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Verhalten bei Suizidabsichten
#16

Ich glaube, dass die Hemmschwelle eine Telefonseelsorge anzurufen wesentlich geringer ist, als den Notruf zu wählen. Außerdem besteht für die Telefonseelsorge auch die Möglichkeit den Notruf zu wählen.
Antigermanismus ist nicht Deutschenhass! Außerdem sollte eine Lehre aus der deutschen Geschichte sein, so etwas wie deutsche Geschichte nie wieder zuzulassen. Leider gibt es immer wieder interessierte Kreise, die die Deutschenhasskeule herausholen, wann immer legitime Kritik an Deutschland vorgebracht werden soll. Die wahren Deutschenhasser sind heute diejenigen, die nicht direkt auf seine Auslöschung hinarbeiten.
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#17

Eigene Erfahrung: die örtliche Polizeidienststelle war sehr freundlich und die Hemmschwelle war deutlich geringer.

@menag: was spricht dagegen, dass da mehrere Optionen mit kurzer Erläuterung stehen?

Edit: Danke für die Abtrennung. Hab Barus Antwort vorher gar nicht gesehen.

(Hinweis: Das Danke von capco kam vor diesem Edit)

Baru schrieb:Polizei und Rettungsdienste sind Respektpersonen. Die ruft man nicht mal so eben an [...]

Richtig, die werden von manchen Menschen leider in Notfällen aus genau dem Grund nicht angerufen. Bei psychischen Notfällen wissen viele nicht mal, dass sie überhaupt den Rettungsdienst oder die Polizei anrufen dürfen. Und selbst bei körperlichen Leiden wird oft viel zu lang gezögert. Vielleicht täuscht man sich ja, und hat die dann ganz umsonst gerufen. Also ja, wird von vielen eher nicht gemacht, darf bei legitimer Motivation aber gern häufiger passieren. Bitte mehr Hinweise darauf.

Zitat:[...] garantiert nicht als depressiver Mensch, der sich selbst kaum noch einen Wert einräumt.


Es geht (mir) ja nicht nur um depressive Menschen. Mich würde ernsthaft mal ne Suizidrate nach diagnostizierter Störung interessieren.
Auch bei einem frischen Trauma bist du nicht gleich depressiv, willst/kannst aber vielleicht nicht darüber sprechen.

Zitat:Dazu setzt der Anruf bei Rettungsdiensten ein Maschinerie in den Gang, die man nicht stoppen kann. [...]
Hinzukommt, dass nicht jeder Mensch mit suizidalen Gedanken ein Notfall sein dürfte. Nur weil man die Gedanken hat, gehört man noch nicht unbedingt in eine psychiatrische Einrichtung, sondern es kann vielleicht auch einiges im Rahmen einer ambulanten Behandlung gemacht werden.

Aber das lässt sich doch verbinden. Wo ist denn das Problem, wenn man erstmal in der Psychiatrie landet? Es ist natürlich wichtig, dass den Leuten die Abläufe dann erklärt werden. Vielleicht waren die Menschen, die die Telefonseelsorge in einer schweren Krise anrufen, tatsächlich noch nie richtig in psychiatrischer Behandlung, können dann aber genau für jene Situationen Mechanismen lernen, die ihnen helfen, oder bekommen Notfallmedikation. Und natürlich kann man dann auch eine ambulante Behandlung besprechen. Du weißt doch, dass man in der Psychiatrie nicht ewig festgehalten wird - nicht länger als 24 Stunden gegen den erklärten Willen.

Zitat:Eine ausgebildete Beratungsstelle kann da vielleicht deutlich besser die Grenzen ausmachen und angemessene Maßnahmen einleiten als Polizei oder Rettungsdienste [...]

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
Man hat übers Telefon nur einen kurzen verbalen Eindruck, in der Psychiatrie ist ein komplettes Team mit einem Gesamtbild.

Mich würde auch interessieren, inwiefern genau diese Leute ausgebildet sind.

Ich denke zmd, du meinst immer noch was telefonisches und keine Beratungsstelle, die ich obendrein erst aufsuchen muss?

Zitat:Was ist denn die Meinung der Verbände der Psychiater und Psychologen? Die standardisierten Hinweise unter Suizid-Berichten kommen ja nicht aus dem Nichts.

Würde mich ebenso interessieren.
Und vor allem auch, warum das nicht mindestens erweitert wird, damit die, die nicht reden können oder wollen, eine valide Alternativoption aufgezeigt bekommen.

