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Politischer Smalltalk - hans_wurst - 16.04.2017

Was regst du dich so auf? Das läuft in der Türkei doch schon seit Jahren so. Die Türken haben es so gewollt. Jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient hat.


Politischer Smalltalk - Kirin - 16.04.2017

Knapp die Hälfte der Türken hat es so gewollt. Die andere Hälfte muss auch damit leben.


Politischer Smalltalk - FireBird - 16.04.2017

Wie bei Trump und wie beim Brexit.


Politischer Smalltalk - Baru - 16.04.2017

Die Türken haben es so gewollt? In der Türkei gibt es fast gar keine Pressefreiheit mehr, Opposition wird verfolgt. Wie soll unter solchen Umständen bitte eine demokratische Willensbildung stattfinden?


Politischer Smalltalk - Skafdir - 16.04.2017

@hans_wurst: Nicht in allem auf dem "Wahl" steht ist auch "Demokratie" drin.

Ohne eine freie und kritische Öffentlichkeit kann eine Demokratie nicht bestehen.
Journalisten und Wissenschaftler sitzen für nichts weiter als einer gegensätzlichen Meinung im Gefängnis.
Trotzdem ist das Ergebnis nicht so "gut" wie von der Regierung erhofft. Es ist erschreckend hoch für "ja" ausgefallen, aber um die 40% der Bevölkerung tragen den Schritt zur Diktatur nicht.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 17.04.2017

Ein Großteil der Türken ist nationalistisch geprägt. Gerade die hier in Deutschland lebenden. Es ist also nicht falsch zu sagen, dass das Volk dazu beigetragen hat. Für das Großreich Türkei und ganz viel Phallus opfert man gerne Kleinigkeiten wie Pressefreiheit oder freie "Lügen "äußerung.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.04.2017

@DeeperSight:
Stimmt, aber vergleich mal die beiden Aussagen. Einer davon würde ich zustimmen, der anderen nicht.

Zitat:Die Türken haben es so gewollt.

Zitat:Es ist also nicht falsch zu sagen, dass das Volk dazu beigetragen hat.



Politischer Smalltalk - DeeperSight - 17.04.2017

@Skafdir

Ja, gut, damit kann ich leben.


Politischer Smalltalk - Kirin - 17.04.2017

Das ist meiner Meinung nach auch das einzig gute am Wahlausgang: Dass es immer noch eine große Opposition gibt.
In Österreich haben 50% der wahlberechtigten Türken gewählt und davon 75% für ein faschistoides Präsidialsystem gestimmt. Bin da vollkommen bei Dumbo Kurz wenn er sagt, dass diese Leute darüber nachdenken sollten, die EU auch physisch zu verlassen, da sie sich bereits mental von allen demokratischen Grundideen verabschiedet haben.


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 17.04.2017

Danke Skaf, das war mir gar nicht bewusst. Gut, dass du mich darüber aufgeklärt hast. Schade, dass du nicht hier bist, sonst hättest du mir noch zeigen können, wie ich die Schnürsenkel zumachen kann. Ich bekomme das irgendwie nicht hin...
Hab ich was verpasst? Haben die Türken nicht die AKP und damit Erdogan über Jahre dahin gewählt, dass er jetzt die Abstimmung machen konnte? Haben die Türken nicht für ja gestimmt? Oder bist du der Meinung dass der Wahlbetrug die Mehrheiten gebracht hat?
Die meisten Türken interessieren sich anscheinend nicht für Demokratie bzw die Freiheit.

Und auch wenn hier im Forum die meisten ihn erheben dürfen, kotzt mich der moralische Zeigefinger der deutschen Presselandschaft extrem an.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.04.2017

Deutschland war auch mehrheitlich bei "Ja"...
Berlin mit 50/50 ist der einzige "Lichtblick" und sogar das ist ein ziemlich düsterer Lichtblick.

Da lebt man in einem Land mit Meinungsfreiheit und Demokratie und wählt für seine Landsleute eine Diktatur von der man selbst kaum betroffen ist.

Und das schlimmste ist:
Das wird den Faschos Rückenwind geben. Die können sich nun nämlich hinstellen und behaupten das eine Mehrheit der "Türken" gar keine Demokratie wollen würden und das sie ja schon immer Recht gehabt hätten.
Das von den ca. 3 Millionen "türkischstämmigen", die Hälfte überhaupt nur Wahlberechtigt sind und von denen anscheinend nur ein Drittel eine gültige Stimme abgebene hat (530.000 gültige Stimmen), wird dabei ignoriert werden.

Wobei man sagen muss: Fast 300.000 die gegen Demokratie gestimmt haben. Die Zahl ist tatsächlich beunruhigend groß.
Ursachenforschung ist in jedem Fall nötig.

