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Was lest ihr gerade?
#1
Yo Kirin!
#2
Guter Thread. Kriegst morgen 1 ausführliche Antwort.
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#3
Erst mal was für Julia:
Hab gerade den ersten Teil der Gesamtausgabe von Jidéhems "Sophie" durchgelesen, die heute erschienen ist Tongue
Jidéhem hat unter anderem Gaston und Spirou durch seine Mitarbeit massiv geprägt und ist ein toller Zeichner, was in diesem Band nicht so ganz zur Geltung kommt. Hier sind die ersten Abenteuer seiner Sophie gesammelt, die zur ersten weiblichen Protagonistin im frankobelgischen Comicraum wurde, aber hier erstmal nur als Nebenfigur auftaucht. Die Zeichnungen kopieren Franquin sehr bemüht, und die Storys sind zwar sehr nett, aber haben mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Man merkt, dass in dieser Ausgabe die ersten losen Geschichten versammelt sind, in denen annähernd auf Sophie hingearbeitet wird, aber keine regulären Alben. Dupuis hatte damals auch noch kein Vertrauen zu Jidéhem und wollte ihm nicht zu viel zumuten, alles wirkt wie ein Testlauf. Die Serie musste erst Fahrt aufnehmen, ich empfehle daher lieber auf den nächsten Band zu warten (wobei das Hardcover schon sehr geil aussieht im Regal und eigentlich wegen der Optik den Kauf Wert ist).

Ich habe außerdem vor kurzem "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horvath fertiggelesen.
Das Buch spielt während des aufkommenden Nationalsozialismus (und wurde auch in dieser Zeit geschrieben sowie kurz darauf verboten). Hauptfigur ist ein Lehrer, der sich zwar bemüht, opportunistisch zu sein, jedoch wegen seiner durchbrechenden humanistischen Art von seinen Schülern gepiesackt wird. Während eines paramalitärischen Klassenausflugs eskaliert schließlich die Situation und einer der Jungen wird getötet. Parallel zur eigentlichen Handlungsebene wird der Weg des Lehrers zurück zu Gott bzw. der Wahrheit und Aufrichtigkeit beschrieben.
Die Auflösung erfolgt fast krimiartig, der Schreibstil ist bewusst einfach und umgangssprachlich gehalten, mit eingestreuten Gedankenfetzen, die an einen inneren Monolog erinnern.
Eines der besten Werke österreichischer Literatur überhaupt und eines der wenigen Bücher, die ich während meiner Schulzeit lesen musste und lieben gelernt haben.

Noch ein Comic: "Dark Knight - A true Batman Story" ist zwar wahr, aber eigentlich keine Geschichte mit Batman (er und der Joker tauchen hier nur als Hirngespinste auf). Der Comic- und Drehbuchautor Paul Dini beschreibt hier autobiographisch sein ziemlich armseliges Leben, das von Einsamkeit, Depressionen, Selbstverletzung und Selbstmitleid geprägt ist. Nachdem Dini von zwei jungen Männern grundlos zusammengeschlagen und fast verkrüppelt wird, zieht er sich noch weiter zurück - er kann keine Batman-Geschichten mehr schreiben, weil er nicht mehr an Gerechtigkeit glaubt.
Gute, extrem persönliche Story (es muss unheimlich schwer sein, so viel Negatives von sich offenzulegen) und auch zeichnerisch interessant umgesetzt mit vielen Montagen und absichtlich deplatzierten Elementen.
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#4
Wo bleiben eure Lesetipps? Der einzige, der sich in diesem Forum Mühe gibt bin ich, alles was ihr tut, ist kommentarlos Videos in den Was-hört-ihr-grade-Thread zu klatschen Sad
Hängt ma nicht stundenlang im Voicechat ab sondern macht schmatzlers Forum besser!!!!!
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#5
Erstmal lieben Dank Kirin für die Tipps Smile ich bin immernoch am ersten Buch des großen Gaston, zwischendurch mal bissel Marsupilami und Spirou. Ist ein guter Mix, wie ich finde ^^

Die Fantasio & Spirou Sonderausgabe "ein großer Kopf" fand ich nicht so schön gezeichnet. Jede Mimik, jedes Wort wirkte dadurch wie bloße Trollerei. Jedes Lachen hat so etwas schelmisches, dadurch sehe ich in den Figuren beim Lesen nur bösartige Absichten Sad

Gaston hingegen bereitet mir jedes Mal unendliche Freude mit seiner dumm-naiven Art ^^

