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Politischer Smalltalk - Skafdir - 29.09.2017

Die Idee vom "Kreis" an dem sich die extremen treffen fußt auf dem Hufeisenmodell, dass Ende der 80er von Backes veröffentlich wurde.

Nun ist das Problem, dass sich wenige Leute wirklich damit beschäftigt haben und deshalb nur das Hufeisen sehen, links und recht, nach oben wird böse und es läuft wieder zusammen. Badabum Backes erklärt die Extremen sind alle gleich und die gesellschaftliche Mitte ist der große Segen.

Dazu erstmal: Backes will sein Modell zweidimensional verstanden haben, zu der "Links-Rechts-Ausrichtung", kommt eigentlich noch ein "demokratisch-antidemokratisch" und dann befindet man sich in einer Vierfeldermatrix auf der plötzlich nichts mehr an ein Hufeisen erinnert. Und in dem man als Demokrat zwei auf jeden Fall akzeptable Felder hat und zwei inakzeptable.

Die Idee des Wissenschaftlers ging also weit stärker in die Richtung des politischen Koordinatensystems.

Die Unterteilung ist immer noch merkwürdig. Weil "links" und "rechts" hier immer noch Dinge beschreibt die eigentlich besser mit "Autoritär" und "liberal" beschrieben werden sollten. Weshalb ich das politische Koordinatensystem deutlich besser finde.
Aber auch das lässt sich natürlich kritisieren. Weil es zu wenige Dimensionen hat.

Einen Kreis zu malen, dort einen Anfangs und einen Endpunkt zu bestimmen und damit zu belegen das sich die Extrempunkte des Kreises gleichen würden ist unzutreffend. Die Extreme treffen sich höchstens mit Steinen, aber nicht mit Ideen.

Nehmen wir mal Kapitalismuskritik von rechts und links. Beide sind gegen Zinswirtschaft, Banken, etc. Aber aus anderen Motivationen und mit anderen Lösungsansätzen.
Wenn ich mir Kapitalismuskritik von rechts ansehe, dann ist mir ein Kaptialismus nach Smith am Ende doch deutlich lieber.

Ich stimme nicht mit jemandem überein der mir anfängt was von Rothschild und der Judenwirtschaft zu erzählen. Selbst wenn wir die gleichen gesellschaftlichen Probleme durch das Bankenwesen erkennen. Die Probleme sind nun einmal da, nur weil die von zwei Seiten erkannt werden und beide das nicht gut finden, folgt daraus kein "wir treffen uns am Ende des Kreis". Ganz im Gegenteil können diese Positionen weiter voneinander entfernt sein, als die Position mit jemandem der die Probleme nicht sieht.

Kurzum: Es gibt keinen Kreis an dem sich die Ränder treffen können.


Politischer Smalltalk - menag - 29.09.2017

Ich finde Zinswirtschaft und Banken doch irgendwie besser als ein Unternehmen, welches Kinderarbeit in Bangladesch betreibt.

Spoiler!:



Politischer Smalltalk - Skafdir - 29.09.2017

Zitat:welches Kinderarbeit in Bangladesch betreibt

An der Stelle trifft man sich aber nicht mit rechter Kapitalismuskritik.
Das ausgebeutete Kind in Bagladesch ist dem rechten "Kapitalismuskritiker" so egal wie nur irgendetwas. Wenn er sich darum sorgen macht, dann höchstens weil dadurch ein Arbeitsplatz für das eigene Kind wegfällt. Man könnte die de-facto-Sklavenhaltung ja auch hier in Deutschland aufbauen, das sichert immerhin Arbeitsplätze.
Also musste ich auf andere Punkte gehen.
Und Zinswirtschaft ohne weiteres als harmlos zu bezeichnen ist auch nicht ganz korrekt. Gerade dadurch wird dafür Sorge getragen das Reichtum aus sich selbst heraus weiteren Reichtum schaffen kann, aufgrund von Zinseszins mit exponentiellem Wachstum, was die berühmte Schere zwischen Arm und Reich immer schneller immer weiter klaffen lässt.

