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#1 15.09.2016 19:31:18

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
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Ronny's Krankenhausblog.

Ich konnte gestern mal wieder für 6 Stunden nicht aufstehen. Ungünstig, Schule verpasst. Langsam nervt's, bin schon vor 2 Wochen umgefallen. Ernte immer ungläubige Blicke wenn ich irgendwem sage, dass der Spuk schnell wieder vorbeigeht als wäre nix gewesen.

Ab zum Hausarzt, der tut gleich so als hätte ich MS, Krebs, Tod und Helene Fischer gleichzeitig. Überweist mich in die Klinik. Ich soll aber erst nach Hause gehen. Sinn der letzten Anweisung erschließt sich mir nicht, ich leiste aber Folge.

Ich gehe also nach Hause, knuddle nochmal mit der Nachbarskatze, esse eine schöne Mittagsmahlzeit und lasse mich zur Neuroklinik fahren.

Sitze dort bis 17 Uhr rum und quatsche mit den Rentnern. Oberarzt kommt, schaut mich finster an und meint, er kenne mich nicht. Logisch, hab' ihn ja auch noch nie gesehen. Danach eine Runde Tests. Hier mal stehen, dort mal springen, nochmal die Hände drehen. Das Licht wird eingeschaltet. "Tun Sie jetzt mal so als würden sie tief und fest schlafen."

Offensichtlich kann ich nicht normal laufen, nicht gut springen und nicht auf den Fußballen stehen. Die Nerven reagieren kaum und die Kraft ist auch unterirdisch bis nicht vorhanden. Der Arzt vermutet, das hätte alles schon vor Jahrzehnten behandelt werden müssen. Ain't nobody got time for dat!
Ich soll mich auf eine lange Reihe Tests einstellen, wobei wohl nur die ersten in der Klinik gemacht werden. Ich habe die Hoffnung, dass ich hier schnell wieder raus bin.

Ich komme auf die Station. Richte mich schonmal häuslich ein, zum Glück habe ich an Notebook und Handy gedacht. Will gerade youtubesurfen, da muss ich das Zimmer mit einem geistig Verwirrten tauschen. Dieser ist so fasziniert von meinem Rechner, dass er von drei Pflegern weggezerrt werden muss.
Mein Zimmergenosse meint "Noch eine Minute und ich wäre abgehauen. Mir reicht die Frau zu Hause schon."

Es gibt ein üppiges Abendmahl:
mini_IMG_20160915_174654.jpg

Frage nun nach dem Passwort für das WLAN. Die Antwort lautet "Es gibt viel zu tun." Zum Glück funzt Mumble auch mit EDGE, mehr gibt es in dem Bunker nämlich nicht.

Fortsetzung folgt...

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#2 16.09.2016 10:24:06

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Gegen 20.30 Uhr schneite doch noch eine Krankenschwester mit einem Stapel Papiere in mein Zimmer.
Ich erhielt das WLAN-Passwort, nachdem ich diesen unterzeichnete (und somit hoch und heilig versprach, meine Seele an den Teufel zu verkaufen, mein Erstgeborenes zu opfern und garantiert niemals nicht illegale Dateien herunterzuladen) und war dadurch in der Lage, noch das Neomagazin Royale vor der Bettruhe zu schauen. JUHU! love

Die Nacht gestaltete sich ruhig. Bis auf einige spontane Mückenbesuche passierte exakt nichts.
Lediglich die Unterbodenbeleuchtung der Betten ist für mich dezentes Over-Engineering. Wer zu Hölle braucht Betten, welche die ganze Nacht hellweiß strahlen und nach der Höhenverstellung 15min den gesamten Raum ausleuchten?

