Hirnschwund.net ist ein virtueller Raum, in dem sich Menschen verschiedenster Herkunft miteinander treffen und plaudern können.
Wenn du noch kein Mitglied bist, erstelle dir einfach ein Konto. Die Registrierung ist kostenfrei.

Synchronisation von Filmen & Serien - Pro & Contra & Überhaupt
#1

Zankyō;28356 schrieb:Wer schaut denn synchronisierte Filme?
Charlemagne;28360 schrieb:ich manchmal. Deutsche Synchronarbeit ist in 90% der fälle sehr gut.
Zankyō;28361 schrieb:Deutschland hat eh gefühlt nur ne handvoll Synchronsprecher, und man hört immer wieder die selben Stimmen.
Ich finde das Thema sehr interessant, daher wollte ich das mal in einen eigenen Thread verschieben.
In der Tat, finde ich, haben wir hier in Deutschland eine verdammt gute Synchronbranche. Zwar gibt es immer mal wieder mehr oder weniger lustige Fehler

Spoiler!:


oder ein Synchronsprecher wird für etwas mehr als einen Schauspieler fest eingesetzt

Spoiler!:


oder Stimmen passen nicht zu den Charakteren und werden nicht Lippensynchron aufgenommen

Spoiler!:


oder es geht ganz allgemein Authentizität und Atmosphäre verloren

Spoiler!:


aber...äh...was wollte ich sagen?

Spoiler!:


Achja, es gibt auch durchaus richtige Glanzleistungen und ich finde, man kann Synchronisationen nicht einfach rundweg verdammen, da sie manchmal sogar eine Verbesserung mit sich bringen kann.

Ein paar Gedanken dazu:
(EDIT: Wie ich gerade merke, sind die paar Gedanken doch sehr lang geworden, für den zweiten Teil einfach zur Trennlinie weiter unten springen)

----------------------------------------##################------------------------------------
----------------------------------------##################------------------------------------
----------------------------------------##################------------------------------------

Ich finde vor allem interessant, wie sich die Einstellung innerhalb der Synchrobranche über die Jahre geändert hat. Früher genossen Synchronisationen im weitesten Sinne Narrenfreiheit. Ohnehin war die TV-Landschaft eine andere. Serien wurden (und werden manchmal immer noch) in beliebiger Reihenfolge ausgestrahlt ohne auf Kontinuität zu achten – Seinfeld beispielsweise hat, damals unüblich für eine Comedyserie, gerade in späteren Staffeln einen ziemlich stringenten Handlungsbogen, bei dem die Folgen aufeinander Bezug nehmen. Pro7 aber versendete gerne nachts drei oder vier Folgen am Stück, verpasste ihnen ein neues krawalliges Intro, schnitt den Standup-Teil heraus und presste das Ganze dann in fröhlichem Mischmasch in Blöcke, die dem Programmschema der 30-Minuten-Unterteilung entsprach. Aktuell kann man das System ab und an immer noch gut bei „Medical Detectives“ auf VOX beobachten, wo einfach soviele Folgen gezeigt werden, bis wieder 5 Uhr morgens ist und man nur genügend Vor- und Abspann herausschneiden oder dazupfrimeln muß, bis es mit der Anzahl der gebuchten Werbeblöcke hinhaut.
Zwei Beispiele, die für die frühere Synchron“freiheit“ gerne genannt werden, sind zum einen Tom & Jerry, zum anderen die Terence-Hill-&-Bud-Spencer-Filme.

Bei Tom & Jerry ist das vor allem deswegen erstaunlich, da es da ja eigentlich nahezu nichts zu synchronisieren gibt. Allerdings ist Siegfried Rabe auf die schöne Idee gekommen, ähnlich wie bei der Zeichentrickserie „Der rosarote Panther“ eine kleine gereimte Einleitung als Handlungsbegleitung zu verfassen (kongenial gesprochen von dem leider mit 26 Jahren verstorbenen Peter Ehret) , die sonst nirgends existiert und die einzelnen Clips meiner Meinung nach stark aufwertet. Bei den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill war die klamaukige Synchro von Rainer Brandt dann sogar ausschlaggebend dafür, daß die Filme, die ursprünglich als ernster Western angelegt waren, im Folgenden von vorneherein schon beim Dreh lockerer und spaßiger angelegt wurden, was durchaus in gewisser Weise eine Adelung der Synchronarbeit bedeutet.

Rainer Brandt ist ähnlich wie Ivar Combrinck als Synchronregisseur ja nun höchst umstritten – was man ihm allerdings zugute halten muß ist, daß er durchaus nicht unbedacht rumgekaspert hat. So zeichnet er sich beispielsweise auch verantwortlich für die Synchronisation von „Seinfeld“ und ist hier – glücklicherweise! – sehr nah am Original geblieben. Die Textbücher wurden mit viel Liebe und Witz ins Deutsche übertragen und auch in einschlägigen Foren findet man wenig Kritik dazu (einer der gelegentlich auftretenden Kritikpunkte ist, daß Oliver Feld als Synchronstimme für Jerry Seinfeld unpassend sei – was ich jedoch überhaupt nicht so sehe).

Ein gutes Gegenbeispiel zu dieser gelungenen Adaption stellt dafür „Eine schrecklich nette Familie“ dar. Weil gewisse amerikanische Prominente dem Studio um Erik Schumann zu unbekannt erschienen, taucht in der Serie auf einmal Klausjürgen Wussow oder die Schwarzwaldklinik auf. Auch wird die Lachkonserve bis zum Gehtnichtmehr strapaziert. Die Originalserie wird ja nun live vor Zuschauer aufgezeichnet und das Lachen ist mehr oder minder echt. Bei diesen beiden Serien kann man aber sehr schön sehen, wie man das entweder feinfühlig oder aber ohne Sinn und Verstand adaptieren kann. Bei Seinfeld wird das Gelächter vom Band so eingesetzt, daß man es teilweise gar nicht mehr wahrnimmt – mit angepasster Lautstärke in verschiedenen Variationen, die gelegentlich auch nur ein leichtes Kichern beinhalten und auch mal durch komplette Stille ersetzt werden, während das Publikum im Original fünf Sekunden johlt nur weil Kramer gerade aufgetreten ist. Auch wenn sie sich denken, daß der Gag im Deutschen keine ähnlichen Reaktionen hervorrufen wird, verzichtet man im Zweifelsfall lieber auf die Vorlacher: Lieber Zuwenig als Zuviel.

