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Skafdir;17411 schrieb:@FireBird: Es sieht ein bisschen so aus als würde er einfach noch versuchen zu retten was zu retten ist. Er hatte sein letztes Jahr relativ entspannt angegangen. Ich vermute mit der Idee: "Trump gegen Hillary? Hey, klasse. Da habe ich ja mit Hillary eine Nachfolgerin die im groben meine politische Linie weiterführt, da muss man jetzt nichts überstür... ach... fuck..."
Durchaus möglich.
Wobei der Guantanamo auch nicht geschlossen hat.

Andrej Holm wurde nun auch von der HU entlassen, dabei wird von "arglistiger Täuschung" gesprochen und damit das Vertrauensverhältnis zerstört.
Allerdings sagt der Anwalt Johannes Eisenberg, dass Holm lügen dürfte.
Das was ich bei dem Fall Holm halbwegs bedenklich finde ist, dass der Kerl zum Zeitpunkt seiner Stasimitgliedschaft gerade einmal 19 Jahre alt war.
Vermutlich war es Berechnung im Sinne von "Karriere" und nicht Berechnung im Sinne von "Ich will den Klassenfeinden so richtig ans Leder".

Ja Stasivergangenheit ist eine schwerwiegende Verfehlung. Aber man sollte Jugendlichen dabei doch bitte das Jugendlich sein auch belassen.
Warum hat er über seine Vergangenheit gelogen?
1. Vermutlich sieht er auf die Sache nicht zwingend als die Meisterleistung seines Lebens zurück.
2. Weiß er das er mit schwerwiegenden gesellschaftlichen Konsequenzen zu rechnen hat.

Klar er hätte darüber reden können, sich distantzieren können, usw. aber hätte man ihm dann nicht auch Opportunismus vorgeworfen?
Kurzum: Man kommt nicht ungeschoren aus einer Stasivergangenheit raus. Was prinzipiell gut ist. Aber umso mehr sollten wir sensibel sein wenn es um die Frage geht was die Leute nun wirklich getan haben.

Genauso wie man nach der NS-Zeit auch nicht einfach alles und nichts verurteilt hat, sondern wirklich immer wieder hinterfragt hat inwiefern die Person wirklich Täter war. Ein Hinweis auf eine entsprechende Gesinnung hätte die Mitgliedschaft in der "militanten gruppe" sein können. Aber da wurde er nicht verurteilt, und soweit ich weiß auch keine Mitgliedschaft nachgewiesen. (Abgesehen davon war das ganze Verfahren sehr fragwürdig.)

Kurzum: Ich bin beim Anwalt. Ja, Holm durfte lügen und vor allem sollte man ihm keine zu großen Vorwürfe machen. Unschuldig bis die Schuld bewiesen ist.
Ich gehe daher davon aus das seine Entscheidung zur Mitgliedschaft bei der Stasi eher Opportunismus als Überzeugung war. Nun ist Opportunismus an sich keine tolle Charaktereigenschaft. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem Stasiopportunisten und einem Stasiüberzeugten, dann wirkt "Überzeugung" plötzlich noch schlimmer.
Insofern sehe ich auch die Entlassung kritisch.
Er ist recht eindeutig ein stark linker, politisch aktiver Wissenschaftler. Man mag ihm damit die wissenschaftliche Integrität absprechen und die Behauptung seine Forschung sei Interessensgeleitet wäre wahrscheinlich nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Das sind aber Bereiche die man im wissenschaftlichen Diskurs angehen kann und sollte.

Zitat:Wobei der Guantanamo auch nicht geschlossen hat.

Das ist ein recht absurdes und ekelhaftes Problem.

Um Guantanamo zu schließen muss man die Leute dort raus kriegen.
Aber:
Viele der Insassen dürfen aus rechtlichen Gründen nicht in den USA selbst ins Gefängnis. (Kein Haftgrund)
In die Herkunftländer zurückbringen klappt oft auch nicht. Weil die Herkunftsländer sagen: "Äh gehts noch? Ihr schnappt euch den Typen als mutmaßlichen Terroristen, jetzt habt ihr nichts neues in der Hand und wir sollen den Kerl wieder zu uns holen? Natürlich, machen wir doch gerne. Nur eine Frage: Welche Farbe soll der Schlüssel zu ihrem Luftschloss haben?"

