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Politischer Smalltalk - FireBird - 30.08.2017

SAT1 WAHL 2017 Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen.
Es ging um Altersarmut und zu geringen Lohn, darauf sagt Lindner (FDP) "Ich kann niemanden zwingen ihnen mehr als den Mindestlohn zu zahlen."
Aber auf die Idee ihn anzuheben kommt er nicht, sondern er will mehr Arbeitsplätze schaffen und sowas, also scheut er sich vor der einfachsten Lösung, also den Mindestlohn zu erhöhen.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 31.08.2017

Ich hatte wegen der Fragen/vorgegebenen Antwortmöglichkeiten schon während des Beantwortens eigentlich keine Lust mehr den WOM fertig zu machen, geschweige denn die Gewichtung, und da ich gestern keine Lust hatte mir die kompletten Parteien zusammen zu stückeln & es heute nicht mehr geht hier nur die ersten acht:

Spoiler!:
Aber ich weiß eh schon was ich warum wählen werde.


Bezüglich der AfD in der politischen Landkarte: ist die nicht auch wirtschaftlich wesentlich weiter rechts anzusiedeln?


Politischer Smalltalk - ExtraKlaus - 31.08.2017

Zitat:Aber auf die Idee ihn anzuheben kommt er nicht, sondern er will mehr Arbeitsplätze schaffen und sowas, also scheut er sich vor der einfachsten Lösung, also den Mindestlohn zu erhöhen.

Soll halt noch Parteien geben, die keine sozialistische Planwirtschaft wollen, sondern etwas wert auf Tarifautonomie legen.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 31.08.2017

Genau, die FDP ist vollkommen autonom welche Tarife sie für politische Gefälligkeiten nimmt.


Politischer Smalltalk - ExtraKlaus - 31.08.2017

Ehrlich, uralte FDP-Klischees ist alles was dir dazu einfällt? 2013 hat angerufen für dich, will die schlechten Witze zur FDP zurück.. Gott, wie instinktlos kann man sein Big_smile


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 31.08.2017

Wo doch so sachliche Einwürfe wie 'sozialistische Planwirtschaft' eine viel ernsthaftere Erwiderung verlangen! Lol


Politischer Smalltalk - Baru - 31.08.2017

ExtraKlaus;29051 schrieb:Soll halt noch Parteien geben, die keine sozialistische Planwirtschaft wollen, sondern etwas wert auf Tarifautonomie legen.

Da nur 50 % der Arbeitnehmer Lohn nach Tarif bekommen, ist das ein schlechtes Argument. Bisher entspricht der deutsche Mindestlohn auch nicht wirklich den wirtschaftlichen Verhältnissen. Selbst in Irland gibt es 9,25 Euro. Arbeit soll sich doch wieder lohnen - ein deutlich höherer Mindestlohn könnte da helfen.


Politischer Smalltalk - ExtraKlaus - 31.08.2017

Zitat:Wo doch so sachliche Einwürfe wie 'sozialistische Planwirtschaft' eine viel ernsthaftere Erwiderung verlangen!

Wenn du kein Interesse an einer Diskussion hast und nur dumme Kommentare und FDP-Bashing ablassen willst, hättest du das auch gleich sagen können. Der Mindestlohn ist ein schwerer Eingriff in die Tarifautonomie und in marktwirschaftliche Abläufe und du erwartest von einer freiheitlich-wirtschaftsliberalen Partei, dass sie so ein planwirtschaftliches Instrument weiter ausbaut? Lebst du hinterm Mond?

Zitat:Da nur 50 % der Arbeitnehmer Lohn nach Tarif bekommen, ist das ein schlechtes Argument.

Nein, ein sehr gutes, weil im Gegensatz zur SPD, die mit ihrem tollen "Arbeitslosengeld Q" die Menschen länger in Arbeitslosigkeit halten will, die bürgerlichen Parteien die Vollbeschäftigung mit möglichst hohen Graden an sozialversicherten Jobs erreichen wollen. Die Tarifautonomie wurde über Jahre unterwandert (wer stellt nochmal gerade das Arbeitsministerium? *kopfkratz*) und das haben sich die Gewerkschaften auch teilweise selbst eingebrockt. Außerdem gelten für die meisten Branchen sowieso schon längst Verträge, die zwar faktisch keine Tarifverträge sind, aber durch Angleichungsvereinbarungen an alle Mitarbeiter ausgezahlt werden. Dadurch leiden ja die Gewerkschaften so stark, weil es sich überhaupt nicht mehr lohnt, dort aktiv zu werden.

Zitat: Selbst in Irland gibt es 9,25 Euro.

Und Irland lässt sich jetzt genau weshalb mit Deutschland vergleichen? Diese Ländervergleiche machen ohne Relation absolut überhaupt keinen Sinn.


