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"Biodeutsch"
#46

@Baru
Zitat:Schon das "will" ist aber entscheidend. Da sprechen Menschen eine recht unterschiedliche Muttersprache, die ich nicht mehr verstehen kann. Dass sie zweisprachig aufwachsen müssen, ist geschenkt.
(Dialekte sterben übrigens aus, wie Yankzou schon sagte. Kann ich auch für Salzburg bestätigen, wobei es hier noch nicht so krass ist wie in größeren Bayrischen Städten.)
Keine Ahnung, warum das geschenkt ist, wie gesagt: Eine Kommunikation ist problemlos möglich und du kannst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass du hier einen stärkeren kulturellen Unterschied hast als bei einem Studenten aus 'nem x-beliebigen nicht-europäischen Land.
Ich bitte dich, das ist wirklichkeitsfremd und kommt noch dazu rüber wie ein arrogantes Herabtreten gegen eine vermeintlich niedrigere Bildungsschicht.
Zitat:Komm, sei realistisch. Automatisch nicht, aber jetzt sag mir bitte aus Überzeugung, dass die deutliche Mehrheit der bayerischen dörflichen Landwirte nicht ziemlich konservativ ist...
Keine Ahnung. Als Städter, dessen Familie eher aus dem Land / Dorf kommt kann ich derartiges eher nicht bestätigen (ich komme ja nicht aus Bayern, bezweifle aber, dass der kulturelle Unterschied 20 km weiter wahnsinnig groß ist). Ich habe einige Reichsbürger, FPÖ-Wähler usw. in meinem Bekanntenkreis, sind aber eher die Städter. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Integration von Flüchtlingen in kleineren Dörfern und Ortschaften absolut hervorragend funktioniert, was natürlich in einer kleinen Gemeinde einfacher klappt, aber auch an der Liebenswürdigkeit der Leute liegt. Ist aber auch egal und meine Erfahrungen haben hier keine argumentative Relevanz.
Zitat:Oder dass die gleichen Menschen nicht auch behaupten würden, dass wir städtischen Akademiker absolut keine Ahnung von deren Realität haben
Ich dachte, darauf wolltest du hinaus? Hast du nicht genau das sowie den Umkehrschluss angenommen?


@Firebird
Roll
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#47

Yankzou;22600 schrieb:Also die meisten Münchner sprechen quasi nur Hochdeutsch.
Finde es auch erstaunlich, dass FireBird das von den Bayern nicht weiß. Ich muss ja im VC ganz schön unverständlich sein aufgrund meines krassen Dialektes.
Du schreibst mehr Dialekt als das du ihn sprichst, weder "Zefix nochmal" oder "Geb' a Ruh" (oder wie auch immer) hab ich verstanden. Und Bayern besteht, genauso nicht nur aus Bayern (Franken mögen es nicht als Bayern bezeichnet zu werden), wie es nicht nur aus München besteht.
Außerdem bist du nur ein Beispiel. Wink

Kirin;22601 schrieb:@Firebird
Roll
Ich versteh leider net, was du mir damit sagen willst.
"I'm a human, I'm a goddamn living thing/ But I'm not really human if I'm just existing/Wasting my time in a complex universe" Lil Bo Weep
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#48

Zitat:Ich hab da noch so eine Frage zum Thema Juden und Volk. Wie soll das denn funktionieren? Heißt das jetzt alle Juden gehören zum selben (genetischen) Volk?

Gar nicht, es sei den man glaubt tatsächlich das sich, z.B. auch Deutsche über bestimmte eindeutige genetische Merkmale definieren lassen würden. So sehr das man sich äußerlich klar und deutlich von Polen, Dänen, Niederländern oder Österreichern unterscheiden könnte. Dazu unten mehr.

Zitat:Also würdest du Hitlers Argumentation, dass das Volk 'aus den Juden' keine Deutschen sind zustimmen, denn sie sind hermetisch abgeriegelter, als jede andere Nationalität?

Natürlich nicht. Aber du hast Genetik ins Spiel gebracht. Ob du dir die Argumentationskette nun zu eigen machst oder nicht. in jedem Fall verteidigst du die Möglichkeit ein "Volk" genetisch zu definieren. Daher, so leid es mir tut, verbleibe ich beim "du". Du greifst diesen Diskurs auf und stellst hin als gegeben hin. Keine Abgrenzung und kein kritisches Hinterfragen. Wenn ich das nun irgendwo überlesen haben sollte, dann tut es mir leid. Aber ich sehe nur das du dir fremde Argumentation zu eigen machst.

