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Politischer Smalltalk - Druckversion

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Politischer Smalltalk - Kirin - 26.10.2016

Ich verstehe halt nicht, warum du bei dieser Clowngeschichte so hart und bei dem Vergewaltigungskram so soft bist. Halte ich für extrem unverhätlnismäßig. Bei den Horrorclowns forderst du empfindliche Strafen zur Abschreckung, aber bei einer vorsätzlichen Gruppenvergewaltigung sind mehrere Bewährungsstrafen okay für dich - das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen bzw. finde ich deine Reaktion nun sehr interessant, weil du mir vorwirfst, Lynchjustiz zu fordern, nachdem ich etwas ganz Ähnliches über diese Vergewaltiger-Gruppe gesagt habe wie du nun über diesen Clown (ich glaube auch nicht, dass "Messer zwischen die Rippen" hier noch als angemessene Notwehr gelten kann).

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe jetzt auch kein Mitleid mit dem Clown und nichts dagegen, wenn dagegen hart vorgegangen wird. Aber das sind halt wirklich Intelligenzopfer, die durch diese ganze YouTube-Viral-Prank-Scheiße einfach nicht mehr so denken, wie wir das von einem richtigen Menschen erwarten würden. Die meinen das in ihrer Welt vermutlich tatsächlich meistens nicht böse, sondern wollen halt ihren Freunden einen Streich spielen und können einfach nicht abschätzen, welche Konsequenzen dabei herausschauen könnten.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.10.2016

Bitte die akute Tat nicht mit der Rechtsprechung verwechseln.

Solltest du eine Vergewaltigung beobachten und/oder selbst Opfer werden und du hast die Möglichkeit dich körperlich zu wehren, dann nur zu.
Das ist Selbstverteidigung. Jemand greift dich an, du wehrst dich. Eine sehr einfache Sache.
Gilt für jede Form von Angriff.

Ich gebe zwar immer den Ratschlag lieber zu fliehen als zu kämpfen, aber wenn es zum Kampf kommt dann gilt: So schnell wie möglich den Angreifer ausschalten. Das heißt jede schmerzempfindliche Körperstelle ist Angriffspunkt und jedes Gelenk das man erreichen kann ist eine brechbare Schwachstelle.

Zitat:Die meinen das in ihrer Welt vermutlich tatsächlich meistens nicht böse, sondern wollen halt ihren Freunden einen Streich spielen und können einfach nicht abschätzen, welche Konsequenzen dabei herausschauen könnten.

Genau da liegt der Grund warum ich hier daran glaube das ein paar Präzendenzfälle den Hype beenden können.
Diese Leute wollen mit ihrer Tat tatsächlich niemandem Leid zu fügen, sie sind nur zu dämlich um zu sehen was sie damit anrichten.
Gegen Dummheit hilft Information. Wenn sich rumgesprochen hat, dass die Kosten den Nutzen nicht wert sind, dann lässt man es bleiben.

Ein Vergewaltiger weiß im Normalfall aber was er tut. Da funktioniert diese "Kosten-Nutzen-Rechnung" nicht. Man kriegt einen Vergewaltiger nicht abgeschreckt.

Abgesehen davon: Für langjährige Haftstrafen bin ich auch im Fall der Clowns nicht. Gerade bei Jugendlichen nicht, hatte ich ja aber schon ausgeführt warum.

Die Härte die ich hier "fordere" bezieht sich also auf die akute Tat und da wirst du von mir das gleiche zu jedem anderen Gewaltverbrechen hören.
Sobald es zu Verhandlungen kommt ist eigentlich nur wichtig das es zu einer Verurteilung kommt. Das Strafmaß dürfte relativ egal sein. (Im Fall der Clowns) Für so ein bisschen Spaß werden die wenigstens auch nur Sozialstunden in Kauf nehmen.