Btw. "VIOLETTA" liegt hier auch schon vollständig lesebereit. Komme nur grad nicht zu Sad
"Mit Geld im Mund spricht man nicht" - Alligatoah
#6
Julia schrieb:Die Fantasio & Spirou Sonderausgabe "ein großer Kopf" fand ich nicht so schön gezeichnet. Jede Mimik, jedes Wort wirkte dadurch wie bloße Trollerei. Jedes Lachen hat so etwas schelmisches, dadurch sehe ich in den Figuren beim Lesen nur bösartige Absichten Sad
Ja, ich fands auch nicht gut.
Die Spezialbände von Spirou sind immer eine gemischte Tüte, oft ziehen sie da Autoren und Zeichner an Land, die so gar nicht zur Serie passen. Sehr übel sind auch die Uralt-Geschichten von Rob-Vel aus den 30ern, weil die Scans im Grunde unrestauriert sind und die deutschen Texte in den Sprechblasen so aussehen, als hätte man sie mit Paint reingeklatscht (abgesehen davon, dass die Geschichten einfach scheiße sind).
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#7
Ich lese gerade Dantes Göttliche Kömodie, parallel in den Übersetzungen von Hartmut Köhler und Philalethes (letztere gibt's hier). Beide Versionen sind nicht wie das Original in gereimter Versform, sondern in Prosa verfasst - finde ich gut, da durch Quetschungen in ein Versmaß bei Übersetzungen stets ein starker Qualitätsverlust eintritt. (Edit: Jaja, Blankverse sind's bei Philalethes.)
Die alte Philalethes-Version ist sprachlich ungeheuer schön, die Köhler gefällt mir teilweise überhaupt nicht, was auch daran liegt, dass er sich einer aktuelleren Sprechweise bedient und im Grunde eine kommunikativere Variante schaffen wollte, die sich durch den Verzicht auf die Versform näher am Original halten kann. "Lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr hier hereinkommt" finde ich z.B. einfach unglaublich unschön gegenüber Philalethes' "Laßt, die ihr eingeht, jede Hoffnung fahren*", dabei aber gleichzeitig auch nicht viel verständlicher (die alte Version ist tatsächlich nicht viel schwerer zu lesen). Wer Dante lesen will, muss sich aber ohnehin auf eine intensivere Beschäftigung mit dem Text einstellen, und hier punktet die Köhler-Version, weil der italienische Originaltext und enorm umfang- und hilfreiche Kommentare neben der Übersetzung abgedruckt sind. Besonders, wenn man rudimentär italienisch kann, ist es schön, den Text direkt mit der Übersetzung vergleichen zu können, die Kommentare gehen dabei sowohl auf die Übersetzung an sich ein als auch auf kulturelle Zusammenhänge und die literarischen und geschichtlichen Anspielungen Dantes. Empfehlen würde ich daher eigentlich beide Versionen.

*Das Motto von forum.massengeschmack.tv
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#8
Derzeit lese ich das Buch "Die Einsamkeit Israels - Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung" von Stephan Grigat. Ein sehr interessantes Buch, das die Geschichte Israels und des Zionismus beleuchtet. Insbesondere die Pogrome an Juden in den 20er Jahren und auch der Wandel des Antizionismus. Danach wird die Staatsgründung Israels thematisiert. Die darauf folgende Vertreibung von Juden aus den umliegenden arabischen Staaten (das wird ja fast nie erwähnt, es gibt nur palästinensische Flüchtlinge) und - da musste ich tatsächlich Schlucken - die Vorraussetzungen für die Aufnahme nach Israel: Bevor es das Rückkehrgesetz gab, ein Gesetz welches es jeder Person jüdischer Herkunft erlaubt nach Israel einzuwandern, wurden ausschließlich gut ausgebildete und wohlhabende Juden aufgenommen. Anschließend wird der Antizionismus der deutschen Linken besprochen um mit einer Analyse der iranischen Bedrohung abzuschließen.

Auf jeden Fall eine Empfehlung an alle, die sich zum Nahostkonflikt äußern wollen und, wie in Deutschland üblich, keine Ahnung vom Thema haben.
Antigermanismus ist nicht Deutschenhass! Außerdem sollte eine Lehre aus der deutschen Geschichte sein, so etwas wie deutsche Geschichte nie wieder zuzulassen. Leider gibt es immer wieder interessierte Kreise, die die Deutschenhasskeule herausholen, wann immer legitime Kritik an Deutschland vorgebracht werden soll. Die wahren Deutschenhasser sind heute diejenigen, die nicht direkt auf seine Auslöschung hinarbeiten.
#9
Klingt interessant.
Ich habe auch schon davon gehört, dass ärmere Juden, die nach Israel eingewandert sind, häufig diskriminiert wurden.
#10
Hier meine archivierten Reviews aus dem alten Lesethread:

"Wehe, wenn sie wiederkehren" von John Saul
Ein sehr schöner Horrorroman a la King - soll heißen, den Großteil des Buches passiert nichts und Spannung wird nicht nur durch Übersinnliches, sondern auch durch desolate Familienverhältnisse erzeugt. Der Roman handelt von einer früher recht angesehenen Familie, die sich aber inzwischen auf Spendenampel-Gelb-Niveau befindet. Ein Vorfall ein Jahr vor den Ereignissen des Haupthandlungsstrangs, an den sich niemand so recht erinnern kann, traumatisierte Tochter und Vater schwer, wobei erstere stumm und letzterer impotent geworden ist, was zu dementsprechenden Spannungen innerhalb der Familie führt. Die zweite Tochter kümmert sich zwar liebevoll um ihre apathische Schwester und ist Everybody's Darling und der Familien-Saubermann, besitzt aber eine unheimliche Ähnlichkeit zu einem Mädchen auf einem über hundert Jahre alten Bild, dass vollkommen frei von Staub und Dreck im hintersten Winkel des Dachbodens gefunden wurde. Als im Laufe der Zeit immer mehr Kinder in der Gegend des Anwesens der Familie verschwinden, werden die stumme Tochter und ihr Vater den Statdbewohnern immer verdächtiger...
Ein tolles Buch, das ich alle paar Jahre wieder hervorkrame. Trotz den klischeehaften Tropes und den riesigen Plotlöchern spannend bis zum Schluss, inklusive einiger wirklich total abgefuckter Szenen, die sich nicht mal ein Eli Roth abzudrehen trauen würde. Vielleicht auch ein Grund, warum das Buch trotz Bestseller-Status in den 70ern nicht verfilmt wurde

