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Politischer Smalltalk - menag - 15.05.2017

Und fällt weg sobald man die Regelstudienzeit überschritten hat. Wer es also in 6 Semestern (Bachelor) nicht geschafft hat darf selbst schauen wie er es bis zum Master durchhält. Danach gibts dann wieder Bafäg für 4 Semester.


Politischer Smalltalk - Zankyō - 15.05.2017

Ist das auch so, wenn man die Regelstudienzeit aus guten Gründen überschritten hat? Also Krankheit zB, usw


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 15.05.2017

Regelstudienzeiten sind optimistische Schätzungen eines verschulten Systems. Fast niemand schafft das. Danach bist du bestenfalls Fachidiot. Viele Firmen bemerken zudem, dass Studierte oftmals keinen Schimmer von ihrem Gebiet haben. Von von einem Masterstudium brauchen wir hier erst gar nicht reden.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 15.05.2017

@Yankzou: Wie es mit Bafög ist weiß ich nicht. Aber in Sachen Kindererziehung ist zumindest die Krankenkasse sehr großzügig. Da bin ich nun mit 31 Jahren und ab dem Wintersemester 20 Semestern Studienzeit gerade erst aus der Zeit draußen die einem die Krankenkasse unter "Studentenbedingungen" zugesteht.
Weiß nur nicht ob das auf Bafög übertragbar ist. Das habe ich nie bekommen. (Was die Studienzeit nochmal streckt...) Ich nehme aber an das die Reglungen da nicht ganz so großzügig sind.

Krankenkasse sagt quasi: Studium mit Kind kann mal gut und gerne doppelt so lange dauern. (Skafdir sagt: Jau, kommt hin.)

Ansonsten gilt für Studienzeit:
8 Semester für Bachelor sind realistisch und danach nochmal 4 bis 6 für Master wenn man das dranhängt. 12 bis 14 Semester Studium sind unter "Normalbedingungen" nichts ungewöhnliches.

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Zur Wahl und Auswirkungen auf Studiengebühren:
Interessant wird jetzt die Regierungsbildung.
CDU und FDP ist gar nicht mal so wahrscheinlich. Lindner will nach Berlin, wenn er sich auf schwarz-gelb einlässt muss er aber ein Amt in NRW übernehmen. Die Partei wurde nicht gewählt wegen des tollen FDP-Programm sondern wegen Lindner. (Nehme ich an. Bei aller Kritik an der FDP, Lindner ist einer der wenigen Leute mit Charisma.)

Bliebe die große Koalition. Aber an der sollte die SPD. wenn sie bei Verstand ist, kein Interesse haben. Die von mir genannte Einschränkung deutet darauf hin, dass ich auf große Koalition wette.

Mit einer großen Koalition wird es die Wiedereinführung von Studiengebühren auf gar keinen Fall geben, aber selbst mit schwarz-gelb eher nicht. Vor allem nicht innerhalb der nächsten Monate.

Ja die FDP plant eine "Wiedereinführung" aber wie schon angemerkt nach anderem System. Studiengebühren erst nach dem Studium und auch nur bei entsprechendem Gehalt zu erheben ist auch gar nicht unüblich. Hat z.B. Hamburg so gemacht.
An der Stelle muss ich auch zugeben, dass ich das System für gar nicht so dumm halte.
Hamburg hat gesagt: 375€ pro Semester, sobald man mehr als 30.000€ pro Jahr verdient. Das ist eine durchaus faire Reglung. Umsonst ist Bildung nun einmal nicht und Universitäten haben oft das Problem unzureichender Gelder. Ehemalige Studenten in die Pflicht zu nehmen die Universität zu unterstützen die ihnen einen halbwegs guten Job ermöglicht hat ist gerechtfertigt. (Ob 30.000 nun ein Job ist der am Ende ein Studium rechtfertigt ist halt die Frage... aber ich studiere Geisteswissenschaften und bin mit über 30 noch nicht fertig. Wenn es 30k im Jahr wird bin ich mehr als glücklich. Big_smile )

Was ich sagen will ist: Wenn Studiengebühren nach so einem Modell eingeführt werden, dann werde ich mich darüber nicht beschweren. Die einzige andere Alternative wären allgemein höhere Steuern und höhere Zuwendungen für die Unis. Ist auch ein gangbarer Weg.
Die Methode der "nachträglichen Studiengebühren" baut ein wenig Konkurrenz zwischen den Unis auf. Dadurch haben die Universitäten erstens ein Interesse möglichst viele Studenten zu kriegen und sie zweitens gut genug auszubilden damit sie am Ende auch entsprechend Geld kriegen können. Hat durchaus Vorteile. (Es sei den man lehnt die Konkurrenz insgesamt ab. Aber wir leben nun mal im Kapitalismus. Ein wenig muss man der Realität dann auch seinen Tribut zollen, fürchte ich.)