Meine äußerst schlaue Idee einfach den Stecker zu ziehen, erwies sich schnell als äußerst dumm, da die Betten sogar über eingebaute Akkus verfügen. Ich weiß nicht wie, aber ich schlief ein. roll

Unsaft geweckt wurde ich um 8 Uhr mit diversen Blutabnahmen, Blutzucker- und Pulsmessung etc. Scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Ich frage mich langsam wieder, ob ich hier überhaupt richtig bin.

Heute Morgen gab es immerhin ein ganzes Brötchen UND eine Scheibe Brot zum Frühstück, ich wurde also tatsächlich mal satt. Außerdem konnte ich mir Scholle zum Mittag bestellen. WARMES ESSEN! heart

Mein Zimmergenosse führte nochmals in aller Deutlichkeit aus, warum ihn seine Frau zu Hause extrem nervt (MS-Krankheit) und weshalb er sich deshalb freiwillig in die Psychiatrie einweisen ließ, um endlich mal etwas Ruhe haben zu können. Er erzählte, dass er noch nie so entspannte Tage gehabt hätte, nur der gestrige Schlaganfall und die nun eingeschränkte Sehkraft würden ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Ich half ihm, T9 auf seinem Nokia-Knochen auszuschalten und seitdem warten wir auf einen Arzt, den hier bisher noch niemand gesehen hat. Ein Arzt in einem Krankenhaus? Wo kommen wir denn da hin tongue

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#3 17.09.2016 14:26:08

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Der Arzt kam dann schließlich doch noch. Ich durfte wieder ein paar Zirkustricks vollführen (Springen, Laufen, Hammer auf die Knochen). Das Ergebnis der Untersuchungen war im Grunde fast das Gleiche wie einen Tag zuvor: Ich bin zu schwach und sollte eigentlich stärker als der Mittvierziger sein, der mich untersucht.

Das könne verschiedene Ursachen haben, wie Probleme mit den Blutsalzen, Gendefekte oder irgendeine andere ganz hässliche Krankheit. "Wir machen erstmal ein MRT von den Beinen" - schwupps, weg war der Arzt. "Freitag, Halb Eins..."  - na, ihr wisst ja, wie der Song weitergeht.

Mein älterer Zimmernachbar fing kurz vor dem Zubettgehen noch das Thema Muslime an. Warum auch nicht. Er meinte, dass er einen der Attentäter vom 11. September persönlich getroffen hätte, dieser wollte ihm sein Auto abkaufen. Außerdem hätten die Moslems mit ihrer Religion den Terror ja ohnehin "im Blut". Ja nee, ist klar. Auf seine Nachfrage, was ich denn darüber denke, entgegne ich nur "Mhja, die sind nicht alle so und es gibt genug Muslime die solche Aktionen stark verurteilen." - seine Reaktion darauf beschränkte sich erwartungsgemäß nur auf "Mhja nene...aber...".
Ich warf noch eine Folge Mr. Robot rein (den Ruf als PC-Nerd hatte ich ohnehin schon weg, weil ich dummerweise auch mein Shirt mit der Aufschrift "CTRL ALT SHIFT KILL" vom Stapel greifen musste und natürlich sitzen Leute die einen Laptop haben, ja auch 24h nur davor) und dann ging es um 22 Uhr in die Heia.

Nun ist Samstag. Ich werde unsanft um 6.30 Uhr von der viel zu motivierten Putzkraft geweckt, die in das Zimmer stürmt wie ein tobender Drachenlord. "Ich schmeiß euch so die Brügel raus mach' erstmal das große Licht an, näää?"
Während die Leuchtstoffröhren sich in mein Gehirn brennen, versuche ich mühsam herauszufinden, wo ich eigentlich gerade bin.

Der Typ zieht wieder ab, dann passiert erst einmal zwei Stunden lang gar nichts. Auf dem Weg zur Dusche höre ich noch, wie er sich darüber beschwert, dass nun alle duschen gehen würden und er nicht putzen könne. Logisch, wenn man die Leute in ihren Zimmern aufweckt, wo gehen die dann wohl als Allererstes hin? roll

Ich bemerke, dass mir das Laufen heute etwas schwerer fällt. Den Knopf der Rasierschaumdose zu drücken gelingt mir auch nur unter Anstrengung. Aber immerhin kann ich laufen, also ist das alles halb so wild. Den Ärzten wäre es lieber wenn ich es nicht könnte, der Bluttests wegen.