Ganz anders bei der schrecklich netten Familie: Nicht nur, daß einem nach spätestens jedem zweiten Satz ein Lachkonzert in einer Lautstärke um die Ohren geklatscht wird als gelte es Nordkorea zu bombardieren, es sind auch jedes Mal dieselben verdammten zwanzig vorgefertigten Lachausschnitte, die sich im immer gleichen Abstand wiederholen und bei denen alle paar Minuten ein Typ mit besonders herzhafter Lache heraussticht. Es mag ja sein, daß im amerikanischen Original ähnlich viel gelacht wird, aber das sind eben wenigstens (halb)echte, situationsbezogene und immer wieder andere Lachblöcke und es bringt beispielsweise nix einen Witz, der nun mal nicht übersetzbar ist, durch eine extra Portion Lachsalve aufwerten zu wollen.

Mittlerweile ist man ja nun aber davon abgekommen, Synchronisationen weitgehend freie Hand zu geben. Manchmal ist das auf Interventionen der Rechteinhaber zurückzuführen, wie bei dem von Definitiv_nicht_kylenepp genannten Beispiel mit Siggi und Babarras, wo Uderzo sich von Kauka noch lange Zeit verfolgt fühlte, weil er ihm die Rechte aufgrund seiner obskuren Übersetzung entzogen hat. Als weiteres Beispiel fiele mir noch Don Rosa ein, der es trotz der restriktiven Disney-Maschinerie geschafft hat, daß seine von Peter Daibenzeiher genial getexteten Comics neu übersetzt wurden, weil er meinte, ihm sei klar, daß dies eventuell eine Verbesserung darstellt, aber er möchte lieber seine Originaltexte haben.

Meistens ist die Nähe zum Original aber wohl eher dem Zeitgeist geschuldet und der Tatsache, daß amerikanische Fernsehserien nicht mehr abgewartet werden müssen, bis sich nach Jahren mal ein Einkäufer aus der TV-Branche entschließt, daß eine Serie auch für das deutsche Publikum tauglich ist und daß falsche oder freie Übersetzungen somit viel häufiger unter Fans einer Serie diskutiert werden.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Einerseits finde ich es gut und sinnvoll, daß das Werk des Künstlers bzw. der Künstler einem in gewissem Umfang so zugänglich gemacht wird, wie er/sie es erschaffen hat/haben (mit der Einschränkung, daß eine Übersetzung niemals genau das transportieren kann, was das Original unter Muttersprachlern mit jeweiligem kulturellen Background vermittelt). Andererseits kann ein Werk durch eine freiere Übersetzung auch eine Aufwertung erfahren und gerade bei Serien ist es ja nunmal so, daß sich nicht ein Mensch alleine dafür verantwortlich zeichnet, sondern die Show das Ergebnis vieler Künstler ist und der Übersetzer ein weiteres Glied in der Riege der Kunstschaffenden darstellt.

Desöfteren gibt es ja trotzdem eine Abstimmung zwischen den Produzenten der Originalversion und den Verantwortlichen für die deutsche Fassung. Je nachdem, wie eng diese ist oder wie kompetent die dafür Verantwortlichen sind, kann das durchaus ein Glücksgriff sein. So haben die Macher der Serie „Die Simpsons“ dem Synchronstudio beispielsweise weitestgehend freie Hand gelassen und greifen nahezu nirgends ein, solange nur ordentlich gezahlt wird. Das sorgt dann für einen munteren Stimmenwechsel gerade in den ersten vier Staffeln in Deutschland oder dafür, daß in der arabischen Version alle Szenen, in denen Alkohol thematisiert wird, herausgeschnitten werden.

Wie immer alle Fäden in der Hand behalten will dagegen Disney – und daß das auch ein immenser Vorteil sein kann, sieht man beispielsweise bei der Serie „Die Dinos“. Selten habe ich eine derart liebevolle und vor allem allumfassende Synchronisation gesehen wie hier: Der Cast ist durch die Bank herausragend und nachdem Edgar Ott während der Synchronisation zu Staffel 3 verstarb suchte man so lange, bis man Jürgen Kluckert fand und tatsächlich: Ich schaffe es bis heute nicht, herauszuhören, ab wann Kluckert übernimmt. Dieser Typ ist der Wahnsinn; er bekam es hin, den Ott‘schen Sprachduktus 1:1 zu übernehmen. Auch wenn englische Texte zu lesen waren, hat man es hier nicht wie bei den Simpsons gemacht und mal schnell irgendwas eingeblendet oder deutsch eingelesen, sondern für jeden Text eine eigene Grafik erstellt, die sich möglichst harmonisch in das Bild einfügte. Trotzdem blieb die Übersetzung selbst in weitem Umfang frei und man hat das in Amerika verbreitete „Honey, I’m home“ mit dem zwar etwas sinnlosen, aber trotzdem sehr liebenswerten „Bin daaa, wer nooooch?“ synchronisieren dürfen.

Ein Beispiel für eine fragwürdig enge Bindung an die Originalversion hingegen ist der Film „Bärenbrüder“. Ich habe ihn mit einer Freundin gesehen und mir bei den Liedern jedes Mal gedacht, was ist denn da los? Wer singt denn da so seltsam und warum ist das so schwer verständlich? Ich habe dann mal gegoogled und kein Wunder: Phil Collins singt alle Lieder selbst, aber eben auf deutsch.
Dieses Lärchumgesterchondimiiiiit
Es mag ja sein, daß man so wirklich das Höchstmaß an Authentizität bekommt, aber es kommt einem stellenweise einfach so vor als würde Phil Collins etwas singen, von dem er keine Ahnung hat, was es bedeutet (auch wenn er den Text im Original sicherlich kennt). Was bei der holländischen Figur Alfred J. Kwak, die von der Niederländerin Ryan van den Akker gesprochen wird, durchaus sympathisch klingt (einfach weil holländisch ausnahmslos immer sympathisch klingt), wirkt hier eher unstimmig und deplatziert.

----------------------------------------##################------------------------------------
----------------------------------------##################------------------------------------
----------------------------------------##################------------------------------------

Neben dem nicht zu vernachlässigenden Aspekt, daß nicht jeder perfekt Englisch spricht und es abhängig von der Aufnahmequalität/der Abmischung/der Sprachgeschwindigkeit/des Dialektes/des Sprachniveaus durchaus auch für geübte Nicht-Muttersprachler schwierig sein kann, alles zu verstehen: in aller Regel ist die Muttersprache einfach leichter „nebenbei“ zu konsumieren. Sicherlich hat das auch etwas mit der kulturellen Prägung zu tun. In Landern, wo die Filme nahezu immer als OmU laufen wie Holland oder Schweden wird man in diese Art der Bequemlichkeit nicht zurückfallen, was auch zweifellos für ein allgemein besseres Sprachniveau im Englischen sorgt.