Ergo: Selbst wenn Studiengebühren wiederkommen sollten, dann nicht auf eine Art nach der du dein Studium schmeißen müsstest. Kein Grund den Teufel an die Wand zu malen.

Ärgerlich ist natürlich das die Linke den Einzug so knapp verfehlt hat. Ich hatte sie mir als Gegengewicht zur AfD gewünscht und sie entsprechend sogar gewählt, auch wenn ich dabei das Gefühl hatte mir würde die Hand abfaulen.
Wenn es dann jetzt noch zur großen Koalition kommt, dann haben wir in der Opposition:
FDP - Neoliberal
Grüne - Liberal mit Katalysator
AfD - moderner Merkantilismus mit massentauglichem Rassismus

Kurzum: Die sowieso marktradikale Regierungsführung der letzten Jahre hat in NRW nun absolut kein Korrektiv mehr. Nicht einmal jemanden der im Zweifel laut aufschreien würde. Darauf zumindest könnte man sich verlassen, wäre die SPD in der Opposition. Sobald sie nicht selber regieren müssen erinnern sie sich plötzlich an die Bedeutung von diesem "S" in ihrem Namen.
Ich bin mir wirklich nicht sicher welche Koalition mir nun lieber sein sollte... Hmm


Politischer Smalltalk - Baru - 15.05.2017

Skafdir;21939 schrieb:An der Stelle muss ich auch zugeben, dass ich das System für gar nicht so dumm halte.
Hamburg hat gesagt: 375€ pro Semester, sobald man mehr als 30.000€ pro Jahr verdient. Das ist eine durchaus faire Reglung. Umsonst ist Bildung nun einmal nicht und Universitäten haben oft das Problem unzureichender Gelder. Ehemalige Studenten in die Pflicht zu nehmen die Universität zu unterstützen die ihnen einen halbwegs guten Job ermöglicht hat ist gerechtfertigt.

Solange die Studiengebühren erst nach dem Studium und erst ab einem gewissen Grundeinkommen gezahlt werden müssen, habe ich auch wirklich nichts dagegen.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 15.05.2017

Das von Skafdir illustrierte System halte ich ebenfalls für fair. Man kann durchaus etwas zurückgeben. Allerdings sollte das entkoppelt vom Bafög sein.


Politischer Smalltalk - maddyxx - 15.05.2017

Skafdir;21939 schrieb:Lindner will nach Berlin, wenn er sich auf schwarz-gelb einlässt muss er aber ein Amt in NRW übernehmen. Die Partei wurde nicht gewählt wegen des tollen FDP-Programm sondern wegen Lindner.
Lindner war Spitzenkandidat in NRW und Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Bei Wiedereinzug in Berlin geht er dorthin. Er wird aber die Koalitionsverhandlungen in NRW führen und ein etwaiges Amt dann aufgeben. Dies sei klar den Menschen in NRW vor der Wahl kommuniziert worden, so Lindner in der heutigen PK. Ähnlich ist es bei Kubicki gewesen. Auch er wird nach Berlin gehen, wird aber erst noch die Koalitionsverhandlungen in SH führen.


Politischer Smalltalk - Zankyō - 15.05.2017

Also fair ist für mich eher, wenn jeder für die gleiche (freiwillig bezogene) Leistung auch im selben Maße aufkommt.
Auch jemand mit weniger Einkommen könnte das doch abbezahlen, wenngleich vllt langsamer.


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 15.05.2017

Wie in letzter Zeit so oft, sehe ich das anders als Skaf.
a) Du bist also Schuld, dass die PARTEI knapp den Einzug in den Landtag verfehlt hat. Warum hast du nur die Linke gewählt??? Ich hoffe deine Hand ist schon braun Wink
b) Aus welchem Grund sollte man Studiengebühren, in welcher Form auch immer, erheben? Skafs Begründung kann man dann immer geltend machen. "Du, lieber Arbeitnehmer, du bekommst jetzt viel Geld, da kannst du deiner Grundschule/Hauptschule/deinem Kindergarten/Ausbildungsunternehmen doch mal 3000€ geben... Bildung soll doch attraktiv bleiben. Warum sollte dann jemand studieren gehen, wenn er zusätzlich zur längeren Studienzeit jetzt noch Geld abdrücken muss? Die Ausbildung wird dadurch attraktiver (jaja, ich weiß, dass wir Studiengeld schon hatten).
c) Welche Konkurrenz? Durch das Studiengeld wird es für eine Uni doch viel interessanter möglichst viele Leute durchzumogeln. Klar sollte die Ausbildung doch gut sein. Wenn aber am Ende 1000 Studenten mehr durch das Studium kommen und von denen 20% der darauf folgende Job noch gut bezahlt wird, sind das 600 000€.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 15.05.2017

