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Politischer Smalltalk - DeeperSight - 16.08.2017

@menag

Das, was du da herausgearbeitet hast, ist durchaus richtig. Das wurde aber auch nie anders behauptet. Das ist das grundlegende Problem, das Journalisten wie Google hatten, dass sie die Ergebnisse bzw. die Aussagen des Memos nicht verstanden haben. Die Überlappungen, die du hier ansprichst, werden genau so (!) in dem Memo genannt. Es ging nie darum zu behaupten, dass Männer und Frauen grundverschiedene Wesen sind, die nichts miteinander gemein haben, sondern aufzuzeigen, DASS es Unterschiede gibt und DASS sie auch einen biologischen Ursprung haben.

Deswegen finde ich die Diskussion darum so ermüdend. Nicht nur, dass man dem Memo Aussagen unterstellt, die nicht getätigt wurden, man macht das auch noch mit "Gegenargumenten", die im Memo selbst schon berücksichtigt sind.

Hormone haben einen Einfluss auf den Menschen und das Verhalten des Menschen. Es wird mit Hormonen gedoped. Menschen mit Schilddrüsenprobleme können depressive Verstimmungen haben, die mit entsprechenden hormonellen Präparaten verschwinden. Hormone haben einen großen Einfluss auf das Verhalten eines Menschen und diese sind bei Männern und Frauen kulturübergreifend einfach unterschiedliche dosiert. Das bedeutet aber nicht, dass Frauen schlecht in Mathe sind oder nicht coden können. Wenn man Damore mal ordentlich zuhören würde, dann würde man auch sein Anliegen verstehen. Ihm geht es nämlich NICHT darum zu sagen, dass Frauen in Tech-Berufen schlechter performen, sondern, dass es an Frauen mangelt weil der Beruf zu unattraktiv für Frauen gestaltet ist. Er sieht das als großes Problem, da Googles Produkte nur dann "gut" werden, wenn die Diversität der Menschen, die an ihnen arbeiten möglichst hoch ist. Dies ist aber nicht der Fall und die Genderideologie hat keine Antworten darauf. Genderapologeten wollen den Menschen ändern, damit sie zum Arbeitsplatz passen. Damore will den Arbeitsplatz ändern, damit er zum Menschen passt. Spricht so ein Frauenhasser und Nazi?

Ahso - DOI 10.1007/s10508-008-9460-8

Die Studie gibt Hinweise darauf, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männer in Ländern, in denen Geschlechterrollen nahezu eliminiert wurden größer sind als solche, in denen sie eine höheren Stellenwert haben. Das kann man auch in Skandinavien beobachten, wo Frauen sich seit der Gender-Gleichstellungspolitik eher in traditionell weibliche Berufe flüchten. Auch so etwas, was Nazi ist, wenn man das in die Debatte einbringen möchte.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.08.2017

Weil es gerade aktuell ist:
1. Eine Warnung an alle Schweizer. Das neue Programm heißt wohl Lebensraum im Süden. Gut es ist gelöscht und war daher wohl eher ein Fehler.
Aber was solls es ist dämlich genug um herzhaft drüber lachen können.

2. Frauke Petrys Immunität wird wohl aufgehoben werden. Wegen Meineid, der rechte Narrativ steht allerdings schon fest, es kommt jetzt um der Partei vor der Wahl zu schaden.
Das ist nicht nötig, ihr habt euch wunderbar selbst zerlegt. Wobei das größte Problem für euch ist, dass es eure Probleme gar nicht mehr so richtig gibt. Die Antwort "Niemand!" auf "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" scheint doch ein klein bisschen Wahrheit zu haben.

Und damit nutze ich den Moment um nach viel zu langer Zeit mal einen nächsten Teil des Deutschlandkuriers auseinander zu nehmen.

"Bartels Breitseite"
Erstmal zur Person Peter Bartel ist ehemaliger Bildchefredakteur und mittlerweile Wurmfortsatz vom Kopp-Verlag und PI-News.
Hier ein Link zum Artikel selbst: ACHTUNG es geht direkt zum Deutschlandkurier.

Punkt 1: Man beachte das hübsche Foto, richtig seriös mit Sonnenbrille, Zigarette und totem Biber auf dem Kopf.
Der Schnauzbar ist nach rechts und links etwas lang, aber nun gut kleine Fehler unterlaufen jedem.

Nun also zum Artikel selbst.
Er besteht aus 4 Absätzen, der erste beginnt mit Heinrich Heine "Denk ich an Deutschland in der Nacht..." und wird als aus dem Zusammenhang gerissener Aufhänger für eine Merkelkritik genommen. Immerhin mit Reim "... dann höre ich, wie Merkel lacht!".
Die folgenden 3 Absätze haben jeweils die Überschrift:
"Wieder besseres Wissen (?) ließ sie zu ..." und setzen dann mit "dass" fort, aber ohne Komma. Herr Bartel wenn sogar ich einen Kommafehler entdecke, dann sollte das für einen ehemaligen Chefredakteur sehr peinlich sein. (Aber ich sollte nicht zu laut sein, am Ende irre ich mich doch.)
Die drei Absätze behandeln folgende Themen:
1. Griechenland und Schuldenkrise
2.Atomausstieg
3. Flüchtlinge

Sehr gut die Trias der Neurechten ist vollständig. Leider mit kaum Argumenten oder ähnlichem. Daher muss ich sehr oft raten was er meinen könnte. Der Artikel scheint mehr auf Buzzwords als auf echte Informationen zu setzen. Ein ziemlich typischer Selbstbestätigungsartikel. Er soll nicht überzeugen, sondern nur schon Überzeugte bei der Stange halten. "Seht her, ich denke wie ihr. Es ist alles in Ordnung."