Politischer Smalltalk - Kirin - 26.10.2016

Ok, danke für die Ausführung, kann ich jetzt besser nachvollziehen.
Zitat:Gegen Dummheit hilft Information. Wenn sich rumgesprochen hat, dass die Kosten den Nutzen nicht wert sind, dann lässt man es bleiben.
Ich weiß nicht, das müsste sich doch nun schon längst durchgesprochen haben, und trotzdem breitet sich das Phänomen immer weiter aus. Ich glaube gar nicht, dass die so logisch denken. Dummheit ist oft resistent (ich kannte z.B. vor ein paar Jahren genug Leute - Gymnasiasten, denen schon klar war, was sie da tun - die gerne regelmäßig zum Spaß Klebstoff oder Lack geschnüffelt haben.)
Zitat:Ein Vergewaltiger weiß im Normalfall aber was er tut. Da funktioniert diese "Kosten-Nutzen-Rechnung" nicht. Man kriegt einen Vergewaltiger nicht abgeschreckt.
Ist das wirklich so? Kann das statistisch belegt werden bzw. wie ist das in Ländern, wo Vergewaltigung härter bestraft wird?
(Das ist keine rhetorische Frage, ich weiß es nicht und möchte wissen, worauf du dich beziehst.)
Zitat:Für so ein bisschen Spaß werden die wenigstens auch nur Sozialstunden in Kauf nehmen.
Ich habe keine Ahnung, ob das so ist. Wie gesagt, viele Leute sind halt blöd wie Scheiße und wenn du wahrscheinlich damit recht hast, dass ein Vergewaltiger nicht über das Strafmaß nachdenkt (wohl weil ja auch der allerallergrößte Teil ohnehin niemals gefasst wird) ist das vielleicht bei Leuten, die in ein Clownskostüm steigen und Leute mit einem Hammer jagen, auch so.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.10.2016

Einmal ein paar Sachen zum Zusammenhang Kriminalität und Strafe.

Hier mal die Einschätzung die von der bpb ausgegeben wird.
Zum Autor (steht auch im Artikel)
Spoiler!:


Aus seinem Fazit:
Zitat:Internationale Forschungen belegen deutlich, dass (harte) Strafen nicht das wirksamste Mittel darstellen, um Kriminalität zu verhindern. Das kann nicht etwa bedeuten, dass auf Kriminalität gar nicht reagiert werden sollte. Die Frage ist aber, wie diese Sanktionen ausgestaltet werden sollten. Primärpräventive Maßnahmen - etwa in problembehafteten Familien, in Schulen und Jugendgruppen - zeigen mehr Wirkung, um dem Abgleiten in straffälliges Verhalten möglichst früh vorzubeugen, das betonen auch die wichtigen Kriminalitätstheorien. Vor allem sind solche präventiven Maßnahmen letztendlich auch erheblich billiger.


Hier ein interessantes Interview mit Thomas Bliesener zum konkreten Fall. Der realtiv weit meine Einschätzung teilt.

Die Sache ist aber weit weniger unumstritten als ich es hier wirken lassen.
Die Wirtschaftswissenschaften widersprechen dieser Ansicht und erkennen durchaus einen Zusammenhang zwischen Strafe und Kriminalitätsrate.
Curti, Henning: "Abschreckung durch Strafe - eine ökonomische Analyse der Kriminalität" kommt z.B. zu dem Ergebnis. (Gibt es auch auf Google Books, aber in sehr gekürzter Form.)
Kurz zusammengefasst:
Curti nimmt sich die Kriminalitätsrate und vergleicht diese mit durchschnittlichen Strafhöhen und der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden.
Dabei sieht man einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen Strafe und Kriminalitätsrate, einen viel deutlicheren aber zwischen der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden und der Kriminalitätsrate. (Curti zieht trotzdem den Schluss das die harte Strafe das wirksamere von beiden ist. Keine Ahnung wie man das schafft.)
Curti versucht die Rational Choice Theorie auf Verbrechen anzuwenden und wie immer wenn Anhänger der Rational Choice Theorie etwas untersuchen kommen sie zu dem Schluss das sie recht haben.
(Man sollte ihm zugute halten, dass er selber betont das seine Aussagen eigentlich nichts wert sind. "Die Aussagefähigkeit der empirischen Ergebnisse wird jedoch durch den geringen Umfang der Stichprobe und den geringen Freiheitsgraden relativiert. So sind etwa Aussagen über statistische Signifikanzen nur auf einem 10%-Niveau sinnvoll. Höhere Signifikanzen lassen sich zwar errechnen, ihre Angabe ist bei einem derartig kleinen Datensatz wie dem hier benutzten aber nicht seriös." S. 175 - die gibt es glücklicherweise auf Google. Tongue)