Nichtsdestotrotz kann ich Synchronisationen auch ganz allgemein und ohne eventuell auftretende Verständigungsprobleme zu berücksichtigen etwas abgewinnen. Was landläufig so einfach als Sprecher bezeichnet wird, sind meiner Meinung nach im besten Fall durchaus eigenständige Schauspieler, deren Mimik man einfach nicht sieht. Noch dazu gibt es darunter einfach Stimmen, die ich sehr gerne höre wie z.B. David Nathan (Johnny Depp, Christopher Titus), Christian Brückner (Robert De Niro, diverse Lieder von E Nomine) oder auch oben gespoilerten Thomas Danneberg. Das geht hin und wieder so weit, daß ich der Synchronstimme im Vergleich zu der echten Stimme des Schauspielers tatsächlich den Vorzug geben würde.

Mich würde mal interessieren, ob ihr euch Filme & Serien (auch) synchronisiert anschaut und was eure Beweggründe dafür sind.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
Zitieren
#2

Ich will nicht generell pauschalisieren und sagen, dass alle deutschen Synchros scheiße sind.

Allerdings kann man viele Dinge einfach nicht aus dem Original transportieren - wenn jemand in einer englischen Serie z.B. mit einem schottischen Akzent spricht, geht das im Deutschen komplett verloren. Denn man kann diesen ja nicht einfach mit z.B. einem Sachsen oder Bayern besetzen. Dadurch geht viel an Atmosphäre verloren, wenn ein Charakter einfach nur noch ganz normal redet.

Die Amerikaner haben auch ein Faible für fette, kurze Sprüche ihrer Actionhelden in den Serien. Da die deutsche Sprache oft etwas längere Sätze im Vergleich zum Englischen braucht, klingt das dann oft nur noch sehr peinlich, wie z.B. der Spruch von Walter White, den Zankyou letztens gepostet hat. Zusätzlich muss dann immer noch auf Lippensynchronität geachtet werden, was die Übersetzung noch weiter einschränkt.

Eine Synchronisation ist immer ein schlechteres Abbild des Originals, weil es gar nicht anders geht.

Ich persönlich finde deutsche Stimmen oft einfach nur sehr unpassend. Letztens lief Chicago Fire bei meiner Mum auf dem TV und der schwarze Chief des Feuerwehrhauses hat eine Stimme zum Gruseln.

Original:
https://www.youtube.com/watch?v=TwnFXRaxxkw

Deutsch:
https://youtu.be/RA74LVh7YJQ?t=32s

Also ich finde das richtig beschissen. Im Deutschen klingt der Chief wie ein Army-General, während er im Original eine ruhige, eher sanftere Stimme hat.

Daher schaue ich Filme immer im O-Ton, weil ich die Wirkung, die von den Machern original vorgesehen war, auch genau so mitbekommen möchte.
Diskutier' auf Pinnwänden und du bist wie Paralympics-Gewinner - wow, du hast dich durchgesetzt, doch bist noch immer behindert!
Zitieren
#3

Mist, hab mich verklickt, schmatzler aber anscheinend auch?

Ausschließlich OV sollte das bei mir natürlich werden.
Zitieren
#4

Stimmt. Habe die Umfrage mal zurückgesetzt.
Diskutier' auf Pinnwänden und du bist wie Paralympics-Gewinner - wow, du hast dich durchgesetzt, doch bist noch immer behindert!
Zitieren
#5

Wenn ich die Wahl habe, schaue ich auch nur die englische Originalfassung. Sehr oft finde ich schon die Tonqualität schlecht. Im Original wurde der Film oder die Serie an ganz verschiedenen Drehorten gespielt, die jeweils eine individuelle Akustik haben. Manchmal sind deswegen sogar die Stimmen etwas schlechter zu hören, aber das macht es nur authentischer. (Mal von extremen Abmischungsfails abgesehen.) Bei den Synchros ist es meist gleichbleibende Studio-Akustik.

Dazu finde ich es persönlich angenehmer, das Original mir anzuschauen und nicht eine - warum auch immer - verfremdete Version. Wortwahl ist etwas ganz entscheidendes. Es ist noch relativ einfach, von einem Wort die wahrscheinlichste Übersetzung zu finden, aber es ist fast unmöglich, selbst bei so nah-verwandten Sprachen, auch noch die Assoziationen dabei zu erhalten, die z. B. durch eine ähnliche Lautung oder sekundäre Bedeutungen entsteht. Eine Überarbeitung kann natürlich ihren eigenen Reiz haben, aber in den meisten Fällen möchte ich doch vorher das Original kennen.

Und natürlich lerne ich viel mehr, wenn ich Filme und Serien im englischen Original schaue. Mein Schulzeit hat mich sicherlich nicht mit der Fähigkeit versehen, fließendes Englisch zu verstehen. Stattdessen habe ich nach der Schule irgendwann angefangen, Bücher auf Englisch zu lesen (Klassiker Harry Potter) und mich dann immer weiter gesteigert. Gerade das Schauen von Filmen auf Englisch war am Anfang eine Quälerei, je nach Akzent und Geschwindigkeit habe ich sehr wenig verstanden, selbst die Daily Show war da ein Problem. Heute ist das alles kein Problem mehr. Ich finde es dabei auch schade, dass durch das zwanghaft synchronisierte TV den Kindern hier die Chance genommen wird, frühzeitig Kontakt mit interessanten englischen Produktionen zu haben.

Letztlich können die Synchronsprecher noch so gute Arbeit leisten, es bleibt eine Leistung, die ich gar nicht haben will und die vielleicht sogar schädlich ist, was Fremdsprachenkenntnisse angeht.

