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Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.09.2017

@menag: Lass dich nicht aufhalten.

@Deepy: Das Problem ist, wenn wir wirklich davon ausgehen, dass es nur um Emotionen geht und das man mit Logik nicht dagegen ankommt, dann kann man alles von vornherein bleiben lassen.
Außer vielleicht wirklich das bedingungslose Grundeinkommen einführen und den Leuten damit die Angst um die eigene Zukunft nehmen. Aber es sind ja nicht nur wirtschaftlich abgehängte dabei. Es gibt auch Leute die gut verdienen und AfD wählen, die wirklich einfach eine diffuse Angst davor haben, dass der Islam hier irgendwie die Show übernehmen könnte.
Und dann ist Hopfen und Malz verloren. Bei der Zielgruppe müsste ja der Gedanke wie folgt laufen:
"Ich habe Angst das eine intolerante und absolutistische Weltanschauung das Land übernehmen könnte, deshalb müssen wir selber intolerant und absolutistisch werden, damit uns das nicht passieren kann."

Wenn wir da jetzt sagen, dass wir da mit Logik gar keine Chance haben, dann ist die Debatte von Anfang an verfehlt.
Deshalb muss man da klar und deutlich machen, dass man eine freie Gesellschaft nicht dadurch verteidigen kann, dass man ihr Ketten anlegt. Wenn dann die Einzelpersonen diese Logik nicht aufgreifen und bei ihrer Idee von Freiheit durch Einschränkung bleiben, dann ist das eine andere Sache. Aber von vorherein davon ausgehen das man sowieso chancenlos ist, das wäre mir zu pessimistisch gedacht.

Zur Dauerbeschallung:
Ich befürchte nur nun wird das was vorher unnötig war notwendig.
Wobei man dabei darauf achten sollte, dass man immer klar macht das andere Themen wichtiger sind. Die AfD-Beobachtung darf nicht die große Schlagzeile sein, sondern eher so ein "vermischtes".
SCHLAGZEILE: XY schlägt vor an der Rente Z zu ändern
Sonstige News: Gauland ist ein Nazi

Das wäre der Aufbau der nötig ist.

@Baru:
Zitat:Eine CSU hat auf Bundesebene eher wenig Chancen, ist dafür zu sehr ein rein bayerischer Lobbyverein.

Sie könnte sich als stark föderalistische Partei umidentifizieren.
Als Grundposition ein: "Keine Macht nach Berlin! Alle Macht den Ländern!"

Das wäre auch eine Position die es so bisher nicht gibt. Gut verkauft könnte da was draus werden.


Politischer Smalltalk - Baru - 26.09.2017

Skafdir;30249 schrieb:Sie könnte sich als stark föderalistische Partei umidentifizieren.
Als Grundposition ein: "Keine Macht nach Berlin! Alle Macht den Ländern!"

Das wäre auch eine Position die es so bisher nicht gibt. Gut verkauft könnte da was draus werden.

Ist eine Lücke in der politischen Landschaft, aber würde imo die Sonderposition von Bayern nur schmälern.

Ich kann mir nicht mal vorstellen, dass die CSU überhaupt außerhalb von Bayern Landesverbände zulassen würde, da sie darüber sehr schnell die Macht über die Bundespolitik verlieren könnten, weil die Partei-Mehrheit auf einmal nicht mehr in Bayern lebt.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.09.2017

Sobald die CDU in Bayern antritt werden sie müssen außer sie wollen zu einer einfachen Lokalpartei verkommen.

Aber ich glaube nicht wirklich daran das sich an dem Konstrukt etwas ändert.

Was mir gerade so durch den Kopf ging.
Wenn man alle Wähler mit Migrationahintergrund rausrechnen würde, gäbe es dann noch einen Unterschied im Prozentsatz zwischen Ost und West was AfD angeht?
Nicht das ich der AfD das Ergebnis schön rechnen wollte; aber ich fände das interessant.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 26.09.2017

Skafdir schrieb:Das Problem ist, wenn wir wirklich davon ausgehen, dass es nur um Emotionen geht und das man mit Logik nicht dagegen ankommt, dann kann man alles von vornherein bleiben lassen.