Damit bliebe als einzige einfache Option: Alle gegen die keine Beweise vorlegen freilassen und zwar in den USA.
Wie die politische Reaktion darauf gewesen wäre kann sich wohl jeder vorstellen. Wäre ja sogar halbwegs berechtigt. Mit Sicherheit sind einige Terroristen unter denen gegen die keine Beweise vorliegen. Bzw. nachdem sie jahrelang in Guantanamo in Haft waren kann man davon ausgehen das sie gewisse Vorbehalte gegen die USA an sich entwickelt haben könnten.

Eine andere Option ist: Andere Länder um Hilfe bitten und so die Auflösung über die ganze Welt verteilen. Wurde z.B. mit Deutschland gemacht.
Aber auch das ist natürlich nicht einfach.
Zitat:Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisierte indirekt die Aufnahme. "Im Kern habe ich die Aufnahme von Häftlingen aus Guantanamo immer für falsch gehalten", sagte der CSU-Minister sueddeutsche.de . "An dieser Position hat sich nichts geändert".

Er bestehe darauf, dass sich die Personen nach der Einreise ausschließlich in den Ländern aufhalten, von denen sie aufgenommen wurden, also Hamburg und Rheinland-Pfalz, sagte Herrmann. "Die Art und Weise und der Ort der Unterkunft" müssten erst noch mit den aufnehmenden Ländern geklärt werden. Sie bräuchten sicher Betreuung. "Wir gehen davon aus, dass sie nach den vielen Jahren in Haft in Guantánamo psychisch gestört sind."

Ich befürchte Obama hat im Fall von Guantanamo einfach unterschätzt, dass es für einen Rechtsstaat fasst unmöglich ist ein unrechtmäßiges Gefängnis aufzulösen. Das ist ja das absurde an diesem Gefängnis. Weil es nicht auf dem Gebiet der USA liegt, ist der Status der USA als Rechtsstaat de jure nicht angegriffen. Das wäre erst der Fall wenn man die Häftlinge ohne irgendeinen Grund innerhalb der USA inhaftiert.
Das Ding war einfach ein Busherbe an dem Obama gescheitert ist. Mit Sicherheit hätte er sich noch mehr bemühen können. Da muss man dann aber auch wieder politisch denken. Hätte er sich mehr bemüht wäre das Thema noch mehr im öffentlichen Fokus gewesen, was zu einer dauerhaften negativen Pressestimmung geführt hätte. Was der Partei geschadet hätte.

Obama musste also die Interessen der USA, der Partei und der Häftlinge von Guantanamo gegeneinander abwägen. Wer bei der Frage wohl das kürzeste Hölzchen zieht?
Wo ist eigentlich Bomber Harris, wenn man ihn mal wieder braucht?
Eigentlich würde ich dich ja für deine geradezu absurde Bewunderung für einen flächendeckenden Bombenangriff kritisieren wollen. Selbst wenn man die Aktion nicht als Kriegsverbrechen, sondern als Notwendigkeit begreift, wirkt die Verehrung von "Kriegshelden" doch immer bedenklich.
Aber: Bei dem was Höcke da von sich gegeben hat ist der Spruch geradezu harmlos.

Was für ein übler Mist. Das ist schon eine ausgewachsene Drittreichrede. Die steht sowohl im Stil als auch im Inhalt absolut in einer Linie mit Goebbels.

Ich nehme mal den von dir verlinkten Artikel, der hat so schön viele gruselige Zitate.

Zitat:Unsere einst geachtete Armee ist zu einer ... durchgegenderten multikulturalisierten Eingreiftruppe im Dienste der USA verkommen

