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Ankündigung

An diesem Wochenende (22. und 23. Juli) wird der gesamte Krams hier auf einen neuen Server in Deutschland umziehen. Vermutlich läuft bis Samstagabend alles wieder, wenn nix Unvorhergesehenes passiert. No guarantees.

#1 03.11.2016 15:09:04

Skafdir
Mitglied
Registriert: 05.07.2016
Beiträge: 933

Skafdir's Krankenhausblog

Das wirkt doch als könnte man daraus eine tolle Tradition machen.

Gut bei mir ist es relativ langweilig, weil es ein Bandscheibenvorfall wischen Wirbel C6 und C7 ist.

Wie fing es an?

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren es Schmerzen die ich so bisher noch nicht erlebt hatte. Die Sehnenscheidenentzündung in der gebrochen Hand kommt mir vor als wäre sie nichts gegen die Schmerzen in der Nacht gewesen.
Ich gehe also am morgen ins Krankenhaus und erfahre dort, dass ich mich einweisen lassen muss wenn ich mehr Diagnose haben will als Röntgen. Zumindest wenn ich einen schnellen Termin haben will und nicht einen am Sankt Nimmerleinstag.
Nun gut, ich gehe meine Chancen durch die nächsten Tage ohne Theraphie zu überleben und entscheide mich zum bleiben.

"Ihr MRT-Termin ist dann morgen um 7 Uhr."
"Bitte wann? Muss ich dafür wach sein?"
(An dieser Stelle das sadistische Grinsen einer Krankenschwester vorstellen)

Nun gut Schmerzmittel sei Dank konnte ich sehr gut und sehr früh schlafen. Und gleichzeitig feststellen das mir eines der Schmerzmittel hier den Kreislauf runter haut. Was das Schlafen noch mehr unterstützt hat.

Vorteile für mich in diesem Krankenhaus: Ich bin mit dem Sohn des zuständigen Chefarzt befreundet. Ergo beginnt meine Theraphie schon heute und nicht erst morgen. Cortisiontheraphie soll per Tropf kommen und zwar um 5 Ühr morgens, erster Tropf wurde heute mittag nachgeholt.
"Sie kriegen den Tropf dann um 5 Uhr morgens." (Das Grinsen wandelt sich von sadistisch zu schlichtweg diabolisch.)

Ich bin gespannt auf den morgigen Tag. Da kommt dann auch Massage dran.

Ansonsten tut mir meine Tochter sehr leid.
Erlebnisse in dieser Woche:
1. Ein Freund von uns unterzuckerte während sie dabei war und den Zusammenbruch gesehen hat.
2. Ihr bester Freund bricht sich den Ellenbogen.
3. Ihr Vater landet mit "alte Männer Beschwerden" im Krankenhaus.

Was gibt es noch zu sagen:
Bettnachbarn:

Sehr freundlicher Mann mit dem man sich super unterhalten kann. Politisch interessiert und eine absolut erträgliche Meinung.
Dabei aber über 80 und leicht dement. Was dafür sorgt das die sehr angenehmen Gespräche immer wieder einen sehr ähnlichen Verlauf nehmen.
Ich glaube in ihm eine Art Vorschau auf mich zu sehen, wenn ich jemals Dement werden sollte.

Keine Ahnung von Namen, keine Ahnung wo ich bin oder warum ich dort bin. Keine Erinnerung mehr an das eigene Berufsleben, aber Politik geht, da kann er auch über Tagespolitik reden und mit etwas Mühe erinnert er sich auch an die Politik von vor 20 Jahren.

Schon das erste interessante Gespräch über seine Erlebnisse im zweiten Weltkrieg gehabt. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Nachbarn. Morgen oder übermorgen kenne ich die Gespräche dann im voraus. Mal sehen ob ich teste was passiert wenn ich andere Antworten geben. big_smile


Ausstehende Fragen:
ExtraKlaus:
Warum lässt man Ersttäter laufen, wenn sowieso jeder Wiederholungstäter wird?
Warum gibt es in deinem Rechtsverständnis eine andere Strafe als lebenslänglich?