Absatz 1 und Heinrich Heine
Zitat:Heine musste aus Deutschland fliehen, weil er Fürsten, Adel und Kirche kritisierte. Er wollte Demokratie und Gerechtigkeit. Ich würde am liebsten aus Deutschland fliehen, weil eine Frau zwar Fünfjahrespläne erfüllen gelernt hat, aber Deutschland gerade abgeschafft hat.

Was hält sie auf? Dem Frettchen auf ihrem Kopf nach zu urteilen sind sie sowieso auf halbem Weg nach Russland aufgehalten worden.

Nun aber mal zum eigentlichen Inhalt.
Bartel baut eine Verbindung von sich zu Heine auf. Stellt sich mit ihm in eine Art "Leidensgenossenschaft".
Was interessant ist. Wenn man bedenkt das Heine ein großer Freund von Napoleon war und ihn durchaus für seine Leistungen in Bezug augf eine allgemeine Gesetzgebung verehrt hat und auch dem Einheitsgedanken Europas nicht abgeneigt war.
Heine wird sehr gerne von Nationalisten aufgegriffen. Aber man sollte ihn in der Hinsicht nicht zu sehr hervorheben.
Er war ein Kind seiner Zeit und in dieser war die Idee des Nationalstaats noch jung und neu. Die Vorstellung einer Republik auf Europäischer Ebene war unrealistisch. Logistisch und auch gesellschaftlich. Zu niedriges Bildungsniveau, ein allgemein geringes Verständniss für demokratische Ideen, etc.
Die Annahme das Heine heutzutage auf Seiten von Befürwortern der Nationalstaaten wäre ist gewagt.
Sein politischer Blick war immer ein europäischer.
Zitat:„Wir [die Pantheisten] wollen keine Sanskülotten seyn, keine frugale Bürger, keine wohlfeile Präsidenten: wir stiften eine Demokrazie gleichherrlicher, gleichheiliger, gleichbeseligter Götter.[…] Die Saint-Simonisten haben etwas der Art begriffen und gewollt. Aber sie standen auf ungünstigem Boden, und der umgebende Materialismus hat sie niedergedrückt, wenigstens für einige Zeit. In Deutschland hat man sie besser gewürdigt.“

Das es im eher darum ging Europa zu einen und Deutschland eher als ersten Schritt verstand zeigt zum Beispiel "Diesseits und Jenseits des Rheins"
Zitat:Sanftes Rasen, wildes Kosen,
Tändeln mit den glühnden Rosen,
Holde Lüge, süßer Dunst,
Die Veredlung roher Brunst,
Kurz, der Liebe heitre Kunst -
Da seid Meister ihr, Franzosen!

Aber wir verstehn uns baß,
Wir Germanen, auf den Haß.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Haß! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Faß.

Auch sonst hielt er sich mit Kritik am deutschen Nationalismus nicht zurück
Zitat:Das Christenthum – und das ist sein schönstes Verdienst – hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besänftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zähmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwuth […] Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freylich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht.

Eine etwas gruselige Prophezeihung.

Was ich also sagen will ist: Sich als jemand der die Idee der Nationalstaaten im Jahr 2017 gut findet auf Heine zu berufen ist regelrecht absurd. Heines Patriotismus muss man wohl eher als eine intellektuelle Leistung und weniger als eine emotionale begreifen. Er verstand, dass die Idee der Nation notwendig für eine gesellschaftliche Entwicklung war, sah auch die Gefahren darin, aber hielt sie für unabdingbar um den Weg zu Demokratie, Freiheit und Gleichheit zu ebnen. Und ganz nebenbei hielt er die Einheit Deutschlands wohl auch einfach für besser als die Kleinstaaterei.
Einheit statt Kleinstaaterei und der Versuch getrenntes zu vereinen, weil es politisch vernünftig wäre? An irgendetwas erinnert mich das. Komme gerade nicht drauf, aber vielleicht fällt EUch es ja ein.

Herr Bartel sie haben sich den falschen Verbündeten gesucht. Heine leidet nicht mit, sondern wegen ihnen.

---
Zu den folgenden Absätzen:
Griechenland:
- ein ewig missmutiger Schwabe
- im Osten gabs nur "Alu"
Deutscher Lokalpatriotismus. Nun das kann ich zumindest nachvollziehen.
Aber Merkel anzugreifen weil sie aus dem Osten kommt während man in einer Parteizeitung einem vollkommen unabhängigen Medium schreibt, das nur zufällig einer bestimmten politischen Linie angehört deren Anhänger vor allem in Ostdeutschland unterwegs sind, ist schon mutig.
Aber gut jeder Mensch hat das Recht nach eigenem Gutdünken beleidigt zu werden.
Ich gebe aber einen halben Sportpalastrostpunkt für:
Zitat:Griechenland seit Jahren Milliarden Euros auf den Ouzo-Tisch schob
Er hat sich solche Mühe gegeben diesen ganzen Absatz mit irgendeiner Form von Rassismus zu bekräftigen. Da will ich echt nicht so sein.

