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Was lest ihr gerade?
#181

Kann man doch einfach mal 30 Tage gratis testen?

Oder ich lese dir einfach sämtliche Rita Falk-Romane vor, dann bist du auch beschäftigt.
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#182

Zankyō;27997 schrieb:Kann man doch einfach mal 30 Tage gratis testen?

Solange keiner eine Empfehlung gibt, verzichte ich lieber erstmal drauf. Im Zweifelsfall reaktiviere ich lieber mein Audible-Abo.
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#183

Hab mir das auch schon ab und an überlegt, kostenlos zum Testen wäre vielleicht akzeptabel (außer man vergisst - wie ich gerne - zeitnah zu kündigen). Aber von den Büchern, die ich so gesucht habe, war vielleicht eines unter 50 in dem Kindle unlimited inbegriffen. Eine eher enttäuschende Quote, aber für Leute die viel Fatnasy- oder Herzschmerz-Romane lesen scheint es sich eher zu rechnen.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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#184

Zumindest bei Fantasy dürfte sich das auch nicht lohnen. Außer natürlich für bekannte Klassiker wie "Die Chroniken von Waldsee" (sic!).
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#185

Habe grade "Aufzeichnungen aus Jerusalem" beendet, eine Graphic Novel von dem Kanadier Guy Delisle. Hatte von ihm zuvor schon "Pjöngjang" gelesen, das ebenso eine Art Comictagebuch über seine Arbeit als outgesourcter Trickfilmproduzent in Nordkorea ist. In diesem Werk ist er mit seiner Frau Nadège und seinen zwei kleinen Kindern in Jerusalem unterwegs, da seine Frau für Ärzte ohne Grenzen dort eingesetzt wird.

Das Buch mit dem sehr reduzierten Zeichenstil und insgesamt vielleicht drei Farbklecksen auf über 330 Seiten lebt von den skurrilen Alltagsbeobachtungen und dem Versuch, ein ganz normales Familienleben in dieser Stadt voller Mauern und Waffen zu führen, wobei er mit seinem kanadischen Background und seinem Wohnsitz in Frankreich eher dem europäischen Lifestyle denn dem nahöstlichen nahesteht.

Interessant ist beispielsweise seine Gegenüberstellung zweier Touren: Er unternimmt mit "Breaking the silence", einer Organisation ehemaliger israelischer Soldaten, die den Armeekodex des Schweigens gebrochen haben, um auf Mißstände aufmerksam zu machen, eine Tour durch die von Siedlern besetzten Gebiete in Hebron und stellt dies dann einer Tour durch Hebron gegenüber, die sie anschließend unter der Leitung von Siedlern unternommen haben.

Zu einer Art Running-Gag entwickeln sich seine Versuche, Militärposten & Fahrzeuge zeichnen zu wollen, wobei er immer wieder von den Wachleuten fortgeschickt wird - oder seine Versuche, an unterschiedlichen Orten Comic-Zeichenkurse zu geben, die von den Schülern höchst unterschiedlich aufgenommen werden und diese teilweise erzürnt den Saal verlassen.

Selten wertet er, meistens beschreibt und zeichnet er die Dinge einfach wie sie sind - und streut immer wieder nebenbei interessante Fakten ein, wie zum Beispiel: Daß die Maria-Magdalena-Kirche sieben goldene Dächer hat, die - um ihren Glanz zu erhalten - alle 20 Jahre erneuert werden mussten. Die dafür eingesetzte Vergoldung besteht aus Goldamalgam, dessen Quecksilberanteil man anschließend verdampft. Da diese Dämpfe extrem gesundheitsschädlich sind, bot man russischen Todeskandidaten an, die Renovierung zu übernehmen. Die Sträflinge konnten nach getaner Arbeit noch ein oder zwei Jahre vor sich hinsiechen, bis sie dann an den Folgen starben. Mittlerweile setzt man allerdings auf den teureren galvanischen Weg und spart sich diese Leben.

Alles in allem finde ich das Buch nicht nur höchst unterhaltsam, sondern auch sehr lehrreich. Das mag zwar einerseits daran liegen, daß meine Vorkenntnisse über Jerusalem ziemlich dürfig waren, andererseits bin ich aber doch überzeugt, daß auch Leute mit einem breiteren Basiswissen was aus den Geschichten mitnehmen können.

Ein paar Bilder:

Spoiler!:


Jetzt bin ich mal gespannt auf Palästina von Joe Sacco. In "Aufzeichnungen aus Jerusalem" versucht Guy Delisle unter anderem, einen Workshop in Gaza anzubieten. Dies wird seitens der Regierung allerdings mit den Worten "Oh nein, nicht der mit den Comics" unterbunden. Guy vermutet, daß die Israelis ihn mit Joe Sacco verwechselt haben.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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#186

Gerade "Sie befinden sich hier" von Kathrin Passig durchgelesen.

kA so recht, was das sein soll. Den Verstand im Schnee verlieren für Intellektuelle?
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#187

Hab mir den "Teratologen" geholt und lese den jetzt immer, wenn ich Hunger habe!