Offline

#2 06.11.2016 20:11:44

Skafdir
Mitglied
Registriert: 05.07.2016
Beiträge: 933

Re: Skafdir's Krankenhausblog

So nach etwas Pause geht es weiter und es kommt zu einem unerwarteten aber erfreulichem Ende:

Der Krankenhausblog an sich beendet sich tatsächlich schon.
Beziehungen machen es möglich das ich am späten Freitagabend wieder nach Hause konnte.

Chefarzt (zwischen 8 und 9): "Da die Schmerzen ja schon deutlich besser sind kannst du eigentlich auch wieder nach Hause."
JUCHU!
Kurze Zeit später (neuer Arzt): "Wir haben noch bei der Physiotherapie bescheid gesagt, dass heute schon was gemacht wird, wenn die da waren können sie dann auch nach Hause."

Ok. Also warten wir auf die Physiotherapie. (Zu diesem Zeitpunkt ist es 10 Uhr.)
Irgendwann wird es 12 und es gibt Mittagessen, oder das was man in einem Krankenhaus halt Mittagessen nennt.
Zu diesem Zeitpunkt denke ich mir: "Hey, du kannst ja mal nachfragen wie das eigentlich mit der Kanüle für die Infusion ist. Die wollen dich bestimmt nicht mit dem Ding im Arm nach Hause schicken."
Ich frage nach und kriege die Bestätigung. Es wird gleich(tm) jemand kommen und das Ding entfernen.

Nun gut, also Zeit für einige weitere Gespräche mit meinem neuen Freund.
Diesmal mit Plottwist. Er redet mit mir über mein Berufsleben.
"Ich bin Student und Nachhilfelehrer für Englisch."
"Sie sind auch Englischlehrer?"
wuat? Ich habe irgendetwas getrickert. Er erinnert sich daran an welcher Schule er unterrichtet hat und welches Fach.
Wenn ich ehrlich bin, ich hätte mir Lehrer denken müssen. Die Zeitung die er gelesen hatte war fein säuberlich und vor allem sinnvoll unterstrichen. Und insgesamt neigte er dazu seine Sachen recht organisiert beisammen zu haben. (Also so organisiert wie jemand etwas organisieren kann, der vergisst das er etwas organisiert hat. o.O)

Nun gut wir unterhalten uns ein wenig über Schule, Schüler und so weiter und dann entwickelt sich folgendes Gespräch:
Er: "Naja, ich muss jetzt mal los sehen wo mein Fahrrad ist."
Ich: "Sie sind hier bestimmt nicht mit dem Fahrrad hin."
"Wieso das den nicht? Ich komme immer mit dem Fahrrad zur Schule."
"Sie sind im Krankenhaus."
"Wirklich?"
"Ja."
"Wie bin ich den hier hin gekommen?"
"Sie haben sich das Bein verletzt."
"Ja, aber deshalb kommt man doch nicht ins Krankenhaus."
"Ihr Bein ist nicht von selbst verheilt, deshalb mussten sie hierher."
----- kurzes schweigen ----
"Naja, ich muss jetzt mal los sehen wo mein Fahrrad ist."
"Sie sind hier bestimmt nicht mit dem Fahrrad hin."
"Wieso das den nicht? Ich komme immer mit dem Fahrrad zur Schule."
"Sie sind im Krankenhaus."
....