Inhalt:
Angeblich wird den "ewigen Schuldenmachern" Geld in Milliardenhöhe zugeschoben.
Das ist erstmal gar nicht so falsch. Bis 2050 könnte es um die 100 Milliarden kosten.
Das würde nicht passieren wenn Griechenland ein Investitionsprogramm auf die Beine stellen könnte, was bedeuten würde die von Deutschland aufgezwungene Sparpolitik müsste gelockert werden oder aber man würde endlich mal ein europäisches Infrastrukturprogramm zusammenstellen.
Bartels Beschwerde gilt nur unter folgenden Bedingung: Europa ist scheiß egal und Griechen sind keine Menschen denen man helfen muss.
Griechenland hängen zu lassen wäre also der beste Weg diese 100 Milliarden (europäisches Geld, etwa 25% davon kommt aus Deutschland; also 25 Milliarden bis 2048) zu verlieren. Abgesehen davon, dass 25 Milliarden bis 2048 nicht viel sind, wäre das als Investition verstanden viel besser.
Wohlhabenderes Griechenland = Mehr Geld für Produkte
Mehr Geld für Produkte = Exportweltmeister Deutschland darf sich mal wieder freuen

Deutschland kann durch eine erhöhte Nachfrage aus Griechenland eigentlich nur gewinnen. Ich stimme Bartel zu das Schäuble und Merkel sich hier merkwürdig anstellen. Aber nicht weil sie zuviel Geld gegeben hätten, sondern weil sie das Geld nicht nutzen um Griechenland wirtschaftlich zu stärken, sondern um es abzuwirtschaften.
Verkauf von Flughäfen in Deutschland, ist etwas anderes als Verkauf von Flughäfen in einem Staat der zum großen Teil aus Inseln besteht. Die bisherige "Rettungsaktion" hat die griechische Infrastruktur gelähmt und damit den Hauptwirtschaftsmotor eines Landes nachhaltig geschädigt.
Würde man das schreiben, dann wäre diese Breitseite von Bartel durchaus vernünftig. So handelt es sich um einen Rohrkrepierer, sowas kann kritisch werden und im schlimmsten Fall zum Feuer auf dem Geschützdeck führen.
Anleitung um sowas zu verhindern:
Nicht zu schnell schießen, das Rohr darf nicht überhitzen. Dadurch kann sich das Rohr verziehen und man schadet am Ende sich selbst und nicht dem politischen Gegner. Also mit mehr bedacht und Informationen und nicht einfach mal schnell ein paar Beleidigungen raushauen und die als Argument verkaufen.

---
Atomausstieg
Zitat:Natürlich wusste sie, dass in Fukushima kein einziger Mensch durch irgend etwas »Verseuchtes« zu Tode gekommen war.
Genau, weil so ein GAU natürlich am Ende völlig harmlos ist.
Aber mit der Argumentation steht er voll auf Seiten der japanischen Regierung in diesem Sinne ein Pluspunkt für Völkerverständigung.
Eine um das 20 bis 50fache erhöhte Menge an Schilddrüsenkrebs ist mit Sicherheit Zufall.

Zitat:Und so blechen die Deutschen heute immer mehr Millionen für eine Sonne, die trotz Klimaerwärmung nicht genug scheint.

Schöner Seitenhieb. Ich muss hier sagen, ich finde das schon geschickt gemacht, ganz nebenbei ein "Klimawandel ist eine Lüge", aber ohne es zu sagen und so bleibt man in der Hinsicht unangreifbar, aber jeder weiß was er meinte. Geschickt.

Aber ja Sonnenenergie ist für Deutschland nicht unbedingt der richtige Weg.

Zitat:Für Windräder, die trotz Wind stillstehen, weil die Stromleitungen fehlen.

Und die Lösung liegt auf der Hand, ein besseres Stromnetz wird sowieso gebraucht. Mal wieder das Thema Infrastruktur.

Zitat:Und damit wir nicht erfrieren, kaufen wir den teuren Atomstrom beim Nachbarn – verbrennen wieder Kohle –

Atomstrom ist teuer? Aber ich dachte wir sollten das hier beibehalten?
Aber er hat hier vollkommen recht, Atomstrom rechnet sich wirklich nicht.

Und verbrennen wieder Kohle. Erstmal stimmt wieder nicht, immer noch. Das neue Kraftwerke gebaut werden liegt daran, dass die alten Kraftwerke einen schlechten Wirkungsgrad haben. Das neue Kraftwerk in Datteln holt deutlich mehr Energie aus der Kohle raus. Es wird also nicht mehr sondern weniger Kohle pro Megawattstunde verbrannt.
Mal ganz abgesehen davon, dass vor allem die AfD für mehr Kohleabbau ist. Vielleicht ist die Zeitung doch unabhängiger als ich dachte. Wobei das einzig unabhängige hier sind wohl logische Gedanken und Bartels Gehirn.

In diesem Absatz kritisiert er:
Atomstrom, Sonnenenergie, Windenergie, Kohle und Biodiesel.
Ich hoffe Bartel ist körperlich fit, offensichtlich will er Deutschland über einen riesigen Fahrraddynamo betreiben.

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letzter Absatz
Flüchtlinge

Merkel öffnet Deutschlands Grenzen.... schonmal was vom Schengenraum gehört die waren schon offen.
Aber was er meint ist die angebliche Einladung an Flüchtlinge aus aller Welt.

Was hat Merkel 2015 getan?
Sie hat auf eine akute Notlage in Ungarn reagiert. Dort drohten zehntausende Flüchtlinge im Winter zu sterben, wenn sie nicht irgendwo anders untergebracht werden.
Osteuropa und UK blockierten.
Südeuropa hatte genug eigene Probleme.
Skandinavien hatte seinen Teil schon geleistet.
Wer also sollte diese Menschen Ende 2015 sonst aufnehmen, wenn nicht die mitteuropäischen Staaten?
Wichtig ist: Merkel hatte nur und ausschließlich für die schon in Ungarn Anwesenden die "Grenzen geöffnet". Das verstärkte natürlich die Hoffnung derer die noch nicht da waren, soviel muss man ihm lassen in seiner Furcht vor dem bösen Araber.
Aber kommen wir zu den wichtigen Argumenten, er wirft Merkel Gesetzesbrüche vor.
"Deutsche Grenz-Gesetze" seien gebrochen worden. Welches genau? Deutschland hat das großzügigste Asylgesetz der Welt, ich wüsste nicht gegen was hier verstoßen wurde.