Nervig finde ich übrigens auch, dass der Schweizer Tatort synchronisiert wird, anstatt nur einfach einen Untertitel zu liefern. Die wenigsten Menschen in Deutschland werden zwar das Schweizerdeutsch [Edit: nicht!] verstehen, aber wenn ich schon eine Kooperation mit der Schweiz für den Tatort starte und den Schweizern ständig Standard-Hochdeutsch zumute, sollte man sich auch ein bisschen zumindest mit dem Schweizerdeutsch auseinandersetzen. Es kann auf keinen Fall schaden, die Vielfältigkeit der deutschen Sprache(n) zu zeigen. Aber es gibt wohl dämliche Regeln, dass in der ARD im Hauptprogramm kein Film mit Untertitel gezeigt werden darf.
Artikel zur Synchronisation des Schweizer Tatort: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/...36996.html
Zitieren
#6

AgentSands schrieb:Neben dem nicht zu vernachlässigenden Aspekt, daß nicht jeder perfekt Englisch spricht und es abhängig von der Aufnahmequalität/der Abmischung/der Sprachgeschwindigkeit/des Dialektes/des Sprachniveaus durchaus auch für geübte Nicht-Muttersprachler schwierig sein kann, alles zu verstehen: in aller Regel ist die Muttersprache einfach leichter „nebenbei“ zu konsumieren.
Das ist sicher so und deshalb sind die Meinungen hier auch nicht besonders repräsentativ. Ich denke mal, jeder hier kann Englisch auf sehr gutem Niveau verstehen und konsumiert gleichzeitig hauptsächlich englischsprachige Serien, Filme oder auch Bücher, aber wir befinden uns hier auch in einer Internet-Blase relativ jungen, sehr internet- und medienaffinen Menschen.
Deshalb verstehe ich die Leute nicht so ganz, die immer in YouTube-Kommentaren oder Foren herumweinen, dass Filme im Fernsehen gefälligst nicht mehr synchronisiert ausgestrahlt werden sollten.

Ich persönlich bin kein Fan von Synchros (besonders, da mir die immer gleichen Stimmen furchtbar auf den Geist gehen), aber meine Eltern z.B. schauen sich im Fernsehen fast ausschließlich deutschsprachige Filme und Serien wie den Tatort oder irgendwelche Sat1-Familienfilme an. Wenn sie dann mal einen amerikanischen Film schauen, wären sie von Untertiteln ziemlich überfordert. Was, lesen und gucken gleichzeitig? Auch ein an sich okayes Schulenglisch rostet halt irgendwann ein, wenn man es fast nie benötigt, und wenn man das Gesprochene nicht versteht, ist das Untertitel-Lesen doppelt anstrengend.
Ja, bei der Übersetzung geht viel verloren, ja, die Originalstimmen von Sprechern sind oft (nicht immer, siehe z.B. Clockwork Orange oder Bruce Willis / Manfred Lehmann) mehr "badass" als die der Synchronsprecher, aber wisst ihr was? Der Großteil der Zuschauer schert sich einen Scheiß drum. Ich kenne selbst kaum Leute (über 30), die sich Filme "bewusst" anschauen, d.h. für mich: Einen Film selbst auswählen, sich 2 Stunden darauf fokussieren, vielleicht noch danach Rezensionen durchlesen und darüber nachdenken, welche Botschaft transportiert werden sollte.
Die meisten Menschen wollen sich abends gemütlich vor den Fernseher setzen und sich das ansehen, was halt gerade läuft. Das sind nicht die Originalstimmen von Samuel L. Jackson und Robert DeNiro? Viele gute Sprüche gehen in der Übersetzung verloren? 5 Minuten Gewaltszenen wurden herausgeschnitten? Was interessiert das die Leute, die um halb Zehn sowieso vor dem Fernseher einschlafen oder vor dem Ende des Films ausschalten, weil sie eigentlich eh zu müde sind? Ich möchte mich jetzt nicht darüber echauffieren oder so tun, als wäre diese Art von Zuschauer irgendwie dümmer oder als würde sie Filme nicht richtig wertschätzen. Es hat halt jeder eine andere Art Zugang zu Medien. Ich höre mir gerne Klassik an, aber nicht, weil ich irgendeine Ahnung von Komposition hätte und wüsste, was ein Rondo ist oder wie E-Dur klingt, sondern einfach nebenbei, weil es mir gefällt und mich entspannt.
Das ist ja auch vollkommen okay so. Es gibt die Synchros für Leute, denen "Ich bin derjenige gewesen, der zuvor bei ihm geklopft hat" ausreicht, und es gibt Originalfassungen mit optionalen Untertiteln auf DVD, BluRay oder Netflix. Ich glaube, die Zahl der Fernsehzuschauer und die der Synchroverweigerer überschneidet sich kaum, also verstehe ich die viele Aufregung nicht ganz, die oft in Online-Diskussionen herrscht.
Wer Fan eines Films ist, wer sich wirklich mit einem Film beschäftigen will, wer sich um die Originalsprache schert, sieht ihn sich doch sowieso nicht um 20:15 mit zehn Werbeblöcken dazwischen an.

Was ich aber schon nachvollziehen kann, ist der Punkt von Baru, dass Englischkenntnisse dadurch nicht unbedingt gefördert werden. Ich bemerke das bei ausländischen Freunden und Kollegen, die nicht aus dem Synchro-Raum kommen und mit untertitelten Filmen und Serien aufgewachsen sind: Besonders, was die Aussprache betrifft, sind die im Englischen sehr viel kompetenter als der durchschnittliche Deutsche. Andererseits würde es die Zuschauerschaft wohl schlichtweg nicht akzeptieren, wenn Filme plötzlich nur mehr mit Untertiteln ausgestrahlt werden würden - dafür ist es nach Jahrzehnten deutscher Synchronkultur einfach zu spät - und Fernsehsender sind halt auch gewinnorientierte Unternehmen. Im ÖR gibt es ja zumindest schon einige Programme wenigstens zweisprachig, sodass der Nutzer selbst auswählen kann, was vielleicht der beste Kompromiss ist. Leben und leben lassen.

Edit: Toll, jetzt hab ich bei der Umfrage auch falsch geklickt Ultralol
"Ausschließlich Originalton" war natürlich gemeint.
[Bild: index.fidget-spinner.svg][Bild: index.fidget-spinner.svg][Bild: index.fidget-spinner.svg]
Zitieren
#7

Früher auf Grund mangelnder Alternativen logischerweise wie 99,999% der Bevölkerung Syncs gehört.
Heute dank DVD / BR / UHD mittlerweile immer mehr im Original, wobei die 70er / 80er Sync halt wegen der Kultigkeit und der Nähe an den Originalschauspieler zumindest bei den Filmen dennoch oftmals genutzt wird.
Heutige Syncs sind zu 99,99% besch.... und passen weder auf die Stimmen, noch auf den Inhalt noch zu irgendwas...daher nutze ich bei heutigen Filmen fast immer das Original (wenn es denn Englisch ist).
...ich antworte noch...
Zitieren
#8

Längere Antwort wann anders. Jetzt erstmal eine Frage zur Umfrage: Gibt es kein "ich kann nicht erkennen das ich das eine oder das andere vorziehe eher 50:50"?
Das Fehlverhalten anderer berechtigt nicht zu eigenem Fehlverhalten.
Zitieren
#9

Lener0815;28438 schrieb:daher nutze ich bei heutigen Filmen fast immer das Original (wenn es denn Englisch ist).