Edit: Hier doch mal Hinweise mit Erweiterung, also doch nicht alles die selben Sätze.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/...17239.html

Zitat:[...] Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Na, mit seinen Suizidgedanken muss man halt ggf ne Weile ausharren.

http://www.t-online.de/unterhaltung/star...gton-.html

Zitat:[...] Direkte Anlaufstellen sind auch Hausärzte sowie auf Suizidalität spezialisierte Ambulanzen in psychiatrischen Kliniken.

Aber nur die auf Suizidalität spezialisierten Ambulanzen der Psychiatrien! Das schaut man bitte vorher nach. Und wer da nicht von allein hinkommt, der hat halt Pech.
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#18

Hab mal nach Erfahrungsberichten mit der Telefonseelsorge gegoogelt:

Zitat:Als mich mal die Dame am anderen fragte warum ich denn anrufe und ich ihr sagte das ich jemand zum reden suche weil ich mich einsam fühle ist nur ein "Okay" gekommen. Dann musste ich das Gespräch führen, sie reagierte immer nur passiv mit "Ja" "Hmm" "Achso" ohne jeglichen Fragen. Dann wurde es mir zu blöd und ich habe aufgelegt - genau das meinte ich mit der Tapete erzählen.

Zitat:Herzstaub, du bist nicht allein mit deinem Pech! Ich rief insgesamt 3x bei der Telefonseelsorge an. 1x war eine sehr nette Frau am anderen Ende, beim anderen Mal die war so wie deine- NULL INTERESSE- NULL BOCK. Nur dumme Floskeln wie:
Was soll ich ihnen da helfen? Was wollen sie von mir hören? u.s.w., u.s.w..
Beim 3x war ich mindestens eine Stunde in einer Warteschleife, keiner meldete sich und es kam immer die Durchsage, dass alle im Gespräch wären. Da dachte ich bei mir: Wenn sich z.B. jemand das Leben nehmen will und erreicht keinen, der springt aus dem Fenster. Nee, nee.

Zitat:Leider schauen viele auf die Uhr und nach ner halben stunde würgen die dich ab, auch schon erlebt.

Was ich absolut hasse, wenn die das Gespräch beenden und nicht ich, das hass ich wie die Pest.

http://www.psychic.de/forum/einsamkeit-f...48561.html

Von nem Mitarbeiter:

Zitat:In der Telefonseelsorge sind nur wenige Hauptamtliche beschäftigt, der größte Teil der Dienste wird von Ehrenamtlichen geleistet. Auch wenn viele PfarrerInnen neben ihrem regulären Dienst mitarbeiten, sind die meisten doch theologische und psychologische Laien aus allen möglichen Berufen. Sie bringen hauptsächlich ihre natürlichen empathischen Fähigkeiten/ihre Nächstenliebe ein und haben in Hospitation, Wochenendkursen und durch regelmäßige Supervision (zumindest im Idealfall) gelernt, mit den unterschiedlichsten Gesprächssituationen umzugehen und klar zu kommen.

Was ich damit unterstreichen möchte ist: TelefonseelsorgerInnen sind auch nur Menschen, wie du und ich. Sie erbringen keine professionelle "Dienstleistung", wie ich sie von einer Hotline verlangen kann, sondern sie erbringen freiwillig und unbezahlt einen "Liebesdienst" am Mitmenschen. [...]

Dazu kommt, auch einE TelefonseelsorgerIn ist nur ein Mensch, hat mal einen schlechten Tag, ist von ner anstrengenden Woche müde, spürt eine Grippe aufziehen, hatte Streit mit dem Partner. So gerne man das auch raushielte und so sehr man sich darum bemüht, unterbewusst spielt das ne Rolle und ein sensibles Gegenüber nimmt diese negativen Vibes wahrscheinlich wahr. Mir ist es selbst einmal passiert, dass mir ein Gesprächspartner sagte: "Na, Ihnen gehts heute aber auch nicht gut!" Ich war geschockt! Sowas sollte nicht passieren, aber dummerweise kommt es vor. Der Idealfall wäre, dass man sich, wenn es einem schlecht geht ablösen lassen könnte, aber leider ist das mit den Dienstplänen so ne Sache. Wie überall.
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#19

Wie finanzieren sich diese Telefonnothilfen?
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#20

Erbschaften?




Ehrenamtliche Mitarbeiter, Kirche(nsteuern), Spenden, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Telekom



Zankyō;27348 schrieb:Vielleicht täuscht man sich ja, und hat die dann ganz umsonst gerufen. Also ja, wird von vielen eher nicht gemacht, darf bei legitimer Motivation aber gern häufiger passieren. Bitte mehr Hinweise darauf.