Dr. Hans Spengler, technische Universität Darmstadt (2006):
Zitat:Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere von den beiden ersten Stufen des Strafverfolgungsprozesses – also der Aufklärungsarbeit der Polizei und der Anklageaktivität der Staatsanwaltschaften in Verbindung mit der Verurteilungsaktivität der Gerichte – eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter ausgeht. Aufgrund dieses Ergebnisses muss die verstärkt angewendete Praxis der Staatsanwaltschaften, bei Eigentumsdelikten Ermittlungsverfahren aus Opportunitätsgründen einzustellen – sprich von Diversion Gebrauch zu machen –, kritisch hinterfragt werden. Demnach wäre es – entgegen der Meinung weiter Teile der deutschen Kriminologie – nicht ausreichend, dass Tatverdächtige überhaupt in irgendeiner Form mit dem Justizsystem (d. h. mit der Staatsanwaltschaft) in Berührung kommen, damit sie selbst oder andere von zukünftigen Taten abgehalten werden. Vielmehr bedarf es für eine wirksame Abschreckung offensichtlich einer konkreten Verurteilung des prinzipiell verurteilbaren Tatverdächtigen.


Die Geister trennen sich also. Wobei vor allem Kriminologen und Rechtswissenschaftler zu dem Ergebnis kommen das die Strafhöhe keinen so starken Zusammenhang hat, während die Wirtschaftswissenschaftler den Zusammenhang sehen. (Und ich keine hohe Meinung von Leuten habe die der Rational Choice Theorie anhängen. Zumindest in den Geschichts- und Sozialwissenschaften wird die mittlerweile auch kaum noch ernst genommen.)


Zum internationalen Vergleich:
Der ist natürlich extrem schwer, weil da so viele Faktoren einwirken, die kann man kaum alle berücksichtigen.
Aber wenn man sich z.B. die USA ansieht, dann sollte man doch meinen das die Kriminalitätsrate dort entsprechend niedriger sein sollte. Immerhin haben die ja harte Strafen.
Was man in letzter Zeit aus den USA mitbekommen hatte war die Sache zu den Stop and frisk Programmen. Hier sagen auch alle Quellen das die Härte des Vorgehen nichts gebracht habe.
Allerdings ist das alles noch etwas zu aktuell um es wirklich neutral bewerten zu können.


Politischer Smalltalk - Kirin - 03.11.2016

Welches Video wohl derzeit auf YouTube bei den Trends auf Nr. 1 steht? Mal gucken!

... kann ich ApeCrime und iBlali zurückhaben?


Politischer Smalltalk - Skafdir - 03.11.2016

Wie bitte? Zum Glück habe ich nicht genug Internet hier um mir das anzusehen.

Das würde m1 ganze gute Laune die ich gerade nicht habe noch verschlechtern.

Ist der Inhalt des Videos das was es verspricht? Ich erkenne 1 Sammlung von rassistischem Bullshit garniert mit 1 großen Extraportion grundlose Angst.


Politischer Smalltalk - Kirin - 03.11.2016

Naja, das übliche.
Fiktive islamische Einflussnahmen durch Flüchtlinge wie Halbmonde auf dem Kölner Dom, Schweinefleisch- und Alkoholverbot auf der Wiesn etc. in dystopischen Montagen präsentiert.
Stammt von einer Organisation "Secure America", die wohl Breitbart / der amerikanischen Alt-Right nahesteht.
Wurde durch YouTube-Werbeplatzierungen so weit nach oben gepusht. Ich verstehe nicht, warum YT rechtsextreme bzw. überhaupt politische Inhalte bewirbt? Ist es von wegen Ruf und so nicht besser, sich da rauszuhalten?


Politischer Smalltalk - Skafdir - 03.11.2016

Breitbart ist doch nun in Trumps Wahlkampfteam mit drin. Wer weiß vielleicht schüttet der freundliche Milliardär ihn nun mit unverhofft viel Geld (s)u, so dass sich nun auch Google sagt: "Pecunia non olet.

Oder verwechsel ich den gerade mit jemand anderem aus der amerikanischen Rechten?