Warum nur bei Englisch und nicht konsequent bei allen sprachen? Aber das ist irgendwie bei vielen so die unter "Im Original" einfach nur "auf Englisch" verstehen, aber niemals nie einen Film im Original schauen falls der nu Spanisch, Französisch, Hindi, Japanisch, whatever ist.
Zitieren
#10

Dann will ich auch mal meine Meinung darlegen.
Ich finde es gut, dass es Synchros gibt, man kann damit ja auch einiges zum Positiven verändern ("Die Zwei" ist im Original bspw. nicht halb so lustig) und viele Leute können bspw. nicht so gut Untertitel lesen.
Für mich selbst muss ich jedoch sagen: Ich bevorzuge tatsächlich auch das Schauen im Originalton. Englisch und Französisch kann ich da bis jetzt auf meiner Liste verzeichnen. (Mit Untertiteln könnte ich mir auch andere Sprachen durchaus vorstellen.) Ich finde auch, dass bei Übersetzungen einiges verloren geht - hab da durch meinen erlernten Beruf einige Einblicke.
Übrigens: In Schweden werden fast keine Filme synchronisiert (nur Kinderfilme, alles andere lohnt nicht) und Schweden können alle super Englisch. Mir selbst hat das auch bei meinen Fremdsprachenkenntnissen sehr geholfen.
Zitieren
#11

Charlemagne;28444 schrieb:
Lener0815;28438 schrieb:daher nutze ich bei heutigen Filmen fast immer das Original (wenn es denn Englisch ist).

Warum nur bei Englisch und nicht konsequent bei allen sprachen? Aber das ist irgendwie bei vielen so die unter "Im Original" einfach nur "auf Englisch" verstehen, aber niemals nie einen Film im Original schauen falls der nu Spanisch, Französisch, Hindi, Japanisch, whatever ist.
Ganz einfach. Weil ich kein Französisch und Hindi kann? ^^ ... und ich zumindest annähernd verstehen möchte, worum es geht? OmU mag ich nicht wirklich, da es zu sehr vom Film ablenkt. Mach ich auch nur im engl OT an und da halt auch auf Eng.

Auch wenn die 2 beim Serienkiller ja offenbar alle Sprachen können - ich kann es nicht.

Ich hatte es mal beim Pakt der Wölfe in Franz. versucht, aber auch nur weil ich Émilie Dequenne mal im Original hören wollte und sie so knuffig fand. Smile

btw. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich Kind der 70er bin und eben die Filme alle in Deutsch kennengelernt habe und somit auf Grund Kindheits- / Jugenderinnerungen sie im Normalfall auch so höre... es sei denn, es gibt eine bessere Audioquali auf der DVD whatever.....
...ich antworte noch...
Zitieren
#12

schmatzler;28428 schrieb:Eine Synchronisation ist immer ein schlechteres Abbild des Originals, weil es gar nicht anders geht.

Wenn man es nur als Abbild sieht, magst Du recht haben. Ich finde aber, man kann es auch als weitere Version sehen - wobei das oftmals eher auf die früheren Synchronisationen zutrifft, die mehr Handlungsfreiheit genossen.

schmatzler;28428 schrieb:Ich persönlich finde deutsche Stimmen oft einfach nur sehr unpassend.

Das Gefühl habe ich hauptsächlich, wenn im Deutschen Dialekte synchronisiert werden, vorrangig der indische Dialekt. Es klingt immer furchtbar und gefühllos, wie der Inder bei Big Bang Theory (wobei das ohnehin eine katastrophal beschissene Serie ist).

Zu deinem Beispiel: Stimmt, da ist die Originalstimme um Welten besser.

Baru;28432 schrieb:Bei den Synchros ist es meist gleichbleibende Studio-Akustik.

Guter Punkt, der grade bei Filmen/Serien mit vielen Außenaufnahmen wichtig wird. Stimmt leider, da ist es für eine Synchro nahezu unmöglich, ran zu kommen.

Baru;28432 schrieb:Nervig finde ich übrigens auch, dass der Schweizer Tatort synchronisiert wird, anstatt nur einfach einen Untertitel zu liefern. Die wenigsten Menschen in Deutschland werden zwar das Schweizerdeutsch [Edit: nicht!] verstehen

Sicher, daß der EDIT so richtig ist?

Ansonsten: Wenn ich den Artikel in der FAZ richtig verstehe, synchronisieren die Schweizer Darsteller sich anschließend selbst. Da ich kein Tatort schaue, weiß ich es nicht: Wechseln sich da Hochdeutsch und Schwiizerdütsch durch verschiedene Charaktere ab (wie bei SOKO Wien/SOKO Donau beispielsweise) oder ist die Serie komplett in Schwiizerdütsch? Wenn es sich abwechseln würde, fände ich es schlimmer; das ist auch oftmals ein Problem in deutschen Synchronisationen, daß solche sprachlichen Unterschiede, die im Original Berücksichtigung erfahren, im schlimmsten Falle komplett unter den Tisch fallen und alle - sogar ohne Dialektunterschiede - dasselbe Hochdeutsch sprechen.

Aber da echtes Schwiizerdütsch wirklich sehr schwer verständlich ist - wo würdest Du da jetzt den Unterschied zu anderen Fremdsprachen ziehen, von denen Englisch (vermutlich) sogar besser verstanden werden würde?

Kirin;28433 schrieb:Ich glaube, die Zahl der Fernsehzuschauer und die der Synchroverweigerer überschneidet sich kaum, also verstehe ich die viele Aufregung nicht ganz, die oft in Online-Diskussionen herrscht.
Wer Fan eines Films ist, wer sich wirklich mit einem Film beschäftigen will, wer sich um die Originalsprache schert, sieht ihn sich doch sowieso nicht um 20:15 mit zehn Werbeblöcken dazwischen an.