Das ist ja genau das Problem. Viele Leute wählten die AfD aus Vergeltung, nicht weil sie den Islam für ein Problem halten. Viele Wähler wählten die AfD, weil sie an irgendwelche Umvolkungstheorien glauben. Mit Statistiken und Fakten wirst du da keinen erreichen. Das ist eine rein ideelle Ebene. Ich glaube, dass es zwei wichtige Ansatzpunkte gibt. CDU muss wieder konservativ werden und die SPD muss sich von allen Leuten in der Führung gnadenlos verabschieden - also ein geschlossener Rücktritt.


Politischer Smalltalk - FireBird - 26.09.2017

@Julia
Dann liegt der Unterschied zwischen uns in der Bewertung der Idee Tegel offen zu lassen. Ich mag sie nicht und bewerte damit auch den Volksentscheid aus dieser Perspektive.

Es haben 3 Kleinparteien die 0,5% Hürde genommen :
1,0% Freie Wähler
1,0% Die Partei
0,8% Tierschutzpartei


Politischer Smalltalk - menag - 26.09.2017

Wie steht ihr so zum kurdischen Referendum im Nordirak? Und was sagt ihr zum Referendum in Katalonien?

Außerdem sollen nun in Tunesien >anal examinations<, um die sexuelle Orientierung herauszufinden, abgeschafft werden. Damit wäre Tunesien nach dem Libanon, in welchem eventuell Homosexualität bald nicht mehr strafbar ist, das zweite arabische Land, welches diese Praxis abschafft.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.09.2017

Zitat:Wie steht ihr so zum kurdischen Referendum im Nordirak? Und was sagt ihr zum Referendum in Katalonien?

Kurden: Unterstütze ich durchaus.

Katalonien: Im prinzip ja. Aber hier könnte man auch genauso gut auf eine europäische Lösung bauen. Das wäre insgesamt mal eine Variante, dass Europa sich zusammensetzt und über Verwaltungszonen redet. Also direkt nachdem Europa sich zusammengesetzt hat und über staatliche Kompetenzen für Europa geredet hat...

Tunesien: Babyschritte... es ist ein Fortschritt und auch wenn es lächerlich gering klingt, die Richtung stimmt.
Abgesehen davon: Anal Examinations... ich würde sagen, verkappt Schwule, mit Hang zu Vergewaltigungsphantasien, überlegen sich wie sie ohne schwul zu sein ihr schwul sein ausleben können.


Politischer Smalltalk - menag - 26.09.2017

Skafdir;30260 schrieb:Tunesien: Babyschritte... es ist ein Fortschritt und auch wenn es lächerlich gering klingt, die Richtung stimmt.
Abgesehen davon: Anal Examinations... ich würde sagen, verkappt Schwule, mit Hang zu Vergewaltigungsphantasien, überlegen sich wie sie ohne schwul zu sein ihr schwul sein ausleben können.

Sehe ich ähnlich. Ich finde einen zu großen optimismus ja oft gefährlich, aber gerade die Veränderungen in letzter Zeit scheinen Platz für Hoffnung zu liefern:

http://www.sueddeutsche.de/politik/erbrecht-tunesien-ruettelt-an-der-scharia-1.3630737
http://www.sueddeutsche.de/politik/frauenrechte-vergewaltigung-in-der-ehe-ist-in-tunesien-nun-strafbar-1.3611000


Politischer Smalltalk - Skafdir - 26.09.2017

Saudi Arabien erlaubt Frauen das Autofahren? Was geht ab?

Ist das jetzt deren Reaktion auf unseren Rechtsruck?
"Du die Europäer verraten ihre Werte, hab gehört das ist nun voll in. Sollen wir mitmachen?"
"Wie sollen wir den autokratischer werden?"
"Nein du verstehst das falsch, wir sollten unsere Werte verraten."


Politischer Smalltalk - Baru - 26.09.2017

menag;30262 schrieb:Sehe ich ähnlich. Ich finde einen zu großen optimismus ja oft gefährlich, aber gerade die Veränderungen in letzter Zeit scheinen Platz für Hoffnung zu liefern:

Tunesien ist momentan aber eh nicht mit anderen arabischen Staaten vergleichbar, da es seit dem arabischen Frühling eine Demokratie ist.

