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Politischer Smalltalk - Skafdir - 09.11.2016

Zitat:Bundesstaat und nicht Staat, so verwirrt einen das, da man nicht weiß ob damit die gesamten USA gemeint sind.

Verwirrt nicht wirklich.
Von den Bundesstaaten wird immer als "Staaten" geredet. Eigentlich nie von "Bundesstaaten". Im Gegenteil wenn in den USA von "Bundesstaat" geredet wird, dann ist damit die Bundesebene gemeint.

Staat im Singular = Ein Bundesstaat
Staaten im Plural = Eine Gruppe von Bundesstaaten oder die US-Regierung (je nach Zusammenhang)
United States, Federal Government, o.ä. = US-Regierung

Es kommt ab und an mal vor das auch von den USA als Staat im Singular gesprochen. Aber selten, wenn man das macht dann redet man meist von "nation". Damit ist dann die Bevölkerung aller Staaten gemeint.

Nun zur kurzen Wahlanalyse:

Die Demokraten haben es verdient. Sie haben eine Kandidatin aufgestellt die ungefähr so beliebt war wie Fußpilz und haben dafür die Quittung bekommen.
Man stelle sich mal hier in Deutschland ein Duell vor Sigmar Gabriel gegen Frauke Petry. Natürlich würde alle Welt die ganze Zeit erklären das Gabriel die bessere Wahl sei, aber wenn auch nur eine Person erklärt die Wahl wäre sicher, dann muss diese Person zu einem Idioten erklärt werden.

Über das schlechte was das nun bedeutet wird ausreichend gesagt.
Der Peso bohrt nach Öl. Sollte er damit Erfolg haben besteht die Chance das er sich wieder erholt. Wahrscheinlicher ist, dass er sich sein Grab nur ein wenig tiefer legt.
Der Nahe Osten wird endgültig explodieren, sollte Trump seine Drohung wahr machen und sich vollständig zurückziehen. (Abgesehen davon das er im Zuge des Palästinakonflikts schon klar gemacht hat, dass er vollständig hinter Israel steht. "Jerusalem muss ungeteilte Hauptstadt sein.", keine zwei Staatenlösung, usw.) Friedenssicherung sieht anders aus.
Aber mal sehen hier besteht ja die Hoffnung, dass er anderen erfahreneren und gemäßigteren Leuten möglichst freie Hand lässt.

Viel wichtiger ist, es gibt ernsthaft positive Dinge an dieser Wahl.

1. TTIP sollte weg vom Fenster sein. Trump ist dagegen und kann es sich kaum leisten in der Hinsicht umzukippen. Immerhin war das eines seiner Hauptthemen.
2. Die Wahl ist eine Chance für Europa. Die nächsten vier Jahre wäre es vermessen wenn man die USA als verlässlichen Partner sieht, entsprechend muss Europa zusammenrücken. Auch wenn ich ja kaum dran glaube...
3. Eine Annäherung zwischen USA und Russland kann durchaus eher positiv als negativ wirken
4. Es bleibt zu hoffen das unsere Politiker jetzt einsehen das man echte Parteien mit echten Unterschieden braucht. Die Politik der "Mitte" sollte nun eindeutig als gescheitert da stehen.

Das ist so das was mir spontan als positiv einfällt. Das Glas ist halb voll. Dummerweise ist es halbvoll mit Schierling, aber es ist halbvoll.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 09.11.2016

Meine ersten zwei Gedanken dazu:

1. Gott sei Dank nicht Clinton.
2. Wie kann man nur Trump wählen?!?! 11!!?!

Ergebnis der Überlegung: Bernie, mach da bitte wieder heile!
Ausblick: Dunkel.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 09.11.2016

Zitat:Bernie, mach da bitte wieder heile!


Bernie wird nur in 4 Jahren nicht mehr antreten. Er war ja jetzt schon deutlich übers Haltbarkeitsdatum hinaus.

Stephen Colbert sagt dazu: "Everyone back up. We have 300 Million Guns and we are kind of stressed right now."
Allerdings die großen Unruhen scheinen auszubleiben. Das ist schonmal gut.
Ein Zwischenfall ist bekannt, aber die Gründe dahinter nicht.