Der Artikel kritisiert die absolut zufällig wirkende Kritik "Genderwahnsinn". Durchaus berechtigt, weil themenfremd und hier ohne Zusammenhang vorgebracht. "Durchgegendert" wird hier einfach als weiteres "Buzzword" genutzt. Es soll Emotionen wecken, keine Fakten darstellen, nichts beleuchten. Die Leute sollen einfach nur auf ein weiteres Thema wütend sein.
Und es lenkt super von einem anderen zentralen Punkt ab: "einst geachtete Armee"
Frage: Zu welchem Zeitpunkt war die Bundeswehr eine geachtete Armee? Solange er damit nicht auf die Sturmflut von 1962 anspielt fällt mir dazu nicht wirklich etwas ein. Seien wir mal ehrlich, gesellschaftlich haben wir in diesem Land keinen guten Draht zu unserer Armee. Das mag man gut oder schlecht finden, ganz unabhängig davon bleibt der Fakt das die Bundeswehr nie geachtet war.
Er kann also nur eine andere "geachtete Armee" meinen. Entweder die des Kaiserreichs oder die der NS-Zeit. In beiden Fällen bewegt er sich auf Gelände auf dem man nicht erwischt werden will. Kaiserreich kann man vielleicht noch geradeso akzeptieren, wobei es ja gerade deshalb von Nazis genutzt wird, weil das Kaiserreich quasi die "erlaubte NS-Verehrung" ist.
Also egal wie: "Unsere einst geachtete Armee..." ist so einfach nicht existent und kann nur auf eine Armee anspielen die nicht "unsere" ist.

Zitat:unser liebes (sic) Volk ist im Inneren tief gespalten und durch den Geburtenrückgang und die Masseneinwanderung erstmals in seiner Existenz bedroht

Hier das klare Bekenntnis dazu, dass Zugewanderte niemals Teil von "unserem Volk" sein können. Eine klare Ansage an die ca. 3 Millionen Menschen mit türkischer Herkunft. "Ihr gehört nicht zu uns und auch eure Kinder werden das niemals tun."
Gleichzeitig der von der Rechten immer wieder nötige Hinweis auf den "Geburtenrückgang". Oder übersetzt: "Frau zurück nach Hause und an den Herd. Kinder, Küche, Kirche."

Zitat:unser deutsches Vaterland (auflösten), wie ein Stück Seife unter einem Wasserstrahl,..., aber wir Patrioten, wir werden diesen Wasserstrahl jetzt zudrehen

Das Ding hätte genauso von Hitler und Goebbels kommen können. Da versucht er nicht einmal sich zu verstecken.

Interessant wird es im folgenden, mit der Warnung vor der eigenen Partei.

Zitat:die AfD (werde) irgendwann einmal erstarren (...) vom Glanz der Hauptstadt fasziniert werden (...) Sie werden sich ganz schnell sehr wohl fühlen bei den Freisaufen-Veranstaltungen

Damit ist klar das er mit seiner vorher erbrachten Aussage die AfD brauche 51% nicht die AfD meint. Er meint sich selbst. Nicht die Partei braucht die Mehrheit, sondern er und seine Hintermänner. Den die AfD ist nicht völkisch genug. Die AfD selbst wird ohne seine starke führende Hand genauso werden wie die "Altparteien".
Diese Aussage ist weniger wie von der Frankfurter Rundschau betrachtet eine Kritik an der eigenen Partei, sie ist vielmehr eine Vorbereitung auf Höcke als Führer.

Zitat:Ich möchte, dass ihr euch im Dienst verzehrt, ich möchte euch als neue Preußen, ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg, aber es ist der einzige Weg, der zu einem Sieg führt, und dieses Land braucht einen vollständigen Sieg der AfD

Militarisierung der Bevölkerung. Wer in diesem Zusammenhang glaubt der Hinweis auf Preußen sei kein Hinweis auf das preußische Militär dem ist nicht mehr zu helfen.

Zitat:Man wollte unsere Wurzeln roden, und mit der 1945 begonnenen Umerziehung hat man das auch fast geschafft, ..., . Bis jetzt ist unsere Geistesverfassung immer noch die eines total besiegten Volkes

Man merke hier: Eine Umerziehung hat nicht von 33 - 45 stattgefunden sondern erst danach. Nicht das NS-Regime hat versucht durch Propaganda und staatliche Kontrolle von Wissenschaft und Bildung die Menschen umzuerziehen, das kam erst danach. Den wahren deutschen Geist finden wir laut Höcke also in den Jahren vor 1945.