Das US-Cover sieht übrigens anders aus:

Spoiler!:


AgentSands, du liest doch viel: Kennst du Edward Lee?
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#188

Leider nein, hab ihn grad mal gegoogled, aber noch nichts von ihm gelesen.

// "Sie befinden sich hier" fügt sich somit anscheinend in das Universum der Riesenmaschine ein, da bin ich mir auch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Die Lust an Sprache in Kombination mit verschwurbelten Ideen ist offensichtlich, aber...naja.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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#189

Ich verstehe auch nicht ganz, was der "Teratologe" vermitteln möchte.

Also anfangs hat man da folgende Szene: https://www.festa-verlag.de/media/Der_Te...eprobe.pdf (Vorsicht, sehr ekelhaft)

Jetzt ist im späteren Verlauf aber z.B. ne Situation, wo ein deformierter Mensch einer normalen Frau sein 20 x 17 cm Teil (mit Eichel so groß wie ein Apfel!) irgendwie die Kehle runterrammt. Das funktioniert ja eher nicht. Da frag ich mich, warum sie die Größe nicht anpassen oder diese Frau wiederum noch Zähne und einen intakten Kiefer hat. Also da wird dann irgendwie von dem Horror/Gewalt/Ekel Aspekt abgewichen und es ist nur noch absurd, aber ja auch nicht absurd-komisch.
Zumindest find ich das nicht sonderlich witzig, kA.
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#190

Bin ich der einzige, der beim US-Cover von "Teratologist" eine große Vulva erkennen kann?




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Oder liegt das nur an meiner letzten Lektüre?

Feuchtgebiete von Charlotte Roche

Sollte ja eigentlich jeder hier grob kennen.

Skandalbuch von vor fast 10 Jahren in der eine junge Frau mit einer Analfisur im Krankenhaus liegt und aus der Ich-Perspektive von unzähligen ekelhaften Verhaltensweisen berichtet, die sie praktiziert und die vorzugsweise was mit ihrer Vagina zu tun haben. Wer Details will, soll das Buch lesen. Den Rest kann man schnell zusammenfassen: Traum der Protagonistin Helen ist es, ihre geschiedenen Eltern wieder zusammenzubringen, deswegen reißt sie sich absichtlich die Operationswunde wieder auf. Ihre Eltern kommen aber gar nicht zu Besuch nach der Not-OP und so verlässt sie das Krankenhaus mit Pfleger Robin. Das ist in etwa die gesamte Handlung.

Zankyo, ich stimme deiner Interpretation zu. Ich denke auch, dass es nicht um Sex geht. Der kommt nur mal vor, um die Fallhöhe hin zum Ekel zu erhöhen. Am Anfang fand ich ein paar Stellen des Buches sogar noch halbwegs witzig, aber in der zweiten Hälfte war das auch nicht mehr der Fall. Psychologisch ist das Buch schon etwas interessanter. Das Buch beginnt mit einer Widmung, in der die Autorin(?) sich positiv für die Altenpflege im Kreis der Familie ausspricht, damit die geschiedenen Eltern wieder zusammenleben und bis zum Tod in das selbe Ehebett gelegt werden können. Das sei größtes Glück. Irgendwann läge es in ihrer Hand.
Die Protagonistin ist ebenso nicht einverstanden mit der Scheidung ihrer Eltern und versucht diese umzukehren. Dabei nennt sie gar nicht die Gründe für die Scheidung der Eltern, sie spricht auch nicht über die Trennungsphase. Sie erzählt aber von einem anderen Ereignis: Dass sie vor Jahren ihre Mutter und ihren Bruder bewusstlos in der Küche gefunden hat und den Rettungsdienst dann gerufen hat, weil das Gas vom Herd angestellt war, wohl als versuchter Selbstmord der Mutter mit ihrem kleinen Sohn. Mit ihr hat aber nie darüber jemand gesprochen. Und sie stellt sich dabei auch selber die Frage: "Warum wolltest du [Mama] mich nicht mitnehmen?"

Gleichzeitig sagt aber Helen auch von sich: "Die ganze Familie hat nie darüber gesprochen. Mit mir jedenfalls nicht. Deswegen bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das geträumt habe oder erfunden und mir selbst so lange eingeredet, bis es wahr wurde. Könnte sein." Diese Unsicherheit hindert sie aber nicht daran, ihrem Bruder trotzdem die Geschichte so zu erzählen, dass es auf jeden Fall Fakt ist, dass seine Mutter ihn mit Schlafmittel im Fläschchen und Gas versucht hat umzubringen. Sorgen um ihren Bruder danach macht sie sich auch nicht. Sie denkt nur: "Meine Familie geht noch mehr den Bach runter, als sie sowieso schon ist. Ist das jetzt meine Schuld? Nur weil ich Toni die Wahrheit gesagt habe?"