In den UK hat die Brexitwahl den Rassisten und sonstigen Gewaltbereiten Mut gemacht, ich befürchte ja es wäre vermessen zu glauben das die Sache in den USA nun groß anders wird. Das Trump nun gewählt ist werden gerade die Extremisten als Zeichen sehen das ihr Extremismus nun im Sinne der Mehrheit ist.

Der zaghafte Versuch soetwas wie eine Krankenversicherung aufzubauen ist dahin.

Nun gut das sind alles innen politische Probleme. Im Sinne der Außenpolitik kann es gut sein das Europa mit einem blauen Auge davon kommt. Ich hoffe auf das beste.


Politischer Smalltalk - Enzio - 09.11.2016

Bisher konnten sich Europa und vor allem Deutschland immer sehr bequem hinter den USA verkriechen, die als Weltpolizist und vor allem Ressourceneintreiber den westlichen Wohlstand gesichert haben. Was wird nun unter einem Trump passieren, wenn er wirklich das Militär reduzieren-, sich aus dem Weltgeschehen eher zurückhalten möchte und sich auf die Innenpolitik konzentrieren wird? Bin ja mal sehr gespannt, wie weit der Wille der EU geht, eigene Soldaten für wirtschaftliche Interessen verbluten zu lassen. Eines steht jedenfalls fest: Die Arroganz und Sicherheit des "Weiter wie bisher" wurde mit dem heutigen Tag kräftig aus dem Gesicht der EU gewischt.

Egal, was passiert, die nächsten vier Jahre werden sicher spannend!


Politischer Smalltalk - FireBird - 09.11.2016

Ich weiß nicht was ich von Trump halten soll, aber ich mag es nicht das die US-Regierung komplett in der Hand der Republikaner ist. Was Trump bringt wird nur die Zeit zeigen.
Wenigstens hat Kalifornien Marihuana legalisiert. Smokin

Edith sagt: "Ich frage mich ob das für die Bundestagswahl bedeute, das die AfD einen relevanten Stimmenanteil bekommt."


Politischer Smalltalk - Kirin - 11.11.2016

Nun hat schon wirklich jeder seinen Senf zu Trump gegeben, aber der vermutlich Beste kommt von welt.de-Kommentator "Andreas K.".
Zitat:Mal ganz ehrlich: Ich wäre froh, wenn so Leute wie die Mexikaner nach Deutschland kommen würden. Die sind fleißig, bekommen keine teuren sozialen Unterstützungen, müssen sich selbst versichern, sind friedlich (christlich), fordern nicht die ganze Zeit, passen kulturell in die westliche Welt und mit denen ihren Frauen kann man auch was anfangen. Eben 100% das Gegenteil von dem was hier in Deutschland so strandet!!! Traurig!
Ugly


Politischer Smalltalk - Skafdir - 11.11.2016

Zitat:friedlich (christlich)

Diese Gleichsetzung finde ich ja richtig putzig. Lol

Aber das Ding ist recht geschickt geschrieben. Auf meiner Demagogieskala gibt es dafür X Punkte. Wer X erfahren will muss lesen. Also frisch ans Werk:

1 . "Mal ganz ehrlich:" Alternative Einleitung zu "Ich hab ja nichts gegen, aber...". Eine Vorwarnung für: Alles was hinter diesem Doppelpunkt kommt ist mit großer Sicherheit Bullshit. Insofern sehr leserfreundlich gestaltet. Menschen mit zu hohem Blutdruck können von Anfang an einfach aufs Lesen verzichten, während Leute mit zu niedrigem Blutdruck wissen das der folgende Absatz therapeutische Wirkung haben wird.
Trotzdem +2 Demagogiepunkte. Einen für die Nutzung des Wortes "ehrlich" und einen dafür den Post mit der Einleitung auf dieses "wir befinden uns ja unter uns Gefühl" zu bringen.

2. "Ich wäre froh, wenn so Leute wie die Mexikaner nach Deutschland kommen würden." Ein Einleitungssatz der Hoffnung macht, aber gleichzeitig einen gewissen Vorgeschmack auf den folgenden Rassismus gibt. Im ersten Moment denkt man sich: Oh, ein weltoffener Mensch der davon überzeugt ist das Zuwanderung einer Gesellschaft insgesamt gut tut. Dann stolpert man aber schon ein bisschen über "so Leute wie..", die erste Verallgemeinerung. Die man aber gerne überliest, weil der Grundkontext positiv wirkt. Eigentlich gut gewählt, man präsentiert den eigenen Rassismus, aber mit einem positiven Grundgefühl. +1 Punkt für die Verdrehung des eigenen Weltbild.

