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EDIT (der keiner ist, aber ich kann nicht mehr editieren): Stimmt gar nicht, ich habe vergessen, daß er ja auch die Väterratgeber & Louis-Sachen gemacht hat. Die habe ich auch nicht.
Hab mir auch mal Pyongyang von Delisle geholt. Spricht mich spontan eher nicht so an.
Ich mein, man hat da einen eher seltenen Einblick in ein Land, und die Darstellung ist sowohl sprachlich, als auch zeichnerisch minimalistisch.
Eigentlich bin ich die ganze Zeit nur am googeln. Big_smile
Letztens gelesen: The Princess saves herself in this one, eine Autobiographie in Versform

Generell ist es natürlich so, dass das nicht jeden emotional berühren wird, aber was ich so an Rezensionen dazu lese, finde ich tlw echt absurd. Da finden es manche wohl unfair, dass man mit "Emo Tumblr Poetry", die man als 15-jährige ja genau so verfasst hätte, einen Verlag findet. Sowas zu veröffentlichen ist ja schon fast Diebstahl am Leser! Ist irgendwie ein ähnliches Phänomen wie abstrakte Kunst, wo auch immer wieder behauptet wird, man selbst (wahlweise gern auch die Affen im Zoo) könnte/n das genau so, man selbst wird nur irgendwie nicht reich damit. Und in der Schule wurde einem auch was ganz anderes über Poesie und Kunst beigebracht! Nein, wie gemein! Bleibt die Frage, wer hier "rumheult", die Autorin oder diese Art von Leser.
Zankyō;28651 schrieb:Ich mein, man hat da einen eher seltenen Einblick in ein Land, und die Darstellung ist sowohl sprachlich, als auch zeichnerisch minimalistisch.

Ja, der Minimalismus ist sehr bezeichnend für ihn. Big_smile
Ich hab jetzt auch "Geisel" von ihm durch - es war nicht langweilig, aber auch nicht übermäßig spannend. Durch diesen extremen Minimalismus hat man das aus über 400 Seiten bestehende Buch wirklich innerhalb von zwei Stunden durch. 90 % des Buches sehen so aus:
Spoiler!:

Das führt dann dazu, daß man auch beim Blättern immer hastiger wird, wenn auf den letzten 30 Seiten tatsächlich etwas passiert - und umso stärker fiebert man dann auch mit, daß alles glatt geht. Blöd nur: Da man das Buch ja vor sich hat und weiß, daß die Geisel ihm die Geschichte anschließend erzählt, ist man sich schon während des Lesens aufgrund der verbleibenden Seitenzahl sicher, daß nun alles ohne weitere Probleme endet.

Einzig Shenzhen schlägt zeichnerisch ein wenig aus der Art, hier hat er vergleichsweise viele Bilder schraffiert. Dafür ist das Buch dann so dünn, daß man sich nichtmal getraut hat, Seitenzahlen hineinzudrucken. Vermutlich hat er sich vorgenommen, pro Band nur ein Fläschchen Tusche zu verbrauchen.
Spoiler!:

Was mich mal interessieren würde ist, ob er eigentlich tatsächlich "echte" Schriftzeichen bei den Chinesen verwendet hat, oder ob das nur Gibberish ist. Kannst Du das erkennen, Zankyō?
Spoiler!:


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Den "Teratologen" hab ich jetzt auch gelesen. Ich finde, dieser Mensch verwendet viel zu viele Adjektive. Auch die seitenlangen Beschreibungen, wie Menschen zerfickt werden, ermüden irgendwann nur noch. Um wirklich zu schockieren muß man, glaube ich, erstmal Mitgefühl oder überhaupt Empfindungen zu den malträtierten Personen aufbauen. Wenn es einfach nur heißt "Sein glibberiges, rotzweißes Sperma zerschoss die verkrüppelte, arschlochgroße Augenhöle des zu blauschwarzem, wuchig eitrigen Mus deformierten Körpers des kleinen Mädchens wie eine glühend heiße, von kackbraunem Rost zerfressene Speerspitze" löst das in mir nichts aus, wenn ich vorher gar keinen Bezug zur Person entwickeln konnte.

Zankyō;28480 schrieb:Ich verstehe auch nicht ganz, was der "Teratologe" vermitteln möchte.