"Ubik" von Philip K. Dick
Dick ist sowieso mein absoluter Lieblingsautor. Seine Bücher sind zwar nicht gut geschrieben, jedoch so doppelbödig und tiefgründig wie kaum ein Werk eines anderen Autoren der "Trivialliteratur". In seinen Romanen und Kurzgeschichten hat der von göttlichen Visionen geplagte Dick so ziemlich alle philosophischen und theologischen Fragen und Probleme abgehandelt, von Platons Politeia bis hin zum Determinismus und der Brain-In-A-Vat-Theorie. In "Ubik" werden der Hauptcharakter und seine Kollegen, Agenten einer Firma, die übernatürlich veranlagte Menschen aufspüren sollen, nach einem Attentat in einer Art künstlichen Tiefschlaf gehalten und finden sich in einer perfekten Simulation unserer Wirklichkeit wieder - abgesehen davon, dass diese langsam verfällt, sich Flugzeuge langsam in Doppeldecker und Dollarmünzen in ältere Währungen zurückverwandeln usw. Das einzige was gegen den "Degenerationsprozess" hilft - Ubik in Spraydosen.
Für Dick-Einsteiger wohl sehr verwirrender, aber auch superspannender Roman, den ich so ziemlich in einem durch gelesen habe. Stellt euch aber darauf ein, nochmal genauso viel Zeit in das Nachdenken über das grade Gelesene zu investieren.

"Die Insel des Dr. Moreau" von H.G. Wells
Wells kennen sicher viele durch "Die Zeitmaschine" und "Krieg der Welten", er hat aber auch viele andere interessante Bücher mit witzigen Ideen geschrieben, die dazu auch noch überaus unterhaltsam geschrieben sind. In diesem Roman strandet ein Schiffbrüchiger auf einer Insel, woraufhin ihm die scheinbar einzigen Einwohner - ein Prototyp eines verrückten Professoren und sein Assistent - eher widerwillig Asyl gewähren. Moreau betreibt eine Forschungsstation, aus der immerzu furchtbares Geschrei von Tieren dringt, bis es der Protagonist nicht mehr aushält und sich dazu entschließt, ein wenig spazieren zu gehen und die Insel zu erkunden. Bald jedoch findet er sich von Halbwesen mit teils tierischen, teils menschlichen Körperteilen verfolgt und realisiert, dass Moreau diese in seiner Forschungsstation kreiert...
Ein wirklich spannender Roman, den ich während des Lesens nur sehr ungern aus der Hand gelegt habe. Heute besitzt das Buch erstaunlicherweise noch mehr Relevanz als im Entstehungsjahr 1896, und jeder mag sich selbst überlegen, wie er die Aussagen Wells' auf Zytoplasmatische Hybride oder Rettungsgeschwister auslegen möchte. Der Schreibstil ist sehr klar und recht nüchtern, leicht verständlich und dabei wenig pathetisch, ganz im Gegensatz zu...
E.T.A. Hoffmann, dessen Weihnachtsmärchen "Nussknacker und Mausekönig" ich gestern gelesen habe. Hoffmann ist wahrscheinlich vielen bekannt durch den "Sandmann", ein Schauerroman, der zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Der Nussknacker ist hingegegen eher an Kinder ausgerichtet (zwei real existierende Kinder übrigens, die in der Geschichte auch direkt vorkommen), wobei Hoffmann selbst in einem Meta-Nachwort über die Tauglichkeit seines Kunstmärchens für Erwachsene diskutiert. Trotzdem gibt es einige schaurige Elemente und einen "künstlichen Uhrmacher", der genau so betitelt wird und von dem auch nicht erklärt wird, was es damit auf sich haben soll (überhaupt ist beim Lesen sehr viel Fantasie gefragt, um die Lücken zu füllen, die Hoffmann ganz bewusst offen lässt). Die Hauptperson ist Marie, ein siebenjähriges Mädchen, das zu Weihnachten einen hässlichen Nussknacker aus Holz geschenkt bekommt, der ihr sogleich sehr gut gefällt und um den sie sich liebevoll kümmert, als ihr Bruder ihm versehentlich beim Knacken einer Nuss die Zähne ausschlägt. In der Nacht erhebt sich der Nussknacker gemeinsam mit Zinnsoldaten und anderen Spielzeugen aus seiner Leblosigkeit und beginnt, mit einer siebenköpfigen Maus, die sich plötzlich durch den Zimmerboden gräbt, ein Gefecht, das er leider verliert. Als Marie die nächtlichen Geschehnisse den Erwachsenen berichtet, glaubt ihr natürlich niemand, bis auf ihren Paten, der ihr den Nussknacker schenkte, sich selbst als ein "künstlicher Uhrmacher" ausgibt und anscheinend schon seit ein paar hundert Jahren existiert. Er erzählt Marie daraufhin (innerhalb des Märchens) ein weiteres Märchen, in dem die Geschehnisse um den Nußknacker und den Mausekönig sehr geschickt aufgedröselt werden. Der Stoff dürfte den meisten als Ballet bekannt sein und wurde auch in unzähligen Kinderfilmen in abgespeckter Version verwurstet, jedoch lohnt sich auch die Lektüre des Originals. Anfangs habe ich mir schwer getan, in die extrem pathetische und kitschige Sprache hineinzukommen - da werden gar hohe Luftsprünge gemacht, es wird gejauchzt und geseufzt usw. - sobald man sich jedoch an den Stil gewöhnt hat und akzeptiert, dass es sich nun mal um Lektüre für Kinder handelt, die noch dazu steinalt ist, hat man ein wunderschönes und für die damalige Zeit erstaunlich postmodernes Märchen, das gerade in der Weihnachtszeit ganz wunderbar zu lesen ist.