3. "Die sind fleißig, bekommen keine teuren sozialen Unterstützungen, müssen sich selbst versichern, sind friedlich (christlich), fordern nicht die ganze Zeit, passen kulturell in die westliche Welt und mit denen ihren Frauen kann man auch was anfangen." Eine Kette positiver und gleichzeitig vollkommen belangloser Vorurteile. Die die Unmenschlichkeit der amerikanischen Arbeitswelt verklären. Sehr schön.
fleißig: Kunststück wenn ich drei verschiedene Jobs brauche um zu überleben und einen vierten damit ich meiner Familie in Mexiko noch ein paar Dollar zuschicken kann. (Hier allerdings ein Lob an Trump: Der Peso ist durch seine Wahl so in den Keller gerauscht, dass die mexikanischen Familien nun mehr Peso pro Dollar kriegen. #ersteguteTat) +1 Punkt
keine soziale Unterstützung/ selbst versichern: Übertragung der nicht vorhandenen amerikanischen Sozialpolitik auf die Situation in Deutschland, bei gleichzeitiger Verkennung der Tatsache, dass mexikanische Einwanderer hier natürlich auch die ihnen zustehende Unterstützung kriegen würde. Gleichzeitig: Implikation das "die andere Gruppe" mehr kriegen würde als Mexikaner. +1 Punkt
friedlich (christlich): Endlich der Feind wird genannt, aber nur in der Klammer und nur durch explizites "nicht-nennen". Dafür gibt es außerhalb der Reihe +1 Punkt. Ansonsten natürlich die oben schon angemerkte Gleichsetzung von friedlich und christlich, ohne jede Erklärung. (Man beachte auch hier die geschickt nicht gesagte Behauptung: kriegerisch = muslimisch) +1 Punkt
fordern nicht die ganze Zeit: Das Existenzrecht einer Minderheit hört dann auf wenn sie auffällt. Das typische "Ich hab ja nichts gegen X, aber..." (Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber die müssen das doch nicht ständig öffentlich zeigen. - Ich hab ja nichts gegen Türken, aber die sollten schon deutsch reden wenn sie hier leben. [Vornehmlich gesagt wenn man nicht in der Lage ist ein Privatgespräch zu belauschen.]. etc.)
Aber hier viel geschickter gesagt. Hier wird die Minderheit auf eine Ebene mit dem nervigen Kind im Supermarkt gestellt.
"Mama ich will Schokolade!" und "Wir würden gerne ein Gebetshaus für unsere Religion bauen." werden hier gleichgesetzt. In beiden Fällen haben ein verwöhntes Dreckskind, das nicht oft genug geprügelt wurde und nur deshalb nicht in der Lage ist mich in Ruhe Bier und Chips kaufen zu lassen. +1 Punkt und noch +1 Punkt für das subtile dabei.
passen kulturell: Natürlich im Gegensatz zu Personen aus dem Nahen Osten, wie diesem Jesus. Der ja kulturell absolut gar nichts mit der Entwicklung des christlichen Europas zu tun hat. Achja und natürlich Kulturtheorie im besten Sinne des Kolonialismus. Trotzdem kein Bonuspunkt dafür, weil zu platt. Das hätte man schöner verpacken können. "kulturell passen", das klingt zu sehr nach Faschismus.
Frauen: Das männliche Ego wird bedient und Frauen auf ihre Rolle als Sexobjekt zurechtgestutzt, während man es gleichzeitig nach einem Lob klingen lässt. Das ist wieder schön. Suchbegriffe: "latina", "border patrol", "maid" Wir wissen schon was man mit mexikanischen Frauen anfangen kann. +1 Punkt und +1 Bonuspunkt für den unbewussten Einblick in das abendliche Surfverhalten des Autors.
Macht in Summe +7 Punkte für diese Kette.

