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Lese gerade Nordkorea von Rüdiger Frank – größtenteils ziemlich interessant mit einigen lustigen Anekdoten, zum Beispiel:
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Kim Il-Sung war ein großer Filmfan, der ebenso berühmt für seine Vor-Ort-Anleitungen war, bei denen er ausnahmslos allen Arten von Betrieben Verbesserungshinweise erteilte, was jeweils zu einer spontanen Produktivitätssteigerung der Betreffenden führte. Kein Wunder, daß alles, was der große Führer anlangte, sofort von einem Trupp eilfertiger Mitarbeiter eingesammelt und in einem Museum unter Glas ausgestellt wurde – bzw. wenn es sich nicht so einfach abtransportieren ließ, wie Felsen auf denen er bei einer Wanderung Platz genommen hatte, großflächig abgesperrt wurde, damit kein anderer diese göttliche Aura zunichtemacht. Das führte dann dazu, daß Kim Il-Sung – jovial wie er war – mal eben einen wichtigen Schnitt bei einem sich gerade in der Endproduktion befindenden Film selbst setzte – und schwupps, war das Schnittboard weg.

Rüdiger Frank wollte in einem Kaufhaus, dem Kaufhaus Nr.1, in Nordkorea eine Tasse kaufen. Er sah eine ganze Pyramide Tassen und gab der Verkäuferin zu verstehen, daß er eine kaufen wollte. Ihre Antwort war: „Haben wir nicht“. Er glaubte an ein Mißverständnis und versuchte es pantomimisch zu erklären, woraufhin die Verkäuferin in heller Panik davonstürmte. Was war geschehen? Zitat: „Sie wollte mir vielleicht eine Tasse verkaufen, aber sie konnte nicht. Drei Jahre zuvor hatte der Große Führer Kim Il-Sung bei einer seiner zahllosen Vor-Ort-Anleitungen betrübt die Bemerkung fallen gelassen, wie sehr es ihn doch schmerze, wenn er in den Regalen seines schönen Landes so unschöne leere Stellen sehe. Vermutlich wollte er sagen: Produziert mehr. Doch die ihn umkreisenden Kader, diensteifrig mit Notizblock und Stift in der Hand jedes Wort für die Nachwelt festhaltend, verstanden etwas ganz anderes: Der Führer wünscht keine Lücken im Regal.“
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Insgesamt sehr informativ mit guten Erklärungen und manchmal einige Seiten lang sehr trocken. Spannender und unterhaltsamer dagegen ist das Buch Denunziation von Bandi mit aus Nordkorea herausgeschmuggelten Alltagsgeschichten.
Spoiler!:


Also ich mag den Diskussionsstil der zwei ja (sehr respektvoll, kann man auch auf YT sehen), aber irgendwie sind doch beide nicht repräsentativ für irgendeine Gruppe Muslime? Also Abdel-Samad ja sowieso nicht, aber auch die Interpretationen und Auslegungen von Khorchide sind ja wohl nicht sonderlich verbreitet? Pierre Vogel mag auch beide nicht!
Der Pfad des friedvollen Kriegers von Dan Millman
Ein teilweise autobiografischer Roman, der von den meistens nächtlichen Unterhaltung zwischen dem jungen Turner Dan Millman, der an der University of Califronia studiert und einem Tankwart, der von Dan Socrates genannt wird.
Dieser schickt ihn auf die den Pfad des friedvollen Kriegers und damit eine Neuerfindung seiner selbst.
Es ist durchaus ein Buch um das auch um Spiritualität geht und es liefert einige interessante Erkenntnisse bzw. Handlungsweisen denen man folgen kann oder sollte.

Edit: Ich glaube nicht das dieses Forum der richtige Ort ist über diese Thema weiter zu schreiben, daher verzichte ich (erstmal) darauf.
Spirou Porträt eines Helden als junger Tor
Irgendwie traurig, aber auch unterhaltsam.
Was sind jetzt die Fortsetzungen davon und lohnen die sich, Kirin?
-Operation Fledermaus
- Die Leopardenfrau
- Der Meister der schw. Hostien
(In dieser Reihenfolge)

Zitat:lohnen die sich
Der erste ist ziemlich gut. Die Nachfolger haben mir nicht besonders gefallen. Ich glaube, das liegt an der Übersetzung (nicht, dass die super-schlecht wäre, aber es sind halt viele Sätze so... komisch, wo du merkst, dass hier irgendetwas verloren gegangen ist).
Zankyō;25645 schrieb:Also ich mag den Diskussionsstil der zwei ja (sehr respektvoll, kann man auch auf YT sehen), aber irgendwie sind doch beide nicht repräsentativ für irgendeine Gruppe Muslime? Also Abdel-Samad ja sowieso nicht, aber auch die Interpretationen und Auslegungen von Khorchide sind ja wohl nicht sonderlich verbreitet? Pierre Vogel mag auch beide nicht!

