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Politischer Smalltalk - Skafdir - 06.12.2016

Versteh das ganze mehr als Instrument für die Werbeindustrie dann wird es klar.

Du hast ein Produkt das, nach deiner Marktforschung, bei etwa 10% der Bevölkerung reisenden Absatz bringen wird. Jetzt ist das Problem: Es ist extrem schwer zielgerichtet zu Werben. Man muss halt immer möglichst viel Aufmerksamkeit erheischen und hoffen das der richtige Kundenkreis schon zusehen wird.

Mit einer entsprechenden Datenmenge kannst du aber den Personenkreis der deine Werbung zu sehen bekommt von Anfang an gering halten und so den Aufwand zur Verbreitung niedrig halten.
So kannst du z.B. ein Produkt das vor allem für kinderlose Männer im Alter von 30 bis 40 interessant ist auch direkt an diese Gruppe bewerben. Gleichzeitig kann durch den Datensatz vielleicht auffallen wie du das Produkt verändern musst, damit auch die Altersgruppe 25 bis 30 das auch kauft.

Es ist ein sehr umfangreiches und effektives Mittel für die Marktforschung. Dafür ist es auch gedacht und personalisierte Werbung funktioniert mittlerweile schon recht. Wenn ich mir ansehe was Youtube mir so vorschlägt, dann ist das durchaus sinnvoll. Ich kriege ziemlich wenig vorgeschlagen was ich vollkommen uninteressant fände.
Genauso weiß Amazon in etwa welche neuen Produkte ich kaufen könnte und haut mir die auf die Startseite. (Derzeit eher schlecht als recht, aber nur weil ich lange nichts mehr gekauft habe.)

Politiker sind in diesem Sinne genauso ein Produkt und du kannst den Markt genauso erforschen.
Was muss ich tun um das Produkt Trump attraktiv zu gestalten? (Schwierige Aufgabe)
Was muss ich tun um das Produkt Clinton möglichst unattraktiv dastehen zu lassen? (ziemlich einfach)

Man sucht sich dann eben seine demographischen Gruppen in denen statistisch betrachtet bestimmte Werbebotschaften den gewünschten Effekt haben werden. Dabei ist es dann egal ob DeeperSight höchstpersönlich darauf anspringt. Solange DeeperSight1, DeeperSight2, DeeperSight3, ... darauf anspringen ist alles in Ordnung.

Es geht nicht darum eine Einzelperson dahingehend zu manipulieren das sie eine bestimmte Handlung durchführt, es geht darum eine größtmögliche Anzahl von Erfolgen aus einer statistisch erwartbaren Menge zu ziehen.

In diesem Sinne mal ein anderer Ansatz für die Frage:
Warum hat Cruz nicht gewonnen wo er doch zuerst unterstützt wurde?
Vielleicht weil die Metadaten ergeben haben, dass es sehr schwierig sein wird die Wählerschaft von Cruz über seine Kernwähler hinaus zu erhöhen.


Politischer Smalltalk - Kirin - 08.12.2016

Zitat:Die Ursachen für das gehäufte Wiederauftreten der Hautkrankheit sind nicht ohne weiteres auszumachen. Gibt es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Krätzefällen und der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr? Es ist kein Geheimnis, dass Immigranten während ihrer Flucht und danach teilweise monatelang unter beengten Bedingungen gelebt haben. Bedingungen, unter denen sich Krätze gerne ausbreitet.
Quelle
Kann jemand von euch Henryk M. Broder noch ernstnehmen? Lol


Politischer Smalltalk - Julia - 08.12.2016

Ach daher kommt der Spruch "Ich krieg die Krätze"...?


Politischer Smalltalk - FireBird - 08.12.2016

Kirin;15444 schrieb:Quelle
Kann jemand von euch Henryk M. Broder noch ernstnehmen? Lol
Broder zitiert hier nur eine andere Zeitung. Wink


Politischer Smalltalk - Zankyō - 08.12.2016

Wenn's nur die Krätze, und nicht die viel schrecklichere Griselkrätze ist, geht's ja noch.


Politischer Smalltalk - Kirin - 08.12.2016

@FireBird
Darf er deshalb nicht kritisiert werden? Kommentarlos Texte in den Raum zu klatschen ist auch eine aktive Handlung, zumal man leider weiß, welche Intention wohl bei Broder dahintersteckt.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 08.12.2016

Broder kann man wunderbar als Quelle nutzen. Es kommt nur auf die Frage an.