Wenn du das machst, dann ist es folgerichtig "Judentum" auch als "Volk" zu betrachten. Da es nun einmal eine Religion ist, die sich sehr stark auch über Geburt definiert. Natürlich machen das die anderen Religionen nicht wirklich anders.
Klar du kannst Christ werden, selbst wenn nie jemand in deiner Familie Christ war. Aber der Normalfall ist, dass man durch seine Eltern Teil der Religion wird. Mit dem Unterschied, dass es im jüdischen Glauben ein theologischer Bestandteil ist.

Abgesehen davon, verwehre ich mich vollständig der Idee das man ein Volk genetisch definieren könnte. Natürlich kann es sein, dass irgendwo auf der Welt eine bestimmte Gruppe von Menschen sich einem "Volk" zugehörig fühlt und dabei eindeutige genetische Gemeinsamkeiten aufweisen, die sie eindeutig von allen anderen Gruppen von Menschen unterscheidet. Das ist dann aber eher Zufall, als der Ursache. Genauso kann man mit genug suchen bestimmt ausreichend Inzest innerhalb des "deutschen Volks" entdecken, damit man daraus ein "genetisches Volk" erdichten könnte. Da man dafür viel denken und noch mehr dichten müsste, sollte das ja etwas sein das unserem Volk liegt.

Das was ich sagen will ist: Man kann nicht auf der einen Seite das Argument auffahren das Verwandtschaftsgrade eine Volkszugehörigkeit ausmachten und auf der anderen Seite behaupten das Judentum sei kein Volk.
Entweder sind Verwandtschaftsgrade nicht so wichtig oder wir haben eine Religion die im gleichem Atemzug Volk ist.

Dazu mal noch ein Gedankenanstoß:
Woher kommt das "deutsche Volk"?
Es ist davon auszugehen, dass es eine große Menge verschiedener Stämme gab die sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands tummelten. Cherusker, Angeln, Sachsen, Baiovaren, Gambrivier, Landoudioer, usw.
Diese von einander unabhängigen Stämme, die mehr oder weniger irgendwelche Gemeinsamkeiten hatten, wurden mit dem Beginn des Mittelalters nach und nach unter einer Zentralherrschaft geeint und vermischten sich so zu einem großen Ganzen.

Woher kommt die jüdische Religion?
In vorstaatlicher Zeit schließen sich zwölf Stämme zusammen die dann unter einer Zentralherrschaft geeint werden und sich so zu einem großen Ganzen vermischten..

Natürlich kann man das nicht so plakativ stehen lassen. Weil es nun einmal ziemlicher Blödsinn ist.
Cherusker war man per Geburt natürlich. Aber wenn jemand in das Gebiet der Cherusker gezogen ist, dann wurde diese Person vom Stamm der Cherusker aufgenommen. Genauso nehmen fast alle Kulturen seit jeher Fremde in ihre Gebiete auf. Die Kultur ist schon in prähistorischer Zeit einem Wandel unterzogen der deutlich auf Kontakt mit Fremden schließen lässt. Änderungen in Sachen Mode und Beerdigungsriten, usw. Und damit stirbt schon im Gründungsmythos die Idee eines genetisch definierten Volks.
Und dann wenn man sich davon verabschiedet hat, kann man auch wieder über das Judentum als das reden was es ist: Eine Religion.
Genauso wie "Deutschtum" vor allem eins ist: Eine abstrakte politische Idee, die sich im 18. und 19. Jahrhundert gegen das Herrschaftssystem der Monarchien durchgesetzt hat.