4. "Eben 100% das Gegenteil von dem was hier in Deutschland so strandet!!!" Und hier wird nun das eigentliche Problem präsentiert. Diese blöden muslimischen Frauen können nicht vom Autor gevögelt werden und dann gibt es nicht einmal tolle Suchbegriffe um das auszugleichen. Ich bin großzügig und gebe ein Punkt pro Ausrufezeichen. Also +3 Punkte.

5. "Traurig!" +1 Punkt für das zitieren amerikanischer Präsidenten. SAD!


Auf der Demagogieskala gibt es für den Kommentar also: 14 Punkte - umgerechnet: Eine Zehntel Sportpalastrede, für den Anfang nicht schlecht aber steigerbar. Mit ein bisschen mehr Mühe kann man da durchaus noch was rausholen.

Edit: Wegen schlechter Matheleistungen nachgebessert.


Politischer Smalltalk - Kirin - 11.11.2016

Und jetzt antwortest du das dem Andreas auf welt.de (weiß nicht mehr, unter welchem Artikel das war, aber 95% ist eh durch welt+ gesperrt, also bleibt nicht viel übrig).
I dare you! I double-dare you!


Politischer Smalltalk - Skafdir - 11.11.2016

Braucht man da einen Account? Und finde ich das? Tongue

Eine erste Suche hatte keinen Erfolg. Habe aber ein paar Kommentare von dem Typen gefunden.

Kurz zusammengefasst: Wohnt in Bayern und hat bisher CSU gewählt und weil die ihm offensichtlich zu links ist will er bei der nächsten Wahl "alternativ" wählen.
Ich vermute von der Wirkung auf den Autor ist mein Post hier genauso gut aufgehoben wie da. Neutral


Politischer Smalltalk - FireBird - 11.11.2016

[Bild: Cw-3Hx0WgAAj7YA.jpg]
https://twitter.com/klopfersweb/status/797057010844008452

Logik der Deutschen.


Politischer Smalltalk - Kirin - 12.11.2016

Hier ein sehr verstörender Artikel zum Jahrestag des Bataclan-Anschlags.

Zitat:Das Bildungsministerium hat zum Schulbeginn im Herbst eine siebenseitige Broschüre (PDF) verteilen lassen, in der zum Beispiel das Verstecken in Kartons geübt wird, wenn ein Bösewicht kommt. Die kleinen Franzosen lernen darin auch, auf Befehl wie eine Wachsfigur stillzustehen oder loszurennen.
Zitat:Gemäß einer Umfrage des konservativen Instituts Montaigne sprechen sich 28 Prozent der französischen Muslime, also mehr als eine Million Menschen in Frankreich, für den Vorrang der islamischen Scharia vor dem Recht der Republik aus, und 50 Prozent der 15- bis 25-Jährigen.
Echt ne angenehme Community.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 12.11.2016

Nur mal ein kurzer Gedanke zu der US-Wahl und den Medien:

Die Medien waren, bis auf Verschwörerblogs und FOX-News, alle auf Seiten von Clinton. Es gab ein mediales Dauerfeuer und wenn es nach der "Öffentlichkeitsmeinung" ging, hatte Trump nie eine Chance. Es gab Satire, Kolumnen, Artikel, Sondersendungen, YouTube-Channels, Memes und und und. Alles mit demselben Inhalt: Trump ist böse - und er wurde demokratisch zum Präsidenten gewählt.

Ich möchte nur mal die Reichsbürgerfront daran erinnern, dass Medienmanipulation NICHT funktioniert. Es stimmt einfach nicht, dass Propaganda den Menschen derart beeinflusst, dass er sich unter dem Schlangenlied der Elite ausruht.

Dasselbe möchte ich an der Stelle den achso progressiven Linken mitteilen. Wenn ihr das nächste Mal der Meinung seid äußern zu müssen, dass die BILD verboten gehöre, weil sie die Bevölkerung mit Untermenschenideen infiziert und diese sich dann wie die Pest in den vergifteten Hirnen der Bevölkerung gen Hitler radikalisieren, dann habt ihr hier ein Beispiel dafür, wie stark ihr an der Realität vorbei schleudert.