Sehe ich genauso. Es ist mittlerweile eigentlich völlig unwichtig geworden, wie das Fernsehen was ausstrahlt, da prinzipiell alle Filme/Serien, die einmal ausgestrahlt wurden, auch irgendwie verfügbar sind. Für die Fans synchronisierter Versionen ist nur wichtig, daß die Serie überhaupt einmal im Fernsehen läuft, da Direct-to-DVD Synchros selten sind. Und wenn der Fernsehsender wie bei der äußerst herausragenden Film-Noir-Serie "Duckman" diese in's Kinderprogramm legt und die Ausstrahlung dann nach 20 Folgen abbricht, steht man mit einer halbfertigen Serie da, bei der man auf einmal auf die liebgewonnenen Stimmen verzichten muß, will man auch die restlichen Folgen noch sehen.

Kirin;28433 schrieb:Edit: Toll, jetzt hab ich bei der Umfrage auch falsch geklickt ultralol
"Ausschließlich Originalton" war natürlich gemeint.

Und ich hab versehentlich eine Null-Stimme abgegeben, da ich zu spät gelesen habe, daß schmatzler die Umfrage zurückgesetzt hat und die Auswertung nicht verfälschen wollte. *grummel*

Skafdir;28442 schrieb:Längere Antwort wann anders. Jetzt erstmal eine Frage zur Umfrage: Gibt es kein "ich kann nicht erkennen das ich das eine oder das andere vorziehe eher 50:50"?

Mea Culpa, ich hatte das anfangs sogar drin, hab es aber aus völlig unerfindlichen Gründen doch wieder raus genommen. Palm

Charlemagne;28444 schrieb:Aber das ist irgendwie bei vielen so die unter "Im Original" einfach nur "auf Englisch" verstehen, aber niemals nie einen Film im Original schauen falls der nu Spanisch, Französisch, Hindi, Japanisch, whatever ist.

Ich kann da nur von mir ausgehen, aber wenn ich einen Film im englischen Original schaue, dann ohne Untertitel (weil mich das einfach wahnsinnig stresst und ich dem Film nicht mehr entspannt folgen kann, da man ja automatisch so eine Art Mitlesezwang hat - ganz zu schweigen davon, daß der Text oft schon eingeblendet wird, bevor er ausgesprochen ist). Und das kann ich leider in keiner anderen Sprache tun (wenn ich davon ausgehe, daß ich den Inhalt auch sprachlich verstehen will).
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
Zitieren
#13

AgentSands;28595 schrieb:Ansonsten: Wenn ich den Artikel in der FAZ richtig verstehe, synchronisieren die Schweizer Darsteller sich anschließend selbst. Da ich kein Tatort schaue, weiß ich es nicht: Wechseln sich da Hochdeutsch und Schwiizerdütsch durch verschiedene Charaktere ab (wie bei SOKO Wien/SOKO Donau beispielsweise) oder ist die Serie komplett in Schwiizerdütsch? Wenn es sich abwechseln würde, fände ich es schlimmer; das ist auch oftmals ein Problem in deutschen Synchronisationen, daß solche sprachlichen Unterschiede, die im Original Berücksichtigung erfahren, im schlimmsten Falle komplett unter den Tisch fallen und alle - sogar ohne Dialektunterschiede - dasselbe Hochdeutsch sprechen.

Die Schweizer sprechen alle Schweizerdeutsch. In den Luzernern folgen also eigentlich alle.
Zitieren
#14

So nun mal die etwas längere Antwort. - An der Umfrage selbst beteilige ich mich nicht, weil die Antwort fehlt. ^^
Aber ist ja nicht so schlimm, Forum ist ja nicht so gigantisch das man nicht auch manuell vorgehen könnte.
Antwort in TL;DR wäre: "Keine Ahnung ich kann wenig Bevorzugung des einen oder des anderen erkennen" Wink

Hier die Langversion mit der Überschrift: "Warum es mir egal ist - und am Rande warum Baru unrecht hat."

1. Es hängt natürlich davon ab welche Sprache es ist.
Gut genug um wirklich in der Sprache einen Filmen sehen zu können kann ich nur Deutsch und Englisch. Alle anderen Filme scheiden für Originalton also aus.
Was noch geht ist Niederländisch mit niederländischem Untertitel (Die reden zu schnell... aber soviel interessantes Originaln Niederländisches kenne ich dann nicht. Höchstens ab und an mal ein bisschen was politisches, aber nicht regelmäßig, abgesehen von Zeitungen und die lese ich nur, offensichtlich...)
Ansonsten "kann" ich: Latein, biblisches hebräisch, Akkadisch; Die Anzahl der Filme ist in diesen Sprachen vergleichsweise gering. (Wobei es gibt bestimmt ein paar Filmprojekte auf Latein oder? - Nicht das ich das auch nur im Ansatz verstehen könnte, aber Einzelwörter und Phrasen kriege ich bestimmt hin.)

Was zu der Frage führt:
2. Bei Sprachen die ich nicht kann - Synchro oder Untertitel?
Es ist mir relativ egal. Whatever is at hand.
Ja ich kenne das ewige Argument von wegen "Synchronsprecher klingen oft so unmotiviert". Sehe ich ja auch irgendwie ein.
Aber nehmen wir mal DeathNote, eine echt geniale Serie die ich auf Japanisch mit Untertitel gesehen habe.
Da ich kein Wort japanisch kann war der O-Ton für mich nichts anderes als eine Abfolge von Geräuschen die ich nutzen konnte um zu erkennen welchem Charakter ich gerade den Untertitel zuordnen musste. Ja man konnte erkennen das die Synchronsprecher sich richtig ins Zeug gelegt haben. Aber interpretiere ich japanischen Tonfall richtig?
Vermutlich nicht. Deutschen im Ausland wird bei Gesprächen oft nachgesagt sie würden sich streiten, was einfach daran liegt, dass normal gesprochenes Deutsch für viele nicht Muttersprachler aggressiv klingt.
Wo liegen meine Fehler im interpretieren eines japanischen Tonfalls?
Welche Stellen habe ich als "wütend" erkannt die gar nicht so gemeint sind? Wo habe ich geglaubt "Trauer" zu hören, obwohl es was anderes war? etc.