EU-Einreise-Gesetze. Ich nehme an er bezieht sich auf die unsäglichen Dublinverträge.
Angeblich auch gebrochen. Nein, hier wurde nichts gebrochen. Den Mitgliedsstaaten steht es frei Asylbewerber aufzunehmen und das Asylverfahren anstelle des eigentlich zuständigen Staates durchzuführen. Die Entscheidung war legal.

Ob der Amtseid damit nun gebrochen ist oder nicht ist eine reine Interpreationsfrage und hier der billigste Angriff überhaupt. Er wird sich wohl auch "Schaden vom deutschem Volk abwenden" beziehen und wird vermutlich auf Anis Amri verweisen, wenn man fragt welcher Schaden entstanden sei.
Das würde aber für einen Eidbruch vorraussetzen, dass Merkel bewusst das Attentat in Kauf genommen hätte. Ansonsten wäre jede politische Entscheidung durch die ein Deutscher Schaden genommen hat ein Bruch des Amtseid. Das würde zumindest eine spannende Interpretation sein.

Dann: "Flüchtlinge die keine sind".
Die ewige Mär von "Wirtschaftsflüchtlingen" oder "es ist gar nicht überall Krieg in Syrien und Afghanistan", etc.
Erstens flieht ein Großteil der Flüchtlinge aus Ländern in denen ihr Leben akut bedroht ist.
Zweitens selbst wenn es Wirtschaftsflüchtlinge sind. Die Politik welcher Länder ist für die Krise der Landwirtschaft in vielen afrikanischen Ländern verantwortlich? Wer auf Kosten der ärmsten Länder seinen eigenen Reichtum ausbauen will, der muss auch damit leben, dass die Bewohner dieser Länder kommen und ein Stück vom Kuchen haben wollen, den sie mitgebacken haben.

Und die Anrufung des "Nazi-Prangers" zum Abschluss. Ich armer Kerl will doch einfach nur widerspruchslos hassen dürfen. Nein Herr Bartel, Meinungsfreiheit bedeutet nicht Freiheit von Kritik.
Wenn sie zu wenig Selbstbewusstsein haben um eine Kritik an ihren Ansichten ertragen zu können dann schlage ich folgendes vor:
Suchen sich ihren eigenen kleinen Safespace und bleiben sie dort drinnen. Es gibt die richtigen Youtubecommunities wo sie sich täglich erneut über die fiesen linksgrünen Gutmenschen aufregen können, die ihnen ihre verbohrte Weltsicht nicht widerstandslos zugestehen wollen.

Wenn sie sich aber am öffentlichen Diskurs beteiligen wollen, dann reißen sie sich zusammen und leben sie damit, dass andere Leute das gleiche Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen wie sie und ihre schlecht begründeten und rassistischen Thesen als die braune Suppe darstellen die sie sind.


Politischer Smalltalk - Terminator - 17.08.2017

Skafdir;28646 schrieb:Weil es gerade aktuell ist:

Was hat Merkel 2015 getan?
Sie hat auf eine akute Notlage in Ungarn reagiert. Dort drohten zehntausende Flüchtlinge im Winter zu sterben, wenn sie nicht irgendwo anders untergebracht werden.
Osteuropa und UK blockierten.
Südeuropa hatte genug eigene Probleme.
Skandinavien hatte seinen Teil schon geleistet.
Wer also sollte diese Menschen Ende 2015 sonst aufnehmen, wenn nicht die mitteuropäischen Staaten?
Wichtig ist: Merkel hatte nur und ausschließlich für die schon in Ungarn Anwesenden die "Grenzen geöffnet". Das verstärkte natürlich die Hoffnung derer die noch nicht da waren, soviel muss man ihm lassen in seiner Furcht vor dem bösen Araber.
Aber kommen wir zu den wichtigen Argumenten, er wirft Merkel Gesetzesbrüche vor.
"Deutsche Grenz-Gesetze" seien gebrochen worden. Welches genau? Deutschland hat das großzügigste Asylgesetz der Welt, ich wüsste nicht gegen was hier verstoßen wurde..
Inwiefern hat bitte Merkel aktiv reagiert oder welche Grenzen wurden geöffnet? Du sagst ja selber, dass die Grenze offen war. Sie hat ja nicht die Menschen mit dem Flugzeug aus Ungarn oder Syrien eingeflogen (was wirklich humantär gewesen wäre) , sondern einfach nur denen als einziges Land eine menschenwürdige Behandlung gegeben,die ihnen gesetzlich zusteht, sobald sie aus eigener Kraft deutsches Staatsgebiet betreten haben. Die Frauen und restlichen Familien befinden sich übrigens immer noch in den Krisengebieten, weil die Nachführung per Flugzeug immer noch nicht erlaubt wurde, was zu solchen absurden Situationen für die Flüchtlinge führt, also sollte man endlich aufhören Merkel als die humanitäre Heilige zu verehren.