Ich bezweifel, dass ein Telefonist eines Rettungsdienstes nicht zumindest einen KTW bestellen wird. Und dann bekommst du auch ganz schnell die Rechnung dafür, wenn nicht ein Arzt der Meinung war, dass das gerechtfertigt war und die Meinung haben die gar nicht so selten.

Zitat:Es geht (mir) ja nicht nur um depressive Menschen. Mich würde ernsthaft mal ne Suizidrate nach diagnostizierter Störung interessieren.

Naja, die zentralen Auslöser für einen Suizid dürften schon entweder Depression oder aber seltener Schizophrenie sein, die dann natürlich wiederum durch anderen psychiatrische Krankheiten verursacht sein können. Was hast du da vor Augen?

Zitat:Auch bei einem frischen Trauma bist du nicht gleich depressiv, willst/kannst aber vielleicht nicht darüber sprechen.

Ja. Aber sprechen wir dann noch über Suizidgefahr?

Zitat: Du weißt doch, dass man in der Psychiatrie nicht ewig festgehalten wird - nicht länger als 24 Stunden gegen den erklärten Willen.

Ich habe da leider andere Sachen (in relativ kurzer Zeit) auf einer geschlossenen Station gesehen. Die heutigen Psychiatrien sind zwar zum Glück nicht wie bei One Flew Over the Cuckoo's Nest aber das mit maximal 24 Stunden gegen den erklärten Willen ist schon sehr theoretisch. Die Richter vertrauen erstmal den Ärzten. Wenn du dann über einen längeren Zeitraum immer relativ sortiert wirkst, dann wird der Richter vielleicht seine Position überdenken. Hinzukommt, dass wenn du einmal irgendwas in Richtung Zwangsmaßnahme hattest, dass in Zukunft dazu viel schneller auch als Maßnahme gegriffen wird. Zumindest der stationären Akut-Psychiatrie stehe ich skeptisch gegenüber.

Zitat:Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
Man hat übers Telefon nur einen kurzen verbalen Eindruck, in der Psychiatrie ist ein komplettes Team mit einem Gesamtbild.

Wenn man sich in der Akut-Psychiatrie befindet, steht die Therapie ja eigentlich schon fest. Der Hauptanteil werden erstmal Medikamente sein. Psychiater geben dort den Ton an, nicht Psychologen. Das "Gesamtbild" ist meiner Meinung da auch nicht so viel wert.

Zitat:Mich würde auch interessieren, inwiefern genau diese Leute ausgebildet sind.

Ich meine, dass eine auf ein bestimmtes Thema - eben "Seelsorge" - spezialisiertes Angebot viel besser einem die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen kann. Das geht von Termin beim Hausarzt bis dass die selber dir den Rettungswagen vorbeischicken. Das ist etwas, was die Leitzentralen nicht leisten können oder zumindest aktuell nicht leisten. Es geht ein Rettungsruf ein und die werden in aller Regel zumindest einen KTW schicken, schon aus Gründen der Haftbarkeit. (Es ging ein Anruf in einer Rettungsstelle ein, es wurde kein Krankenwagen geschickt und dann bringt sich jemand um? Juristisch wahrscheinlich schon sehr heikel.) Ein Anruf bei einer Seelsorge ist aber erstmal ergebnisoffen.

Wie die Leute ausgebildet werden, wäre natürlich interessant. Aber Rettungsdienste müssen eine viel größere Bandbreite betreuen. Seelsorge ist in Relation ja schon eher monothematisch und damit wahrscheinlich schnell gleichwertig für ihren Bereich.

Und natürlich machen einige schlechte Erfahrungen mit der Seelsorge - die gleichen Geschichten gibt es aber auch zum Thema Rettungsdienst. Und einige psychiatrisch oder psychologisch Erkrankte sind auch sehr anspruchsvoll oder werden richtig beraten, ohne es zu merken oder damit zufrieden zu sein. Da gebe ich erstmal relativ wenig auf persönliche Erfahrungsberichte.
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#21

Hab mal nach Erfahrungsberichten mit dem Polizeinotruf gegoogled:

Zitat:Tut mir Leid, wenn das hier nicht hingehört, aber ich muss mir das jetzt einfach von der Seele tippen, weil ich immer noch nicht fassen kann, was gerade passiert ist

Kurze Vorgeschichte. Ich und meine Freundin sind heute morgen wach geworden weil eine junge Mutter draußen vorm Fenstern seit (wie sie nachher erzählt hat) mehreren Stunden draußen nachts ununterbrochen geweint hat.
Meine Freundin ist raus zum Mädchen und wollt sie trösten. Nach einer kurzen Zeit hat sie sie mit in die Wohnung genommen und sie erzählte dann wie sie seit Ewigkeiten von ihren Heroinsüchtigen Nazi Freund misshandelt wird. Sie wollte dann fix nach hause um ihre Sachen zu holen und dann wieder zurück damit wir weiter sehen konnten.

