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Politischer Smalltalk - hans_wurst - 05.12.2017

Ich denke nicht, dass es so einfach ist, aber ein Blick von außen kann schon helfen, ja.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 05.12.2017

@creeper: Haaretz ist meinem (unqualifizierten) Eindruck nach eine gute Wahl (hatten die nicht 'ne paywall???).

Meintest du das mit dem lückenhaft ggü der Haaretz allgemein oder speziell auf die deutsche Politik bezogen? Hast du evtl ein/zwei illustrative Beispiele?


Politischer Smalltalk - creeper - 05.12.2017

Likedeeler;31231 schrieb:@creeper: Haaretz ist meinem (unqualifizierten) Eindruck nach eine gute Wahl (hatten die nicht 'ne paywall???).
Ja, dafür zahle ich sehr gerne.

Likedeeler;31231 schrieb:Meintest du das mit dem lückenhaft ggü der Haaretz allgemein oder speziell auf die deutsche Politik bezogen? Hast du evtl ein/zwei illustrative Beispiele?
Im Allgemeinen und verglichen mit Haaretz im Besonderen. Oftmals bei israelspezifischen Themen merke ich, wie lückenhaft die dt. Medienlandschaft berichtet.
Beispiel 1: Israel lässt EU Parlamentarier nicht einreisen. Keine Berichterstattung in D. Jedenfalls ergab Google News Suche keine Treffer.
Beispiel 2: Massenproteste gegen Netanyahu aufgrund der Korruptionsaffäre. In D wurde hierüber nicht prominent berichtet, wo doch oftmals behauptet wird, wie nah uns Israel ist.
Beispiel 3: In D werden hin und wieder, zuletzt in Berlin, israelkritische Ausstellungen verboten. In D keine (prominente) Platzierung in den Massenmedien.

Ich habe jetzt nur israelspezifische Themen aufgelistet, Vergleichbares gilt aber auch für andere Länder. Beispielsweise Türkei, Iran oder Russland.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 05.12.2017

Ah ja, danke für die Antwort.

(Und die paywall poppte mit Verspätung auf, nachdem ich mich da etwas umgesehen habe...)


Politischer Smalltalk - FireBird - 06.12.2017

Und die SPD macht einen Seeheimer zum Generalsekretär.
Die wollen wohl untergehen.


Politischer Smalltalk - Likedeeler - 06.12.2017

Chulz hatte doch innert zwei Tagen nach der Wahl schon so gut wie alle Posten an männliche Seeheimer vergeben (Ausnahme: Nahles). Dabei meine ich von ihm den Spruch 'die SPD muss linker werden' im Ohr zu haben. Naja, wenn die Wählecs in die richtige Richtung abwanderten könnte mir das durchaus recht sein...


Politischer Smalltalk - Skafdir - 07.12.2017

Und in unvorhersehbaren News: Die Hamas ruft zur neuen Intifada auf.

Bleibt zu hoffen das die Bevölkerung nicht mitspielt und die Hamas das alleine durchziehen muss. Aber verdammte scheiße war das eine dämliche Idee sogar für die Verhältnisse eines Trumps.
Tönte er nicht was von wegen "Frieden im nahen Osten"?
Ist der große Plan: Wir kreieren einen Anlass der zu massiven Gewalttaten seitens der Palästinenser führen muss, um dann einen Grund für großangelegte Militäraktionen zu haben und wenn es dann keine Palästinenser mehr gibt, dann gibt es auch kein Problem mehr zwischen Israelis und Palästinenser?

Wie genau unterstützt die Verschiebung der US-Botschaft nach Jerusalem den Friednesprozess? Da fehlt mir gerade irgendwie der politische Durchblick...

Edit:
Was man vielleicht noch zu Trumps "Ehrenrettung" sagen sollte.
Die dämliche Idee ist ja schon älter, nachlesen ergab 1995, da hat der Kongress entschieden das die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verschoben werden soll. mit dem Zusatz das der Präsident alle 6 Monate gefragt wird ob man das nun wirklich machen soll.
Seit 1995 haben alle Präsidenten jedes mal gesagt: "Öhm, ernsthaft? Leute das ist ne scheiß Idee. Also so wirklich scheiße. Wie kommt ihr darauf das wir das tun sollten?" (Paraphrasiert)
Trump hat also lediglich eine vor 22 Jahren gefällte Entscheidung nun für gültig erklärt, ein eindeutiger Sieg für die Demokratie oder so...