Jeder ist verantwortlich für das, was er sagt und denkt. Wir sind beeinflusst, aber keine Opfer. Wir haben Autonomie im Denken. Wenn also Reichsbürger Reichsbürger sein sollen, weil Spiegel und BILD so "nazihaft" berichten, dann zeigt ihr nur, dass ihr keine Argumente mehr habt. Ihr schließt den Fall ab. Der Patient hat Krebs und ist nicht mehr zu retten. Deswegen muss man ihn totschlagen oder Autos in Berlin anzünden. Primitiv.

Es lohnt sich immer einen Dialog zu führen. Man muss jedem eine Plattform bieten, egal was er sagt. Das ist Demokratie. Auch der Nazi soll offen aussprechen dürfen, was er denkt. Öffentlich in einem neutralen Rahmen, gegenüber von Vertretern anderer Meinung. Wir brauchen diesen offenen Dialog. Seine Worte werden niemals aus mir einen Nazi machen. Antifa-Sticker auf Stromkästen werden niemals einen Nazi zu einem Linken machen. Argumente aber werden es tun. Wenn ein Mensch sich ernst genommen fühlt, dann wird er auch zuhören. Er wird über Argumente nachdenken. Wenn er sich nicht ernst genommen fühlt, blockt er alles ab.

Wir haben keine allumfassende Medienmanipulation. Der Mensch entscheidet sich. Propaganda fruchtet nur da, wo ein Konsens schon vorhanden ist.

PS: Der Teil mit den Linken geht auch an mich selbst. Jahrelang habe ich den Spiegel und die BILD für rassistische Kommentare in meinem Umfeld verantwortlich gemacht, ganz so, als hätten meine Bekannten keinerlei Verantwortung für sich selbst.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 12.11.2016

An sich stimme ich dir zu. Mit einem großen ABER das du selber ansprichst.

Dieser Punkt:
Zitat:Wir haben keine allumfassende Medienmanipulation. Der Mensch entscheidet sich. Propaganda fruchtet nur da, wo ein Konsens schon vorhanden ist.

Das Problem ist, wir leben alle in unserer eigenen Filterblase.
Warum war Youtube voll von Leuten die Trump nicht wollten?
Weil die amerikanischen Youtuber die ich gucke zur politischen Linken Amerikas gehören und nicht zur rechten.
Aber es gibt die politische Rechte auch auf Youtube und zwar sehr stark. Aber wenn man ein Venn-Diagramm erstellen würde um zu sehen wie weit sich das Publikum dieser Kanäle überschneidet dann sähe das in etwa so aus: O O

Wir reden übereinander und nicht miteinander und hier habe ich genau diesen gleiche Fehler schon wieder gemacht. (Siehe meine beiden letzten Posts.)
Man befindet sich einfach in einem politischen Selbstbestätigungszirkel.

Ich glaube es war Jordan Kleeper von der Daily Show mit Trevor Noah. Der hatte eine Trumpunterstützerin vor der Kamera. Die sagte vollkommen überzeugt: "Natürlich wird Trump gewinnen. Alle Leute die ich kenne wollen Trump wählen."

Hier von einem meiner liebsten amerikanischen Youtuber erklärt.

Wir müssen uns alle genau diesen Vorwurf machen. Weil wir immer und immer wieder in die gleiche Falle tappen.

Bei mir: Ich höre jemanden davon reden das man die Nationalstaaten gegenüber Europa beschützen müsste und die Person ist für mich sofort in einer Riege mit den schlimmsten Kriegsverbrechern der Welt. Wenn ich so eine Person überhaupt mal selber reden höre oder nicht sowieso nur von anderen mitbekommen das "jemand etwas gegen Europa gesagt hat".
Dann setzt auch sofort die Darstellung der eigenen Intellektuellen Überlegenheit ein. Man weiß halt sofort das die Leute keine Ahnung von Politik haben, das sie in der Vergangenheit gefangen sind, usw.
Wenn man doch mal dazu kommt mit einer Person zu diskutieren die diese abweichende Meinung hat, dann schlägt die Diskussion ganz schnell darin um das man sich gegenseitig nicht mehr zuhört, sondern dem anderen nur noch klar machen will das er irrt.