Eine Stunde vergeht ... nix.

Und hier der eigentliche Teil
Meine Freundin ruft beim Polizei-Notruf an und schildert die Situation, worauf sie als Antwort bekommt, die Polizei kann nichts machen und sie soll selber hingehen ... hallo?!
Abgekürzte Version:

Freundin: Ich mach mir Sorgen um ein Mädchen, weil ihr heroinsüchtiger Schläger Freund ihr was angetan haben könnte.
Polizei: Geh selber gucken.

Was zur Hölle. Ich bin immer noch stinksauer.
Hab dann selber angerufen, bin aber erst nach rund 10 minuten durchgekommen weil ständig bei 110 besetzt war?!

Dann haben sie einen Wagen zu UNS geschickt, auch egal, wir haben denen erzählt was Sache ist, und 15 Minuten später kommt 1 zusätzlicher Streifenwagen mit 3 in Schutzwesten gekleideten Glatzen bei dem Mädchen vorm Haus an.

Und da sollten wir selber hin? Fuck you Nrw polizei. Fuck you

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Der Sohn einer Freundin wurde mal aufm Spielplatz von 3-4 Jugen verkloppt. Alle so in dem Alter von 12-13. Da die Jungen schon bekannt waren, war immer die erste Anlaufstelle die Polizei (Auch wenn noch nicht Strafmündig, Meldung beim Jugendamt gibts trotzdem)
Das Telefongespräch ging in etwa so:
Mutter: Ich brauche Hilfe, mein Sohn wurde auf dem Spielplatz in der Musterstraße von 4 Jugendlichen zusammengeschlagen. Notruf: Ja wissen Sie denn was vorgefallen ist?
Mutter: Nein woher denn, mein Sohn hat schmerzen und ich war nicht dabei!!
Notruf: Und was sollen wir denn da jetzt machen?
Mutter: Vorbei kommen und schauen warum das passiert ist?
Notruf: Das wird schon sein Grund gehabt haben.
Aufgelegt.

(reddit)

Ich glaube, diesen Erfahrungsberichten - so, wie so - kann man wenig Bedeutung beimessen. Man sollte mal so eine Art Stiftung Warentest-Test machen mit Seelsorge & Polizei. Allerdings befürchte ich, daß eine der beiden Stellen spätestens nachdem das Testergebnis veröffentlicht wurde, keinen Spaß mehr versteht. Ein möglicher Grund:

Zitat:Die Statistik klingt auf den ersten Blick beunruhigend. Im Polizeipräsidium Köln wird seit Jahren etwa jeder zehnte Notruf nicht entgegengenommen. Von 376 161 Anrufen sind im vergangenen Jahr 43 612 „verloren gegangen“, wie es in einer Mitteilung des Innenministeriums heißt. Die Anfrage nach den Notruf-Zahlen hatte Dr. Robert Orth, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, gestellt.
(rundschau-online)

Vielleicht sehe ich also von meinem Vorhaben, die Polizei zu Testzwecken zu kontaktieren, vorerst ab.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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#22

Zitat:Und dann bekommst du auch ganz schnell die Rechnung dafür, wenn nicht ein Arzt der Meinung war, dass das gerechtfertigt war und die Meinung haben die gar nicht so selten.

Wie soll ich als medizinischer Laie sowas einschätzen können? Das ist doch mehr als man erwarten/zumuten kann.

Zitat:Naja, die zentralen Auslöser für einen Suizid dürften schon entweder Depression oder aber seltener Schizophrenie sein, die dann natürlich wiederum durch anderen psychiatrische Krankheiten verursacht sein können. Was hast du da vor Augen?

Borderliner zeigen selbstschädigendes Verhalten. Sicher nicht immer bis zum letzten, aber doch bestimmt auch zuhauf.
Ansonsten auch Narzissten, bei denen sich die Realität vllt gerade zu penetrant durchbohrt. Erzählen die sicher nicht der Telefonseelsorge.
Und eben traumatisierte Menschen:

Zitat:Aber sprechen wir dann noch über Suizidgefahr?