Politischer Smalltalk - menag - 08.12.2017

Jedes Jahr zum Al-Quds-Tag gibt es jüdische Pogrome an Palästinensern. (Spaß, gibts komischerweise nicht)

Die USA verlegt ihre Botschaft in die israelische Hauptstadt. (Terroranschläge von Palästinensern werden rationalisiert)

....

Ich kann ernsthaft nicht verstehen, dass JEDER das Problem darin sieht, dass Trump das tut, was eigentlich seit 1948 Realität sein sollte.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 08.12.2017

Weil es eben seit 1948 umstritten ist. Es ist nicht so eindeutig wie mancher es gerne hätte. Der Staat ist ein Zankapfel zweier Parteien die beide behaupten sie hätten das Vorrecht auf das Territorium. Das die gesamte Weltgemeinschaft sich dagegen entschieden Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen war friedenstechnisch natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber was will man groß machen?

Stephen Colbert hat es ganz gut zusammen gefasst mit einer Rückfrage auf Trumps Aussage:
Trump: "This is nothing more or less than a recognition of reality."

Colberts Rückfrage: "Why start now?"

Es geht nicht darum wer in diesem ganzen Konflikt nun schuldig ist oder nicht. Es geht schlicht darum das die sowieso schon vollkommen verfahrene Situation mit dieser Entscheidung weiter von der Möglichkeit einer friedlichen Lösung wegrutscht als es jemals der Fall war und das vollkommen grundlos.
Was bringt es den? Welchen Vorteil hat Israel dadurch? Es ist eine reine politische Prestigeentscheidung.

Maximale Hoffnung kann sein: Nun kann man endlich die Entscheidungsschlacht herbeiführen. (Aber wer würde das wollen?)

Den mal realistisch gesehen, welche Optionen haben die Palästinenser jetzt?
1. Sie akzeptieren es und tun nichts. Resultat: Das kommt einer Kapitulation gleich. Der Streitpunkt Jerusalem ist endgültig zugunsten Israels entschieden und eine Zweistaatenlösung ist keine politische Option mehr, sondern ungefähr so realistisch wie ein unabhängiges Katalonien oder ein erfolgreicher für beide Seiten befriedigender Brexit.

2. Sie protestieren friedlich: Abgesehen davon das die Liste friedlicher Proteste die auch friedlich geblieben sind im Nahen Osten erschreckend kurz ist (0?), haben wir eine Hamas die auf jeden Fall kämpfen wird und sogar friedliche Proteste als Bestätigung ihres Terrors verkaufen wird.

3. Dritte Intifada - die leider wahrscheinlichste Option, weil die sowieso schon Radikalen kämpfen wollen und viele andere sich von der Weltgemeinschaft verraten sehen werden und dann gibt es natürlich noch die, die sich einfach freuen wenn es knallt. Getreu nach dem Motto: Wenn wir schon von der weltpolitischen Bühne abtreten müssen dann mit einem Knall.

Wie umstritten diese Aktion ist sieht man auch wenn man in die amerikanische Regierung selbst sieht, die hat Israel darum gebeten die Sache doch bitte nicht zu groß zu machen. Frei nach dem Motto: "Hey wir wissen wir haben da nun gezündelt, aber guckt doch mal zu ob ihr einen Flächenbrand verhindern könnt. Danke, sehr. Bis denne."

Es entschuldigt nicht die Gewalt die nun folgen wird und die, wenn kein Wunder geschieht über die nächsten Wochen schlimmer werden wird. Aber es gibt Trump eine Mitschuld an allen Toten die nun folgen und auf jeden Fall ist er schuld am Abbruch der Gespräche. Selbst wenn beide Seiten vielleicht nie wirklich eine friedliche Lösung gewollt haben sollten, solange man sie beide halbwegs vertröstet hat saßen sie zähneknirschend am Internationalen Verhandlungstisch.

Kurzum, die Beschwerde in Richtung Trump lautet nicht das er Schuld sei an der Gewalt in Israel. Das ist Unsinn.
Die Beschwerde lautet: Man wirft keinen Casus Belli in ein Krisengebiet in dem es sowieso alle paar Wochen zu Gewalt kommt.