Das ist nur leider nicht ganz der Fokus, den die Rezeption oder sogar Charlotte Roche selber in der Nachbesprechung hatten. Da ist das große Thema der Tabubruch, den ich aber selber gar nicht so groß empfinde. Viele Stellen sind einfach nur ekelhaft, brechen aber zumindest 10 Jahre später für mich keine Tabus. Reich-Ranicki hat leider auch gesagt, dass das Werk literarisch wertlos sei, ansonsten würde ich ja jetzt sagen, dass mir das Buch insgesamt gar nicht sooooo schlecht gefallen hat. Der ganze Ekel-Kram ist langweilig, aber es lohnt sich zumindest kurz über die Protagonistin nachzudenken. Man hätte das Buch aber auch gut auf eine Kurzgeschichte reduzieren können.
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#191

Ich finde ja das meiste aus dem Festa-Verlag ziemlich trashig oder uninteressant. Ich lese im Moment "Grimscribe" von Thomas Ligotti und obwohl die Geschichten alle ziemlich gut geschrieben sind und gekonnt Atmosphäre aufgebaut wird, fehlen mir gute Abschlüsse und Pointen.
Allerdings kann ich auch generell fast nie etwas mit Autoren anfangen, die wahrscheinlich Lovecraft als ihr größtes Vorbild nennen würden, einem Typen, der Gedichte über die Wertlosigkeit der "semi-human Niggers" geschrieben hat und in größtenteils in Pulp-Magazinen veröffentlichten Geschichten versuchte, Leuten mit gar schröcklichen, widerwärtigen und blasphemischen Albino-Pinguinen Angst einzujagen.
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#192

Zankyō;28480 schrieb:https://www.festa-verlag.de/media/Der_Te...eprobe.pdf

Also die Leseprobe finde ich wirklich nicht uninteressant.

Die von Dir beschriebene Szene klingt dann irgendwie ein bisschen wie der Break bei "From Dusk till Dawn". Ist das einfach nur eine Szene oder wandelt sich das Buch langsam in diese surreale Richtung?

EDIT:
Baru;28485 schrieb:Feuchtgebiete von Charlotte Roche (...) der Fokus, den die Rezeption oder sogar Charlotte Roche selber in der Nachbesprechung hatten. Da ist das große Thema der Tabubruch, den ich aber selber gar nicht so groß empfinde.

Ist zwar schon lange her, daß ich das Buch mal gelesen habe, aber ich weiß noch, daß es mir ähnlich ging. Ich glaube, ich habe es damals bis zur Hälfte geschafft und irgendwann einfach vergessen weiter zu lesen, da ich es irgendwie weder spannend noch bewegend fand.

Baru;28485 schrieb:Man hätte das Buch aber auch gut auf eine Kurzgeschichte reduzieren können.

Das wäre vielleicht tatsächlich eine gar nicht so schlechte Idee. Wie bei Effi Briest; hätte man da die Landschaftsbeschreibungen rausgekürzt, hätte das Buch noch 20 Seiten und viele Schüler wären sehr, sehr glücklich.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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#193

Das ganze Buch wandelt sich ins surreale.
Also der Hauptprotagonist hat es sich zum Ziel gesetzt, Gott derart zu erzürnen, dass er ihn in seiner Bude aufsucht oder so. Big_smile

Aber Edward Lee und Wrath James White haben beide auch zig andere Bücher geschrieben.
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#194

AgentSands;28317 schrieb:Habe grade "Aufzeichnungen aus Jerusalem" beendet, eine Graphic Novel von dem Kanadier Guy Delisle. Hatte von ihm zuvor schon "Pjöngjang" gelesen, das ebenso eine Art Comictagebuch über seine Arbeit als outgesourcter Trickfilmproduzent in Nordkorea ist. In diesem Werk ist er mit seiner Frau Nadège und seinen zwei kleinen Kindern in Jerusalem unterwegs, da seine Frau für Ärzte ohne Grenzen dort eingesetzt wird.

Kennst du "Hostage" von Delisle? Ich habe mir das gerade bestellt, weil es so ganz anders zu sein scheint als Delisles sonstige Comics (heißt: kein Reisetagebuch).
"You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villian."
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#195

Das ist tatsächlich das einzige Buch von Delisle, das ich noch nicht habe (eben weil es das einzige mit einem anderen Grundthema ist). Würde mich aber mal interessieren, wie es so ist - wobei ich es mir über kurz oder lang vermutlich doch noch holen werde.

Und den Teratologen hab ich jetzt mal bestellt. Erstaunlich - dieses Buch bekommt man auf Amazon tatsächlich nur in der Kindle-Version, das hab ich auch noch nicht gesehen. Immerhin, der Festa-Verlag bietet es auch als normales Buch an.
"Erbsen haben eine beträchtliche Individualität" - George Orwell in "Der Weg nach Wigan Pier"
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