Das was ich da durchaus sehe ist, dass ein nicht kapitalistischtes Wirtschaftssystem die Zinswirtschaft auch automatisch abschaffen würde. Ich kenne zumindest keine nicht kapitalistische Theorie die weiterhin auf ein ähnliches Bankensystem setzen würde. Insofern ist die Kritik an der Zinswirtschaft lediglich Kritik an einem Symptom des Systems, aber nicht am System selbst.
Und damit ist man dann wieder in der Gedankenwelt der rechten Kapitalismuskritik.

Und nochmal bemühe ich das Känguru:
Zitat:Meiner Meinung nach kann man die komplette sogenannte Kapitalismuskritik von rechts, also Kritik an ausländischen Heuschrecken, Ruf nach einem nationalen Protektionismus etc., auf den selten dummen Satz >Als Deutscher steht es mir zu, von einem Deutschen ausgebeutet zu werden< reduzieren

Heißt ja aber nicht, dass sie mit dem Banken und Zinssystem nicht doch ein richtiges Problem erkannt haben, nur halt meist aus fragwürdigen Motiven und mit noch sehr viel fragwürdigeren Lösungen.


Politischer Smalltalk - menag - 29.09.2017

Skafdir;30350 schrieb:Und Zinswirtschaft ohne weiteres als harmlos zu bezeichnen ist auch nicht ganz korrekt. Gerade dadurch wird dafür Sorge getragen das Reichtum aus sich selbst heraus weiteren Reichtum schaffen kann, aufgrund von Zinseszins mit exponentiellem Wachstum, was die berühmte Schere zwischen Arm und Reich immer schneller immer weiter klaffen lässt.

Harmlos habe ich nicht gesagt. Ich sehe nur nicht, weshalb eine fixierung auf Zinskritik irgendetwas bringen sollte. Ich finde die Arbeitsbedingungen im >schaffenden Kapital< doch wesentlich entwürdigender als das, was das >raffende Kapital< zustande bringt. Nicht der Zins lässt die Schere zwischen Arm und Reich auseinander klaffen. Es ist die kapitalistische Produktionsweise. Die Ausbeutung von Menschen wäre eben nicht durch die Abschaffung des Zinses beendet.
Davon abgesehen ist es ganz normal im Kapitalismus, dass man für eine Leistung eine entsprechende monetäre Gegenleistung bekommt. Der Vermieter bekommt die Miete, der Kreditgeber bekommt den Zins. Wieso dies nun gerade beim Geld so eine schlimme Sache sein sollte, konnte mir noch niemand erklären.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 29.09.2017

Zinskritik ist nicht automatisch rechts. Das Problem an ihr ist, dass sie mit bekannten Mythen behaftet ist, die auf die bekannte Geschichte mit dem Zinsverbot für Christen und Muslime zurückgeht und damit sich irgendwann wieder bei der jüdischen Weltherrschaft trifft. Man kann aber losgelöst davon die Zinswirtschaft kritisieren. Das Problem dabei ist nur, dass man dem Kritiker aufmerksamer zuhören muss, da er selbst vielleicht nicht merkt, wann er anfängt in Mythen abzurutschen.

Zur Kapitalismuskritik von links: Die Rechnung "links = gut" geht hier nicht auf. Gerade Antisemitismus ist auch im linken Spektrum durchaus ein bekanntes Phänomen. Gerade die Kapitalismuskritik lädt dazu ein, genauso wie die pro-palästinensische Haltung.