Zitat:Ob der Amtseid damit nun gebrochen ist oder nicht ist eine reine Interpreationsfrage und hier der billigste Angriff überhaupt. Er wird sich wohl auch "Schaden vom deutschem Volk abwenden" beziehen und wird vermutlich auf Anis Amri verweisen, wenn man fragt welcher Schaden entstanden sei.
Das würde aber für einen Eidbruch vorraussetzen, dass Merkel bewusst das Attentat in Kauf genommen hätte. Ansonsten wäre jede politische Entscheidung durch die ein Deutscher Schaden genommen hat ein Bruch des Amtseid. Das würde zumindest eine spannende Interpretation sein.

So krude argumentieren auch die rechten Gruppierungen, von wegen "Unser Land ist viel krimineller geworden als Osteuropa, das keine Immigranten hat, wir wollen das nicht." Da müsste man mit Statisitiken viel mehr aushebeln.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.08.2017

Keine Ahnung ob ich deinen Post falsch verstehe aber ich befürchte wir reden aneinander vorbei.

Warum stelle ich Merkels Entscheidung 2015 als tendenziell positiv dar?

Es war zu der Zeit eine richtige Entscheidung. Keine bei der eine Fall Wahl bestanden hätte und sie hat bei weitem nicht gemacht was nötig gewesen wäre. [Edit: Danke an Likedeeler; mein innerkopfiges Autocorrect scheint zugeschlagen zu haben. o.O - Ich musste echt überlegen bis ich auf das richtige Wort kam.]
In Anbetracht der Leistungsbereitschaft anderer europäischer Länder aber schon ziemlich viel.

Mir ging es vor allem darum diesen Mythos von wegen "Grenzöffnung" und "Gesetzesbrüche" zu widersprechen. Beides hat sie nämlich nicht getan.

Merkel hier als "humanitäre Heilige" zu verehren liegt mir fern. Trotzdem kann man anmerken das sie im kleinen Rahmen richtig gehandelt hat.

Zitat:So krude argumentieren auch die rechten Gruppierungen, von wegen "Unser Land ist viel krimineller geworden als Osteuropa, das keine Immigranten hat, wir wollen das nicht." Da müsste man mit Statisitiken viel mehr aushebeln.

Ich wollte mir diese Argumentation nicht zu eigen machen. Mein Fehler es fehlen Smilies oder ähnliches um es anzuzeigen.

Meine Formulierung "spannende Interpretation" ist eher so gemeint wie wenn man auf die Frage "Wie schmeckts?" "Interessant." antwortet.

Das Argument etwas nüchterner formuliert lautet also:

Bartel behauptet hier wäre absichtlich dem deutschen Volk Schaden zugefügt worden. Ansonsten könnte er ja nicht von Eidbruch reden.
Da ich hier aber keine Absicht erkennen kann, selbst wenn man bestimmte Fälle mit einbezieht widerspreche ich ihm. Dafür braucht es nicht einmal Statistiken.

-------
Für die Statistiken:
Asylanten begehen überdurchschnittlich viele Verbrechen und davon ist ein überdurchschnittlich großer Teil Gewaltverbrechen.
Allerdings: Der allergrößte Teil dieser Verbrechen findet in den Massenunterkünften statt und Opfer dieser Gewalt sind größtenteils andere Asylanten.

Es scheint irgendwie so zu sein, dass es keine gute Idee ist eine Reihe von jungen Männern auf einem Haufen unterzubringen, ihnen eine ungewisse Zukunft zu bieten und kaum sinnvolle Freizeitbeschäftigungen. Ich bin genauso überrascht wie diejenigen die für die Planung dieser Unterkünfte verantwortlich sind.

Aber um fair zu sein: Häufig handeln die Kommunen aus einer reinen finanziellen Notlage so. Die Massenunterkünfte sind halt günstiger und leichter zu überwachen. Die erhöhten Kosten für Gerichte, Krankenhäuser, etc. sind Kosten die nicht einfach so in den Statistiken nachweisbar sind und vor allem als unvermeidbar betitelt werden können.
Auf der anderen Seite müsste eine Kommune jeden Euro den sie in menschenwürdige Unterbringung stecken würden gegenüber jeder anderen Stelle die Geld haben will begründen.
Also nimmt man die billigste Methode, mit den höchsten Folgekosten und hofft das niemandem auffällt das die Kommune gar kein Geld spart sondern es sinnlos zum Fenster rauswirft, einfach weil am völlig falschen Ende gespart wird. Für die Kommune selbst ist das aber viel häufiger eine Zwangslage als Bösartigkeit. (Und politische Kurzsichtigkeit dürfte vermutlich auch eine Rolle spielen.)


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 17.08.2017

Skafdir;28653 schrieb:Keine bei der eine Fall bestanden hätte
wat?

Skafdir;28653 schrieb:Mir ging es vor allem darum diesen Mythos von wegen "Grenzöffnung" und "Gesetzesbrüche" zu widersprechen. Beides hat sie nämlich nicht getan.
Soweit ich weiß wollte sie die Grenze schließen, Polizisten waren schon in Hubschraubern hingeflogen, aber da ihr niemand rechtliche Garantien geben wollte (weil Grenze schließen illegal gewesen wäre), hat sie sie offen gelassen.

Skafdir;28653 schrieb:Es scheint irgendwie so zu sein, dass es keine gute Idee ist eine Reihe von jungen Männern auf einem Haufen unterzubringen, ihnen eine ungewisse Zukunft zu bieten und kaum sinnvolle Freizeitbeschäftigungen.
Erinnert mich an die Sozialwohnungs-Zuweisung, wo man die Leute fein nach Herkunftsländern zusammengesteckt hat und sich dann wunderte, dass die da mehr ihre Muttersprache als Deutsch sprachen.