Nationalitäten sind ein Konstrukt im Machtdiskurs, dass von Europa aus in viele andere Teile der Welt expordiert wurde. Ähnliche Konstrukte sind nur in Fernost anzutreffen. Der Nationalstaat war und ist eine politische Idee um Herrschaftslegitimation zu entwickeln, nachdem das Prinzip der Monarchien nicht mehr durchsetzbar war.
Einem König war herzlich egal welche Völker in seinem Land lebten. Er herrschte aus gottgegebenem Recht über das Land, von Gottes Gnaden. Nun sollte diese Methode aber nicht mehr funktionieren. Mit welchem Recht konnte nun eine Regierung behaupten über ein bestimmtes Gebiet herrschen zu dürfen?
Man überträgt das Gottesgnadentum vom König auf das Volk. Nun ist das Volk durch Gottes Gnaden, Schicksal, Blut oder was auch immer berechtigt ein bestimmtes Stück Land sein eigen zu nennen. "Völker" sind ein soziales Konstrukt, damit haben sie natürlich eine Wirkmacht und sind Realität. Das heißt aber nicht das man sie zu irgendetwas erklären sollte, was nur so funktionieren könnte.
Vor allem sollte man historische Zufälle nicht zu etwas aufwerten was es nicht ist. Ja ich als "Deutscher" habe meine Tochter mit einer "Deutschen" bekommen. Aber nicht weil ich das unbedingt gewollt hätte, zumal rüchblickend betrachtet nicht mit dieser speziellen Deutschen - anderes Thema. Sondern weil sie zufälligerweise kennen gelernt habe und mich zu diesem Zeitpunkt gut genug mit ihr Verstanden habe das ich Dinge mit ihr getan habe, die gemeinhin zur Existenz eines Babys führen können.
Genauso gut hätte diese Frau aber auch aus irgendeinem anderen Teil der Welt stammen können. Das meine Tochter also "reinrassig Deutsch" ist, um mal den Begriff zu nehmen der gemeint ist wenn man was von "bio" redet, dann nur aufgrund eines Zufalls, der durch einige Umstände stark begünstigt war. Aber eben ein Zufall. Meine erste Freundin hätte den Ariernachweis nicht bekommen, ich glaube nicht einmal den deutschen Pass... das habe ich sie nie gefragt.

Und damit komme ich nun zur nächsten Frage, nachdem ich die Genetik entsprechend abgeurteilt habe.

Zitat:Gibt es nationale bzw. regionale Mentalitäten?

Ja.
Wir hier hinter der Haustür, hinter der ich gerade bin, verhalten uns zum Beispiel vollkommen anders, als diejenigen hinter der Haustür nebenan. Wir sind aber in häufigen Kontakt mit ihnen, was zu einem gewissen Haustüraustausch sorgt. Wodurch innerhalb dieser Straße eine gewisse Haustürenähnlichkeit besteht. Diese vielen Haustüren sind wiederum mit Haustüren in anderen Straßenzügen in Kontakt und sorgen da für eine Art Straßenzugaustausch.

Kann ich von der Straße auf der ich lebe irgendwelche Aussagen treffen die auf alle hier zutreffen?
Ich versuche es mal.
Es sind hier alles Einfamilienhäuser, alle mit relativ großzügigem Garten. Damit schließe ich das die Leute hier überdurchschnittlich viel Geld verdienen, damit schließe ich, dass sie gute Jobs haben, damit schließe ich das sie für diese guten Jobs eine gute Bildung haben müssen.
Ergo: Bewohner meiner Straße sind intelligenter als Bewohner anderer Straßen hier im Ort.

Was ich sagen will ist: Natürlich gibt es unterschiedliche Kulturen. Diese sind aber so extrem grob das man mit diesen genauso gut nichts anfangen kann. Vor allem belaufen die sich auf einen gemeinsamen Erfahrungshorizont. Nicht auf "Eigenschaften", vor allem nicht auf inhärente Eigenschaften. Klar unterscheiden sich die Leute die an einer Straße wohnen die vollständig aus baulich getrennten Einfamilienhäusern besteht von Leuten die in einem Hochhaus leben.
Und damit der arme bayrische Landwirt auch noch sein Fett weg kriegt. Natürlich unterscheiden sich diese Leute auch von dem bayrischen Landwirt.
ABER: Keine 2 Kilometer von hier entfernt haben wir Landwirte. Diese werden im Gespräch mit dem bayrischen Landwirt mit Sicherheit viel mehr Gemeinsamkeiten entdecken als mit mir. Genauso wie der bayrische Landwirt sich mit dem Landwirt aus Griechenland bestimmt besser versteht als mit mir. (Gesetz dem Fall die Sprachbarriere wird überwunden.)

Auf der anderen Seite verstehe ich mich nun einmal wirklich besser mit studierten Leuten, auch hier relativ gleich woher sie kommen.
Nicht weil die einen "intelligenter" und die anderen "dümmer" wären. Sondern weil ich mit jemandem an einer Universität in Kairo einfach einen größeren gemeinsamen Erfahrungshorizont habe.