Frage 1: Wie lasse ich Fremdenfeindlichkeit wie eine Tugend aussehen, am Beispiel ausgewählter Texte von Henryk M. Broder?

Frage 2: Wie kann ich auf einen Schlag alle wissenschaftlichen Statistiken als Unsinn abtun, mein Unwissen über den Stand der Forschung möglichst deppert zur Schau stellen, Atheisten als Menschen ohne sinnvollen moralischen Kompass darstellen und gleichzeitig auf mein Recht bestehen weiterhin einen Scheiß auf die Umwelt zu geben?

Nur mal so als Beispiele. Broder ist super als Quelle, die Frage muss halt nur stimmen.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 08.12.2016

Kirin;15444 schrieb:Kann jemand von euch Henryk M. Broder noch ernstnehmen? Lol
Seit er in meiner 'Krawallschachtel'-Schublade gelandet ist, gönne ich ihm idR nicht mal die Aufmerksamkeit seinen Quark zu lesen...


Politischer Smalltalk - Charlemagne - 08.12.2016

Yankzou;15454 schrieb:und nicht die viel schrecklichere Griselkrätze ist, geht's ja noch.
Ach Griselkrätze kriegt doch niemand, ausser leute im Harry Potter universum, und der DrachenLord. Big_smile


Politischer Smalltalk - menag - 09.12.2016

Ja. Eine Umfrage bei T-Online ist auf jeden Fall sinnvoll! In den Kommentaren freut sich dann auch jemand über die Umfrage mit ähnlichen Werten "auf der Teletext Seite 187 von N24".


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 09.12.2016

Auch wenn das nur eine kleine, begrenzte Darstellung ist, so reicht es für mich das Gruseln zu bekommen. Was ich echt schade finde ist, dass man auf beiden Seiten den "Erfolg" der AfD rein auf die Asylpolitik bezieht. Die Enttäuschung über die Linkspartei und den Mangel an echten Alternativmodellen bei den etablierten Parteien sieht niemand.

Ich hoffe nur, dass Die Partei mit Serdar Somuncu genug Staub aufwirbelt und dass die damit einiges an Protestwahlen abfedern. Wobei ich nicht darauf hoffe, da Serdar zu oft in der Heute Show zu sehen ist, welche ja auch "Der Feind™" ist.


Politischer Smalltalk - Gast - 09.12.2016

Die einzige große Politik Disskusion die sie in unserer Uni anbieten, liegt leider genau in den Zeitraum von Elektro Technik..l

Umfragen sind halt meistens manipuliert, um die Interessen der Verlage zu decken.
Dies ist dann teilweiße schon erschreckend, wie dreist vorgegangen wird.
Wenn dann versucht wird, etwas in einen positiven Licht zu Rücken oder noch schlimmer, nekativ Stimmung gegen etwas zu machen!

Ps: Die Linken wären aber immer noch eine bessere Alternative wie die Afd. Nur ist hier immer noch der " Böse kommunismus" als Vorurteil vorhanden...


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 09.12.2016

Ich glaube eher, dass AfD-Wähler dazu geneigt sind daran teilzunehmen, während andere das eher nicht tun. Man versucht sich so vielleicht sichtbar zu machen, weil man in den Medien meistens nur als "Der Nazi" zu finden ist.


Politischer Smalltalk - menag - 09.12.2016

Es war ja auch schon vor den letzten Wahlen so, dass Online-Umfragen und Teletext-Umfragen die AfD meist ziemlich krass überbewertet haben (im Vergleich zum tatsächlichen Ausgang). Es scheint also so zu sein, dass AfD-Wähler öfter an solchen Umfragen teilnehmen, oder dass AfD-Wähler bewusst dazu aufrufen an solchen Wahlumfragen teilzunehmen.

Dass solche Umfragen dann aber als Anlass genommen werden, die Wahlumfragen von anderen Instituten zu kritisieren, finde ich absurd. Die Anderen Wahlumfragen sind den Wahlergebnissen meist ziemlich ähnlich. Klar, es gibt und gab Ausnahmen. Dies könnte aber auch daran liegen, dass die Umfragen meist nur bis eine Woche vor der tatsächlichen Wahl durchgeführt wurden (und zumindest bei der Bundestagswahl 2005 wurde die letzten Umfrage eine Woche vor der Wahl veröffentlicht [Ich hab nochmal nachgeschaut und bemerkt, dass das garnicht stimmt. Es gab tatsächlich noch Veröffentlichungen zwei Tage vor der Wahl], wann die Befragungen waren weiß ich nicht). Ob in dieser letzten Woche vor den Wahlen noch irgendetwas besonderes passiert ist, weiß ich jetzt aber nicht genau.