Und das wird hier nochmal deutlich:
Zitat:Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad

Die FR versteht diesen Satz so das Höcke damit "den lästigen Massenmord an den Juden endlich hinter sich lassen" wolle.
Ja, auch. Aber seid doch bitte aufmerksamer. Es bleibt nicht beim Vergessen und nicht drüber reden. 180° ist keine Wende um nur von etwas weg zu kommen. 180° ist eine Wende die ich durchführe um an meinen Ausgangspunkt zurück zu kommen.
Nicht vergessen wird hier gefordert sondern Verherrlichung. Höcke will eine positive Betrachtung des dritten Reichs. Selbst wenn man so freundlich sein will und die 180° nur als Sprachbild sehen will, das ja nicht wörtlich zu nehmen ist, dann bleiben die Sätze vorher bestehen und in Verbindung mit den vorherigen Sätzen kann man hier nicht mehr behaupten es ginge ihm nicht um eine positive Darstellung der NS-Zeit.

Zitat:Björn Höcke steht für einen rechtsextremen Flügel, der die existenten rassistisch-völkischen Ressentiments des Wutvolkes bedient. Ihn wählen sie nicht, weil sie ängstlich und besorgt, sondern, weil sie ihm in seinem autoritären Nationalismus zu folgen gewillt sind. Es ist fahrlässig, das zu unterschätzen.

Auch wenn ich finde das Katja Thorwarth (toller Name so viele sinnvolle hs) im Artikel selbst teilweise zu freundlich zu vorsichtig in ihrer Kritik ist, diesem Fazit kann ich mich nur anschließen.
Höcke wird nicht von "besorgten Bürgern" gewählt sondern von Feinden unserer Republik. Von Gegner der freiheitlich demokratischen Grundordnung.
Dann sind keine "Europakritiker" oder "Patrioten" oder wie immer sie sich selbst vielleicht euphemistisch bezeichnen wollen. Die Wähler von Höcke sind Nazis und da kann auch Unwissenheit nicht vor schützen.

Erschreckend ist das so jemand tatsächlich als Geschichtslehrer zugelassen wurde. Er ist glücklicherweise beurlaubt, aber spätestens nach dieser Rede muss er die Lehrerlaubnis verlieren.

Wobei er sich im thüringischen Sinne sogar vielleicht im Rahmen von Recht und Gesetz bewegen könnte.

§34 Absatz 2 (von 2015)
Zitat:Der Lehrer unterrichtet und erzieht
die ihm anvertrauten Schüler in eigener pädagogischer Verantwortung. Dabei ist er an die für ihn geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Konferenzbeschlüsse und die Anordnungen der Schulaufsicht gebunden. Er erfüllt seine Aufgabe im vertrauensvollen Zusammenwirken mit den Schülern und den Eltern. Unbeschadet seines Rechts, im Unterricht die persönliche Meinung zu äußern, ist der Lehrer zu einer ausgewogenen Darstellung des Unterrichtsgegenstandes verpflichtet. Jede einseitige Unterrichtung und Information der Schüler ist unzulässig.


Zum Vergleich was NRW dazu sagt:
§57 Absatz 4
Zitat:Lehrerinnen und Lehrer dürfen in der Schule keine politischen, religiösen,
weltanschaulichen oder ähnliche äußere Bekundungen abgeben, die geeignet sind,
die Neutralität des Landes gegenüber Schülerinnen und Schülern sowie Eltern oder
den politischen, religiösen oder weltanschaulichen Schulfrieden zu gefährden oder
zu stören. Insbesondere ist ein äußeres Verhalten unzulässig, welches bei
Schülerinnen und Schülern oder den Eltern den Eindruck hervorrufen kann, dass
eine Lehrerin oder ein Lehrer gegen die Menschenwürde, die Gleichberechtigung
nach Artikel 3 des Grundgesetzes, die Freiheitsgrundrechte oder die freiheitlichdemokratische
Grundordnung auftritt. Die Wahrnehmung des Erziehungsauftrags
nach Artikel 7 und 12 Abs. 6 der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen und
die entsprechende Darstellung christlicher und abendländischer Bildungs- und
Kulturwerte oder Traditionen widerspricht nicht dem Verhaltensgebot nach Satz 1.
Das Neutralitätsgebot des Satzes 1 gilt nicht im Religionsunterricht und in den
Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen.


Solange Höcke also im Unterricht ab und an mal noch das gendergemainstreamte linksgrüne Gutmenschen gequatsche einfließen lässt, könnte er sich auf das Schulgesetz von Thüringen berufen und behaupten es wäre alles "neutral".