Und damit die klare Antwort auf die Frage:
Da die Gemeinsamkeiten durch gemeinsame Erfahrungen definiert werden, gibt es natürlich regionale Unterschiede. Wetter, Vegetation, Landschaft, etc. sind alles Dinge die regional bedingt zum Erfahrungshorizont der Menschen beitragen und damit Ähnlichkeiten bewirken. Und damit schließt sich dann auch ein klein wenig der Kreis, den natürlich kann "der Fremde" nie vollständig "nicht fremd" werden, weil er nun einmal andere Erfahrungen in seinem Leben gesammelt hat.
Banales Beispiel:
Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Niemand in diesem Forum macht sich die Mühe jedes mal die Schuhe auszuschütteln bevor man sie anzieht. Kulturell bedingt verhalten sich Australier da etwas anders.
Damit unterscheiden wir uns kulturell. Aber nicht weil "unaufmerksam Schuhe anziehen" eine irgendwie geartete "Deutsche Eigenheit" ist, sondern weil unser gemeinsamer Erfahrungshorizont eine solche Kulturtechnik nicht vorsieht. Sie ist unnötig. Selbst wenn sich mal eine Spinne in meine Schuhe verirrt haben sollte, dann ist das Erlebnis für die Spinne deutlich unromantischer als für mich, selbst wenn sie es schaffen sollte mich zu beißen.

Wo wird nun der Schnitt gesetzt? Ab wann bin ich in meinem Verhalten nicht mehr "deutsch" genug um zur regionalen Kultur zu gehören?

- Wenn ich meine Schuhe vorm anziehen überprüfe?
- Wenn ich morgens Speck und Würstchen abbrate?
- Wenn ich lieber Wein als Bier trinke?
- Wenn ich weite Stoffhosen als Kleidungsstück vorziehe?
- Wenn ich einen Vollbart habe?
- Wenn ich statt Sonntags, Freitags in mein Gebetshaus gehe?
- Wenn ich Salat statt Schnitzel esse?

Wieviele Abweichungen sind zulässig? Oder wie stark dürfen die Abweichungen sein? Ist die Frage der Religion wichtiger als die Frage der Ernährung? Ist Kleidung wichtiger als Körperbehaarung?
Das Fehlverhalten anderer berechtigt nicht zu eigenem Fehlverhalten.
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#49

Zitat:Außerdem bist du nur ein Beispiel

Ein ausgedachter bayrischer Bauer und ne Ladung Klischees ist natürlich überzeugender.
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#50

DeeperSight;22599 schrieb:
Baru schrieb:Und diese Interpretation solltest du auch im Kopf behalten, wenn du ihn verwendest.

Nö, denn das einzige, was mir verloren geht, ist die Zuneigung von Leuten, die nicht ausreichend informiert sind.

Du bist sowas von Ego-fixiert ... Verwende den dämlichen Begriff wie du willst. Andere Menschen werden dich halt dafür bewerten. Wenn dir das egal ist, was diese Menschen denken, schön. Verstehst du nun meine Aussage?

Zitat: Außerdem finde ich es lustig, dass du die Spechverbote auf der einen Seite relativierst -

Baru schrieb:Nö, wurde nicht gesagt.

Auf der anderen Seite es aber sofort wieder bekräftigst -

Was du da zusammenstellst, ergibt mal wieder keinen Sinn. Keine Ahnung was du da willst. Ein Verbot wurde von meiner Seite nicht erwähnt, die Empfehlung zu Fielmann gebe ich also zurück.



Zitat:Oh, doch. In Italien wärst du auch für immer 'Zugereister'. Probier es doch mal aus. Oder in der Schweiz, in der man Deutsche echt nicht so leiden kann. Egal wo du hingehst, die Menschen werden deine Identität nicht nur über deinen Pass, sondern auch über deine Abstammung bzw. deinen Geburtsort definieren.

Du hast aber von meinen Kindern gesprochen, die die neue Sprache perfekt im Kindesalter lernen. Die also in vielen Regionen nicht mal überhaupt auffallen würden und sich selbst überhaupt zu der ausländischen Herkunft bekennen müssten.

Zitat:Dass dir und deinem ägyptischen Geisteswissenschaftler nicht so gefällt, ist mir klar.

Meinem ägyptischen Geisteswissenschaftler gefällt es wirklich nicht, dass du alles immer hin und her biegst.

Zitat:Das ist obsolet, denn Derrida ist kein Philosoph. Er verachtet alles, was objektive Informationen transportieren möchte. Er leugnet sogar Wissenschaft als solche. Deswegen funktionieren deine Utopien auch so gut. Nichts ist wahr, alles ist erlaubt und Vernunft ist nichts, Gefühl ist alles.