Ansonsten noch zu einem Punkt etwas: Ich glaube jeder, der jetzt noch AfD wählt, tut dies nicht auf Grund von Mangel an Alternativen. Er empfindet die AfD ernsthaft als das beste, was es derzeit gibt. Und wer soetwas tut ist einfach ein Arschloch. Diese Leute muss man nicht in Schutz nehmen. Die entscheiden sich bewusst für die AfD.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 09.12.2016

Ja, die Gegenüberstellungen sind absurd. Das ist im Prinzip nichts anderes, als eine hysterische Überbewertung einer Filterblase. Allerdings gibt es ja die Theorie, dass soetwas unentschlossene Wähler beeinflussen kann. Demnach ist das schon politisch zu verstehen. Ich glaube an diese Theorie nicht, aber das ist halt eine Mobilisierung, wie sie nur an Randgebieten der Politik stattfindet. Die "Mitte" kann so nur schwer eingeschätzt werden.

menag schrieb:Ich glaube jeder, der jetzt noch AfD wählt, tut dies nicht auf Grund von Mangel an Alternativen.

Gut, das sehe ich halt etwas anders. Nicht jeder ist 100% politisch. Viele sind einfach nur mit ihrem Leben beschäftigt und haben da ein anderes Bewusstsein. Da ist nicht jede Möglichkeit von Schäden durchdacht. Man wählt sich seit Jahrzehnten durch die Parteien und bekommt halt nur ein "Mehr vom Selben". Ich kann mir gut vorstellen, dass einige da sehr naiv drangehen und glauben, dass die AfD kaum Schaden anrichten wird, genauso wenig, wie andere Parteien wirklichen Schaden angerichtet haben. Wir leben ja alle noch und sind noch satt.

Auf der anderen Seite gibt es das ambivalente Empfinden, ständig und überall von allem bedroht zu sein. "Noch habe ich was zu essen, aber was wird morgen sein?!" - Diese Gefühle weiß die AfD gut zu nutzen.

Zudem ist es nicht so leicht zu sagen, dass sich Deutschland von den USA aufgrund des Mehrparteiensystems absetzt und beides nicht wirklich vergleichbar ist. Wie gesagt, man wählt sich seit Jahrzehnten durch die politische Landschaft und bekommt keine wirklichen Änderungen des Systems zustande. Selbst mit den Linken auf kommunaler Ebene hat man schlechte Erfahrung gemacht. Da ensteht durchaus der Eindruck einer bipolaren Struktur. Das "Establishment" und die AfD.

Wenn man jetzt politisch nicht sonderlich Interessierte, aber angstvolle und naive Menschen nimmt, dann glaube ich schon, dass die AfD durchaus ein Protestpotential hat, selbst wenn wir die Flüchtlinge ausklammern. Ich bin bei dir, wenn du das als unverantwortlich verstehst. Das sehe ich genauso. Aber wir haben eben eine Situation, in der wir nicht viel über Motive wissen, weil wir diese politische Bewegung stigmatisieren und nicht mit ihnen, sondern über sie reden. Daher glaube ich, dass wir ein böses Erwachen haben werden.

Ein Grund die AfD zu wählen ist eben das Gefühl aus dem politischen Alltag ausgeschlossen zu werden, nicht stattzufinden und in die Rolle des Antagonisten gedrängt worden zu sein. Damit kann man sich wunderbar identifizieren und eine Art Widerstands- und Rebellenkult entwickeln. Darin gehört man immer zu den Guten und das befriedigt auch das Gefühl, dass man schon immer einer Verschwörung unterworfen wurde.

Ich kriege das jetzt auch kaum strukturiert zur Artikulation gebracht, weil da so viel für mich mit reinspielt und ich da schnell ein Gefühl von Ohnmacht entwickle. Zudem eine diffuse Angst davor, dass alles, was wir gesellschaftlich erreicht haben und was ich als "gut" empfinde wieder zur Diskussion steht - und genau dort gibt es für mich kaum was zu diskutieren. Fremdenhass und Ausgrenzung von Minderheiten ist für mich einfach kein Gegenstand, der zur Debatte steht und offensichtlich sieht das ein großer Teil der Bevölkerung mittlerweile anders.