Es ist kurzsichtig und hat keine positive Auswirkung auf den Konflikt als ganzen und bringt keine Vorteile für eine der Konfliktparteien. Also warum sollte man so eine Entscheidung treffen? (Mal ganz abgesehen davon das sich arabische Bündnispartner im Kampf gegen den IS nun auf den Schlips getreten fühlen und man also neue Konflikte in diesem Bereich schafft... hooray...)


Politischer Smalltalk - menag - 09.12.2017

Skafdir;31250 schrieb:Es geht nicht darum wer in diesem ganzen Konflikt nun schuldig ist oder nicht. Es geht schlicht darum das die sowieso schon vollkommen verfahrene Situation mit dieser Entscheidung weiter von der Möglichkeit einer friedlichen Lösung wegrutscht als es jemals der Fall war und das vollkommen grundlos.

Wegen der Verlegung der Botschaft nach Jerusalem, rutscht man nun weiter von einer friedlichen Lösung weg als jemals zuvor? Was war denn wärend den Intifadas? War man damals näher an einer friedlichen Lösung, trotz der Intifada (oder wegen ihr?)? Wieso wird die simple Verlegung einer Botschaft als das größte Problem stilisiert? Der Anspruch der Palästinenser an Ost-Jerusalem (und der Anspruch auf Jerusalem (!) wurde in den letzten Tagen von der kompletten Palästinensischen Führung wiederholt) wird ja auch nicht als das größte Problem stilisiert.


Politischer Smalltalk - Baru - 09.12.2017

Erstmal muss man rein rational ja wohl feststellen, dass es ein großes Problem ist.

Dazu kommt, dass nicht die Ansprüche von Israel und Palästina das aktuelle Problem sind, sondern die sehr einseitige und wenig weitsichtige Stellungnahme des ursprünglichen Vermittlers im Konflikt, der keine politische Vereinbarung zwischen den beiden Konfliktseiten abwartet, wie denn der zukünftige Status von Jerusalem nun ist. Bisher gibt es wohl auch aus diesem Grund keine einzige Botschaft eines anderen Landes in Jerusalem.

Das aktuelle Vorgehen gibt nur den Hardlinern unter den Palästinensern mehr Macht. Leidtragende wird die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten sein, weil der gelbe orangene Mann aus den USA von seiner innenpolitischen Schwäche ablenken will oder einfach gar nichts versteht.


Politischer Smalltalk - menag - 09.12.2017

Ich weiß doch. Euch war es scheiß egal, als Russland West-Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Es interessierte euch nicht, als Hamas und Fatah ihre Zusammenarbeit verkündeten, die Forderung der Fatah, dass wenigstens die Kassam-Brigaden entwaffnet werden, wurde natürlich fallen gelassen. Und auch bei Aussagen die kurz nach der Unterzeichnung des Versöhnungsabkommens von Fatah und Hamas wie
Jahia Sinwar schrieb:Es geht nicht darum, ob wir Israel anerkennen oder nicht, sondern um die Frage, wann wir es auslöschen und seine Existenz beenden
[...]
Niemand kann und niemand wird die Hamas entwaffnen
eines der Mitbegründer der Kassam-Brigaden, habt ihr nicht hingehört. Das Problem, welches den Frieden so weit wegrücke wie noch nie, ist und bleibt natürlich die Verlegung der US-Botschaft.

Was mit Jerusalem passiert, wurde mal verhandelt und zwar vor 1948. Es waren die arabischen Staaten und die damaligen Palästinensischen Führer, welche ein unabhängiges Jerusalem und einen jüdischen Staat nicht ertragen konnten und es war der israelische Staat, welcher es nach 19 Jahren schaffte, die dortigen heiligen Stätten für alle Menschen begehbar zu machen.


Politischer Smalltalk - Baru - 09.12.2017

Sag doch einfach, dass wir Antisemiten sind ...


Edit: Da will man immer betonen, dass Israel eine echte Demokratie ist, die mit terroristischen Vereinigungen umgehen muss, die Israel gefährden und wenn man dann an Israel als echten Staat oder auch an den USA als eine Schutzmacht von Israel deutlich höhere Ansprüche stellt, vergisst man dann auf einmal, dass man die sonst auf ganz anderen Ebenen ansiedelt.


Politischer Smalltalk - menag - 09.12.2017

Ist das jetzt die umgedrehte Antisemitismus-Keule?


Politischer Smalltalk - Baru - 09.12.2017

Du implizierst es, wenn du behauptest, das wäre uns scheiß-egal. Für den Rest siehe meinen Edit.