Zum Frühstück gibt es heute ein ganzes Brötchen, Erdbeer- und Aprikosenmarmelade, ein Ei und die Kiwi meines Zimmernachbarn, der diese nicht verträgt. Ich werde richtig gut satt. Auch die Scholle am Mittag schmeckt super:
mini_IMG_20160917_121510.jpg

Ein Arzt taucht allerdings nicht auf. Die Nachfrage eines anderen Patienten wird mit "Ja müssen wir mal schauen, es ist ja Samstag, wenn dann kommt jemand abends, kann aber auch sein, dass gar keiner kommt" beantwortet.
Das hatte ich fast schon erwartet. Wie ich gestern noch erfuhr, darf ich für jeden Tag in der Klinik 10 Euro bezahlen. Da ist jeder Tag, an dem nichts passiert, natürlich eine wahre Freude für mich. wink

Immerhin kann ich mittlerweile wieder etwas besser greifen und laufen. Schauen wir mal, was auf YouTube so los ist...

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#4 19.09.2016 17:30:34

schmatzler
Lichtmetzger des Todes
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Am Sonntag passierte nichts Nennenswertes.
Meine Eltern brachten eine Jacke vorbei, ich machte ein paar Spaziergänge um die Klinik, der "Verrückte" im Nebenzimmer verteilte seine Sachen quer auf der Station und spuckte das eigene Zimmer voll. That's it.

Gott, ist mein Leben spannend.

Heute Morgen um 7.15 Uhr wurde ich mal wieder unsanft von einer Reinigungsfachkraft geweckt.
Außerdem - das klingt jetzt vielleicht unglaubwürdig, aber ich muss es einfach erzählen - erschien ein Arzt in meinem Zimmer.
Dieser erzählte mir genau das, was ich am Donnerstag und Freitag auch schon gehört hatte: "Wir machen mal MRT". Ich fühlte mich an meinen alten Job in einem Callcenter erinnert, in dem oft der Spruch "Wir kümmern uns sofort darum" gefallen ist.

Danach wurde es immerhin etwas abwechslungsreicher, da ich zum Versuchsobjekt einiger Studenten wurde, die mich auf Herz und Nieren durchcheckten. Oder besser gesagt, auf Muskeln und Nerven (badumtss).
Die attraktivste Studentin der Gruppe setzte sich mit ihrer Taschenlampe direkt vor mich und meinte "Konzentrieren Sie sich bitte mal nur auf mich." Ja, auf was denn auch sonst. angel

vb.gif

Kontrolliert von einem ehemaligen Oberarzt versuchten die Studenten nun, meine Reflexe auszulösen und waren dabei mäßig erfolgreich.
Sie amüsierten sich sichtlich über mein leichtes Schielen und das wegrollende rechte Auge ("Ich will auch nochmal! Das macht Spaß!") und waren zunächst der Meinung, ich wüsste längst, welche Krankheit ich hätte. Ich ließ sie eine Weile darüber im Unklaren, bis ich direkt danach gefragt wurde. Alle waren wohl ein bisschen enttäuscht, dass ich auch null Peilung habe, was nun eigentlich mit mir los ist. teen

Der Oberarzt gab mir immerhin den Tipp mal darauf zu achten ob bestimmtes Essen die Schwäche auslöst. Besonders Lakritze scheint wohl bekannt für sowas zu sein. Notiz an mich selbst: Bei Gelegenheit mal eine 500er-Haribodose davon kaufen und aufessen. Den Inhalt, nicht die Dose.