Gast

Das ist ja gerade das bedenkliche an der AFD, weswegen ich sie für so gefährlich halte. Sie bedienen sich an fast der gleichen Sprache wie seinerezeit die konsorten. Dazu kann man die art und weiße, wie sie an macht gewinnen auch durchaus mit der NSDAP vergleichen...

Dieser schleichende prozess aus Opferolle und langsamen Stimmgewinn.
Eine Regierung die absolut unfähig ist.
Das hatten wir alles halt schonmalSad

Und die Schuld trägt hier hauptsächlich die Regierung, aber auch die Medien, die die Nazis immer wieder mit argumenten versorgen!
Z.b. Das Thema Genderwahn... Das ganze Thema ist ein reines ablenk Thema geworden. Anstatt sich um sinnvolle Gleichberechtigung von Menschen zu bemühen. Wird sich um Sprache und um anzahl an gendern gestritten... Letztendlich fördert man doch gerade durch so eine Aufspaltung eine trennung und macht es den betroffenen eigentlich nur noch schwerer...
Ich würde dir hier in einigen Details widersprechen wollen.

Höcke ist sogar für die AfD ein Extrembeispiel. Eine Höckerede zu nehmen, darauf zu zeigen und dann "Die AfD" zu sagen ist ungefähr so sinnvoll wie auf Antideutsche zu zeigen und sie als "die Antifa" zu bezeichnen oder auf extremistische Feministinnen und sie als "die Feministinen" zu bezeichnen.

Wenn man in politischen Diskussionen immer nur auf Extrempositionen der "Gegenseite" zeigt, dann schwächt man damit eher seine Position als das man sie stärkt.
Höcke ist gefährlich und auch die AfD ist gefährlich. Aber die AfD ist nicht gefährlich weil Höcke gefährlich ist.
Das sind zwei verschiedene Dinge, Höckes Extremismus auf die ganze AfD zu übertragen ist eigentlich nur argumentative Faulheit.

Anders gesagt:
Jeder Höckewähler ist ein AfD-Wähler, aber nicht jeder AfD-Wähler ist ein Höckewähler.

Sollte die AfD es nun nicht hinkriegen ihn entweder zur Räson zu bringen oder ihn direkt aus der Partei zu schmeißen, dann darf man diese Rede auch durchaus auf die gesamte AfD übertragen. Es bleibt aber zu bedenken, dass die AfD wie jede andere Partei auch unterschiedliche Flügel mit unterschiedlichen Ansichten hat. Nicht das ich irgendeinen dieser Flügel irgendwie toll fände, aber neben Höcke wirkt sogar ein Rabe wie ein Paradiesvogel, um die Flügelmetapher mal auszubreiten.

Höcke braucht es nicht um die AfD zu kritisieren. Die bauen genug scheiße ohne ihn.
Skafdir;17432 schrieb:Eigentlich würde ich dich ja für deine geradezu absurde Bewunderung für einen flächendeckenden Bombenangriff kritisieren wollen. Selbst wenn man die Aktion nicht als Kriegsverbrechen, sondern als Notwendigkeit begreift, wirkt die Verehrung von "Kriegshelden" doch immer bedenklich.
Aber: Bei dem was Höcke da von sich gegeben hat ist der Spruch geradezu harmlos.

Ich hab eigentlich gehofft, dass sich jemand beschwert Hmm

Skafdir;17435 schrieb:Höcke ist sogar für die AfD ein Extrembeispiel. Eine Höckerede zu nehmen, darauf zu zeigen und dann "Die AfD" zu sagen [...]

Pretzell schrieb:Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht Aufgabe der AfD ist

Es ist nicht die Aufgabe der AfD, aber ansonsten hat er nichts dagegen.

Pretzell schrieb:realistische Veränderungen in unserem Land. Eben jene Veränderungen werden unmöglich gemacht, solange einzelne von uns mit diesen 12 Jahren ständig Walzer tanzen

Die Revision ist nicht realistisch, weshalb man dies (derzeit?) unterlassen sollte.

Wegen Ausgewogenheit aber auch

Pretzell schrieb:Ich habe die Rede gehört. Für diesen Schwachsinn stehe ich nicht bereit. Damit habe ich nichts am Hut!