Dafür, dass du so hinter dem ursprünglichen Wortsinn hinterher bist, bist aber ziemlich schnell dabei, Begriffe wie Philosoph nach Belieben umzudefinieren.

Zitat:Ja, so lief der Austausch zwischen Völkern schon immer ab. Pauschalurlaub in Touristenhochburgen. Das ist es, wie wir uns kennenlernten.

Das ist der durchschnittliche Kontakt den die meisten Europäer mit anderen Europäern haben. Ist dir nun auch eigentlich klar geworden und du weißt, dass deine Argumentation da doch etwas ins Stolpern geraten ist und deswegen hast du auch nichts argumentatives geschrieben.

Zitat:Ich halte es für ziemlich gefährlich, eine Religionsgemeinschaft als Volk zu bezeichnen und dort nach genetischen Zusammenhängen zu suchen,

Du bist es, der Völker über Genetik definieren will, nicht ich. Ich muss da nirgends nach genetischen Zusammenhängen suchen.

Zitat: obwohl diese Menschen seit Jahrtausenden verstreut leben und nichts anderes als ihren Glauben haben, wie jede andere Religionsgemeinschaft auch. Genau diese Art von Gedankengut hat im 2. Weltkrieg dazu geführt, dass der Volksgedanke des Judentums nicht relativiert werden konnte.

Zitat:Und Selbstdefinitionen sind nun wirklich einfach ein lächerlicher Maßstab.

Selbstverständnis, Selbstbekenntnis. Da schon durch das Selbstverständnis einer großen - und hier mit einer gefühlten gemeinsamen Geschichte - ein Volkskörper zusammenkommt - oder absolut identisch zu anderen Volkskörpern agieren kann - liegt damit auch ein Volk vor.


Zitat:Nach meiner Definition bin ich nämlich ein Einhorn. Das musst du mir jetzt glauben. Ich verstehe mich als Einhorn und ich verlange, dass du mich als solches anerkennst!

Dass du dich für ein Einhorn hältst, ist für mich keine Überraschung. Das ist mir - und wahrscheinlich vielen anderen - schon länger bewusst gewesen. Aber ich gratuliere dir zum Outing, ist ja trotzdem nicht immer einfach.

Zitat:Die Frage nach "Wissenschaftlichen Quellen" ist ebenso absurd, da du hier einen Bereich debattieren möchtest, der sich um Definitionen dreht. Da das geisteswissenschaftlich ist, gibt es dazu nichts, was nicht umstritten wäre. Es ist vollkommen egal, was ich dazu zitiere, es wird immer irgendwen geben, der widerspricht. Das ist keine Mathematik, wo du einen eindeutigen Beweis innerhalb der Mathematik zitieren könntest. Aber Geiseswissenschaftler haben sich seit jeher viel zu ernst genommen.

Jammer nicht, verlinke mir einfach Aufsätze von anerkannten Wissenschaftlern. Die Diversität der Geisteswissenschaften ist mir mit Sicherheit klarer als dir, ich will nur sicher gehen, dass du dir das nicht völlig ausgedacht hast.

Zitat:
Es gibt also keine individuellen Merkmale in Nationen? Es gibt also keine Nationen? Es gibt keine Merkmale? Alles nur ein Konstrukt? Es gibt keine skandinavische Mentalität, keine iranische, keine koreanische? Überall sind die Konzepte und Glaubenssystem normalverteilt?

Du vermischst die Anwesenheit von Eigenschaften und die Häufung von Eigenschaften. Wir haben ein ähnliches Spiel beim Thema Männer und Frauen. Ja, man kann irgendwie den Durchschnitt der Männer vom Durchschnitt der Frauen unterscheiden, da findet man ein paar Häufungen hier und da. Zum Individuum sagt das aber absolut nichts, da der Abstand vom Durchschnitt der Frauen zum Durchschnitt der Männer weitaus weniger groß ist als der Abstand der verschiedenen Häufungspole (der Interessen und Eigenschaften uä.) innerhalb der einzelnen Gruppe.

Zitat:Jeder, der deine Geschichte kennt, wird dich als Migrant sehen. Niemals als vollständiges Mitglied der Volksgruppe, denn das läuft über den Geburtsort.

Du meinst, wie sich Juden wie z. B. Marcel Reich-Ranicki nie als Deutsche gesehen haben, weil jeder sofort das Label "Jude" im Kopf hatte? Berechtigtes Argument.