@hans_wurst: Das die türkische Bevölkerung mit der Wahl der AKP mit sicherheit von Anfang an keinen Gefallen getan hat bestreite ich nicht.
Das die Entwicklung natürlich nicht losgelöst vom Volk stattgefunden hat auch nicht.
Die Aussage: "Die Türken haben es so gewollt", bleibt aber denoch zu platt und undifferenziert um sie einfach als wahr stehen zu lassen.
Die Entwicklung ist keine echte Überraschung und es war auch nicht so als hätte es keine Warnungen und Zeichen gegeben. Die Ursachen sind aber viel komplexer als das man sie mit einem kurzen Satz darstellen könnte und es damit als beendet betrachten kann.


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 17.04.2017

Die Ursachen hat DeeperSight schon ganz gut herausgestellt. Was soll man da forschen?


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.04.2017

Siehe mein Edit oben.

Ich verstehe das du nichts von Bildung hälst und Sozialwissenschaften vermutlich für eitle Geldverschwendung.
Ist in Ordnung der Ansicht kannst du gerne sein. Aber tu mir doch den Gefallen und stecke wenigstens etwas mehr Mühe in deine öffentlich zur Schau gestellten Ignoranz.

Nur mal ein paar Forschungsfragen:
1. Wie ist die wirtschaftliche Situation der türkischstämmigen in Abhängigkeit zur Wahlentscheidung?
2. Wie alt sind die türkischstämmigen in Abhängigkeit zur Wahlentscheidung?
3. Welche Erfahrungen mit Rassismus haben türkischstämmige in Abhängigkeit zur Wahlentscheidung gemacht?
4. Welchen Stellenwert hat Religion für die türkischstämmigen in Abhängigkeit zur Wahlentscheidung?
5. Gibt es Pläne in die Türkei zu ziehen, in Abhängigkeit zur Wahlentscheidung?

Das sind nur fünf ganz spontane Fragen deren Antworten alle neue Perspektiven auf die Situation bringen würden.

Man kann sich nun natürlich auch hinstellen und als offiziell anerkannter Küchensoziologe sich seine eigenen Antworten auf die Fragen aus den Fingern saugen. Man könnte aber auch so tun, als sei man ein Mensch dem an Wissen und Fakten gelegen ist und der sich entsprechend nicht mit der erstbeste Erklärung zufrieden gibt.

Die nationalistische Prägung vieler Türken spielt da mit Sicherheit rein. (Edit: Will sagen DeeperSight hat durchaus recht.)
Aber auch hier kann und sollte man fragen: Woher kommt die?
Warum fühlen sich oft auch Deutsche die vielleicht noch gerade Großeltern haben die in der Türkei geboren sind, eher als "Türken"?
usw.
Edit 2: Und so wie ich DeeperSight kenne ist er auch bereit diese Fragen zu stellen und auch an den Antworten interessiert. Bei dir wirkt es aber so als wäre für dich mit dem Hinweis auf "Türken in Deutschland sind nationalistisch" die Antwort ausreichend gegeben und jede weitere Frage ist Zeitverschwendung.

Fragen sind für die Untersuchung eines Problems meist deutlich hilfreicher als Antworten, zumindest solange man keine belastbaren Fakten hat auf denen die Antworten beruhen.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 17.04.2017

@Skafdir

Das ist sicherlich alles richtig. Aber würdest diese oder ähnliche Kriterien auch für Neonazis geltend machen? Die Frage ist nicht provokativ, sondern ernstgemeint.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 17.04.2017

Ursachenforschung für jede Form von Extremismus ist notwendig.
Das bedeutet nicht das ich irgendein Verständnis für den individuellen Fascho habe. Aber das Ziel sollte ja eine "Verbesserung" der Gesellschaft sein und das geht nur wenn wir an den Ursachen forschen.

Es gibt diesen tollen Spruch: "Hate the sin, not the sinner."
Dem widerspreche ich. Die Sünde ist das was erforscht werden muss, da müssen die gesellschaftlichen Aspekte geklärt werden die Leute dazu bringen die Sünde zu begehen. Der einzelne Sünder darf während der Zeit durchaus als Arschloch betrachtet werden.
Wenn die Forschung dann herausfindet das man die Sünde verstärkt indem man den Sünder als Arschloch betrachtet, dann sollte man sein Verhalten dahingehend natürlich überdenken.

Bei Neonazis sehe ich das Problem aber nicht. (Kann sein das ich mich irre.)
Hier sehe ich eine Gruppe von Menschen die ihre Probleme dadurch erklären, dass irgendwelche "Anderen" daran schuld sind. Mit der Lösung das man die "Anderen" auf irgendeine Art und Weise los werden muss. (gemäßigt durch: Niemanden mehr rein lassen. Bis hin zu: Alle umbringen. - Die Idee dahinter ist der gleiche Bullshit. "Meine Probleme verschwinden auf magische Weise wenn Gruppe X nicht mehr hier ist.")
Die wissen vermutlich selbst gut genug das sie Arschlöcher sind, also kann man sie gefahrlos so nennen.