Skafdir;28653 schrieb:Ich bin genauso überrascht wie diejenigen die für die Planung dieser Unterkünfte verantwortlich sind.
Und vermutlich so überrascht wie unsere Politiker, die trotz prognostizierter steigender Flüchtlingszahlen räumliche und personelle Kapazitäten abgebaut haben.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 18.08.2017

Es musste "Wahl" heißen. Ist korrigiert. -.-"

Zitat:Erinnert mich an die Sozialwohnungs-Zuweisung, wo man die Leute fein nach Herkunftsländern zusammengesteckt hat und sich dann wunderte, dass die da mehr ihre Muttersprache als Deutsch sprachen.

Oder an die Gastarbeitersiedlungen, bei denen man sich nun wundert, dass sich dort vollkommen eigene Subkulturen gebildet haben.
Oder an die Zuweisung von Schulen, wo die Kinder von Gastarbeitern fast die Garantie auf den Hauptschulplatz hatten.
Oder die katastrophalen Zustände der Asylantenheime während des Zusammenbruchs von Jugoslawien.
....
Ich habe vielleicht zu hohe Ansprüche an Lernfähigkeit?

Aber wie man angemessen reagiert wenn aufgrund verfehlter Planung und der Überreaktion rassistischer Arschlöcher und gewaltbereiter Deppen in den Heimen selsbt die Situation eskaliert wissen wir noch aus den 90ern.

Kleines Rätsel:
Kommen diese Aussagen von Anfang der 90er Jahre oder von 2010er?

Was leichtes zum aufwärmen.
Zitat:Wir müssen handeln gegen den Missbrauch des Asylrechts, der dazu geführt hat, dass wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben, ich hoffe, dass die letzten Beschlüsse der SPD, sich an einer Grundgesetzänderung zu beteiligen, endlich den Weg frei machen.
Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:Wir brauchen eine neue Mauer (...) was uns überschwemmen wird, geht bis in die Türkei
Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:Das Zeltlager hat den Frieden am Oranienplatz zerstört. Es muss geräumt werden. Wo ist das Ordnungsamt, wenn sich die Leute hier auf offener Straße waschen und das Mittagessen kochen?
Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:In Rostock und anderswo in Deutschland war längst ein makabres politisches und soziales Experiment im Gange: Wie lange hält es eine Gesellschaft aus, dass Monat für Monat zehn-, zwanzig- oder auch dreißigtausend Asylbewerber ins Land strömen? Das war verantwortungslos.
Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:Wogegen wir größte Vorbehalte und Bedenken haben, und da werden wir uns [...] sträuben bis zur letzten Patrone, [...] dass wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bekommen.
Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:Der Druck durch den nicht abreißenden Zuzug von Flüchtlingen ist übergroß und kaum noch auszuhalten.

Lösung:
Spoiler!:

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Zitat:Brennende Häuser haben gezeigt, daß die Aufnahmebereitschaft nicht grenzenlos ist.
Lösung:
Spoiler!:



Fazit: Es ist zum Kotzen wie sehr wie das Lied kennen.
Deutschland und die deutsche "Kultur" hat nach Mauerfall nicht aufgehört zu existieren und sie wird es auch jetzt nicht. Schon in den 90ern wurde zuviel Panik verbreitet wegen einem Thema das vom Prinzip her vor allem eine Verwaltungsaufgabe gewesen wäre. Eine große und durchaus schwierige. Aber in einem Land mit über 80.000.000 Einwohnern die Ankunft von 1 bis 2 weiteren Millionen zur großen Gefahr für eine wie auch immer gedachte "Leitkultur" zu erklären war damals und ist heute auch absolut lächerlich.


Politischer Smalltalk - Terminator - 18.08.2017

Skafdir;28667 schrieb:Fazit: Es ist zum Kotzen wie sehr wie das Lied kennen.
Deutschland und die deutsche "Kultur" hat nach Mauerfall nicht aufgehört zu existieren und sie wird es auch jetzt nicht. Schon in den 90ern wurde zuviel Panik verbreitet wegen einem Thema das vom Prinzip her vor allem eine Verwaltungsaufgabe gewesen wäre. Eine große und durchaus schwierige. Aber in einem Land mit über 80.000.000 Einwohnern die Ankunft von 1 bis 2 weiteren Millionen zur großen Gefahr für eine wie auch immer gedachte "Leitkultur" zu erklären war damals und ist heute auch absolut lächerlich.
Das hat glaub ich nichts mit einer deutschen Kultur ansich zu tun, es gibt glaub ich kaum ein Land auf dieser Welt, das in dieser Frage so "links" eingestellt ist wie Deutschland.

Vielleicht is sowas in Zukunft eine Lösung, wenn man Depressionen und Schizophrenie mit Medikamenten bahandeln kann, warum nicht auch krankhafte Xenophobie? http://www.deutschlandfunk.de/studie-hormon-nasenspray-kann-fremdenfeindlichkeit.2850.de.html?drn:news_id=780601


Politischer Smalltalk - menag - 18.08.2017

Statt Bernard Sanders bekommen wir eventuell einen Bernhard Sander!


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 18.08.2017

Skafdir;28667 schrieb:Fazit: Es ist zum Kotzen wie sehr wie das Lied kennen.
Jo, man kann gar nicht genug fressen...

In HH haben 2001 CDU/PRO/FDP auch mit der Leier vom kriminellen Ausländer der den armen Michel terrorisiert gewonnen. (Nachdem die Stürmer Springer-Presse Schill hochgeschrieben hatte und obwohl alle Politiker (inkl. Brechmittel-Scholz) noch probiert hatten Schill rechts zu überholen.)