Aber was hast du genau gemacht? Du hast auf einmal die Einstufung "vollständiges" Mitglied eingeführt und nicht mehr nur die Frage, ob man Mitglied der Nation sein kann oder nicht. Trotzdem natürlich sehr zweifelhaft, ob das wirklich so läuft - oder ob nur Teile der Bevölkerung das vielleicht denken.

Zitat: Das können wir ja beide scheiße finden, aber es ändert nichts an der Sache, dass es deine radikal-konstruktivistische Weltsicht vermutlich so nur in deiner Peer-Group gibt.

Und selbst wenn sie nur in meiner Peer-Group existieren würde - was natürlich nur eine völlig sinnlose Übertreibung von dir ist - wäre sie deswegen immer noch nicht unbedingt falsch.

Zitat:Wenn also dieses Mindset, was viele bei Pegida nunmal als Basis haben, zu Nazis macht, dann ist der überwiegende Teil der Menschheit, der nicht irgendwie Konstruktivist, Relativist oder Marxist ist, Nazi.

Überlasse es mir doch bitte, Menschen als Nazis zu bezeichnen und lege es mir nicht in den Mund. Sowas ist ziemlich ziemlich nervig. Das sind meistens keine Nazis, sondern einfach Menschen, die sowas nicht zu Ende durchdacht haben.
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#51

Da fällt mir ein, dass man in Dänemark unter sein Auto schauen muss bevor man losfährt. Könnte ja sein Es liegt jemand drunter.
Liegt näher als Australien und ist uns ähnlich fremd.

Yankzou;22606 schrieb:Ein ausgedachter bayrischer Bauer und ne Ladung Klischees ist natürlich überzeugender.
Auch dafür existiert ein Beispiel, sonst wäre ich nicht drauf gekommen. Edit Nicht für den Bauer, sondern für das Dialekt reden. Edit Ende
Dein "Klischee" kommt also aus der Realität, aber diese Unterschiede dürften am Altersunterschied liegen.
"I'm a human, I'm a goddamn living thing/ But I'm not really human if I'm just existing/Wasting my time in a complex universe" Lil Bo Weep
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#52

Kirin;22601 schrieb:@Baru
Keine Ahnung, warum das geschenkt ist, wie gesagt: Eine Kommunikation ist problemlos möglich und du kannst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass du hier einen stärkeren kulturellen Unterschied hast als bei einem Studenten aus 'nem x-beliebigen nicht-europäischen Land.

Bei "kulturelle Unterschiede" fühlen sich vermutlich alle gleich angegriffen. Dann ist doch bestimmt einer von denen kein wahrerer Deutscher!!!
Würde ich einfach nur von Gemeinsamkeiten sprechen, wäre die Tendenz zum Widerspruch vermutlich schon deutlich geringer. Ich kann mir dutzende Gemeinsamkeiten von allen möglichen Studierenden und jungen Akademikern zu mir in der Welt vorstellen. Stelle ich mir den älteren bayerischen Landwirt vom Dorf vor, fällt es mir extrem schwer, mir irgendeine Gemeinsamkeit auszudenken. Ich bin offen für Vorschläge.

Zitat:Ich bitte dich, das ist wirklichkeitsfremd und kommt noch dazu rüber wie ein arrogantes Herabtreten gegen eine vermeintlich niedrigere Bildungsschicht.

Ist es nicht. Ich habe erstmal nichts davon bewertet - auch wenn im politischen Rahmen natürlich klar ist, was ich persönlich denke, hauptsächlich fühle ich aber erstmal nur persönlich deutliche Unterschiede - und ich bezweifel auch weiterhin, dass die andere Seite das nicht genauso sehen würde.

Zitat:Keine Ahnung. Als Städter, dessen Familie eher aus dem Land / Dorf kommt kann ich derartiges eher nicht bestätigen (ich komme ja nicht aus Bayern, bezweifle aber, dass der kulturelle Unterschied 20 km weiter wahnsinnig groß ist).

Und wer wählt dann die CSU? Wer genau sieht sich ständig als der Freistaat schlechthin? Ist das für München?

Zitat:Ich dachte, darauf wolltest du hinaus? Hast du nicht genau das sowie den Umkehrschluss angenommen?

Ich gehe davon aus, dass beide Seiten jeweils keine größeren Gemeinsamkeiten finden würden und jeweils Vorurteile und Meinungen über den anderen haben werden, die deutlich machen, dass man sich als voneinander getrennte Gruppen letztlich betrachtet.
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