Habe gerade "Ich war ein Salafist" Von Dominic "Musa" Schmitz gelesen und wenn man den Erzählungen Glauben schenken mag (wobei ich keinen Grund sehe, es nicht zu tun), dann ist irgendwie kein Muslim repräsentativ für irgend einen anderen. Da legt anscheinend jeder alles aus wie er möchte und im schlimmsten Fall kommt dann ein intoleranter Salafismus dabei heraus. Gläubige Moslems haben sich abgespalten, weil in der Moschee Pfeile auf den Boden aufgemalt waren, die die Gebetsrichtung angezeigt haben (weil das der Prophet damals™ auch nicht hatte); anderen stieß es sauer auf, daß Muslime sich beim Beten zu schnell gen Boden begeben haben (da man gemäß dem Propheten keine Unterwürfigkeit zeigen soll) und manche haben für's wichsen nicht um Verzeihung gebetet.

Pierre Vogel wird in dem Buch auch ziemlich ausführlich beschrieben, da der Autor bei ihm im Laden arbeitete und mit ihm mehrmals auf Pilgerfahrt ging. Seine Quintessenz ist, das für Pierre Vogel nur Pierre Vogel zählt; dieser ein gutes Gespür für Propaganda und den richtigen Zeitpunkt hat und der Überzeugung ist, daß er die ultimative Wahrheit eingesogen hat; viele Gelehrte jedoch andere Ansichten vertreten.

Natürlich zeigt dieses Buch auch nur einen kleinen Ausschnitt aus einem muslimischen Teilbereich; ich war jedoch überrascht, daß es sogar unter der Kerngruppe der Salafisten soviele unterschiedliche Meinungen und Ansichten gibt (und diese sich dabei auch gegenseitig "bekriegen").

Insgesamt ist das Buch zwar schon einigermaßen interessant, aber meistens bleibt alles ziemlich dicht an der Oberfläche. Es beschreibt den typischen Werdegang eines Konvertiten, wie man ihn sich so vorstellt: Semigescheiterte Existenz sucht Sinn -> findet ihn im Islam, anfangs alles töfte -> möchte alles richtig machen und schließt sich deshalb der strengsten Auslegung der Religion an -> Umfeld radikalisiert sich, wer sich nicht mitradikalisiert ist ein Ungläubiger, Konvertit zieht nach -> geht in den heiligen Krieg oder schafft den Absprung.

Erwähnenswert ist das Ende: Der Autor schafft den Ausstieg aus dem Salafismus, bleibt aber gläubiger Moslem. Im Buch deutet er an, daß er die Fehler der Anfangszeit wiederholen will (seine Freundin muß ein Kopftuch tragen - auf diese Weise hat er seine erste Freundin verloren), lässt es dann aber doch sein.

Ein Buch, das keinem weh tut.

MoniR

Ich arbeite mich grade an "die Frauen des Hauses Fugger" von Martha Schad ab. Bin so ein kleiner Geschichtsnerd und liebe furztrockene Sachbücher :-)
Heute "We should all be feminists" gelesen und überrascht davon, wie gut und nachvollziehbar ich das fand. 5/5

Das Büchlein braucht man aber nicht unbedingt, der TED-Talk ist quasi das selbe

I hate Fairyland: Madly Even After von Skottie Young
Hat mir super gefallen, sowohl von der Story, als auch die Zeichnungen.
Muss mir also bald I HATE FAIRYLAND, VOL. 2: FLUFF MY LIFE besorgen.
Endlich mal angefangen mit

[Bild: LKjzZfL.png]

I won't describe what I look like. Whatever you're thinking, it's probably worse.

August ist 10 Jahre alt, bisher aufgrund seiner Erkrankung home-schooled und soll ab sofort die fünfte Klasse besuchen.

Lässt sich bisher sehr gut lesen, kurze Kapitel, werd ich wohl in 2 Tagen durch haben. Und ich hoffe, dass sich das bisherige "Arschlochkind" noch brauchbar entwickelt und nicht einfach nur mobbt. I'm rooting! Ich mein, kA, alle starren ihn an, aber der, der es ausspricht, ist der Buh-Mann?
Jeweils diese Woche beendet:

The Collapsing Empire von John Scalzi

Scalzi sollte Sci-Fi-Fans für seine Military-Sci-Fi-Reihe Old Man's War bekannt sein. Gerade das erste Buch der Reihe gehört zu den Standard-Empfehlungen und ich habe es vor ein oder zwei Jahren gelesen. Durch den massiven Fokus auf das Militär und eine Vernachlässigung des Weltenbuildings, war ich nicht sehr angetan vom Buch, so dass ich nie den zweiten Band der Reihe oder ein anderes Buch von Scalzi mir anschaute.

The Collapsing Empire wurde mir nun aber im Bereich Space Opera empfohlen und deswegen habe ich dann doch einen Blick gewahrt und der Roman war zumindest ganz okay. Der Aufbau ist simpel und genre-typisch: Das Empire existiert seit mehr als tausend Jahren, regiert vom Emperox aus der Familie Wu, der gerade im Sterben liegt. Eine tödliche Bedrohung für das gesamte Empire kündigt sich an. Jemand auf einem Hinterwald-Planeten hat die Bedrohung natürlich beobachtet und schickt seinen Sohn los, den Emperox darüber zu informieren.