Wieso denn nicht? Doch gerade da.
Welcher Mensch hat denn spontan Bewältigungsstrategien für Traumata wie Vergewaltigung, schwere Krankheit (Krebsdiagnose bspw), Verlust der nächsten Angehörigen? Wobei bei letzterem meistens die Krisenintervention zuständig sein wird. Wobei, es gibt ja Leute, die solche Nachrichten übers Telefon übermitteln.

Zitat:Die Richter vertrauen erstmal den Ärzten. Wenn du dann über einen längeren Zeitraum immer relativ sortiert wirkst, dann wird der Richter vielleicht seine Position überdenken.

Vertrauen insofern als dass der Psychiater natürlich erstmal der kompetentere ist, und auch keine Motivation hat, sich etwas auszudenken, ja.
Aber es geht ja auch gar nicht um die Diagnose, sondern nur darum, ob die Unterbringung nötig und gerechtfertigt ist. Wenn man zeigt, dass man nachvollziehen kann, warum man in so einer Situation gelandet ist, aber halt nicht in einer geschlossenen Einrichtung bleiben will, dann ist das schon viel wert. Also doch, es gibt natürlich Richter, die sich gegen die Empfehlung des Arztes entscheiden.
Auch das mit dem "längeren Zeitraum" kommt mir komisch vor, eigentlich wird doch nicht "bis auf weiteres" untergebracht, sondern nur für einen festgelegten Zeitraum und da dann noch einmal überprüft, sofern es überhaupt nochmal nötig ist. (Abweichend ist das dann natürlich, wenn gesetzliche Betreuung vorhanden). Wie viele verschiedene Stationen hast du denn kennengelernt?

Und ideal ist das natürlich nicht, bspw für Leute, die sich einfach nicht gut artikulieren können. Dann wird die ganze Situation natürlich dadurch verstärkt, dass es den Leuten nicht gut geht, sie aber plötzlich eingesperrt werden, was natürlich bedrohlich wirken kann. Das wird auch viel zu schlecht erklärt, aber vom Grundprinzip her ist es halt leicht, daran Fehler zu finden, aber ich halte vieles an der Psychiatrie für recht alternativlos.

Zitat:Wenn man sich in der Akut-Psychiatrie befindet, steht die Therapie ja eigentlich schon fest. Der Hauptanteil werden erstmal Medikamente sein. Psychiater geben dort den Ton an, nicht Psychologen.

Hilft meistens auch bei der Stabilisierung.
In der Akut-Psychiatrie sind halt meist die schweren Fälle; zusätzliche Therapie (Ergo, Kunst, usw) sollte es aber eigtl trotzdem geben. Genau so, wie du da nicht richtig weggesperrt wirst, sondern du rausgehen darfst, wenn vertretbar.
Und Psychiater sind mWn Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.

Zitat:Und natürlich machen einige schlechte Erfahrungen mit der Seelsorge - die gleichen Geschichten gibt es aber auch zum Thema Rettungsdienst. Und einige psychiatrisch oder psychologisch Erkrankte sind auch sehr anspruchsvoll oder werden richtig beraten, ohne es zu merken oder damit zufrieden zu sein. Da gebe ich erstmal relativ wenig auf persönliche Erfahrungsberichte.

Wenn man sich von ehrenamtlichen Laien nicht richtig beraten fühlt, kann das aber sehr wohl auch an denen liegen. Wäre gut, wenn da für die ernsteren Fälle auch richtig qualifiziertes Personal vorhanden wäre, müsste man halt finanzieren. Aber bei Domian saßen damals auch immer noch Psychologen im Hintergrund, an die dann weitergegeben wurde.

Und das mit der stundenlangen Warteschleife kann ja wohl auch nicht angehen.
Wieso kommt da anscheinend auch kein Hinweis, dass man, sollte man sich in einer ernsten Krise befinden, den Notruf verständigen soll?

Und dass manche sehr anspruchsvoll sind, wundert mich kein Stück.
Es wird doch immer betont, dass es so viele gute Stellen gibt, an die man sich wenden kann, wenn man Hilfe braucht, und die Realität dieser Hilfsangebote ist oft einfach nur enttäuschend. Es gibt so viele psychische Krankheiten, wo man nur wenig machen kann. Ich würd auch wirklich kein Psychiater sein wollen, weil ich da Angst hätte, nach Jahren zurückzublicken und nach neuen Erkenntnissen sagen zu müssen: Was haben wir nicht alles falsch gemacht.
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