Das Mittag danach war unglaublich widerlich. Es gab panierte Kartoffelecken mit einer Kräuterfüllung, die meine Geschmacksnerven wohl teilweise zerstört haben dürfte. Dazu Mischgemüse, aus dem sämtlicher Geschmack rausgekocht wurde. Eine kräftige Mischung aus Baaah und Bwüärg.

Es ist nun fast halb 6. Erneut wurde nichts gemacht. Ich liege nur rum, surfe im Internet und werde von der Notklingel langsam aber sicher wahnsinnig. Morgen werde ich den Arzt fragen, ob er noch Bock hat, mich weiter zu untersuchen, ansonsten wird es wohl Zeit für eine Selbstentlassung.

Mal sehen, was der Drachenlord so macht...

Beitrag geändert von schmatzler (19.09.2016 17:39:33)

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#5 20.09.2016 15:58:58

schmatzler
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Es ist Dienstag! Meine Schulkameraden (was für ein geiles, altmodisches Wort) sind heute draußen und fotografieren sich gegenseitig. Fände ich auch ganz toll, aber ich bin nicht dabei.

Stattdessen werde ich diesmal um 5.45 Uhr geweckt. Im halb zombifizierten Zustand wird eine Pulsmessung gemacht, die überraschenderweise richtig gut ausfällt. Ich nicke wieder ein.

Um anscheinend die restlichen Tage wiedergutzumachen, stürzt kurz nach dem Frühstück gleich ein gesamtes Ärzteteam bestehend aus 3 regulären Ärzten, einem Assistenzarzt und noch ein paar Leuten die irgendwie wichtig sind, in mein Zimmer.
Sie diskutieren angeregt über meine Symptome und können sich nicht so recht einigen was los ist. Dabei werfen sie Begriffe in den Raum, die ich bereits nach wenigen Sekunden alle wieder vergessen habe.
Um sicherzugehen, dass es keine besonders seltene Krankheit ist, wird nun extra noch ein Spezialist zu Rate gezogen, der hier demnächst auftauchen soll. Falls er nicht im Urlaub ist. Scheint er aber zu sein - oder so.

Ich bin schonmal ganz glücklich, dass irgendetwas gemacht wird und beschließe, mich doch noch nicht entlassen zu lassen. Mein bester Freund kündigt an, mich demnächst zu besuchen und ich bekomme langsam wieder etwas bessere Laune. smile

Gegen 14.30 werde ich überraschenderweise endlich zum MRT meiner Halswirbelsäule geschickt und habe genau 5 Minuten Zeit, um dort hinzustürmen.
Die Terminplanung hier ist schon sehr interessant.
Die Dame dort erinnert sich noch an mich. "Hallo Danny. Du kennst das ja schon. Dauert ca. 20 Minuten".
Untersuchungsbedingt höre ich nun unfreiwillig etwas Dubstep und werde dann nach ungefähr 60 Minuten wieder in mein Zimmer geschickt.
Das Zeitgefühl hier ist auch sehr interessant.

Leider wird mein Zimmernachbar kurz darauf nach Hause geschickt. Ich vermisse es jetzt schon, ihn darüber reden zu hören, dass ich wahrscheinlich MS hätte (genau wie seine Frau) oder es sicher an meiner Ernährung liegt (weil da kam ja letztens was im Fernsehen darüber). Das kommt jetzt sicher etwas falsch rüber, aber er war wirklich sehr angenehm. Jemand, der um 19 Uhr bereits schläft und sich nicht daran stört. dass ich um 22 Uhr noch in die Tasten haue, ist wirklich ein guter Zimmergenosse. Außerdem wollte er kein Fernsehen schauen.

Mein neuer Zimmergenosse hatte ebenfalls einen Schlaganfall - ausgerechnet im Italienurlaub. Geistig fit ist er noch, kann aber nicht mehr so gut sprechen. Ich denke, auch er wird ein angenehmer Nachbar und bin froh, dass ich aufgrund der Überfüllung der Klinik auf der Schlaganfallstation und nicht im Psychiatrieflügel gelandet bin. Hui.

