl ran und baue sie wieder zusammen.

Keine Verbesserung. Sie lassen sich immer noch nicht mit der Hand bewegen.

Letztendlich bleibt mir nur die radikale Option, meinen kleinen Hobbydrill mit den Schleifaufsätzen auszupacken und von der Welle ein wenig Material abzutragen. Dies muss ich insgesamt 3mal machen, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin und die Scharniere mit der Hand bewegen kann.

mini_IMG_20170107_193932.jpg

So weit, so gut. Jetzt kann ich mich endlich an den letzten Teil meiner Reparatur wagen: Die Wiederaufarbeitung des Gehäuses. Zuerst fällt mir auf, dass eine der ursprünglich ins Gehäuse geschraubten Muttern (oder wie auch immer man diese Teile nennt) mit "rausgekommen" ist:
mini_IMG_20170107_201332.jpg

Die muss natürlich wieder in das Gehäuse hinein - an ihrem ursprünglichen Platz ist zum Glück noch so viel Material vorhanden, dass sie sich von alleine wieder hineinpressen lässt. Ich vertraue dieser Konstruktion allerdings nicht so richtig, deshalb fixiere ich sie noch mit etwas Epoxidharz:
mini_IMG_20170107_201801.jpgmini_IMG_20170107_202013.jpgmini_IMG_20170107_202919.jpg

Das darf jetzt erst einmal bis morgen aushärten - während ich darauf warte, schneide und biege ich mir aus 0.8mm-Blech noch eine kleine Brücke zusammen, die später darüber angebracht wird und dem Scharnier (hoffentlich) wieder Stabilität geben wird:
mini_IMG_20170107_201604.jpg

Wenn alles nach Plan verläuft, wird diese Brücke morgen mit Bohrlöchern versehen und danach ebenfalls mit Epoxy befestigt.

Offline

#4 12.01.2017 22:40:20

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
Ort: Rostock
Registriert: 20.06.2016
Beiträge: 2.426
Webseite

Facebook Instagram Twitter GitHub YouTube Deviantart

Re: Löten auf Lehramt

Dieses Plättchen habe ich am nächsten Tag noch mit 3 Bohrlöchern versehen, mit Schleifpapier angeraut und sowohl auf der Unter- als auch auf der Rückseite mit Epoxy verklebt. Nach einem Tag Aushärtung wurde das Gerät wieder zusammengebaut...und es hält! Bombenfest! Man kann die Schraube für die eingepresste Mutter nun sogar kaputtdrehen, wenn man will. Es gibt auch keine hässlichen Knack- und Knirschgeräusche mehr beim Öffnen des Deckels. love

Allerdings muss ich sagen, dass der Zahn der Zeit doch stark am Material nagt. Das Plastik erscheint mir allgemein sehr brüchig - so kam mir ein Teil des Displayrahmens bereits entgegen, der an einer Stelle fast von alleine auseinanderfiel. Das wird mit der Zeit sicher nicht angenehmer für die alten Schätze. cry

---

Auf der Betriebssystemseite wollte ich einen XP- und Win 98SE-Dualboot hinbekommen und zwar so, dass beide Systeme sich auf Laufwerk C: installieren. Das Ganze hinzubekommen ist eine Tortur, aber letztendlich so möglich:

1. Zuerst wird Windows 98SE installiert. Im Gerät steckt eine 100GB-Platte, aber mehr als 30GB mag das System nicht wirklich, also erstelle ich mit Hiren's Boot CD und dem darauf befindlichen Partition Wizard erstmal eine 25GB-FAT32-Partition (primär). Damit Scandisk später nicht rumjammert, musste diese unbedingt mit "Align" noch auf die richtige Größe gebracht werden - außerdem natürlich aktiv geschaltet sein.

Die Installation von Windows 98SE verlief unspektakulär und sehr entspannt. Nach 20min ist alles drauf.
Allerdings hat IBM beim letzten BIOS für das Gerät etwas kaputtgemacht, sodass alle Vollbildanwendungen auf dem Bildschirm nicht zu sehen sind - er bleibt einfach schwarz, bis auf die Hintergrundbeleuchtung.

Nach mehreren Neuinstallationen, Flüchen, noch mehr Neuinstallationen, und Bissen in die Tischkante kam ich irgendwann auf diesen Trichter. WHAT THE FUCK WIESO IST DAS KEINEM AUFGEFALLEN? mad Waren wohl gegen Mitte 2003 (Datum meiner installierten BIOS-Version) schon alle auf XP gewechselt...

Mit einem PCMCIA-USB-Adapter, NUSB und dem inoffiziellen Service Pack 2.1 für Windows 98SE kann ich nun auch meine USB-Maus, einen WLAN-Adapter und all meine USB-Sticks benutzen. 64GB-USB unter Windows 98SE, geile Sache. lol Es gibt sogar ein Projekt namens KernelEx mit dem neuere Programme auf dem OS laufen, wenn man unbedingt noch damit im Internet surfen will. Pro-Tipp: Es macht keinen Spaß.

2. Die Installation von Windows XP ist danach möglich. Hier griff ich gleich zu der Version mit dem integrierten inoffiziellen Service Pack 4, damit ich noch eine Weile mit Sicherheitspatches versorgt werden kann.

Damit XP sich nicht auf Laufwerk D: installiert, musste vor der Installation auch hier wieder Hiren's Boot CD gestartet und eine NTFS-Partition als zweite primäre Partition erstellt werden. Diese muss aktiv sein.

Tischkantenbisse Version 2: Ich habe es nach mehreren Stunden nicht geschafft, Windows XP direkt auf dem Teil zu installieren. Es blieb immer reproduzierbar bei 23min im Setup hängen. Ein Workaround, der bei mir funktioniert hat, war die Installation auf einem noch älteren Scheißlaptop und dann Tausch der Festplatte. Gottverdammt, war dieses Zeug kompliziert damals! roll

Damit ist dieses Projekt abgeschlossen: Ich kann all die tollen DOS-Spiele aus meiner Kindheit spielen und für moderne Sachen (sollte ich sie jemals brauchen) ist XP auf dem Gerät installiert. Ouh yeah.

mini_vlcsnap-0254-06-26-06h21m25s963.pngmini_IMG_20170109_213044.jpg
https://www.instagram.com/p/BPDoONgll67 … schmatzler

Offline

Benutzer in diesem Thema: 0 Gäste, 0 registrierte Nutzer

Fußzeile des Forums

Forum: FluxBB - Logo: Tina.