Da gehen auch Frauen in Burkini oder auch in Bikini am Strand im Sommer baden, um nur ein Beispiel zu nennen und es von vielen anderen muslimischen Staaten abzusetzen. Viele Fortschritte müssen natürlich trotzdem noch gemacht werden.


Politischer Smalltalk - menag - 27.09.2017

Skafdir;30260 schrieb:Kurden: Unterstütze ich durchaus.

Das sehe ich etwas differenzierter. Es zeichnet sich bereits gestern ab, dass dieses Referendum primär zu einer Isolation führen wird. Sowohl der Irak, als auch die Türkei und der Iran werden diesen kurdischen Staat nicht akzeptieren. Bei den letzten beiden liegt es an den überwiegend von Kurden besiedelten Gebieten innerhalb des Staatsgebiets. Aber selbst wenn man diese drohende Isolation außer Acht lässt sehe ich einige Probleme. Der derzeitige kurdische Regierungschef in Irakisch-Kurdistan ist seit 2015 nicht mehr demokratisch legitimiert. Anstatt also erstmal ordentliche demokratische Strukturen aufzubauen - das wäre ja in der derzeitigen de-facto-Autonomie möglich - wurde dieses Referendum gestartet. Vermutlich mit dem Wissen, dass die wenigsten Kurden mit >Nein!< antworten werden, selbst wenn diese das Referendum und die Unabhängigkeit zum jetzigen Zeitpunkt ablehnen. Gleichzeitig kann dieses >Ja!< als eine Bestätigung des Regierungschefs angesehen werden.

Skafdir;30260 schrieb:Katalonien: Im prinzip ja. Aber hier könnte man auch genauso gut auf eine europäische Lösung bauen. Das wäre insgesamt mal eine Variante, dass Europa sich zusammensetzt und über Verwaltungszonen redet. Also direkt nachdem Europa sich zusammengesetzt hat und über staatliche Kompetenzen für Europa geredet hat...

Wenn ich mich nicht täusche, tendiert Katalonien auch eher zu Europa. Das Problem wird hier eher sein, dass es niemanden gibt, der ein solches Referendum anerkennt. Und obwohl ich solche "nationalen Befreiungsbewegungen" eher kritisch betrachte, kann ich zumindest einen Funken Progressivität in dieser erkennen, in dem Sinne, dass die dortige Solidarität mit Flüchtlingen doch meist größer war. Man erinnere sich mal an die aus 160000 Menschen bestehende Demo in Barcelona für Flüchtlinge. Die leider damit oft verbundene naive Solidarität mit der palästinensischen Befreiungsbewegung wäre für mich dann jedoch wieder auch ein Zeichen einer gewissen Regression. Das liegt vermutlich in der Natur dieser Volksrhetorik.


Politischer Smalltalk - Skafdir - 27.09.2017

Der Punkt ist das die Kurden im Irak, in der Türkei und in Syrien jeweils eine Minderheit darstellen die mehr oder weniger offen unterdrückt wird. Hinzu kommt, dass es einfach deshalb kein Kurdistan gibt, weil mit dem Ende des osmanischen Reichs und der Kolonialzeit andere Fraktionen die militärische Macht hatten. Es ist ja nicht so als ob die Idee eines kurdischen Staats irgendwie neu wäre oder als ob sich dort eine zufällige Protestgruppe gefunden hätte die sich nun nachträglich als "Nation" betrachtet.

Mir wäre eine Überwindung der Nationalstaaten deutlich lieber. Das Konzept war von Anfang an vor allem mit Risiken behaftet und hat uns eine Reihe der brutalsten Kriege der Menschheitsgeschichte gebracht, darunter die beiden Weltkriege. Man kann trotzdem argumentieren, dass es bei der Entstehung notwendig war um die Monarchien abschaffen zu können. Heutzutage in einer vollständig globalisierten Welt sichern Nationalstaaten vor allem die Macht des Kapitalismus. Jede Grenze die aufgebaut wird, ist eine weitere Grenze über die "das scheue Reh" flüchten kann.
Wenn wir Nationalstaaten haben wollen, dann ist Protektionismus und Abwehr der Globalisierung die einzige sinnvolle Reaktion.
Ich persönlich will aber gerne die zivilisatorischen Fortschritte der Globalisierung genießen, dafür muss aber jede Grenze so gut wie möglich abgebaut werden und die bisherigen Nationalstaaten müssen zusammen für eine Bevölkerung arbeiten die als gemeinsame Gruppe verstanden wird.