Skafdir;17435 schrieb:ist ungefähr so sinnvoll wie auf Antideutsche zu zeigen und sie als "die Antifa" zu bezeichnen

Du hast dir vermutlich noch nicht die antiimperialistischen Teile der Antifa angeschaut. Aber vermutlich ist es auch eher der Begriff "antideutsch", der dich so dermaßen anwidert. Den Staatsfetisch konnte die deutsche Linke eben noch nie ablegen. Man wundert sich dann nur über die häufige Kritik an der SPD. Die hat doch kapiert, was so schlimm an Höcke ist und sich den Staatsfetisch bereits vor 100 Jahren mit der Unterstützung der Kriegskredite fürs Vaterland vollkommen angeeignet.

Sigmar Gabriel schrieb:Höcke verachtet Deutschland

Und so lange die Lösung in einer nationalen gesucht wird (auch in einer von Deutschland dominierten EU), halte ich die Lösungen für falsch und werde sie ablehnen. Man erinnere sich dabei mal an die ersten Reaktionen nach der Trump-Wahl, in denen bereits von >eigenen nuklearen Abschreckungsfähigkeiten< (FAZ) geträumt wurde.

Thomas Mann, 1941 schrieb:Deutsche Macht ist unmöglich und verabscheuungswürdig.

Mit der Verabscheuungswürdigkeit hatte er zumindest recht.
Ich hatte heute großen Respekt vor der Regierung aufgrund der medizinischen Legalisierung von Cannabis. Es gab keine Enthaltungen und Gegenstimmen. Es waren alle Parteien geschlossen dafür. Hab das im Livestream gesehen und konnte es kaum glauben.
Zitat:Ich hab eigentlich gehofft, dass sich jemand beschwert

Sorry, da musst du das nochmal bei einem Thema machen das nicht so absolut eindeutig gegen alles geht was irgendwie gut und richtig ist. Höcke hat sich hier als so eindeutiges Ziel geoutet, welchen Witz soll man da nicht machen dürfen?
Dafür rante ich im folgenden etwas über die Antideutschen, ist das als Friedensangebot ausreichend?

Zitat:Du hast dir vermutlich noch nicht die antiimperialistischen Teile der Antifa angeschaut.

Habe ich tatsächlich noch nicht. Bin aber gerne bereit zu hören was es mit denen auf sich hat.

Zitat:Aber vermutlich ist es auch eher der Begriff "antideutsch", der dich so dermaßen anwidert.

Nichtmal, was mich an denen besonders aufregt ist die eigene Inkonsistenz.
Sich auf der einen Seite gegen Nationalstaaten aussprechen, aber auf der anderen Seite Israel eine "bedingungslose Solidarität" aussprechen ist einfach in sich widersprüchlich. Abgesehen davon, dass man immer Angst kriegen sollte wenn irgendjemand von "bedingungsloser Solidarität" spricht, in egal welchem Zusammenhang.
Insgesamt neigen die Antideutschen viel zu schnell dazu "Antisemitismus" zu schreien. Sie nutzen das Wort so sehr ab, dass man mittlerweile nicht mehr zuhört wenn sie es brüllen. Was ein echtes Problem ist, es könnte ja vorkommen das sie irgendwann mal tatsächlichen Antisemitismus erkennen und dann hört niemand zu, weil der Junge zu oft "Wolf" gerufen hat.

Hinzu ist ihre Weltsicht zu simpel.
Gut ist wer für Israel ist. Böse ist wer gegen Israel ist.
Das scheint für den größten Teil der Antideutschen die einzige Trennlinie zu sein.
Dadurch entsteht der nächste Widerspruch in sich:
Ein angebliches Nein zum Kapitalismus und gleichzeitig eine Verehrung der USA, weil es ja die Schutzmacht Israels ist.

Kurzum die Antideutschen denken nur in extremen. Es scheint ihn ihren Augen nicht möglich zu sein folgende Gedanken zu haben:
"Das die USA die Funktion einer Schutzmacht für Israel übernehmen ist durchaus positiv zu bewerten, dass sollte ihnen aber keinen Freifahrschein für menschenverachtende Politik geben."
"Israel hat ein Recht auf Verteidigung, aber das heißt nicht das jedesmal wenn ein israelischer Soldat irgendjemanden erschießt er automatisch im Recht war."