Das bleibt mir ebenso verborgen - es wirkt ein wenig als hätte Mr. Garrison aus South Park ein Buch geschrieben. Hin und wieder ist es für ein paar Seiten spannend, aber alles bleibt recht banal und das Ende ist einfach nur beliebig- wie aus einer Episode einer Action-Serie um die Jahrtausendwende herum.

Spoiler!:
はい, 漢字ですよ!
AgentSands;28791 schrieb:
Zankyō;28651 schrieb:Ich mein, man hat da einen eher seltenen Einblick in ein Land, und die Darstellung ist sowohl sprachlich, als auch zeichnerisch minimalistisch.

Ja, der Minimalismus ist sehr bezeichnend für ihn. Big_smile
Ich hab jetzt auch "Geisel" von ihm durch - es war nicht langweilig, aber auch nicht übermäßig spannend. Durch diesen extremen Minimalismus hat man das aus über 400 Seiten bestehende Buch wirklich innerhalb von zwei Stunden durch.

Ich habe es jetzt auch durch (und schon länger als 2 Stunden gebraucht) und bin einigermaßen fasziniert.
Es ist schon ziemlich meisterhaft, was Delisle mit diesem minimalen Setting, minimalem Strich und minimalem Text für eine narrative Wucht entfaltet. Ein Comic, das in gefühlt jedem Panel entweder einen Mann, der an eine Heizung gekettet ist oder eine Tür oder eine Glühbirne zeigt, aber trotzdem so ein Pageturner ist, macht eine ganze Menge in Sachen Pacing und Storytelling richtig - noch dazu, wenn der Ausgang der Geschichte ja schon bekannt ist, wie Agent Sands schon anmerkte. Besonders groß ist der Umgang mit Farben (eigentlich sind es nur zwei) und wie damit Stimmung erzeugt wird. Delisle könnte vermutlich selbst aus dem Telefonbuch von Pjöngjang noch ein spannendes Comic machen.
Ich leser derzeit mal wieder die wunderbaren Polemiken und Essays von Eike Geisel, welche 2015 in dem Buch "Die Wiedergutwerdung der Deutschen" veröffentlicht wurden.

Eike Geisel in Zweimal 9. November (1989) schrieb:Und der regierende Bürgermeister von Berlin brachte die mit Hämmern und Alkohol durchgeführte Selbstabsolution auf die von allen Politikern übernommene Formel, daß dieser Tag ein historisches Datum sei. Die total entsorgten Gemüter und ihre freiwillig gleichgeschaltete Presse mußten erst wieder vom Ausland daran erinnert werden, daß dieses Datum längst ein historisches war. Doch inzwischen lief das "glücklichste Volk der Erde" (Momper) schon in T-Shirts herum, auf denen zu lesen war: "9. November - ich war dabei". Die Veteranen werden sich über diese generationsübergreifende Wiedervereinigung gefreut haben.
Definitiv_nicht_kylenepp;29223 schrieb:Delisle könnte vermutlich selbst aus dem Telefonbuch von Pjöngjang noch ein spannendes Comic machen.

Big_smile

Er hat (bei "Geisel") aus der gegebenen Vorlage wirklich etwas sehr Gutes herausgeholt, finde ich - eben im Rahmen des Machbaren. Für mich krankt das Buch nur ein wenig daran, daß er in ihm nicht selbst agiert; die transportierten Gedanken nicht seine eigenen sind und somit oftmals nur ein wenig an der Oberfläche kratzen. Die einzigen Ausbrüche, die er sich hin und wieder gestattet, sind die historischen Schlachten, die sich der Protagonist in's Gedächtnis ruft. Ansonsten wollte Delisle wohl wirklich exakt nur das verarbeiten, über was die Geisel mit ihm gesprochen hat. Finde ich per se auch gut, nur hätte man vielleicht ausführlichere Vorgespräche gebraucht, aber ich weiß auch nicht. Auch gegen Ende: Ein einziges Panel, in dem gesagt wird "Sie erzählte mir, was sie alles unternommen haben, um mich zu befreien". Aber: Was denn?! Das hätte man doch wenigstens kurz aus der anderen Sicht, der Sicht der NGO, anreißen können.