"Schlafes Bruder" von Robert Schneider
Einer der bekanntesten und gerühmtesten Romane aus Österreich von einem recht kontroversen Autor, der hiermit in den 90ern sein Erstlingswerk ablieferte. Die Geschichte und der Sprachduktus erinnerten mich ein wenig an "Das Parfum", kann aber nicht genau erklären, warum.
Das Buch dreht sich um Elias, der körperlich entstellt und unheimlich musikalisch begabt in einem Dorf voller inzestiöser sowie neid- und hasserfüllter Volltrottel aufwächst. Ich möchte hier nicht spoilern (selbst wenn man das Buch sowieso gelesen haben sollte, auch wenn ich es zu lange vor mir hergeschoben habe), aber wer auf göttliche Visionen, unerfüllte Liebschaften und tragische Schicksale steht, wird hier fündig - solange man mir Schneiders Sprachstil klarkommt.
Gerne pickt er sich Vokabeln aus dem Vorarlberger Dialekt oder vergangenen Jahrhunderten heraus oder erfindet gleich selbst welche, der Stil ist pathetisch, auf jeder zweiten Seite wird betont, wie tragisch das Schicksal des Elias doch ist und wie schwer, eine so furchtbare Geschichte überhaupt zu erzählen. Wenn man sich darauf einlässt, ist dieses bewusste Ironische unterhaltsam, kann mir aber vorstellen, dass es vielen unglaublich auf den Senkel geht.
In der Kritik wurde das Buch enorm positiv aufgenommen und gar als Klassiker der modernen Literatur bezeichnet, ganz im Gegensatz zu Schneidern Folgeromanen, die teilweise so schlecht geschrieben waren, dass Literaturkritiker in der Retrospektive "Schlafes Bruder" als einen zufälligen Erfolg und nicht als ein Produkt schriftstellerischer Finesse deklarierten.
Es soll sich jeder seine eigene Meinung bilden, gelesen haben sollte man den Roman auf jeden Fall.

Ich lese gerade den Kurzgeschichtenband "Ich muss schreien und habe keinen Mund" von Harlan Ellison (der Titel klingt auf Deutsch scheußlich).
Von Ellison als Person kann man halten, was man will, aber viele der Geschichten sind großartig - meine absolut liebste Kurzgeschichte aller Zeiten findet sich auch hierin, nämlich "Jeffty ist fünf".
Der Erzähler hat darin einen fünfjährigen Nachbarsjungen, der nicht älter zu werden scheint und anscheinend auch in einer Zeitschleife hängt (z.B. werden auf seinem Radio neue Folgen von Hörspielen gespielt, die schon lange abgesetzt wurden). Im Laufe der Handlung werden die Konfrontationen zwischen Jeffty und der normalen Welt immer problematischer und Ellison rechnet auch mit einigen zeitgeistigen Entwicklungen ab, die ihn persönlich auf die Nerven gehen. Wunderbar lesenswerte Sammlung, die titelgebende Geschichte ist natürlich auch ein Klassiker.

Ich lese im Moment wiedermal die Bücher von Jürgen Sprenzinger.
Der Mann ist sowas wie ein Pre-Internettroll und hat verschiedensten Firmen idotische Briefe geschrieben ("Sehr geehrte Frau Johnson, Sehr geehrter Herr Johnson, ich hätte da eine Männerslipeinlage erfunden.")
Grundsätzlich ist das sehr lustig, aber auch nur dann, wenn er überhaupt Antworten von den jeweiligen Firmen bekommen hat bzw. welche, die nicht aus Textbausteinen bestehen.
Besonders die späteren Bücher kranken daran, dass viele Firmen Sprenzinger schon kennen und ihm hauptsächlich Antworten á la "Wir wünschen ihnen viel Glück bei der Promotion für ihr Buch" senden. Wirklich unterhaltsam sind daher nur kleine Teile der Bücher. Ist aber auf jeden Fall was Nettes für zwischendurch und teilweise sehr spaßig. Gebraucht kriegt man die Bücher für zwei, drei Euro, da macht man nicht viel falsch.

Außerdem von Stephen Fry - "Geschichte machen".
Ja ok, das war eine der schlimmsten Leseerfahrungen, die ich je gemacht habe. Und das, obwohl ich es sehr bald weggelegt habe. Die Prämisse, dass ein Wissenschaftler zurück in die Zeit reist, um Hitler zu töten, hat mir gut gefallen, aber Frys Schreibstil ist sowas von unerträglich, arrogant und prätentios... ich kann es nicht mal genau festhalten, aber es war schrecklich. Nie, nie wieder will ich das Buch anrühren.

Habe heute den Punisher-Run von Jason Aaron fertiggelesen (gezeichnet von Chuck Dillon, erschienen in vier Bänden, soweit ich weiß keine deutsche Übersetzung vorhanden).