Politischer Smalltalk - Baru - 31.08.2017

Ich bin nicht andauernd im Wahlkampfmodus und werde auch nicht dafür bezahlt, die Flagge einer Partei ständig zu wedeln, ist mir also gerade total egal, wer genau es verbockt hat. Im Zweifelsfall alle. Dein Tarifautonomie-Argument ist hinfällig, wenn weniger als die Hälfte nach Tariflöhnen bezahlt werden. Selbst wenn man die dazu zählt, die durch Gottes Gnaden auch noch an den Tariflohn orientiert bezahlt werden, bleiben immer noch 30 %, die nicht danach bezahlt werden. Das ist eine riesige Menge und da ist der Mindestlohn - außer natürlich man hat irrationale Ängste vor allem, was ansatzweise mal im Sozialismus auch verwendet wurde - ein ziemlich simples Instrument. Man darf ja trotzdem Tariflöhne darüber hinaus abschließen.

Und was spricht eigentlich dagegen, dass Menschen, die arbeitslos geworden sind, sich ernsthaft mal weiter qualifizieren können anstatt für die restliche Berufslaufbahn immer auf der Abschussliste stehen zu dürfen, weil die Qualifikation nur so gerade eben für eine Beschäftigung reicht - wenn man nicht eh in der Langzeitarbeitslosigkeit landet?

Und kannst mir ja lieber mal erklären, warum Irland nicht vergleichbar ist, habe absichtlich ein wirtschaftlich schwaches Land genommen. Wenn du damit fertig bist, kannst dann das gleiche mit Belgien oder Frankreich machen, die natürlich wirtschaftlich schon besser dastehen, aber eigentlich auch nicht Deutschland überflügeln und trotzdem mehr Mindestlohn zahlen.


Politischer Smalltalk - ExtraKlaus - 31.08.2017

Zitat:Dein Tarifautonomie-Argument ist hinfällig, wenn weniger als die Hälfte nach Tariflöhnen bezahlt werden.

Wie gesagt, ein Großteil wird trotzdem nach Tarif bezahlt, diese Zahlen sind missverständlich.

Zitat:Und was spricht eigentlich dagegen, dass Menschen, die arbeitslos geworden sind, sich ernsthaft mal weiter qualifizieren können anstatt für die restliche Berufslaufbahn immer auf der Abschussliste stehen zu dürfen, weil die Qualifikation nur so gerade eben für eine Beschäftigung reicht

Gar nichts, aber die Idee der SPD ist teuer und bringt nichts, außer noch mehr Ausgaben ohne sinnvollen Nutzen, aber das konnten Sozialdemokraten ja auch schon immer. Sinnvoller sind Überlegungen, Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen und Langzeitarbeitslosigkeit auch zu verhindern. Ein denkbares Modell, was wir letztens bei uns in der Partei vor Ort mal diskutiert hatten war der Vorschlag, zusätzlich zum Grundbedarf ehrenamtliche Arbeit damit zu finanzieren, also das Langzeitarbeitslose in Vereinen, öffentlichen Einrichtungen etc. aushelfen (Ob das jetzt die Lösung ist wage ich zu bezweifeln, fand ich als Idee aber zumindest debattierungswürdig). Man muss dort einen Ausgleich finden zwischen dem Angebot eines strukturierten Tagesablaufs und um zu verhindern, dass sich Effekte der Langzeitarbeitslosigkeit überhaupt erst einstellen und nebenbei Qualifikationsmaßnahmen, sofern möglich. Einfach nur mehr Geld ins System zu pumpen halte ich da - ebenso wie sehr viele Ökonomen und Politiker - nicht für den richtigen Ausweg. Ziel muss es sein, Menschen in Lohn und Arbeit zu bringen, nicht sie in der Arbeitslosigkeit zu halten.


Politischer Smalltalk - Baru - 31.08.2017

ExtraKlaus;29061 schrieb:Wie gesagt, ein Großteil wird trotzdem nach Tarif bezahlt, diese Zahlen sind missverständlich.

Diese können aber jederzeit davon abgekoppelt werden. Und 30 % werden eben gar nicht vom Tariflohn erreicht. Für die ist deine Aussage reinster Hohn.

Zitat:Gar nichts, aber die Idee der SPD ist teuer und bringt nichts, außer noch mehr Ausgaben ohne sinnvollen Nutzen
Bringt auch Schulbildung nichts? Es geht um die Möglichkeit, langfristig sich auch mit längeren Schulungen weiterqualifizieren zu können. Das ist aktuell meines Wissens nach nicht möglich.

Du hast jemanden, der ist arbeitslos geworden und so, dass er Unterstützung braucht, bis er überhaupt eine neue Stelle findet. Im Zweifelsfall liegt das an der Qualifikation der Person. Aktuell werden die nur in sinnlose kurze Schulungen gesteckt, weil sie ständig sofort wieder für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen. Das bedeutet, dass die Person ihr ganzes weiteres Arbeitsleben immer kurz vor der Entlassung stehen wird und immer Probleme haben wird, eine neue Stelle zu finden.