Über solche und ähnliche Gespräche vergeht die Zeit. Gleich ist dann irgendwann um 16 Uhr. Die Kanüle wird von einem Krankenpfleger entfernt der mir gleichzeitig sagt: "Wir erreichen niemanden bei der Physio." o.O
Ok... aber die Kanüle ist entfernt, ich kann also gehen? Ja, kann ich, es wäre nur schön gewesen wenn man heute schon hätte anfangen können. (Immerhin.)
Aber einen Moment: Mir wurde um 10 Uhr gesagt die Physio sei informiert? Um 16 Uhr wird mir gesagt man erreicht niemanden?  Ist das Zufall oder ein Zeichen für die Organisation des Krankenhaus? Sollte mein werter Zimmergenosse vielleicht die Organisation übernehmen? Kann es schlimmer werden?
Hier ein Vorschlag um den Verstand zu behalten:
1. Nicht weiter drüber nachdenken, bis hierhin hast du in dem Krankenhaus überlebt und darfst jetzt nach Hause.
2. Panik sorgt für ruckartige Bewegungen, ruckartige Bewegungen tun weh. Rückkehr zu Schritt 1.
3. Freuen: Nicht um 5 Uhr aufwachen um an nen Tropf gehangen zu werden!

Nun bin ich also wieder zuhause, bislang ohne Physiotherapie, dafür mit dem Versprechen das meine Unterlagen meinem Hausarzt zugefaxt werden. An dieser Stelle sagte ich nicht: "Lassen sie mal gut sein, geben sie mir das so mit, ich kümmere mich persönlich darum." Zu meiner Verteidigung: Ich bin auf sehr viel Schmerzmitteln!
Morgen ist Montag... ich bin ja so gespannt ob ich aufgeregt bin ob das Fax wirklich geschickt wurde.

Freitagabend: Abendessen - Bett
Samstag: 5 Uhr morgens - wach -.-" Schmerzmittel und bis 9 Uhr liegen bleiben.

Seither lebe ich von Schmerztablette zu Schmerztablette. Was deutlich weniger schlimm ist als es sich anhört. Gleichzeitig denke ich darüber nach mich als Batmandarsteller in einem Michael Keaton reboot zu bewerben.

Dafür ist man zuhause wieder im Kreis der liebenden Familie.
Tochter: "Hey, zur Zeit gewinne ich gegen dich bei Twister."
Vater: "Ich hab dir den Pulli ganz oben aufs Regal gelegt."
Tochter (again): "Sollen wir verstecken spielen?" (Stellt sich direkt vor mich. - Ich vermute das sie mich fies angegrinst hat, da ich nicht nach unten sehen kann, kann ich das aber nicht wissen.)
Aber um das auszugleichen hat man Freunde:
Freund (per Whatsapp): "Gute Besserung - Link"
... Ich will zurück zu meinem verwirrten alten Mann.


Nun bleibt eigentlich nur noch folgende Frage:
Wo war ich gestern den ganzen Tag?
Viel im Bett, etwas spazieren und eine Sache lernen.
Gelernt habe ich: Ich kann nicht länger als eine Stunde am Stück sitzen. Die Zeit die ich sitzend verbringe will also gut eingeteilt sein. Das macht es derzeit schwierig viel zu schreiben.

Ab morgen beginnt dann also die eigentliche Behandlung, bzw. ich hoffe das.


Ausstehende Fragen:
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#3 10.11.2016 10:37:15

Skafdir
Mitglied
Registriert: 05.07.2016
Beiträge: 933

Re: Skafdir's Krankenhausblog

Ein kurzes Update. Man liest so Nebenwirkungen der Medikamente und stößt auf folgende Liste:

Gelegentlich (betrifft 1 bis 10 Behandelte von 1.000)
Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen,
Völlegefühl und Blähungen, Verstopfung, Mundtrockenheit,
Schmerzen im Oberbauch und Unwohlsein,
Hautausschlag, Exantheme, Blasenausschlag, Juckreiz, Knochenbrüche (von Handgelenk, Wirbelsäule oder Hüfte)
Schwächegefühl, Erschöpfungsgefühl oder allgemeines
Unwohlsein, Schlafstörungen.

Äh? Bitte was? Knochenbrüche? Bis zu 1% der Leute die das Zeug nehmen brechen sich die Knochen? shock shock shock

Spoiler!

Hier nur Sinngemäß zitiert weil ich gerade keine PDF finde mit der Packungsbeilage, nur eine ältere Version in der das nicht fettgedruckte nicht mit drin steht...

Beitrag geändert von Skafdir (10.11.2016 10:37:47)


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