Ähnlich wie bei Daredevils "End of Days" geht es hier um die letzten Tage und den Tod von Frank Castle alias dem Punisher, einem Vietnamveteranen, der das Verbrechen bekämpft und auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt. Die Handlung spielt in der Gegenwart, Castle ist Mitte sechzig und psychisch und physisch in einer eher suboptimalen Verfassung. Ganz New York befindet sich im Besitz des Kingpin, den man auch aus den Spiderman- und Daredevilcomics kennt. Als ultimativen Machtbeweis - und weil Castle ihm seine Geschäfte verpfuscht - setzt dieser den absolut psychopathischen Auftragskiller Bullseye auf den Punisher an, der sich auf eine unglaublich kranke Art in Frank Castles Geist versetzt und dabei hinter sein dunkelstes Geheimnis kommt.
[Bild: hcRbrBZ.jpg]
Selten hat mich ein Comic so angewidert und zur gleichen Zeit begeistert. Die Gewalt ist mehr als extrem, es wird in jedem Kapitel jemand vergewaltigt oder auf die schlimmsten erdenklichen Arten gefoltert. Weder Dillon noch Aaron haben sich zurückgehalten, andauernd spritzen irgendwelche Augäpfel durch die Gegend, und die wirklich bösen Dinge werden nur angedeutet und nicht gezeichnet, was es irgendwie noch schlimmer macht. Trotzdem ist das Ding extrem gut geschrieben, die Handlungsstränge werden sehr intelligent aufgebaut und miteinander verwoben, die Charaktere sind hervorragend geschrieben und keine Schießbudenfiguren, sondern Menschen mit Motiven und psychologischer Tiefe. Insbesondere Bullseye wurde noch nie so faszinierend geschrieben und gezeichnet:
Spoiler anzeigenSpoiler:
Jedem, der gern Comics liest und mit sehr, sehr, sehr harten Gewaltdarstellungen sowohl physischer als auch psychischer Natur klarkommt, kann ich die vier Bände wirklich ans Herz legen. Mit der üblichen Marvelkacke, wie man sie im Cinematic Universe mitkriegt, hat das nichts mehr zu tun.

Ich wurde im Smalltalk-Thread gebeten, doch einige Comicempfehlungen für Einsteiger abzugeben. Es freut mich immer sehr, wenn Neulinge sich an dieses Medium heranwagen. Ich habe im anderen Thread schon erwähnt, dass ich eine besonders enge und nostalgische Bindung zu Comics habe, weil ich mit einer recht umfangreichen Comicsammlung aufgewachsen bin und im Endeffekt damit lesen gelernt habe. Trotzdem finde ich Comics als Medium an sich auch objektiv gesehen sehr interessant: Man hat im Grunde eine Verbindung von Literatur und bildnerischen Medien, diese Kombination ermöglicht viele Variationen und Experimente ästhetischer und narrativer Art, auf die ich in der folgenden Textwand eingehen werde.
Comics sind näher am Film als an der Literatur, da einem vorgegeben wird, was man zu sehen hat, aber nicht so starr wie ein Film, da der Leser sich sein eigenes Tempo aussuchen und bei interessanten Szenen verharren kann.

Am Anfang nur kurz zur Differenzierung: Im Smalltalk-Thread hat Deepy sich von westlichen Comics an sich distanziert, da ihm die Rollenverteilung von Gut und Böse zu simpel ist, sikev hat das gleiche über Superheldencomics behauptet. Das ist natürlich Quatsch, gerade in letzteren wurde moralisch sehr viel Fundament aufgelöst, und wer beispielsweise den „Dark Knight“ von Frank Miller liest, wird sich bei der Beurteilung, welcher Charakter nun gut und welcher böse ist, sehr, sehr schwer tun. Abgesehen davon haben amerikanische und europäische Comics überhaupt nichts gemeinsam und können kaum in einem Topf geworfen werden. In den Nachkriegsjahren haben sich auch auf dem Comic-Markt zwei harte Fronten herausgebildet: Während in Europa „Funnies“ á la Lucky Luke, Donald Duck & Co. florierten, war der US-Markt schon sehr bald auf Action fokussiert (obwohl die Funnies hier natürlich geboren wurden, siehe Carl Barks). So etwas wie Micky-Maus-Hefte oder Asterix gibt es in den USA nicht, gleichzeitig wird man im frankobelgischen Raum keine selbstproduzierten Superheldenserien finden (obwohl Superman & Co. sich in Frankreich sehr gut verkaufen).

Ich persönlich bin mit frankobelgischen Comics aus den 70ern groß geworden und habe diesbezüglich sehr schöne Kindheitserinnerungen. Besonders empfehlen kann ich Andre Franquin, der mir mit Gaston und Spirou & Fantasio viele enorm lustige Stunden bereitet hat. Diese Serie, die zu den ganz großen europäischen Comicwerken gehört, wurde später durch verschiedene Autoren übernommen, von denen ich teilweise nur abraten kann (insbesondere Fournier halte ich für einen reinen Erbschleicher). Erst Tome & Janry haben der Serie neuen Wind verliehen, auch, weil sie sich erstmals so richtig an einem erwachsenen Publikum orientiert haben und ihr Spirou von makabren Witzen nur so wimmelt.
Zum Einsteigen empfohlen: „Abenteuer in New York“, „Mafia, Mädchen und Moneten“, „QRN ruft Bretzelburg“ sowie „Marilyn ist nicht zu stoppen“.

Eine ganz besondere Empfehlung betrifft „Spirou – Porträt eines Helden als junger Tor“ von Emile Bravo. Es handelt sich um einen Sonderband, eine Art Reboot während der politischen Spannungen der 30er Jahre. Besonders die Zeichnungen sind hier supersüß (und kontrastieren damit die sehr dramatische und traurige Handlung) und sehr flüssig aufgebaut. Während des Lesens hat man aufgrund des Storyboard-artigen Zeichenstils permanent das Gefühl, eigentlich einen Film zu schauen, was nicht viele Comics schaffen.