Arbeitslosengeld Q soll ja auch nicht völlig ohne jeden Anlass gewährt werden, sondern wenn sich jemand weiterqualifiziert. Deine Probleme damit sind mir da kaum verständlich. Außer natürlich, es ist erwünscht, dass die Menschen dauerhaft einen schlechten Stand auf dem Arbeitsmarkt haben und immer die geringqualifizierten Bettler sein müssen, die auf die Gnade der Unternehmen zu hoffen haben, für einen Nicht-Tariflohn knapp oberhalb des Mindestlohnes angestellt zu werden ...


Politischer Smalltalk - FireBird - 31.08.2017

ExtraKlaus;29051 schrieb:Soll halt noch Parteien geben, die keine sozialistische Planwirtschaft wollen, sondern etwas wert auf Tarifautonomie legen.
Rechtfertigt das Altersarmut?


Edit Außerdem hat Lindner sich nie gegen den Mindestlohn ausgesprochen, sondern festgestellt er ist Realität und wird nicht mehr verschwinden.


Politischer Smalltalk - ExtraKlaus - 31.08.2017

Zitat:Diese können aber jederzeit davon abgekoppelt werden.

Ganz so einfach wie du es hier darstellst ist es zwar nicht, aber naja, egal.

Zitat:Bringt auch Schulbildung nichts? Es geht um die Möglichkeit, langfristig sich auch mit längeren Schulungen weiterqualifizieren zu können. Das ist aktuell meines Wissens nach nicht möglich.

Hä? Die Idee der SPD ist es in allererster Linie das ALG II zu verlängern. Das man langfristigere Qualifizierungsphasen umsetzen sollte sehe ich ähnlich, aber dann wundere ich mich, warum das SPD-geführte Arbeitsministerium in den letzten Jahren da nichts gemacht hat. Die Weiterqualifizierung geht aber auch mit Hartz IV, das schließt sich ja nicht aus.

Es braucht sowieso eine Reform der Agenda 2010 aber davon will die SPD ja aktuell in ihrem vorgeblichen Linksdrall nichts wissen.


Politischer Smalltalk - FireBird - 31.08.2017

FDP 2009
"Arbeit muss sich wieder lohnen."
Für eine Rente über Grundsicherungsniveau sind anscheinend 11,XX € nötig.
Darunter lohnt Arbeit also nicht, also müsste die FDP laut eigener Aussage für mehr Geld als 8,50€ sein.

Edit Und Schulz will die Agenda 2010 reformieren.


Politischer Smalltalk - Baru - 31.08.2017

ExtraKlaus;29064 schrieb:Ganz so einfach wie du es hier darstellst ist es zwar nicht, aber naja, egal.

Genau so praktisch gesehen. Tariflohn --> Privatisierung --> Hausvertrag nach Tarifvertrag --> Abkopplung vom Tarifvertrag

Zitat:Hä? Die Idee der SPD ist es in allererster Linie das ALG II zu verlängern.

Das Ding heißt nicht umsonst Arbeitslosengeld Q(ualifikation). Hast du dir nicht mal kurz was dazu durchgelesen?
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Zitat:Die Pläne der SPD sehen ein neues Arbeitslosengeld Q vor, das nicht auf die Bezugsdauer des ALG I angerechnet wird. Dieses sollen Arbeitslose für die Dauer einer Weiterqualifizierung erhalten, auf die ab drei Monaten Arbeitslosigkeit ein Anspruch bestehen soll. Dabei soll es nicht nur um Kurzschulungen oder -praktika gehen. Auch das Nachholen eines Berufsabschlusses oder eine Umschulung sollen möglich sein.

Zitat:Die SPD will den Bezug von Arbeitslosengeld I auf maximal 48 Monate verlängern. Arbeitslose, die sich weiterqualifizieren, sollen so vor einem Antrag auf Sozialhilfe nach Hartz IV geschützt werden.
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Zitat: Das man langfristigere Qualifizierungsphasen umsetzen sollte sehe ich ähnlich, aber dann wundere ich mich, warum das SPD-geführte Arbeitsministerium in den letzten Jahren da nichts gemacht hat. Die Weiterqualifizierung geht aber auch mit Hartz IV, das schließt sich ja nicht aus.

Der Kommentar war vorausschaubar. Ist mir aber egal, warum die GroKo nichts bisher gemacht hat. Macht den Vorschlag nicht falsch. Weiterqualifikation mit Hartz4 dürfte finanziell schon sehr hart sein und vor allem stark davon abhängen, was der Sachbearbeiter persönlich dazu meint oder ob er will, dass du lieber jetzt direkt in nem Callcenter arbeiten sollst.

Zitat:Es braucht sowieso eine Reform der Agenda 2010 aber davon will die SPD ja aktuell in ihrem vorgeblichen Linksdrall nichts wissen.

Du wirst keine Mehrheit für eine Reform der Agenda 2010 finden, zumindest keine, die in die gleiche Richtung denkt.