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Jung und Anders
#91

Das schlimme ist ja... Rayks Kritik an Jung & Naiv ist absolut berechtigt. Das stimmt durchaus, nur verwendet Jung & Anders genau diese Kritikpunkte als Erkennungsmerkmale.

Das Video wäre also noch deutlich besser, wenn man den Aussagen inhaltlich passende Ausschnitte aus Jung & Anders entgegen gesetzt hätte.

"Kein Schnittprogramm, soll sich Mühe geben." => Jung & Anders ist als Konzept eine Gesprächsrunde die in einem Take aufgenommen wird.
"Was ist der Mehrwert für den Zuschauer?" => Ja? Was ist es bei Jung & Anders? Wer die beiden auf Youtube verfolgt hat keinen Mehrwert davon, wer die nicht auf Youtube verfolgt erfährt bei Jung & Anders nur das die beiden im groben eine ähnliche politische Meinung haben. Was soll erreicht werden?
"Zukunft des Journalismus." => Inwiefern ist so eine lockere Gesprächsrunde Journalismus?

Es bleibt das Problem bestehen, dass die beiden ein Selbstbestätigungszirkel sind wenn sie ihr Konzept nicht überarbeiten. Ich habe damit insofern relativ wenig Probleme, weil sie beide durchaus in meine politische Bresche schlagen. Aber wenn man sich immer nur diejenigen antut die bestätigen was man sowieso schon glaubt, dann handelt es sich dabei um nichts weiter als politische Selbstbefriedigung... und wenn man das zu lange kultiviert hat man am Ende je nach politischer Ausrichtung folgende Möglichkeiten:

A. Man trifft sich in Bautzen zum "Asylis klatschen"
B. Man trifft sich auf relativ beliebigen Demos um die "Revolution durchzuführen"
C. Man trifft sich um in Niedersachsen um "Hühnerställe anzuzünden"
und mit Sicherheit fallen euch noch Möglichkeiten für das restliche Alphabet ein.

Der Punkt ist: Immer dann wenn ich mein politisches Feedback aus den immer gleichen Quellen hole befinde ich mich auf dem Weg zum Extremismus. Wen Meinungen von außen gar nicht erst gehört werden, weil man nur mit sich selbst redet, dann wird dadurch eine Dialektik aus "richtig und falsch" aufgebaut.
Richtig ist dabei was der eigene Dunstkreis von sich gibt, falsch ist das was alle anderen sagen.
Und ich befürchte Rayk Anders und Tilo Jung tappen mit ihrer Kooperation in genau diese Falle. Das heißt nicht das sie sich nun selber irgendwie radikalisieren. Aber sie werden bei einigen Zuschauern diesen Effekt auslösen.
Wenn nämlich die Freunde A sagen, Rayk und Tilo A sagen, die Eltern A sagen, dann muss A richtig sein und jeder der B sagt kann sich nur irren. Da A offensichtlich richtig ist, wird man da B nicht mehr mit Argumenten entgegen sondern nur noch mit dem Autoritätsargument. Das Format wirkt einer demokratisch aufgeklärten Gesellschaft also direkt entgegen.
Für mich ist es in diesem Fall nur nicht so schlimm, weil es zufällig meine eigenen Ansichten wiederspiegelt. Frei nach dem Motto: Wenn die Gesellschaft schon nur noch Selbstbestätigung will, dann bitte die Selbstbestätigung meiner Meinung.

Man stelle sich mal das exakt gleiche Format mit zwei Pegidaanhängern vor. In dem Fall würde so gut wie niemand daran zweifeln das die ganze Struktur des Formats fehlerhaft ist und nur in einer politischen Katastrophe enden kann. Nicht zuletzt die beiden Protagonisten dieses Formats würden so eine Sendung vermutlich als propagandistisch bezeichnen. (Oder vielleicht sogar gerade heraus als Propaganda.)
Was ja sogar richtig wäre, zumindest mit dem Begriff propagandistisch. Genau deshalb muss aber die gleiche Kritik auch in Richtung Jung & Anders geäußert werden.

Ich habe nichts gegen Kommentare, ganz im Gegenteil. Aber sie müssen klar als solche erkennbar sein. Wenn Rayk alleine vor der Kamera sitzt und seine Sicht der Welt erklärt, dann ist die Sache eindeutig ein Kommentar. Da muss er keine Gegenseite beachten oder sich irgendwie "politisch neutral" verhalten.
Wenn er sich aber mit einer anderen Person vor eine Kamera setzt und die beiden führen ein Gespräch, dann erweckt das schon aus dem Grund ein Gefühl der Pluralität. Wenn die dann aber nicht erfüllt wird, dann ist es nichts anderes als ein auf 40 Minuten gestreckter politischer Kommentar, der dabei nicht als solcher zu erkennen ist.

Wichtig: Das bedeutet nicht, dass man nun sozial verpflichtet wäre anderen politischen Meinungen zuzustimmen. Das überhaupt nicht. Aber man muss an den Punkt gelangen an dem man sich die Argumente der Gegenseite anhört bzw. durchliest und man muss diesen bis zu einem gewissen Punkt auch mit Argumenten entgegen treten.

Was müssen die beiden anders machen?

Ich sehe folgende Optionen:
1. Sie diskutieren bewusst über Themen bei denen sie unterschiedlicher Ansicht sind. (Das kann aber schnell in Spezialthemen umschlagen.)
2. Sie holen sich Gesprächspartner mit anderen politischen Ansichten an Bord.
3. Sie bereiten sich auf ihre Themen so vor, dass sie die Ansichten die sie haben mit echten Fakten untermauern können. Bisher hört man viel zu oft: "Ich denke...", "Ich glaube...", "Meiner Meinung nach..." usw. - So redet man aber nicht über Politik. Mit "Ich glaube..." kann man entweder Sonntags in die Kirche oder Montags nach Dresden, aber nicht in ein angeblich politisches Sendeformat.
Das Fehlverhalten anderer berechtigt nicht zu eigenem Fehlverhalten.
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#92

#4

ich muss sagen, das war eine doch überraschend bereichernde Folge Smile Bis auf die technische Qualität, auf die ich an entsprechender Stelle die Tage vielleicht eingehen werde, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Auch mal die ersten Unterschiede, bzw verschiedene Meinungen, zwischen den beiden zu bemerken, fand ich sehr gut. Besonders Thilo wirkt auf mich mit jeder Folge sympathischer.
"Mit Geld im Mund spricht man nicht" - Alligatoah
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#93

Laut Holger wird es Jung & Anders im neuen Jahr nicht mehr geben, die Dezemberfolge fällt ja bekanntlich wegen der schweren Erkrankung von Rayks Verlobten aus. Es soll dafür aber mit Anders eine neue Sendung geben.
Mein Vorschlag für den Titel wäre: "Ich bin Anders".
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