Er erreicht dadurch aber zweifellos eine ganz spezielle Atmosphäre, die den Zustand des trostlosen Gefangenseins gut einfängt. Mit so wenig Gedanken so viel Spannung zu erzeugen, ist tatsächlich eine Kunst.
I hate fairyland

Wieso hat die Kindle-Ausgabe nur 31 Seiten?
Sagt mir aber so oder so nicht so extrem zu, vllt sollte man sich eher das adult coloring book davon holen und zugedröhnt ausmalen
AgentSands;29227 schrieb:Auch gegen Ende: Ein einziges Panel, in dem gesagt wird "Sie erzählte mir, was sie alles unternommen haben, um mich zu befreien". Aber: Was denn?! Das hätte man doch wenigstens kurz aus der anderen Sicht, der Sicht der NGO, anreißen können.

Das hätte ich ihm vermutlich um die Ohren gehauen. Big_smile Auch, dass es keine Bilder von der Hochzeit der Schwester gibt, finde ich gut. Bleibt eben der personale Erzähler und als Kammerspiel funktioniert das noch am Besten. Erinnerte mich ein bisschen an den Film "Buried" mit Ryan Reynolds - nur das der eine Schlange zur Spannungserzeugung brauchte, wo Delisle es wirklich komplett ohne Dramatisierung schafft. Ich find das gut (verstehe aber deinen Punkt auch).

Topic:
Meathouse Man von George R.R. Martin

Alter, ich finde ihn ja in "Song Of Ice And Fire" oft schon an der Grenze zum Perversling, aber das Ding hier rüttelt schon ziemlich am guten Geschmack. Es geht im Wesentlichen in dieser SF-Kurzgeschichte darum, dass man in ferner Zukunft eine Möglichkeit gefunden hat, Leichen quasi "fernzusteuern". Diese ferngesteuerten Leichen müssen dann schwere Arbeiten verrichten, als Gladiatoren gegeneinander kämpfen oder (und hier wird es eben makaber) im Meathouse als Prostituierte arbeiten.
Eingebettet in dieses Setting ist eine Geschichte über (unerwiderte) Liebe, Verlassenwerden und Verlust. Das ist gut und nachvollziehbar (GGRM wurde damals tatsächlich von der Liebe seines Lebens verlassen), das mit den Leichen ist für mich eher Fluff und (gewollter?) Skandal, als dass es handlungstragend wäre.
Gehört eigentlich nicht hier rein, da es ein Hörspiel ohne Buch ist, aber der Thread kommt dem am nächsten.
An Halloween ist der 3te und der letzte Teil von Monster 1983 erschienen und er hat mich enttäuscht. Wie so oft gelingt kein Ende, dass mich zufrieden stellt, es wirkt einfach unpassend.
Auch sonst hat mich die Geschichte nicht so mitgenommen wie die beiden ersten Teile. Sad
American Psycho von Bret Easton Ellis gelesen von David Nathan (ungekürzt)




Spoiler!:
Kaufempfehlung: Illuminae, gerade im Angebot fuer Kindle fuer 2,09. Schon allein wegen der Aufmachung / Seitengestaltung mal was anderes.
https://www.youtube.com/watch?v=CddZUVQeaSM

Ist deutlich akurater als der Film.
[Bild: YsJhz2Z.jpg]

Tjo, bin erst bei 10% und frag mich schon jetzt, was man denn sein will - ein Geschichtenerzaehler oder ein Analytiker. Das ist aber generell ein haeufiges Problem dieser Art von Sachbuch. Mal davon abgesehen, dass man, selbst wenn man Einzelfaelle dann mit persoenlichen Interpretationen zusammengeleimt hat, meistens nicht sonderlich weiterkommt. Immerhin entwickelt sich bei gleicher Behandlung nicht die gleiche Stoerung bei verschiedenen Menschen, Stichwort nature vs nurture, bla blubb. Und gerade bei der antisozialen Persoenlichkeitsstoerung bin ich eh der Ansicht, dass die genetische Disposition erheblich ist. Menschen sind erfolgreich, weil sie zusammenarbeiten, aber haette nicht die Person, die nur so tut, als waere sie sozial, waehrend sie im Grunde nur ausnutzt, nicht einen Vorteil? Waere nur nichts, was sich evolutionaer durchsetzt, weil viele davon auf einem Haufen halt nicht Zivilisationsfoerdernd sind.
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