Wer eher auf Abenteuercomics steht, ist mit Yoko Tsuno gut beraten. Die Serie dreht sich um eine japanische Computerspezialistin, die auf der ganzen Welt (und auch darüber hinaus) Rätsel verschiedenster Art löst. Hier kann ich die deutschen Sammelbände empfehlen, die zwar relativ teuer sind, aber enorm interessante Hintergrundinformationen enthalten. Die Comics haben einen interessanten Sight-Seeing-Charakter, Autor und Zeichner Roger Leloup hat für die Recherche zu seinen Alben verschiedenste Orte bereist und die Szenerie in seinen Heften sprichwörtlich bis auf jeden Dachgiebel (kein Scherz) akribisch eingefangen.
Für Einsteiger würde ich den Sammelband „Yoko Tsuno - Die deutschen Abenteuer“ empfehlen, die an verschiedenen Orten in Deutschland spielen und in ein eher realistisches Setting eingebettet sind. Die Science-Fiction-Geschichten waren mir teilweise zu abgespacet. Wer auf sowas steht, kann aber vermutlich mit „Sillage“ etwas anfangen, leider habe ich aber nicht mehr genug von der Handlung im Kopf, um auf diese Serie genauer einzugehen - Ich weiß bloß noch, dass sie mir sehr gut gefallen hat.

Ein sehr merkwürdiger frankobelgischer Comic sind die „Haarsträubenden Abenteuer von Herrn Hase“. Besonders haarsträubend sind sie tatsächlich eher nicht, es geht vorrangig um die Alltagsabenteuer einiger Mittzwanziger mit Tierköpfen, die besonders durch ihre Banalität sehr surreal wirken. Wer auf enorm viel schwarzen Humor, unaufgeregte Handlungsstränge und das vollkommene Fehlen von Action fehlt, kommt hier voll auf seine Kosten. (Seit Herr Hase im letzten Band gestorben ist, geht die Serie übrigens als „Die erstaunlichen Abenteuer ohne Herrn Hase weiter).
mMn bester Band: "Wie das Leben so spielt"

Bei den amerikanischen Comics würde ich erst einmal empfehlen, sich mit den drei Autoren zu beschäftigen, die das Genre der Superheldencomics für mich und viele andere in ihren Grundfesten erschüttert haben – als erstes natürlich Der Spirit von Will Eisner. Der Spirit ist im Grunde ein von den Toten auferstandener Detektiv im Stil von Radio-Trashhelden wie dem Shadow, aber interessanter als die Handlung sind hier die Zeichnungen (nicht umsonst ist der Eisner-Award inzwischen die höchste Auszeichnung in der Comickunst). Eisner hat die starren Grenzen der Panels aufgesprengt, mal bildet eine Seite den Querschnitt eines Hauses ab – mit jedem Panel als Zimmer, mal sind sie wie ein Kinderbuch angeordnet, mal gehen sie flüssig ineinander über usw.
Heute sind zumindest in den USA Comics mit klar definierten Panels kaum noch denkbar, zu verdanken haben wir das Eisner.
Eine gute Empfehlung für Einsteiger ist der Sammelband "Spirit - Die besten Geschichten".

Alan Moore war dann der Autor, der Comics erzählerisch auf ein so hohes Niveau gehievt hat, dass auch Literaturkritiker sich erstmals damit befassten. In „Watchmen“ dekonstruiert er das Image des Superhelden und des amerikanischen Traums an sich, die Zeichnungen von Dave Gibbons folgen ganz bewusst einer starren prä-Eisner-Struktur und beinhalten Unmengen an Symbolen und Leitmotiven, deren Suche enorm viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Dass „Watchmen“ Comics an sich so viele neue erzählerische Ebenen geöffnet hat, ist übrigens auch der Grund, warum viele Comicfans auf die Verfilmung von Zack Snyder allergisch reagieren. Watchmen zu verfilmen bedeutet, den Stoff auf seine Handlung zu reduzieren und dieses Werk nicht als das zu sehen, was es verdammt noch mal ist, sein will und sein muss – Ein Comic. Das hat dann irgendwann total absurde Formen angenommen, als ein Motion Comic produziert wurde, d.h. die einzelnen, starren Panels wurden als eine Art Zeichentrickfilm für Arme hintereinandergezeigt, während ein Erzähler die Sprechblasen vorlas... ughh.

Die dritte große stilprägende Arbeit war natürlich „Batman – The Return of the Dark Knight“, aber darauf will ich jetzt gar nicht gesondert eingehen. Viele lieben es, viele finden es scheiße, auf jeden Fall war es prägend für diese „gritty“ Atmosphäre, die sich auch heute noch durch Batman-Comics zieht, und v.a. erlaubte es erstmals die Interpretation, dass Batman eigentlich kein Held, sondern ein halbwahnsinniger Psycho mit kaputten Idealen und Machiavelli-Einstellung ist (das hat Grant Morrison in seiner gestörten Batman-R.I.P.-Saga dann bis zum Exzess ausgeschlachtet).