Ich habe kein Problem damit das sie sich "antideutsch" nennen. Ich halte den Namen für ziemlich lächerlich, aber meine Güte jeder darf sich selbst zum Affen machen wie er will.
Wenn man aber von sich behauptet eine grundlegende ideologische Kritik ausüben zu wollen, dann sollte man wenigstens in sich Konsistent sein.

Zumal eine Fundamentalkritik vorbei an der Realität niemandem weiterhilft.
Ja, Nationalstaaten sind keine tolle Idee. Aber sie sind dummerweise gesellschaftliche Realität, die kann man nicht abschaffen indem man sich hinstellt und "Nie wieder Deutschland" ruft.
Eine realistische Methode Nationalstaaten auf längere Sicht hin abzuschaffen ist hingegen ein Staatenbund. Wenn innerhalb eines Staatenbundes die gemeinsamen Interessen irgendwann stärker wiegen als die Partikularinteressen, dann ist es auch denkbar das dieses Konstrukt von Nationalstaaten sich irgendwann erledigt. Aber das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, auf die kann man hinarbeiten, sie zu erzwingen wird aber in den meisten Fällen eher den gegenteiligen Effekt haben.

Nicht jeder der von der Idee der Nationalstaaten überzeugt ist, ist ein schlechter Mensch. Es besteht auch einfach die Möglichkeit das es ein Mensch ist der, wie so viele Menschen, davon überzeugt ist das die Welt halt schon immer so war wie sie ist. Der also ganz ehrlich einfach davon überzeugt ist, Nationalstaaten seien etwas "natürliches". Das es einfach normal sei das es "Deutsche" und "Franzosen" gibt. Dem gar nicht klar ist, dass auch "Nationen" im Endeffekt ein gesellschaftliches Konstrukt sind, das wie alle gesellschaftlichen Ideen einem beständigen Wandel ausgesetzt ist.

Aber genau da liegt schon wieder das Problem der Antideutschen. Sie argumentieren im Prinzip ganz genauso. Sie sehen eine richtige Version der Geschichte und diese eine richtige Version muss umgesetzt werden.
Tiefgründige Analyse von gesellschaftlichen Strukturen? Fehlanzeige.
Skafdir;17439 schrieb:Nichtmal, was mich an denen besonders aufregt ist die eigene Inkonsistenz.
Sich auf der einen Seite gegen Nationalstaaten aussprechen, aber auf der anderen Seite Israel eine "bedingungslose Solidarität" aussprechen ist einfach in sich widersprüchlich. Abgesehen davon, dass man immer Angst kriegen sollte wenn irgendjemand von "bedingungsloser Solidarität" spricht, in egal welchem Zusammenhang.

Man kann eine allgemeine Kritik üben und Nationalstaaten ablehnen und dabei trotzdem die Unterschiede verschiedener Staaten sehen und - wie du es ja richtig anmerkst - daraus resultierend auch diese Staaten unterschiedlich bewerten. Das was du also hier als "Inkonsistenz" bezeichnest, ist einfach die Unterscheidung zwischen eienr allgemeinen Kritik und einer speziellen Kritik.

Skafdir;17439 schrieb:Insgesamt neigen die Antideutschen viel zu schnell dazu "Antisemitismus" zu schreien. Sie nutzen das Wort so sehr ab, dass man mittlerweile nicht mehr zuhört wenn sie es brüllen. Was ein echtes Problem ist, es könnte ja vorkommen das sie irgendwann mal tatsächlichen Antisemitismus erkennen und dann hört niemand zu, weil der Junge zu oft "Wolf" gerufen hat.

Das sehe ich anders.

Skafdir;17439 schrieb:Hinzu ist ihre Weltsicht zu simpel.
Gut ist wer für Israel ist. Böse ist wer gegen Israel ist.

Das ist eher dein simples Weltbild über Antideutsche. Nicht jeder der für Israel ist, ist auch direkt gut.

Skafdir;17439 schrieb:Ein angebliches Nein zum Kapitalismus und gleichzeitig eine Verehrung der USA, weil es ja die Schutzmacht Israels ist.

Ich weiß wirklich nicht, was du so hörst. Aber mir sind keine USA-Verehrer bekannt. Des Weiteren sehe ich den Widerspruch nicht.