Es handelt sich ganz offensichtlich nur um den ersten Band einer länger geplanten Reihe und deswegen wird die Bedrohung zwar deutlich gemacht, aber ähnlich dem Winter is Coming erstmal nur angedeutet. Personen und Familien werden vorgestellt und bekommen eine Agenda. Alles keine hohe Literatur, aber hier hat Scalzi sich zumindest etwas dem World-Building gewidmet, so dass man nun weiß, worum es geht.

Nachteil (oder Vorteil vielleicht für einige) ist, dass das Werk nur knapp 300 Seiten lang ist und der zweite Band erst 2019 erscheinen wird. Ein wirkliches Eintauchen in die Geschichte ist also noch nicht wirklich möglich, für Fans des Genres dürfte es sich aber lohnen, die Reihe im Auge zu behalten. Neulinge sollten sich lieber erstmal Pandora's Star von Peter F. Hamilton oder den Hyperion-Gesängen von Dan Simmons widmen.

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Nullzeit von Juli Zeh

Das könnte auch der Titel eines Science-Fiction-Romans sein, ist es aber nicht. Es ist ganz normale deutsche Belletristik. Nullzeit ist wohl die Zeitspanne, in der man beim Tauchen im tieferen Wasser noch auftauchen kann, ohne Dekompressionsstops machen zu müssen.

Sven, ehemaliger Jurastudent, ist Taucherlehrer auf Teneriffa. Er will ein ruhiges Leben führen, will nicht verurteilen, sich nicht einmischen. Aber als die Seifen-Darstellerin Jolanta und ihr als Autor wenig erfolgreicher Lebenspartner Theo seine Kunden werden, wird sein Leben durcheinander geworfen. (Bah, ist eine abgehalfterte Formulierung.) Es kommt zu einer Affäre zwischen Jola und Sven, Jola versucht immer mal wieder ihren Lebenspartner umzubringen und vielleicht versucht dieser das auch bei ihr, vielleicht auch nicht. Dazwischen geht es zum Tauchen ins Meer. Der Erzähler des Romans ist dabei Sven, eingestreut sind jedoch Tagebuch-Abschnitte von Jolanta. Die Erzählung von Jolanta und die von Sven weichen jedoch immer stärker voneinander ab, also ist einer der beiden ein unzuverlässiger Erzähler, wobei mir es schwer fällt, Jola ihre Version zu glauben. Dadurch wird dann die Geschichte ziemlich klischeehaft: Böse verrückte Reiche in einer völlig krankhaften Beziehung machen zum Vergnügen einen armen Aussteiger kaputt. Dazwischen eingestreut sind Sätze, die mit Sicherheit der Zitationsfähigkeit wegen nur geschrieben wurden.

Die FAZ sagt, das das ein Psychothriller sein will. Ich habe mich vor allem gelangweilt, die Handlung ist nicht sonderlich spannend und man erfährt letztlich eigentlich nichts. Das Ende wird schon am Anfang direkt vorweggenommen. Bei Unterleuten (von der gleichen Autorin) hatte ich den Eindruck, dass ich etwas über Menschen erfahre, bei Nullzeit erfahre ich nur was über schlechte Roman-Stereotypen, die beiden Protagonisten sind wenig glaubwürdig und Theo, der Schriftsteller-Lebensgefährte und die Antje, die Freundin von Sven, bleiben fast völlige unbekannte durch die Wahl der Ich-Erzählform.
Baru, ich mag deine Kurzrezensionen, aber nun stell doch bitte mal was lesenswertes vor.
Ich mach nicht jeden Roman schlecht. Wenn diese dann inhaltlich nicht gefallen, kann ich auch nicht so viel ändern. Beschweren bitte an die örtliche Stadtbücherei, von deren Angebot ich abhängig bin bei den überteuerten deutschsprachigen Werken.
Bäh, dieser Lesezwang, der durchs Bücher leihen entsteht.
Ich glaub, ich hab kein einziges geliehenes Buch je zu Ende gelesen Big_smile

Edit: Wie sieht's mit diesem Kindle unlimited aus?
Besser ein Lesezwang durchs Leihen als ein Lesezwang, weil man 20 Euro für das Buch ausgegeben hat.

Kindle Unlimited hat mich bisher nicht überzeugen können. 10 € sind ja nicht viel, aber das meiste sieht nach Self-Publishing-Schrott aus und davon wiederum das meiste irgendwelche Erotik-Werke. Dazu kommen dann noch einige Klassiker, die eigentlich eh schon gemeinfrei sind. Und damit es in der Werbung gut aussieht, werden noch einige wenige bessere Romane einkauft, wie z. B. Harry Potter, aber für die lohnt es sich nicht, 10 € zu bezahlen. Ist aber ein oder zwei Jahre her, dass ich mir das Angebot das letzte Mal genauer angeschaut habe.
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