Wir leben und politisieren uns aneinander vorbei und genau deshalb sind Medien gefährlich und in einer Verantwortung. Sie müssen versuchen die verschiedenen gesellschaftlichen Positionen zueinander zu bringen. Aber das ist nun einmal verdammt schwer.
Vor allem weil ich dir in einer Hinsicht widersprechen muss: Nicht jede Meinung hat eine Existenzberechtigung. Ich werde nicht mit Rassisten diskutieren und ich werde einem Rassisten auch nicht die Gelegenheit lassen seine Meinung irgendwo ohne Gegenwehr verbreiten zu können. Schlicht und ergreifend weil es eine Meinung ist die keinen Platz in einer modernen Gesellschaft haben darf.

Nur wenn man das betont dann kriegt man solche Antworten. (Aus den Kommentaren unter dem Video)
Zitat:John Green - "I want conservatives to feel included, but I don't want to open this up to cruelty and hatred".

Way to make us feel included John. Pre-judging people much? You're just waiting for me to say something hateful so you can say "ah hah, told you so". You have no true desire to "bring people together". Thanks for making me a proud Trump supporter John.

Die Frage ist also: Wie schafft man es wieder miteinander statt übereinander zu reden, ohne dabei die Grundsätze seiner Überzeugungen aufgeben zu müssen?


Politischer Smalltalk - FireBird - 12.11.2016

Ich verstehe die Proteste gegen das Wahlergebnis nicht, da es auf einem lange akzeptieren und als demokratisch geltenden Prozess beruht. (Ob es dieses richtig und sinnvoll ist ist eine andere Frage, aber auch das ist keine Rechtfertigung)
Daher sind diese Proteste (auch) gegen die Demokratie gerichtet und gefährden damit diese Ordnung.
Wären diese Proteste gegen Inhalt/Forderung könnte ich sie verstehen, aber in diese Form nicht.


Linkbeschreibung hier...


Politischer Smalltalk - Skafdir - 13.11.2016

Öffentlicher Diskurs ist notwendiger Bestandteil einer Demokratie. (Nicht per Definiton, aber damit die Demokratie sinnvoll ist.)

Auch der Protest gegen ein inakzeptables Wahlergebnis (subjektiv) gehört dazu. Sollte die AfD nächstes Jahr mit vielen Sitzen in den Bundestag einziehen, dann werde ich dagegen demonstrieren. Das ist kein Protest der gegen die Demokratie gerichtet ist, es ist ein Protest der sich gegen eine bestimmte politische Ausrichtung einer Gruppe richtet.
(In diesem Sinne gehören auch die PEGIDA-Proteste zu "legitimen" Meinungsäußerungen. - Genauso wie jeder das Recht hat diese Proteste als die größte Scheiße die derzeit in Europa passiert zu bezeichnen.)

Nur so kann eine Demokratie funktionieren.
Es passiert etwas was dir nicht passt -> öffentliche Meinungsäußerung
Wenn du den Schritt unterlässt, dann bist du selber Schuld wenn diese Sache immer wieder passieren wird.

Ich stimme dir in diesem Fall aber insofern zu, als das die Ausprägung zu weit geht. Gab z.B. die Verbrennung eines Pappkopf der Trump darstellt.
Das ist erstens ein klarer Aufruf zur Gewalt und spiegelt zweitens durch die Wahl des Materials viel zu gut den eigentlich gemeinten Kopf wieder.
[An dieser Stelle sei an den Galgen für Sigmar erinnert. Das war eben auch der Punkt an dem es zu weit geht. In Deutschland ist die Sache recht klar geregelt, weil der Aufruf zu einer Straftat eine Straftat ist. Ich glaube in den USA kann man da ein gutes Stück weiter gehen, bin mir aber nicht sicher.]
Da es auch noch einige Fälle von Sachbeschädigung gab, gingen die Proteste an der Stelle natürlich zu weit. Die überwältigende Mehrheit der Protestierenden hat so etwas aber nicht getan, sondern nur im Sinne eines öffentlichen Diskurs die Stimme erhoben. Das muss legitim sein.


Edit: Streitbar ist vielleicht auch noch der Ruf "not my president". Der kann tatsächlich als Absage an die Demokratie aufgefasst werden. Ein positiver auf die eigene Weltoffenheit ausgerichteter Ruf wäre besser gewesen. Spontane Wut und Enttäuschung sollte hier aber als Grund reichen.