Mal sehen, was heute für Serien rausgekommen sind...

Beitrag geändert von schmatzler (20.09.2016 16:01:26)

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#6 21.09.2016 14:39:39

schmatzler
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Heute konnte ich mal ausschlafen, erst um 8 Uhr hieß es: "Raus aus den Federn!".

Mir wurde eine braune Flasche in die Hand gedrückt - wofür die da ist, kann sich bestimmt jeder selbst denken.
Danach ging es schnurstracks zum EMG. Die dort ansässige Ärztin jagte mir wieder einmal Strom durch meine Gliedmaßen, diesmal mit einem neuen, frisch angelieferten Gerät.
Das war diesmal schon etwas schmerzhaft, besonders die Stromstöße im Halsbereich "ballern" kräftig durch. Sie begründete das damit, dass sie die Maschine noch nicht so ganz im Griff hätte, aber lobte den teuren Farbdrucker, der die Graphen nun auch bunt aufs Papier zauberte.
Es lebe der technische Fortschritt!

Getestet wurde dort auch, ob andere Muskeln wie der Herzmuskel Probleme haben. Dafür musste ich nach Anleitung extrem langsam ein- und ausatmen, während ich auf einen schlecht animierten Fortschrittsbalken starrte. Nach mehreren Minuten wurde ich etwas benommen, doch glücklicherweise erwies sich das als normal. Meine Schwächeanfälle wären auch deutlich unschöner, wenn das Herz mit ausfiele. roto

Keine Zeit mir eine Pause zu gönnen, schon wenige Minuten nach dieser Untersuchung ging es in eine Art Turnhalle - zumindest fühlte ich mich durch den starken Schweißgeruch in der Abteilung an den Schulsport der Realschule erinnert.
Dort wurde ich auf ein Fahrrad gesetzt und durfte bei Puls 160 eine halbe Stunde Rad fahren. Das war sehr erfrischend - nur die Tatsache, dass mir währenddessen viermal Blut abgenommen wurde, erwies sich als etwas unangenehm.
Das Ganze dient dazu, die Kaliumwerte zu messen, denn es gibt wohl eine Krankheit, bei der das Kalium aus dem Blut gespült wird und periodische Lähmungen auftreten. (Oder so ähnlich -  ich bin ja kein Arzt und habe keine Ahnung von dem Zeug.)

Mit durchlöcherten Armen kehrte ich zurück auf meine Station und durfte mir leckere Bockwürste einverleiben. Währenddessen erzählte mir mein äußerst geschichtlich interessierter Nachbar Storys über Slawen in Vorpommern, alte Mauern, Kirchen, seine Offizierszeit und dass früher in der DDR "nicht alles schlecht war".
Selbst die Tatsache, dass sich eine Person aus seiner Familie nach mehreren Verhören das Leben nahm, schien ihn nicht an dieser Aussage zweifeln zu lassen.
Ich als geschichtliche und geografische Null war hier natürlich auf völlig verlorenem Posten und antwortete auf Fragen wie "Das Nikolaitor, Sie wissen ja sicher, wo das mal war?" nur mit "Mhnjoaaa" und "Aha" und schaffte es Gott sei Dank bisher immer irgendwie, das Gespräch zu beenden, indem ich einen Klogang oder eine wichtige Nachricht auf dem Handy vortäuschte. angel Man will ja nicht zu unfreundlich sein.

Bei der Visite wurde mir erklärt, dass ich wohl morgen noch ein paar Tests über mich ergehen lassen muss und dann voraussichtlich entlassen werde. Yippieh! heart

Vor wenigen Minuten tauchte noch ein Handwerker auf und baute einen neuen Fernseher an einem der Beistelltische an. Mein Nachbar jammert bereits seit gestern herum, dass er kein TV sehen kann und ich war bisher ganz froh, dass das auch so blieb.