Will sagen: Solange man die Kultur der Sprache in der man hört nicht enorm gut kennt, wird es Missverständnisse geben.
In dem Sinne halte ich es sogar für sicherer wenn man bei einer Sprache die man nicht spricht auf Synchronisation zurückgreift, dann hat zumindest schonmal jemand darüber geguckt der sich wenigstens rudimentär mit der Kultur auskennen muss. Es senkt also die Wahrscheinlichkeit kultureller Missverständnisse oder zumindest kommen diese Missverständnisse dann von jemandem der mehr Ahnung hat als ich.
Trotzdem bleibe ich hier dabei, dass es mir ziemlich egal ist, ich muss mir halt nur klar machen, dass ich vieles nicht verstehen werde und das unabhängig davon ob ich nun im O-Ton oder mit Synchro gucke.

Wie auch immer alles was nun folgt beschränkt sich also auf Englisch und Deutsch. Alles andere muss ich dann entweder synchronisiert oder mit Untertitel gucken.

3. Abhängig von Mitschauenden.
Ich bin kein Freund davon Filme und Serien alleine zu sehen. Ist mir zu unkommuniktativ. Ich sehe gerade Dr. Who und bin nun mit der zweiten Staffel durch und bin echt erstaunt das ich immer noch motiviert bin es weiter zu sehen.
Sogar House of Cards habe ich derzeit unterbrochen am Ende der zweiten Staffel obwohl ich die Serie echt liebe. Aber ich gucke halt tendenziell nicht alleine. (Das klingt trauriger als es ist. Tongue)
Die Frage auf welcher Sprache ich gucke ist deshalb in erster Linie von den anderen Leuten abhängig.
Oft sehe ich Filme mit meiner Tochter, diese dann selbstverständlich auf Deutsch. Und das ist dann auch schon das wichtigste Argument für Synchronisationen: Filme werden zugänglicher.
Man stelle sich vor Harry Potter oder Disneyfilme wären nie synchronisiert worden. Ich wäre echt gespannt welchen Einfluss das auf die deutsche Kultur hätte. Die Idee das die Generation in der ich aufgewachsen bin ohne Disney aufgewachsen wäre fühlt sich geradezu absurd an. Soetwas prägt und verändert die Weltsicht. Deutschland ohne synchronisierte Filme und Serien wäre in jedem Fall ein anderer Ort. Und damit ein deutlicher Widerspruch zu Baru. Disneyfilme wären für meine Tochter unzugänglich ohne Synchronisation. Englisch kann sie nicht verstehen und im Grundschulalter liest man nicht schnell genug für Untertitel. Schädlichkeit für Fremdsprachen durch Synchronisation? Genauere Antwort unten*
Auf der anderen Seite sehe ich Kinofilme oft im Original, einfach weil Enschede hier direkt um die Ecke ist. Keine 20 Minuten mit dem Auto zum Kino. Wenn ich also nicht mit meiner Tochter gucke, dann fahren wir gerne nach Enschede fürs Kino.

4. Abhängig von der Frage womit ich angefangen habe. (Gilt nur bei Serien)
Ich sehe mir die Simpsons nicht auf Englisch an. Ich hatte damit auf Deutsch gestartet und habe mich an die Synchronstimmen so sehr gewöhnt, dass die Originalstimmen unpassend klingen.
Auf der anderen Seite sehe ich Futurama nur auf Englisch.

5. Abhängig von anderen Umständen.
Wie ich ja schon schrieb gucke ich nicht gerne alleine. Das führt dazu das ich oft eine Serie sehe und nebenbei irgendetwas anderes mache. Das geht z.B. bei Dr. Who sehr gut, die Serie verlangt keine volle Aufmerksamkeit.
Ich hatte mit House of Cards genauso im O-Ton angefangen und nach der ersten Folge eingesehen, dass das nichts wird. Diese Serie verzeiht keine Unaufmerksamkeit. Meine erste Reaktion war, dass ich auf Deutsch umgeschaltet habe, damit ich der Folge wieder nebenbei folgen kann. Hat nicht wirklich gut geklappt, hat aber dafür gesorgt das ich mich an die Stimmen der Synchronsprecher gewöhnt habe. Dadurch habe ich die Serie dann auf Deutsch weitergesehen (-> 4.). Aber mittlerweile eingesehen, dass ich nichts nebenbei machen darf.
Schlimm war das nur als in einer Folge Stephen Colbert einen Auftritt hatte und zwar als Stephen Colbert. Ihn synchronisiert zu hören passte hinten und vorne nicht. Was einfach daran liegt das ich Colberts Stimme zu gut kenne. Deshalb wirkte das tatsächlich so falsch, dass ich für die Szene auf Englisch umgeschaltet habe.

6. Filme nochmal gucken.
Wenn ich einen Film ein zweites mal sehen entscheide ich mich gerne für die andere Variante. Wenn ich ihn zuerst auf Deutsch gesehen habe gucke ich ihn dann also auf Englisch und umgekehrt. (Bei Serien mache ich das halt nicht, weil Serien ein zweites mal gucken etwas viel Zeit in Anspruch nimmt und 4. da viel stärkere Auswirkung hat als bei Filmen. Kann ich nicht genau erklären warum. Aber bei Filmen stört mich eine andere Stimme viel weniger als bei Serien.)

7. Bestimmte Schauspieler
Das schließt ans Stephen Colbert Beispiel an. Es sind nicht viele, aber es gibt eine Hand voll Schauspieler bei denen ich die Originalstimme so gut kenne, dass die Synchro merkwürdig klingt. (Mal zwei Beispiele: Ryan Reynolds - Was aber eindeutig daran liegt, dass ich ihn vor allem mit Deadpool verbinde und seine Stimme einfach so passend ist, dass Deadpool nun vermutlich ganz offiziell die Stimme von Ryan Reynolds hat. Absurderweise Arnold Schwarzenegger, obwohl ich die meisten Filme zuerst auf Deutsch gesehen habe... es ist vermutlich zu teuer ihn selbst synchronisieren zu lassen?)
Deutlich häufiger würden vermutlich deutsche Schauspieler komisch mit englischer Synchro klingen. Aber das passiert ja sowieso kaum.

----
Alles in allem bleibt es halt abhängig von Umständen. Es ist mir vergleichsweise egal, deutsche Synchros liefern im allgemeinen gute Arbeit, soweit es nicht irgendwelche wirklich gute Gründe für eins von beidem gibt schließe ich mich einfach dem an was die Person(en) wollen mit denen ich mir den Film ansehe.

*Zur Schädlichkeit für Fremdsprachen und die Randnotiz warum Baru Unrecht hat:
Nein, nein und nochmal nein. Am Ende für es zu solchem Aussagen und die sind einfach Unsinn.
Es gibt zwei Arten wirklich eine Sprache zu lernen.
1. Total Immersion - Das ist nur realistisch wenn man in einem Land wohnt in dem die entsprechende Sprache gesprochen wird.
2. Unterricht und pauken. - Das ist der Weg den über 90% aller Menschen nehmen müssen und der ist oft langweilig und immer anstrengend.