So viel zur Theorie.
Nun leben wir aber in Zeiten in denen niemand wirklich interesse an einer Überwindung des Nationalismus zu haben scheint und solange das der Fall ist, kann ich keiner "Volksgruppe" das Recht absprechen einen eigenen Nationalstaat gründen zu wollen. Entweder es dürfen alle oder keiner.
Die einzige Frage die sich dann stellt ist das wie, nicht das ob. Und beim "wie" sollte man so gut wie es eben möglich ist auf friedliche und geregelte Abläufe beim Aufbau des neuen Staat setzen.
In dem Sinne wäre die Gründung eines Kurdistans zum jetzigen Zeitpunkt durchaus mit einem starken Risiko behaftet. Auf der anderen Seite ist die Unabhängikeit gerade eine wirklich tief hängende Frucht. Ich kann also verstehen warum die Kurden jetzt zugreifen wollen. Die Staaten sind jetzt destabilisiert, warum sollte man abwarten, bis die als feindlich empfundenen Regierungen wieder zu Kräften gekommen sind?


Politischer Smalltalk - FireBird - 27.09.2017

Nahles wird Fraktionsvorsitzende, die SPD denkt wohl alte Besen sind nach so einer Niederlage die beste Wahl.


Politischer Smalltalk - FireBird - 29.09.2017

Jamaika ohne CSU geht nicht.
Ich hab bei Don Alphonso bei der FAZ gelesen, dass die bayrischen Städte in Grenznähe durch die Flüchtige besonders stark betroffen und auch überlastet sind.
Ihrer Meinung zu Flüchtlingen ist daher verständlich und nicht nur durch die AfD bedingt.
Zumal mit Lafontaine ein linker Politiker diese Politik kritisiert, da sie für den armen Teil der Bevölkerung das Leben verteuern.

Nochmal Don Alphonso, nur diesmal über den Umgang mit der AfD und wie dumm sich einige anstellen.
Den Vogel hat dabei Hasnain Kazim von SpOn abgeschlossen :
Zitat:Höre, ich solle Ostdeutsche "ernst nehmen". Ihr kamt 1990 mit nem Trabbi angeknattert und wählt heute AfD - wie soll ich euch ernst nehmen?
Für mich ist diese Aussage rassistisch und Volksverhetzend.
Hier eine nachgeholte Erklärung, anders als bei Nahles Äußerung steht der Tweet in keinem Erkennbaren Kontext.

Bei Nahles('dass die künftigen Regierungsparteien „in die Fresse') ist der Ausdruck 'Lügenpresse' oder zumindest Skandalpresse durchaus zutreffend, damit geben sie den die dieser Auffassung sind Argumente die niemand widerlegen kann und verspielen beim Rest der Bevölkerung das Vertrauen.

Edit Gaulands Kommentar von jagen fand ich jetzt auch nicht schlimm. Einerseits da es die Aufgabe der Opposition ist gegen die Regierung zu arbeiten und andererseits da sie sie auch vor sich hertreiben können. So ist es in anderen Ländern gelaufen.


Politischer Smalltalk - DeeperSight - 29.09.2017

FireBird schrieb:Edit Gaulands Kommentar von jagen fand ich jetzt auch nicht schlimm. Einerseits da es die Aufgabe der Opposition ist gegen die Regierung zu arbeiten und andererseits da sie sie auch vor sich hertreiben können. So ist es in anderen Ländern gelaufen.

Das "Jagen" ist zwar nicht schlimm, in Hinblick auf das Milieu, in dem sich Gauland bewegt, hinterlässt es doch eine fröstelnde Atmosphäre. Natürlich schlägern sich morgen keine Braunhemden durch den Bundestag, aber er hat den Begriff mit Sicherheit nicht benutzt, ohne zu wissen, welches Klientel da aufjubelt.

Viel schlimmer finde ich den Teil, in dem er behauptet, er hole sich das "Volk" zurück. Auch diese Stelle ist so gewählt, dass man weiß, wie dies interpretiert wird. Der völkische Denkansatz ist hier offensichtlich. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wieder Rassisten und Nazis im Bundestag sitzen. Nicht das erste Mal seit 1945, aber in 2017.