@menag: Wöhnte ich in Wuppertal bekäme er meine Stimme(n)! Big_smile


Politischer Smalltalk - menag - 18.08.2017

Likedeeler;28671 schrieb:In HH haben 2001 CDU/PRO/FDP auch mit der Leier vom kriminellen Ausländer der den armen Michel terrorisiert gewonnen.

In Hessen gabs Koch dafür.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 18.08.2017

Bannon ist raus.
Trumps innerer Zirkel zerbröselt und die Republikaner gehen in mehr als offenen Widerstand.

Leute mit Hakenkreuzflaggen zu verteidigen scheint sogar in Amerika zuviel der Meinungsfreiheit zu sein. Wenn Trump selber jetzt noch innerhalb von diesem Jahr weg ist, dann wäre ich von der Verteidigungsfähigkeit der amerikanischen Demokratie echt beeindruckt.
Gut dann käme erstmal Pence... das wäre innenpolitisch nicht wirklich besser. Aber außenpolitisch kann eigentlich egal welcher Wechsel nur gut sein. Ob es für Amerika besser ist weiß ich nicht, Pence wäre bestimmt in der Lage die Republikaner hinter einer genauso rechten, aber vorsichtiger formulierten Agenda zu vereinen.

Ich bin jetzt mal mutig und sage, auf die Gefahr hin falsch zu liegen: Trump schafft sein erster Jahr nicht. Stichtag: 20. Januar 2018 (Und wenn er am Ende aufhört weil er die Belastung nicht mehr aushält. Vor allem wenn er alle seine "Freunde" verloren hat.)

Andere Optionen: Die Republikaner entmachten Trump de facto und er darf dann halt ab und an noch Reden schwingen. Twitter wird er aber wohl nur unter Aufsicht nutzen dürfen in dem Fall. Ich glaube kaum, dass jemand das Risiko eingehen würde.
Oder sie parken ihn einfach vorm Fernseher und wir erleben drei Jahre lang einen US-Präsidenten der sich über irgendwelche Entwicklungen in irgendwelchen Realityshows aufregt. Das wäre zumindest sehr amüsant.

Edit: Ein hoffentlich richtiges ", dass" eingefügt.


Politischer Smalltalk - Zankyō - 22.08.2017

Skafdir, haste dich schon mal mit dem Geburtsortprinzip beschäftigt? Mich wundert, dass die USA bedingungsloses Ius solis statt sanguinis haben.

Edit: Wobei man schon sagen kann, dass es zum amerikanischen Grundgedanken passt, dass die Staatsbürgerschaft nicht nach Blutlinie vergeben wird, aber deren ganze Immigration-Regularien sind doch so kompliziert, dass das heutzutage total impraktikabel ist, i.e. nachher ist das Kind amerikanisch, aber die Eltern haben keine Chance auf Einbürgerung.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 22.08.2017

Zitat:Mich wundert, dass die USA bedingungsloses Ius solis statt sanguinis haben.

Zwei Gründe.
Einmal sind die USA nun einmal ein Einwanderungsland und das auch sehr bewusst.
Zitat:Not like the brazen giant of Greek fame
With conquering limbs astride from land to land
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame

Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.

„Keep, ancient lands, your storied pomp!“ cries she
With silent lips. „Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore.

Send these, the homeless, tempest-tossed to me:
I lift my lamp beside the golden door.

Seit 1903 Inschrift am Podest der Freiheitsstatue. (Eins muss man den Amerikanern lassen, sie haben es drauf genug Pathos zu erzeugen um einem einen Schauer über den Rücken zu jagen. Und dann denkt man darüber nach wie sie mit diesem Versprechen an die Welt umgehen... Hmm - Siehe heutiges Einbürgerungsverfahren.)
Aber hier haben wir nicht einmal eine Henne-Ei-frage, weil das Ius solis schon fast 50 Jahre vorher feststand.
14. Zusatzartikel der Verfassung. Absatz 1
Zitat:All persons born or naturalized in the United States, and subject to the jurisdiction thereof, are citizens of the United States and of the State wherein they reside. No State shall make or enforce any law which shall abridge the privileges or immunities of citizens of the United States; nor shall any State deprive any person of life, liberty, or property, without due process of law; nor deny to any person within its jurisdiction the equal protection of the laws.

Eingeführt am 9 Juli 1868.
Nach Ende des Bürgerkriegs. Das Problem das sich hier ergab war:
Was macht man mit den vielen ehemaligen Sklaven?
Die Südstaaten hatten schon angefangen Schwarze von Gerichten auszuschließen und Gesetze erlassen die dafür sorgen sollten, dass die Schwarzen Sklaven blieben, nur halt unter neuer Bezeichnung. Dann halt als Lohnarbeiter, die nur kein Kündigungsrecht haben. Man wurde recht kreativ wenn es darum ging dem Schwarzen seinen "natürlichen" Platz zu geben.

Erst einmal gab es wenig handhabe gegen diese Gesetze, die Staaten waren berechtigt solche Gesetze zu erlassen und die Frage wann wer Bürgerrechte haben darf war ungeklärt.
Die Reaktion im Norden dürfte etwa folgendermaßen gewesen sein: "Moment mal? Soll das heißen wir haben diesen verfluchten Krieg geführt, damit nun alles genauso weiterläuft wie bisher nur mit neuem Anstrich? Wenn wir die Sklaverei nur hätten renovieren wollen, dann hätten wir das bestimmt mit weniger Blut geschafft!"
Also muss man überlegen: Was kann man tun um dafür zu sorgen, dass Schwarze und Weiße die gleichen Rechte haben?