Was absolut stimmt ist, dass man durch Unterricht und pauken eine Sprache nie flüssig beherrschen wird. Aber das ist gar nicht notwendig. Das kommt dann nämlich später indem man sich freiwillig darauf einlässt.
Schullunterricht legt die Grundlage um eine Sprache zu verstehen. Nicht irgendwelche Filme und Serien die man im Original mit Untertitel sieht.
Wenn man auf die Art wirklich Sprachen lernen könnte, dann gäbe es viel mehr Leute die das aktiv betrieben.

WICHTIG: Enorm unterstützend wirkt es natürlich, die Hauptarbeit beim Englisch lernen, leistet aber fast immer der Schulunterricht. Nur will das natürlich kein Schüler wahrhaben. Weil "Unterricht ist langweilig", "Spielen macht Spaß", also habe ich durch Spielen besser gelernt als durch Unterricht.
Während der echte Weg ist:
Unterricht legt die Grundlagen -> Spielen wiederholt und vertieft diese Grundlagen -> Englisch Leistungen werden besser
(In dem Zusammenhang hast du natürlich absolut recht, dass es beim lernen einer Sprache besser ist wenn man möglichst viel auf der entsprechenden Sprache konsumiert.)

Herzlichen Glückwunsch an den Ersteller dieses Bild: Du hast gerade herausgefunden wie "gelerntes zuhause wiederholen" funktioniert. Wenn du das jetzt noch für Mathe, Bio, Geschichte, usw. durchziehst, dann wird das Zeugnis mit Sicherheit gut.

Und dann der Punkt:
Zitat:zwanghaft synchronisierte TV

Ja und?
TV? Stellst du dir deine Messer auch noch selber aus Kieseln her? Tongue
Zufällig gegriffene DVD: Tinkerbell und die Legende vom Nimmerbiest. Deutsch, Englisch, Türkisch, Rumänisch
Netflix, Amazon Prime: Deutsch und Englisch hat man eigentlich immer zur Auswahl.

Wer sieht im Jahr 2017 echtes fernsehen? Warum sollte man das tun?
Es gibt keinen Zwang mehr und so gibt es den großen Vorteil, dass ich meiner Tochter alle Filme die ich will zugänglich machen kann und gleichzeitig die Option habe mit ihr diese Filme auf Englisch zu sehen, wenn sie dann ernsthaft anfängt diese Sprache zu lernen.

Vor allem aber: Ich kann die "Schädlichkeit" nicht erkennen. Wenn jemand kein Englisch kann, dann hilft es nicht einen Film auf Englisch zu sehen.
Wenn man Englisch lernt oder schon gelernt hat, ist es hilfreich möglichst viel Englisch zu hören.
Aber mit Youtube, Netflix, Amazon Prime, etc. ist das nur eine Frage der persönlichen Faulheit. Schüler die zu faul sind das zu tun, wären ohne Synchronisationen auch zu faul englische Produktionen zu konsumieren.
Deine Vermutung kann nur auf der Idee beruhen, dass sich das Medienkonsumverhalten durch die Abwesenheit von Synchronisationen nicht verändern würde. Halte ich für eine gewagte Annahme.

Ganz im Gegenteil würde ich Synchronisationen sogar eher als positiv zum Englisch lernen beurteilen.
Durch Synchronisationen hat sich hier ein Konsumverhalten entwickelt das vornehmlich englischsprachige Produktionen beinhaltet. Deshalb guckt man auch hier Breaking Bad, The Walking Dead, House of Cards, etc.
Ein großer Teil guckt diese als Synchronisation, erst dadurch entwickelt sich die Kultur in der diese Serien zu einer Art gesellschaftlichen Notwendigkeit werden. Darauf aufbauend kommen dann andere die versuchen möglichst im Original zu sehen oder die Originale nutzen um ihre Sprachfähigkeit zu verbessern.

Ohne diese grundlegende Kultur in der englischesprachige Produktionen bevorzugt würden, würde es diesen gesellschaftlichen "Drang" dazu Filme im Original zu sehen ausschließlich in einer gebildeten Oberschicht gucken. Dann würde Filme auf Englisch im schlimmsten Fall ungefähr den gesellschaftlichen Stellenwert von franzözischen Filmen auf Arte haben.
Meine Behauptung: Die Tatsache das englische Produktionen in großen Teilen der Welt synchronisiert werden hat einen enormen positiven Einfluss auf den Stellenwert der englischen Sprache weltweit.

(Auf der anderen Seite wären deutsche Produktionen bestimmt hochwertiger wenn nicht synchronisiert würde. Weil man nicht die übermächtige amerikanische Konkurrenz hätte.)

Der viel wichtigere Teil wo du dich irrst:
Zitat:Die wenigsten Menschen in Deutschland werden zwar das Schweizerdeutsch [Edit: nicht!] verstehen

Ich widerspreche deinem Edit aufs heftigste. Kein normaler Mensch versteht Schweizerdeutsch. Und ich kenne mich mit semistischen Sprachen aus, Laute die klingen als würde man versuchen seine Stimmbänder zu zerlegen sind mir also bekannt. Trotzdem ist Schweizerdeutsch für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Ich habe weniger Probleme einen Schotten auf Englisch zu verstehen als einen Schweizer auf Deutsch. (Bedingung beide versuchen Standardsprache mit Dialekt zu sprechen. Einen Schotten der echtes Scots spricht verstehe ich überhaupt nicht.)
Vielleicht stelle ich mich da auch einfach nur an. Die Möglichkeit besteht durchaus.
Da es sich aber um einen deutschsprachigen Bereich jenseits des Norddeutschen Bund handelt, bin ich gewillt zu behaupten, dass es hier einfach um zivilisatorische Überlegenheit der Preußen geht.
Das Fehlverhalten anderer berechtigt nicht zu eigenem Fehlverhalten.
Zitieren
#15

Bestes Beispiel: ALF. In der deutschen Sync um ein vieeeeelfaches besser als in der Originalsync. Zumindest was die Stimme von ALF selber angeht. Im Original hat er für mich eine viel zu hohe Stimme.... von daher funktioniert das bei ALF absolut genial.
...ich antworte noch...
Zitieren




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen:
1 Gast/Gäste