Das neue Gerät funktioniert allerdings nicht. Puh. Sollte ich nochmal Glück gehabt haben? Wir werden sehen...

...und hoffentlich hört der Typ, der seit 30min "Wir lagen vor Madagaskar" singt, auch bald wieder damit auf. sick

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#7 22.09.2016 17:25:41

schmatzler
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Re: Ronny's Krankenhausblog.

Leider ging der Gesang am gestrigen Abend noch einige Stunden weiter und ich hatte das Gefühl, dass der "Künstler" immer schiefer sang, je mehr Zeit verstrich.
Abgeschlossen wurde die Aufführung mit einer ohrenzerstörenden Version von "An Angel".

Kurz darauf  - während ich gerade laut "Bist du bescheuert?" in den VoiceChat rief (den Grund dafür habe ich leider vergessen) - tauchte ein sichtlich übernächtigter Genetikspezialist auf, der mir einige Fragen stellte und mich noch ein wenig untersuchte.
Meine Symptome passen zu einer Krankheitsreihe, die auf Wikipedia unter "Periodischer Lähmung" zusammengefasst wird.
Um Gewissheit darüber zu bekommen, ob ich wirklich genau unter diesem Zeuch leide, werde ich noch einen Genetiktest mitmachen müssen - allerdings nicht über die Klinik, weil dies wohl mehrere tausend Euro kostet, der Hausarzt dies wiederum für lau machen kann. Ich liebe die deutsche Bürokratie.

Somit begann mein letzter Tag! heart

Nach dem Frühstück wurde es noch einmal sehr schmerzhaft für mich. Ich durfte zur Elektroneurographie, bei der mir erneut Nadeln in die Muskeln im Arm- und Handbereich gesteckt und die Ergebnisse während der Anspannung gemessen wurden.
Das bereits erwähnte, neu angeschaffte Gerät kam auch mit einer neuen, sehr unangenehmen Nadel daher, die doch recht starke Schmerzen verursachte. Die Ärzte lobten sie für irgendeine Eigenschaft, ich hingegen wünschte mir die vorherige Apparatur zurück. Volle Muskelkraft zu geben, während eine Nadel in selbigem steckt, ist keine tolle Erfahrung. hmm

Soweit ich mitbekommen habe, sollte dort gemessen werden, ob meine Muskeln in Ruhe weiterhin Aktivität zeigen, was sich bei einigen Menschen als starkes Zittern äußert. Jeder ist bestimmt einmal einer alten Oma begegnet, die zitternd durch die Gegend gelaufen ist. Damit einher geht wohl eine Schwächung der Muskeln, so ähnlich wie bei mir.

Meine Muskeln blieben in Ruhe allerdings völlig ruhig. Das war unerwartet für die Ärzte, aber erfreulich für mich. Ich bin nicht komplett im Arsch. tongue

Zum Abschluss erhielt ich noch einen Brief für den Hausarzt, dem ich morgen mitteilen darf, wie er einen Genetiktest richtig abrechnet, sodass er kein Geld bezahlen muss. Ich freue mich schon sehr darauf, ihm dies zu erklären und er sich sicher auch. lol

Nach einer sehr leckeren Currywurst mit Kartoffelecken trat ich die Fahrt nach Hause an. Wegen der 10 Euro pro Tag sollte ich "einfach mal abwarten, was die Krankenkasse so macht". Auch gut.

Bewertung:
8/10 Sternen
+ freundliches Personal
+ gute, zeitnahe Verpflegung
+ Fahr- und Rollstuhl, falls man zeitweise nicht laufen kann
+ kostenloses Internet und Strom
- alte, viel zu geschwätzige Zimmernachbarn
- schmerzhafte Untersuchungen
- Betten mit Scheinwerfer

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