Kapitalismuskritik ohne Entgleisungen gibt es auf keiner Seite.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 29.09.2017

Von Fixierung habe ich ja auch nichts gesagt. ^^
War wirklich nur als Beispiel genommen, weil ich bisher noch keinen rechten Kapitalismuskritker mitbekommen habe der sich wirklich über unmenschliche Arbeitsbedingungen im Ausland beschwert hat, beziehungsweise wenn dann nur als Zusatzargument. Motto: "Wir müssen den Kapitalisten verbieten ins Ausland gehen zu können! Dann gibt es hier auch wieder Arbeit! Und du kannst gar nichts dagegen sagen, damit rette ich auch die Kindersklaven in... äh Nambia. Genau."
(Interessant finde ich ja, dass diese Leute oft davon überzeugt sind, dass man die Wirtschaft nationalisieren könnte und sie am Ende immer noch ihre politische Graswurzelbewegung via Smartphone auf Facebook organisieren könnten. Das sind bestimmt die gleichen die einem auch erklären, dass die EU zur Friedenssicherung gar nicht notwendig sei und das man mit vielen Nationalstaaten ohne Koordiantionsorgan genauso friedlich in Europa leben würde.)

Also wenn man schon "common ground" finden will, dann nur auf der Ebene des Zins- und Bankenwesen. Ansonsten fällt mir da recht wenig ein. Außer halt den Allgemeinplätzen die aber auch jeder andere kritisiert. (Steuerflucht, Automatisierung [nicht per se schlecht, eher im Gegenteil, ohne Regulierung und Ausgleich für wegfallende Arbeitsplätze aber ein Problem])

Was dann noch mehr gegen die Kreistheorie spricht. Wobei ich in dem "Kreis" ja auch gar nicht so exponiert stünde. Bin ja tatsächlich von der Grundausrichtung Sozialdemokrat und damit Verräter an allem was gut und richtig ist. Rosa Luxemburg würde mich erwürgen wollen. Tongue


Politischer Smalltalk - FireBird - 30.09.2017

menag;30352 schrieb:[
Davon abgesehen ist es ganz normal im Kapitalismus, dass man für eine Leistung eine entsprechende monetäre Gegenleistung bekommt. Der Vermieter bekommt die Miete, der Kreditgeber bekommt den Zins. Wieso dies nun gerade beim Geld so eine schlimme Sache sein sollte, konnte mir noch niemand erklären.
Angeblich würde Deutschland, wenn es Kredite aufnimmt dafür von den Kreditgebern sogar noch Geld bekommen.
Wenn das stimmen sollte, dann ist die aktuelle Politik wirklich unverständlich.


Politischer Smalltalk - menag - 30.09.2017

Wegen der niedrigen Zinsen ist es auf jedenfall sinnvoll jetzt Kredite aufzunehmen und nicht auf hohe Zinsen zu warten.

Edit:

Wir sollten endlich wieder stolz auf die Leistungen unserer deutschen Wehrmachtssoldaten sein!

Spoiler!:



Politischer Smalltalk - DeeperSight - 30.09.2017

Skafdir schrieb:War wirklich nur als Beispiel genommen, weil ich bisher noch keinen rechten Kapitalismuskritker mitbekommen habe der sich wirklich über unmenschliche Arbeitsbedingungen im Ausland beschwert hat

Ich bin seit 3 Jahren auf einem Image-Board unterwegs, das vor einem Jahr gefühlt von AfD-Wählern und PEGIDA überrannt wurde und wo auch teils strafrechtliche Inhalte und Hetze betrieben wird. Ganz ekelhaft zur Zeit. Diese Leute nehmen die Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern wahr und kritisieren diese auch sehr scharf. Kapitalismus als ausbeuterisches System ist dort durchaus verpönt und als Beweis dafür wird immer wieder auf das Ausland verwiesen. Diese Kritik findet statt.