Skafdir;17439 schrieb:"Das die USA die Funktion einer Schutzmacht für Israel übernehmen ist durchaus positiv zu bewerten, dass sollte ihnen aber keinen Freifahrschein für menschenverachtende Politik geben."

Welcher Freifahrtschein für menschenverachtende Politik? Gerade aus den Linken Strömungen waren es die Antideutschen, welche die Syrien-Politik der USA - und ich halte das ignorieren der Bombardierungen Putins für menschenverachtend - kritisierten. Die restlichen Linken waren damit beschäftigt Däumchen zu drehen oder direkt Putin zu verehren. Und hier ist verehren wirklich der richtige Begriff.

Skafdir;17439 schrieb:"Israel hat ein Recht auf Verteidigung, aber das heißt nicht das jedesmal wenn ein israelischer Soldat irgendjemanden erschießt er automatisch im Recht war."

Das behauptet glaube ich auch niemand. Es wird meist nur der Unterschied klar gemacht: In Israel werden Soldaten, welche jemanden erschießen vor Gericht gestellt (und sogar verurteilt, erst vor wenigen Wochen). In Gaza-Stadt werden Partys gefeiert, vermutlich im 5-Sternehotel.

Skafdir;17439 schrieb:Ich habe kein Problem damit das sie sich "antideutsch" nennen. Ich halte den Namen für ziemlich lächerlich, aber meine Güte jeder darf sich selbst zum Affen machen wie er will.

Der Begriff war, soweit mir bekannt, ursprünglich eine fremdbezeichnung. Dass man sich diesen Begriff dann zu eigen gemacht hat, sollte wohl eher zeigen, dass es einem egal ist.

Skafdir;17439 schrieb:Wenn man aber von sich behauptet eine grundlegende ideologische Kritik ausüben zu wollen, dann sollte man wenigstens in sich Konsistent sein.

Die Inkonsistenz könntest du ja mal an konkreten Beispielen darlegen.

Skafdir;17439 schrieb:Aber genau da liegt schon wieder das Problem der Antideutschen. Sie argumentieren im Prinzip ganz genauso. Sie sehen eine richtige Version der Geschichte und diese eine richtige Version muss umgesetzt werden.
Tiefgründige Analyse von gesellschaftlichen Strukturen? Fehlanzeige.

? Welche "richtige Version der Geschichte" meinst du denn, welche die Antideutschen umsetzen wollen? Die gibt es einfach nicht. Es geht um eine Kritik der gesellschaftliche Verhältnisse und die Entwicklung zu einer Gesellschaft, welche >nicht hinter die fortgeschrittenste Kultur zurückfällt<, insbesondere geht es darum, dass >Auschwitz nicht noch einmal sei<.

Gast

DeeperSight;17437 schrieb:Ich hatte heute großen Respekt vor der Regierung aufgrund der medizinischen Legalisierung von Cannabis. Es gab keine Enthaltungen und Gegenstimmen. Es waren alle Parteien geschlossen dafür. Hab das im Livestream gesehen und konnte es kaum glauben.

Die Deutsche Regierung? Naja... Wäre wahrscheinlich ein versuch, wählerstimmen zurück zu gewinnen^^
Denn vorher hat die CDU es ja immer kategorisch abgelehnt..
DeeperSight;17437 schrieb:Ich hatte heute großen Respekt vor der Regierung aufgrund der medizinischen Legalisierung von Cannabis. Es gab keine Enthaltungen und Gegenstimmen. Es waren alle Parteien geschlossen dafür. Hab das im Livestream gesehen und konnte es kaum glauben.
Es ist übertrieben die Parteien dafür zu feiern, dass wir so langsam das Mittelalter der Drogenpolitik verlassen.
Zitat:in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist.

Übermedien hat mal gezeigt in wessen Tradition Höcke mit seinen Aussagen steht.

Edit: Erinnern kann man auch mal an die Walser-Rede.
menag;17461 schrieb:Edit: Erinnern kann man auch mal an die Walser-Rede.
Ach. An welche denn?
Verstehe grad nicht was du willst. Deine Unwissenheit zur Schau stellen oder... Keine Ahnung. Mir fällt wirklich nichts ein.