Interessanter finde ich ein anderes Werk von Frank Miller, und zwar seine Interpretation von Daredevil. Daredevil war nie der coolste Superheld, sondern eher eine Art Spidey-Klon in blind und ohne Netz, immer mit einem blöden Spruch auf den Lippen und kaum interessanten Handlungssträngen. Das änderte sich, als Miller nicht nur die Zeichnungen, sondern auch den Plot übernahm und sich das ganze zu einer emotionalen Achterbahnfahrt entwickelte, in der irgendwann nicht mehr Daredevil, sondern Matt Murdock (die Person hinter der Maske) im Vordergrund stand. Ich empfehle besonders „Daredevil vs. Bullseye“ (eine Zusammenstellung auch mit prä-Miller-Comics, die aber dennoch sehr gelunden ist) sowie „Daredevil - Offenbarung“, dem Abschluss von Millers Saga, in dem Murdock durch den Gangsterboss Kingpin emotional und psychisch gebrochen wird. Direkt im Anschluss am besten „Daredevil - In den Armen des Teufels“ von Kevin Smith (ja, dem Filmregisseur) lesen, der verschiedene religiöse, moralische und spirituelle Subtexte enthält und in dem ein wichtiger Charakter in Murdocks Leben sterben muss (dauerhaft, was in Comics ja nicht allzu oft vorkommt).

Hier noch einige gute Elseworldsstories (nur kurz angerissen):
The Doom that Came to Gotham von Mike Mignola (Hellboy) – Eine der besten Batmangeschichten aller Zeiten. Spielt im viktorianischen Zeitalter und beinhaltet sehr viele Lovecraft-Elemente. Die Story ist sehr komplex, verschachtelt und intelligent aufgebaut, ich musste oft zurückblättern, um den Durchblick zu behalten. Ein Comic, für den man sich wirklich Zeit nehmen muss und nichts zum mal nebenbei durchblättern – am besten mit einer Tasse Tee und Kuscheldecke in einem Rutsch lesen. Die Zeichnungen sind an den Expressionismus angelehnt und verleihen der Story eine sehr düstere, trockene Atmosphäre, die kreative Reinterpretationen von Charakteren wie Green Arrow oder Two-Face hat mich sehr überzeugt.
Marvel 1602 – Wie hätten die klassischen Marvelcharaktere vor 400 Jahren ausgesehen? Sehr interessante Idee, gut umgesetzt von Starautor Neil Gaiman. Hat mich wegen der vielen Intrigen und dutzenden Handlungsstränge mit verschiedenen Charakteren stark an GoT erinnert.
Superman: Red Son – Was wäre passiert, wenn Clark Kent nicht in den USA, sondern der Sowjetunion gelandet wäre? Witziges Szenario, aber nichts tiefsinniges, beinhaltet jedoch einen der besten Fights zwischen Supie und Batman.
„Supreme Power“ von JMS (Original von Mark Gruenwald)
Die vermutlich gelungenste Superheldendekonstruktion überhaupt. Interessant hierbei ist, dass die Comics unter dem Marvel-MAX-Label veröffentlicht wurden, aber die Charaktere im Grunde Parodien auf DC-Helden wie Superman (Hyperion), Batman (Nighthawk) oder the Flash (the Blur) sind. Die Geschichte beginnt mit dem klassischen Supie-Aufbau: Ein UFO mit einem nackten Baby drin semmelt über einem Maisfeld ab, nur wird dieses hier direkt von der US-Regierung eingezogen und mit Propaganda indoktriniert, sobald klar ist, dass Hyperion über Superkräfte verfügt. Hyperion wächst sozial isoliert bei „Pflegeeltern“ auf und wird zu einer Superwaffe ausgebildet, während andere Superhelden vor ganz anderen Problemen stehen: Um den Blur schlagen sich verschiedenste Werbefirmen, die sein Kostüm mit Product Placement zukleistern wollen, während der afroamerikanische Nighthawk, nachdem seine Eltern von Rassisten erschossen wurden, selbst ausschließlich Schwarzen hilft und tatenlos zusieht, wenn Weiße verprügelt oder ausgeraubt werden. Sehr gesellschaftskritische Reihe und vielleicht die intelligenteste und realistischste Superheldenreihe überhaupt. Die Fortsetzung „Squadron Supreme“ war nicht mehr so heiß, da der Autor ausgetauscht wurde. Ich empfehle die Bände „Supreme Power #1 - 3“ und die Einzelausgaben „Nighthawk“, „Hyperion“, „Dr. Spectrum“ sowie „God's and Soldiers“.

Non-Superhelden-Comics aus den Staaten:


"Air" von G. Willow Wilson (übrigens eine der wenigen muslimischen Comicautorinnen).
Eine Stewardess verliebt sich unsterblich in einen ziemlich verdächtigen Passagier, von dem sie sich nicht ganz sicher ist, ob er ein Terrorist ist oder nicht, und wird immer tiefer in einen Sumpf aus konkurrierenden Geheimorganisationen gezogen – bis die Geschichte irgendwann total abgeht und zwischen Mindfucks und spirtuellem Bla versumpft (und das ist noch nicht mal negativ gemeint). Sehr aktuell, da auch problemstellungen wie Integration und Salafismus behandelt werden.

"Maus" von Art Spiegelman
Maus erzählt die Geschichte von Spiegelmans Vater, einem Ausschwitz-Überlebenden, der durch seine Erfahrungen geizig, eigenbrötlerisch und allgemein schwierig und unangenehm wurde. Charaktere werden je nach ihrer Nationalität mit unterschiedlichen Tierköpfen gezeichnet, wohl um das Grauen der Geschichte etwas zu chiffrieren, die Zeichnungen sind holzschnittartig, hart schraffiert, detailfrei und ausschließlch schwarzweiß (was wohl auch eine moralische Aussage darstellen soll).