So sehr widersprechen wir uns gar nicht. ^^

zu b:
Bildung kostet Geld. Die Frage die man stellen muss ist folgende.
Wieviel Bildung kann und soll ein Staat von den Kosten her vergesellschaften?
Die ideale Antwort ist: Vollständig, einfach alles.
Dieses Ideal ist aber kaum zu erreichen und die Geister scheiden sich bei der Frage wielange Bildungskosten vergesellschaftet sein sollten. Nun gibt es eine Reihe von Leuten die meinen, dass Hochschulbildung zu spezifisch ist und nur einem zu kleinen Kreis ernsthaft offen steht. Wenn diese nun Studiengebühren einführen wollen, dann würde ich das beschriebene Modell als einen gangbaren Kompromiss sehen.
Es geht also nur um folgendes: "Wenn Studiengebühren eingeführt werden, dann so."
Nicht darum das ich sage, dass wir auf jeden Fall Studiengebühren einführen sollten. Wenn du mir unter der Bedingung immer noch widersprichst, dann ist der Widerspruch doch stärker.

Randnotiz:
Spoiler!:


zu c: Wenn die Studiengebühr nur ab einem Gehalt von X gezahlt werden muss. Dann haben die Unis vor allem ein Interesse daran mit ihrer Ausbildung eine möglichst hohe Deckungsgleichheit zwischen "Studenten" und denen die später "X verdienen" zu erreichen.
Deshalb würde, so der Idealfall, die Qualität der Lehre steigen. Derzeit erhalten Unis in NRW für jeden Absolventen 4000€.
Was ist das für eine schwachsinnige Idee? Ich kann verstehen das man den Verlust durch die Abschaffung der Studiengebühren irgendwie auffangen wollte. Aber "Absolventenprämien"?
Wieviel deutlicher soll man noch sagen "Ist uns scheiß egal wie gut eure Lehre ist, hauptsache die Leute haben am Ende einen hübschen Titel!"?
Im Gegensatz zu vielen bin ich absolut nicht der Meinung das die Bildungspolitik der letzten Jahre vollkommen verfehlt war. Viele der größeren Fehler waren nicht einmal hausgemacht. Der Punkt der Absolventenprämien ist aber so derbe bescheuert, dass man sich fragt wie besoffen ein Mensch sein muss um das auch nur eine Sekunde lang gut zu finden.

Kurzum: Egal wie gut der Vorschlag mit nachträglichen Studiengebühren funktioniert im Sinne von "Lehre verbessern", es kann auf keinen Fall schlechter sein als die derzeitige Methode.


Edit:
Gerade reingekommen: laut FAZ will die SPD keine GroKo
Daraus folgt:
1. Die SPD hat mehr Verstand als ich ihr zugestanden habe. (Was nicht so schwer ist, bedenkt man die Erwartungshaltung.)
2. Die FDP wird sich auf jeden Fall auf eine Koalition einlassen, immerhin sind die Laschets einzige Option. So eine Verhandlungsposition kann nun wirklich niemand ablehnen.


Politischer Smalltalk - Julia - 15.05.2017

Skafdir;21955 schrieb:Wenn die Studiengebühr nur ab einem Gehalt von X gezahlt werden muss. Dann haben die Unis vor allem ein Interesse daran mit ihrer Ausbildung eine möglichst hohe Deckungsgleichheit zwischen "Studenten" und denen die später "X verdienen" zu erreichen.
Und Studenten können ein Leben lang sich nen Lenz machen und Student bleiben. Sobald sie ordentlich verdienen, müssen sie ja blechen..

Ich denke auch, dass jeder das Geld nach zB spätestens 2 Jahren nach Studienende anfangen sollte, abzuzahlen. Die monatlichen Raten können sich gerne nach dem Verdienst orientieren. H4'ler zahlen halt nur symbolische 10€/Monat Big_smile


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 15.05.2017

Also als Kompromiss ist das sicher eine der besseren Ideen. Wenn du aber auch der Meinung bist, Bildung sollte kostenfrei bleiben, sind wir recht nahe, ja.
Ich weiß nicht, wie es um die Akademikerbildung im Land steht, aber bei der Schulbildung bin ich mir sicher, dass die Bildungspolitik mehr als nur verfehlt war.
Nun gut, die Absolventenprämie ist noch ein Stück sinnloser, als dein Gedanke zum Thema Konkurrenz bei Unis, mMn. Im Endeffekt endets aber gleich: weniger Bildung mehr Absolventen mit schlechterer Bildung.


Politischer Smalltalk - Baru - 15.05.2017

Hast du dir nicht gerade noch Gedanken darüber gemacht, wer überhaupt studieren will, wenn man auch noch Studiengebühren (danach) zahlen muss? Und nun kritisierst du, dass zu viele einen Abschluss machen?


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 15.05.2017

Ja. Wo ist der Widerspruch? Ich möchte, dass der Abschluss immer noch etwas Wert ist und nicht aus falschen Anreizen verwässert wird.


Politischer Smalltalk - Baru - 15.05.2017

Nachgelagerte Studiengebühren würden diejenigen raussondern, die keine wirkliche akademische Motivation für ein Studium haben. Das würde zu deinem Ziel eigentlich passen.