Allerdings muss man dies im Kontext der anderen "Beiträge" sehen. Während viele Rechte aus dem Osten kommen und sich nicht zwischen Ostalgie und Nazi-Ideologie entscheiden können, entsteht daraus ein Gemisch, das durchaus eigene Parameter besitzt. Nazi-Ideologien gingen immer sehr großzügig mit inneren Widersprüchen um, weswegen es offensichtlich kein Problem ist, die DDR als "besser" zu bezeichnen, aber gleichzeitig den "Sozialismus" abzulehnen. Man hat manchmal sogar das Gefühl, dass man je nach Situation die Rechtfertigungen wechselt. Da ist einfach kein roter Faden zu finden. Wenn man zum Beispiel die Amerikaner als Übermacht stigmatisieren möchte, ist es durchaus akzeptabel auf die armen, ausgebeuteten Menschen im Ausland zu verweisen, mit denen man dann irgendwie Mitleid haben möchte. Während man aber einen Strang weiter Menschen desselben Landes als "Untermenschen" bezeichnet. Im Kern ist die einzige Konstante dort ein "Ich habe Angst, dass es mir bald genauso geht". Wenn also die Zustände im Ausland kritisiert werden, dann nur unter der Prämisse, dass man der Meinung ist, es ginge einem bald genauso, wenn man Deutschland nicht verteidigt. Nimmt man diese Angst weg, so interessiert sich von denen keine Sau für die Menschenrechtsverletzungen. Es geht immer nur um einen selbst. Da schließt sich halt wieder der Kreis. Rechte kritisieren nach meinen Beobachtungen also durchaus die Zustände in anderen Ländern, aber nur, wenn sie damit 1. ein anderes Ziel damit angreifen können und/oder 2. sie sich selbst vor diesen Zuständen fürchten. Sie würden sich aber niemals für andere Menschen interessieren, wenn sie keine eigene Betroffenheit spüren. Das kann man daran sehen, wie mit dem Thema Nordkorea umgegangen wird. Dieses Land wird nämlich keineswegs mit Kritik behandelt, sondern nur mit Sarkasmus und Humor.


Politischer Smalltalk - FireBird - 30.09.2017

Seit ich letztens nach einer anderen Einteilung als links/rechts gesucht habe, ist mir bewusst geworden das wir mit dem Verschwinden der Piraten gar keine progressive Partei mehr haben.
Ist das Interesse an so einer Politik wirklich bei 0%?

Edit Ich glaube darin liegt auch der Grund warum ich mich mit keiner der Partien wirklich anfreunden kann.


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 01.10.2017

Oh man, wir haben verstanden, dass du gewisse Parteien nicht magst.
Vielleicht hast du eine Andere Definition von Progressivität, aber die Aussage als solche muss ich auf mehreren Ebenen verneinen.


Politischer Smalltalk - FireBird - 01.10.2017

Und wieso sind dann hier keine anderen Parteien als die Piraten?

Edit Ist zwar etwas älter, aber abgesehen von der AfD bei der Standpunkt eh klar ist und Die Partei fehlt da keine der Parteien die mehr als 0,8% haben.

Außerdem warte ich immer noch auf eine Erklärung warum das Renteneintrittsalter so belassen kann.


Politischer Smalltalk - hans_wurst - 01.10.2017

Wie du ja selber gesagt hast, ist das Ding veraltet. Und außerdem ist da relativ klar zu sehen, dass es mehrere Parteien gibt, die Progressiv sind und sogar im aktuellen Bundestag sind.

Die Erklärung hatte ich dir schon vor vielen Tagen gegeben. Ich warte viel mehr auf deine Antwort darauf.


Politischer Smalltalk - menag - 01.10.2017

FireBird;30384 schrieb:Außerdem warte ich immer noch auf eine Erklärung warum das Renteneintrittsalter so belassen kann.

Technischer Fortschritt.


Politischer Smalltalk - Baru - 01.10.2017

Was ist eure Meinung zum Referendum in Katalonien? Dass versucht wird, eine Abstimmung gewaltsam zu verhindern, ist ja doch nicht so üblich für die EU.