Der Sandman-Zyklus von Neil Gaiman
Der Herr der Träume, Morpheus aka Dream, wird versehentlich von Okkulisten beschworen und gefangen – die wissen allerdings nicht recht, was sie mit ihm tun sollen, eigentlich wollten sie seine Schwester, Death. Dream wird sicherheitshalber in einer Glaskuppel eingesperrt, woraufhin Menschen auf der ganzen Welt Schlafstörungen erleiden. Irgendwann schafft Dream es, auszubrechen, und macht sich auf die Suche nach seinen Artefakten, die ihm gestohlen und verkauft wurden.
Die Geschichten sind episodenhaft aufgebaut, stehen manchmal für sich alleine, aber immer in einem großen Kontext. Sandman ist ein tiefsinniges Epos von enormen Ausmaß und mit unzähligen Subtexten und Querverweisen, das auch von Literaturkritikern und Schriftstellerkollegen voller Bewunderung aufgenommen wurde – vollkommen zu recht. Am besten in einem durchlesen, wenn man mal sehr lange nichts zu tun hat. Ich habe den Fehler gemacht, mir die Einzelbände in monatlichen Abständen zu holen und bin dabei irgendwann komplett rausgekommen.
Wer erstmal reinschnuppern will: Den Einzelband „Death“ kaufen, der komplett abgeschlossene Geschichten aus dem selben Universum erzählt.

Miraculum, hab ich dir eigentlich in meiner PN die "Schwarzen Gedanken" von Franquin empfohlen? Naja, pack ich es hier noch mal rein
Franquin (der Autor/Zeichner von Spirou und Gaston) war zeitweise in einer sehr depressiven Phase, in der er einen neuen Comicstrip verfasste, der sich von seinen vorherigen Arbeiten grundlegend unterschied: Die Zeichnungen sind ausschließlich in Schwarzweiß, der Humor ist bitterböse, sehr makaber und dreht sich vorrangig um den Tod (besonders Selbstmord) sowie harte Attacken gegen Politik und Religion.
Die Strips sind oft explizit (links-)politisch und sprechen ein ganz anderes Publikum an als Franquins sonstige Comics. Ich musste mich erst dran gewöhnen, aber als ich mich auf den düsteren Stil eingestellt hatte, hat mir diese Serie ebenfalls sehr gut gefallen.

"Fuck Fairyland" bzw. aus vertriebstechnischen Gründen jetzt "I hate Fairyland" von Skottie Young
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Dieser schöne, kleine Independentcomic ist die Antisthesis zu Alice im Wunderland, Narnia und Co., der erste Paperback ist nun vor ein paar Tagen endlich rausgekommen.
Die Geschichte beginnt mit der grünhaarigen Gertrude, die sich (zumindest laut dem vermutlich lügendem Erzähler, der von ihr nach ein paar Seiten ohnehin abgemurkst wird) schon immer gewünscht hat, in eine magische Welt zu reisen - bis sich plötzlich der Boden unter ihren Füßen öffnet und sie ins Fairyland fällt (nicht ohne sich dabei jeden Knochen zu brechen). Hier tragen die Orte Namen wie Peppermint Pike oder Candy Rock und sehen auch genauso aus, die Bewohner des Landes sind sprechende Pilze (bzw. laut Gertrude "Dickheads"), Glücksbärchis & co.
Leider hat das Mädchen aber gar keinen Bock auf diesen kitschigen Scheiß und mordet sich Kill-Bill-mäßig durch die verschiedensten magischen Kreaturen, um den verborgenen Schlüssel zu finden, der sie wieder in ihre Welt bringt.
Die Zeichnungen sind ultrabrutal, Schimpfwörter hingegen werden konsequent durch niedliche Ausdrücke ersetzt ("Muffin Fluffin' Son of a Biscuit!").
Der Gimmick, Niedlichkeit mit Gewalt zu mischen ist natürlich seit Happy Tree Friends, South Park & Co. ausgelutscht, hier wird das ganze aber ergänzt durch Tropes aus Kinderbüchern, die in ihr Gegenteil verkehrt werden, Witze, die tatsächlich ganz clever sind und zünden, Charaktere, die abscheulich sind und einem trotzdem ans Herz wachsen und enorm gelungene Zeichnungen, die eine einzigartige Atmosphäre schaffen und die Geschichte so flüssig machen, das man das Gefühl hat, einen Cartoon zu sehen.
Hat mir sehr viel Spaß gemacht und kann ich guten Gewissens weiterempfehlen, wenn man sich an Gewalt nicht stört.
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#11
"Schlafes Bruder" sagt mir sogar was, wir haben uns im Deutsch-LK damit mal befasst, glaube ich.

Ich selbst lese grade "A history of the present illness" von Louise Aronson.
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Grob gesagt geht es um verschiedene Patienten eines amerikanischen Krankenhauses sowie Leute, die dort arbeiten.
#12
Kitschi;3158 schrieb:
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Zur Zeit "Wild".

[Bild: t2vlww7.jpg]

Weil ich unbedingt den Film noch sehen will. Aber der soll ja nicht so gut sein, weil ja schon mal die ganze Vorgeschichte fehlt bzw. ihm die dramatischen Wendungen arg gestutzt wurden.
*auf Youtube
#13
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#14
Kitschi;3273 schrieb:
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*auf Youtube
#15
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