Politischer Smalltalk - Kirin - 06.11.2016

Zitat:Das Bundesinnenministerium spricht sich dafür aus, im Mittelmeer gerettete Migranten möglichst direkt nach Afrika zurückzuschicken. Das bestätigte das Haus von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) der „Welt am Sonntag“. „Die fehlende Aussicht auf das Erreichen der europäischen Küste könnte ein Grund sein, warum die Migranten davon absehen, unter Einsatz ihres Lebens und hoher eigener finanzieller Mittel die gefährliche Reise anzutreten“, sagte eine Sprecherin. „Ziel muss es sein, den Schleuserorganisationen die Grundlage für ihre Geschäfte zu entziehen und die Migranten vor der lebensgefährlichen Überquerung des Mittelmeeres zu bewahren.“ Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Australien, wo die Zahl der illegalen Einreisen auf fast null zurückgegangen ist.
Migranten, die von Libyen in See stechen, sollen dem Vorschlag zufolge nicht nach Libyen, sondern in ein anderes nordafrikanisches Land gebracht werden, wie zum Beispiel Tunesien oder Ägypten. Dort könnten sie ihren Asylantrag für Europa stellen. Ist dieser erfolgreich, würden sie sicher auf den Kontinent gebracht. Hinter dem Vorschlag steckt die Hoffnung, dass afrikanische Migranten bereits nach kurzer Zeit erkennen, dass die gefährliche Überfahrt nach Italien aussichtslos ist.
Quelle

Auf Skafdirs Stirn ist jetzt sicher eine ganz große, pulsierende Ader Ugly


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 06.11.2016

Nicht nur Skafdirs Stirn. Ich bin hier kurz vorm Platzen.


Politischer Smalltalk - Terminator - 06.11.2016

Warum gibt man nicht einfach in allen Konsulaten weltweit die Möglcihkeit Asyl zu stellen? Dann müsste man nicht mal extra durch die Sahara flüchten?


Politischer Smalltalk - Julia - 06.11.2016

hat man denn die Zeit zu warten, bis Anträge vor Ort bewilligt sind, wenn man auf der Flucht ist?


Politischer Smalltalk - Terminator - 06.11.2016

Wenn man eh von Kriegsgebieten weiß, warum fliegt man dann nicht gleich aus? http://www.vice.com/alps/read/warum-fliegen-fluechtlinge-nicht-einfach-nach-europa-472


Politischer Smalltalk - FireBird - 08.11.2016

Zitat: Aber selbst dann wäre es nicht unwahrscheinlich, dass Trump das Ergebnis nicht anerkennt: Ein knappes Ergebnis würde wohl seine Verschwörungstheorien blühen lassen.
Wieso dreht man diesen Satz so kompliziert? (Und wieso benutzt man überhaupt die Verneinung der Verneinung mit un-?)

Zitat:Er könnte die Auszählung in bestimmten Wahlkreisen, die einen ganzen Staat in die eine oder andere Richtung wenden, anfechten
Bundesstaat und nicht Staat, so verwirrt einen das, da man nicht weiß ob damit die gesamten USA gemeint sind.

Zitat:Im Ernstfall stünde das Land vor einer wochenlangen Hängepartie.
Was für eine Hängepartie? Es werden heute nur die Wahlmänner gewählt und diese wählen erst im Dezember den Präsidenten.
Bis dahin (und etwas darüber hinaus) ist Obama weiter Präsident der USA und demnach gibt es auch keine Hängepartie.
Selbst wenn es ein Deadlock geben sollte gibt es keine Hängepartie, sondern ein genau geregeltes Verfahren.
Die USA werden in keinem Fall ohne Präsidenten dastehen, nur wird er nur begrenzt Handlungsfähig sein.
Zitat:womöglich würde Clintons starkes Ergebnis auch die Mehrheiten im Kongress zugunsten ihrer Partei verändern.
Zitat:Im Falle eines Trump-Siegs bliebe mit ziemlicher Sicherheit auch der Kongress in republikanischer Hand
Die Wahlen finden zwar am gleichen Tag statt, aber das lässt nicht zwangsweise auf ähnliche Ergebnisse schließen, auch da zum Wahlzeitpunkt keiner weiß wie die anderen Wahl ausgehen. Hier gibt es nur eine Korrelation, aber keine Kausalität.
Ehemaliges Nachrichtenmagazin passt also doch ganz gut zum spiegel(online) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-vs-hillary-clinton-das-koennte-in-der-wahlnacht-passieren-a-1120233.html, dazu fehlen konkreten Zahlen.
fivethirtyeight sagt: Zu 70% Clinton. Aber auch dort wird gesagt das alles passieren kann und es wird sich nicht an eine konkrete Vorhersage getraut und das obwohl man bei den letzten beiden Wahlen nur in 1 (!) Bundesstaat daneben lag.
Aber wie man sowas trauen kann weiß man ja mittlerweile.


Politischer Smalltalk - Kirin - 09.11.2016

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