Brainstorming:
Was haben Schwarze und Weiße auf jeden Fall gemeinsam?
Sie sind hier geboren!
Wunderbar, dann legen wir das nun als Grundlage für das Bürgerrecht?
Ähm schön und gut, aber hier kommen auch immer wieder neue Leute an.
Umso besser, dann müssen Neuankömmlinge erstmal den Kopf unten halten bis wir es als gegeben ansehen ihnen gleichen Rechte zu geben.
Oh, klingt gut, machen wir so.

Die Einführung des bedingungslosen Ius Solis war also vor allem der Frage geschuldet wie man es schafft die Schwarzen auch wirklich zu befreien.

Und es hat funktioniert, wie wir alle wissen sind die USA seit dem 9. Juli 1868 das Paradebeispiel für Gleichberechtigung und Völkerverständigung. Seit diesem Datum hörte man nie wieder etwas von Rassismus in den USA. And they lived happily ever after... (Allerdings muss man ernsthaft Pluspunkte für den Versuch geben. Das war nicht selbstverständlich zu der Zeit.)


Politischer Smalltalk - menag - 22.08.2017

Skafdir;28762 schrieb:Die Südstaaten hatten schon angefangen Schwarze von Gerichten auszuschließen und Gesetze erlassen die dafür sorgen sollten, dass die Schwarzen Sklaven blieben, nur halt unter neuer Bezeichnung. Dann halt als Lohnarbeiter, die nur kein Kündigungsrecht haben. Man wurde recht kreativ wenn es darum ging dem Schwarzen seinen "natürlichen" Platz zu geben.

Erst einmal gab es wenig handhabe gegen diese Gesetze, die Staaten waren berechtigt solche Gesetze zu erlassen und die Frage wann wer Bürgerrechte haben darf war ungeklärt.
Die Reaktion im Norden dürfte etwa folgendermaßen gewesen sein: "Moment mal? Soll das heißen wir haben diesen verfluchten Krieg geführt, damit nun alles genauso weiterläuft wie bisher nur mit neuem Anstrich? Wenn wir die Sklaverei nur hätten renovieren wollen, dann hätten wir das bestimmt mit weniger Blut geschafft!"
Also muss man überlegen: Was kann man tun um dafür zu sorgen, dass Schwarze und Weiße die gleichen Rechte haben?

Ich glaube die hatten eher Adam Smith in den Ohren:

Zitat:From the experience of all ages and nations, I believe, that the work done by free men comes cheaper in the end than the work performed by slaves. Whatever work he does, beyond what is sufficient to purchase his own maintenance, can be squeezed out of him by violence only, and not by any interest of his own.



Politischer Smalltalk - Skafdir - 22.08.2017

Seine Gedanken spielten da mit Sicherheit rein, aber wäre es nur um Smith gegangen hätten sie das deutlich früher haben können.
Wealth of Nations ist von 1776, wenn die Amerikaner wirklich davon überzeugt gewesen wären, dass Sklaverei sich wirtschaftlich nicht rechnet, dann hätten sie deutlich vor einem Ablauf von fast hundert Jahren nach erscheinem des Buchs handeln können.

Mit Sicherheit wird das ein großer Teil der Motivation der Nordstaaten gewesen sein die Sklaverei de facto abzuschaffen, wobei ich glaube es liegt eher an der einfachen Tatsache, dass man echte Sklaven in einem Industriebetrieb kaum nutzen kann.
Wenn ein Sklave bei der Feldarbeit mal für einige Minuten aus welchen Gründen auch immer die Arbeit niederlegt, dann hat man Zeit ihn wieder in die Arbeit zu zwingen. Der Baumwolle ist es ziemlich egal ob sie jetzt oder in zehn Minuten gepflückt wird.
In einem Industriebetrieb kann das ausfallen eines einzelnen Arbeiters zu einer Kettenreaktion führen.
Die Macht der Arbeiterklasse konnte erst dadurch entstehen das diese auch wirklich in der Lage war Betriebe still zu legen. Sklaven in der Landwirtschaft verursachen durch einen Streik keinen ausreichenden Schaden um die Besitzer zum einknicken zu zwingen.
Erst in der Industrie ist es nötig den Arbeiter dauerhaft zumindest bei ausreichend Motivation zu halten das er arbeitet.

Der Norden hatte zum Zeitpunkt des Bürgerkriegs längst kaum noch Sklaven. Viele der Staaten hatten schon nach Gründung der USA zumindest de jure die Sklaverei abgeschafft, auch wenn es sich de facto ewig lange hingezogen hat bis diese wirklich frei waren und das Urteil die Nordstaaten hätten die Sklaverei bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs zumindest gebilligt ist nicht völlig von der Hand zu weisen.

Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass man Smith nur zum Teil als Erklärung heranziehen kann.
Andere Teile der Erklärung:
- Industriestaaten können wenig mit Sklaven anfangen
- We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.
- Richtungsstreit innerhalb der USA ob man nun ein Agrarstaat oder Industriestaat sein wollte, ein Streit der als Nebenkriegsschauplatz zu einem Streit über "Sklaven ja oder nein" werden konnte. (Die Industriestaaten konnten die Sklavenfrage als "moral highground" geltend machen.)

Also abschließend nochmal:
Ja, Smith war bestimmt auch wichtig, aber kaum wichtigster oder gar einziger Grund. Vor allem weil Sklaverei in der Landwirtschaft durchaus ein lohnendes Geschäft ist.